Skateranlage wird wegen überragendem Erfolg geschlossen

In Aachen gibt es jetzt den paradox anmutenden Fall, dass eine Einrichtung wegen überragendem Erfolg . . . geschlossen werden muss. Von der Skateranlage Moltkepark ist hier die Rede. Sie wurde im Laufe der Jahre rundum gut ausgebaut, so dass immer mehr Skater kamen, sogar welche aus dem Ausland. Die Anwohner halten aber den Krach nicht mehr aus. Ende Oktober 2019 ist Schluss.

2014 ging es los. Aus einer alten, verrotteten Rollschuhbahn hatten irgendwann Leute angefangen, in Eigenregie eine Skaterbahn aufzubauen. Im August 2015 soll es von den Aktivitäten die ersten Videos auf  YouTube gegeben haben.

Die Stadtverwaltung erfuhr von der Sache, hatte aber weder Geld noch Personal zur Planung einer Anlage und ließ die Skater gewähren. Eine Funbox und zwei Funramps entstanden. Irgendwie war ein ausgebildeter Steinmetz als Skater dabei, die Anlage wurde richtig professionell gebaut.

Die Stadtverwaltung zeigte sich fortan vom großem Engagement und Fachwissen beeindruckt und verbot nichts. Es gab sogar für Bauabsperrungen 1000 Euro aus dem Jugendfonds, freundlicherweise. Die Skater sprachen mit den Anwohnern, und auch die sollen damals vom Engagement beeindruckt gewesen sein.

„Es wurde von einer Nutzungsdichte ähnlich der vorhandener Anlagen ausgegangen“, so schreibt die Verwaltung in einer Stellungnahme zu dem Thema. Was passierte aber? – Es gab einen Riesenzulauf.

Es wurde ein (von der Stadt bezahlter) Sicherheitszaun aufgestellt, die Skater fragten nicht nach Geld/Fördermitteln für ihren Sport. Sie hatten den Verein „Erster Aachener Skateboard Club“ e. V. gegründet (derzeit 75 Mitglieder) und sich einen Vorstand gewählt, wie das bei Vereinen üblich ist.

Die Verwaltung kontaktierte den Vorstand im April 2018 wegen Mängeln außerhalb der Anlage. „Die Mängel wurden sofort beseitigt und Gesprächsbereitschaft signalisiert“, so steht es in der Vorlage für die Politiker*innen. Die Anlage war inzwischen weiter ausgebaut worden und sollte noch immer perfekter werden, so war es geplant.

Es kamen immer mehr Skater, auch von außerhalb. Der Verein wurde Mitglied im Landessportbund NRW, die Mitglieder sind über diesen versichert. Zehn Mitglieder haben den Übungsleiter C- Schein absolviert, man kooperierte mit Schulen, für die OGS Lousberg gab es einen wöchentlichen Skaterkurs usw.

2016, 2017 und 2018 wurden Skater-Festivals veranstaltet, gefördert von einem NRW-Ministerium und der Städteregion. Der Bekanntheitsgrad stieg. Der Club ist mMn ein Beispiel dafür, was sich entwickeln kann, wenn man darauf verzichtet, etwas Neues zu verbieten.

Noch hatte es keine Anwohner-Beschwerden gegeben, doch der Verein wollte vorsorglich eine Schutzmauer in Richtung Wohngebäude errichten dürfen. Dafür wurde bei der Stadtverwaltung um finanzielle Unterstützung nachgefragt.

Ich mache es kurz: Die Anlage wurde immer nur toleriert, es gab keine offizielle Baugenehmigung, und den Anwohnern wurde es zu laut. Eine Lärmschutzwand darf an dieser Stelle gar nicht genehmigt werden, meinte die Verwaltung. Die zeigt übrigens großen Respekt vor dem sozialen, finanziellen und sportlichen Engagement und vor dem Sachverstand des Vereins, ist aber an Vorschriften gebunden.

Am 23. Januar 2019 wurde verabredet, dass im Moltke-Park bis Ende Oktober nur noch an zwei Tagen (Mittwoch und Samstag) Skater aktiv sein dürfen und das nur noch bis Ende Oktober. Dann wird die Anlage abgebaut.

„Der Verein ist landesweit anerkannt und zeigt sich trotz der Problematik ungebrochen“ (aus der Vorlage der Stadtverwaltung).

Jetzt wird eine Ersatzfläche gesucht. Das Bürgerforum* muss und wird sich mit der Angelegenheit befassen. Zwei Flächen wurden schon ins Auge gefasst:
1. Der Bolzplatz an der Robert Schumann-Straße neben dem Sportplatz.
2. Eisenbahnweg/Ecke Madrider Ring (entlang des Vennbahnweges)

Diese beiden Flächen liegen abseits von Wohnbebauung.

https://www.facebook.com/pg/aachenerskateboardclub/posts/

Lokale Presse schreibt: hier

***

*Offenlage: Ich bin Mitglied des Bürgerforums, ich skate nicht und habe das hier aufgeschrieben, wie es mir zugetragen wurde und wie ich es im Internet recherchieren konnte. Bisher habe ich mit Vereinsmitgliedern noch nicht persönlich gesprochen.

Über AachenNews.org

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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