Pkw-Fahrern wird ein Stückchen vom Straßenraum weggenommen

Aachens Osten hat neue Fahrradstreifen. Und ich finde: Besser als nichts. Hier gehört der Platz zwischen der Häuserzeile rechts und der Häuserzeile links nicht mehr zu 90% den Autofahrern, sondern nur noch zu 75%. Wobei teilweise sogar die Fußgänger mehr Platz (5%) bekommen haben.

Nein, sicher fährt es sich dort immer noch nicht, aber schon deutlich weniger unsicher als zuvor. Auf den neuen Fahrrad-Schutzstreifen geht es an langen Autokolonnen vorbei, die Joseph-von-Görres Straße hoch, wo sich oben rechts (am Hohenzollernplatz) das große, seit Jahren unbebaute Grundstück eines Aachener Grundstücksspekulanten befindet.

Diese Straße bin ich sonst immer auf dem Bürgersteig hochgefahren, ich wollte mir Nahtod-Erlebnisse ersparen. Es war da zwar sehr eng zwischen den Autos und den Hauswänden, aber Straße war einfach lebensgefährlich.

Und was ist? Kaum bekommen wir RadfahrerInnen mal ein Stück vom Straßenraum abgetrennt, jault das Autofahrerpackvolk auf. „Wir stehen im Stau!“, ja klar, steht ihr sowieso in Aachen jedes Jahr netto gerechnet mehrere Tage eures Lebens. Autofahrer dürfen übrigens sogar auf den Radfahrer-Streifen drauf, wenn es andernfalls gefährlich wird. RadfahrerInnen dürfen rechts vorbei. Aber langsam.

An einigen Stellen darf man in der Joseph-von-Görres-Straße nur noch halb auf dem Bürgersteig parken. Also haben auch die FußgängerInnen gewonnen. Das ist wichtig: Es sind nicht immer nur die Menschen auf den Rädern, denen endlich ein Stückchen vom öffentlichen Raum überlassen wird.

29 Kilometer Schutzstreifen gab es in Aachen, dazu sind im Nordosten der Stadt nun 3,1 Kilometer hinzugekommen, so teilte die zuständige Behörde mit. Und diese Streifen gibt es jetzt auch auf der Sedanstraße, der Stolberger Straße und auf dem Adalbertsteinweg (dort nur von der Einmündung Bismarckstraße bis zur Josefkirche). Straßen, auf denen ich überhaupt jetzt erstmals entlang radele. Zuvor: Angst vor Autos, Bussen, SUVs und Lastautos.

Hier soll nicht verschwiegen werden, dass Leute, die sich mit dem Fahrradfahren viel intensiver beschäftigt haben als ich, die Schutzstreifen „Scherzstreifen“ nennen und kein bisschen zufrieden sind. Sie sehen überhaupt keine Verbesserung für Radler. Von der Einstellung „Besser-als-nichts“ halten sie gar nichts.

So oder so: Alle freuen sich derzeit über die wunderbare Aktion „Ein Herz für SUVs“. Seht euch das passende Video dazu an. Und: Auf die SUVs Aufkleber mit der Aufschrift „Ein Herz für SUVs“ zu pappen, das ist jetzt ja keine gute Idee.

Achtung. Der Besitz eines dicken, schweren Autos kompensiert ein Defizit im Selbstwertgefühl. Die Frage ist: welches? Weiß man da schon Näheres?

Harscampstraße für Pkw zu

In der Harscampstraße zwischen Lothringerstraße und Schildplatz im Suermondtviertel werden am Sonntag, 15. September, von 10 bis 14 Uhr spezielle Piktogramme mit Kreide auf die Fahrbahn gesprüht. In dieser Zeit kann die Harscampstraße auf diesem kurzen Stück von Pkw nicht befahren werden. In der Harscampstraße stehen Sperrgitter, ebenso in den Zufahrten der Lothringer- und der Gottfriedstraße sowie am Schildstraßenplatz auf der Seite von Schützen- und Schildstraße. Autofahrerinnen und Autofahrer müssen ihr Ziel über andere Straßen ansteuern. 

So könnte die Ecke mal aussehen. Schön, ne? Blick in die Harscampstraße, rechts geht es in die Schildstraße rein.

Die Markierungsaktion ist der Auftakt zum einwöchigen Modellversuch „Fair zusammen in der Harscampstraße“ vom 16. bis 22. September im Rahmen der Europäischen Woche der Mobilität 2019 in Aachen. Im Umfeld von Harscamp-, Lothringer- und Schildstraße verlaufen in Zukunft der Premiumfußweg zum Frankenberger Park und die Radvorrangroute von Eilendorf und Brand in die Innenstadt. 

Eure Meinung ist gefragt

Die Stadt möchte von Anwohnern und Nutzern wissen, wie sie sich die künftige Straßengestaltung in der Harscampstraße vorstellen. Besucht den Informationsstand am 16., 18. und 20. September in der Harscampstraße. Der Infostand ist am Montag, Mittwoch und Freitag jeweils von 12 bis 17 Uhr besetzt.

Hier ist eure Meinung gefragt. Ich fand Modell D am besten.

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