Stadt distanziert sich von Preisträger und stellt für Preisverleihung keinen Raum zur Verfügung

Das Ludwig Forum an der Jülicher Straße. Dort wird seit Jahren regelmäßig ein Kunstpreis verliehen. 2019 allerdings nicht.

„Kunstpreis Aachen obdachlos“, so überschreibt der ehemalige Leiter des Ludwig Forums, Professor Dr. Wolfgang Becker einen Text, der heute zugeschickt wurde. Was ist passiert?

Der Verein der Freunde des Ludwig Forums verleiht alle zwei Jahre einen Kunstpreis, den soll in diesem Jahr der im Libanon geborene Künstler Walid Raad bekommen. Und der steht nach Einschätzung unter anderem des Aachener Oberbürgermeisters im Verdacht, Teil der BDS-Bewegung zu sein. BDS bedeutet „Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen“ und richtet sich gegen Israel. (Der Deutsche Bundestag zu BDS)

Die BDS-Bewegung ruft seit fünf Jahren dazu auf, Waren, Dienstleistungen, Künstler, Wissenschaftler und Sportler aus Israel zu boykottieren. Da denkt einjeder sofort an Sprüche wie „Kauft nicht bei Juden“, in Deutschland eine Aufforderung, der später Grausamkeiten und Verbrechen folgten, wie sie die Menschheit zuvor und danach nicht gesehen hat.

Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU) hat jetzt die Unterstützung der Stadt für die Verleihung des Preises gekündigt, und der Verein darf auch für die Verleihung kein städtisches Gebäude nutzen. Der Verein besteht nach einer turbulenten Vorstands-Versammlung darauf, dem Künstler Walid Raad den Preis (am 13. Oktober) trotzdem zu verleihen.

Wer an einer ausführlicheren Darstellung interessiert ist, lese die Berichte von Peter Pappert in der örtlichen Presse, u. a. hier: https://www.aachener-nachrichten.de/kultur/hat-walid-raad-verbindungen-zur-israelkritischen-bewegung-bds_aid-46196797 Es haben noch weitere, überregionale Zeitungen über die Vorgänge in Aachen berichtet. Alles findet ihr via Google.

Hier der Text von Wolfgang Becker:

K U N S T P R E I S   A A C H E N   O B D A C H L O S 

1971 gründete sich mit Unterstützung des Kulturdezernenten Fries der VEREIN DER FREUNDE DER NEUEN GALERIE. Ihr Vorstand, angeführt von dem Rektor der RWTH Schwerte und etlichen Professoren stellte sich, einem Schutzschild gleich, vor ein großes Bild  des Künstlers Wolf Vostell im Ballsaal des Alten Kurhauses, das wagte, einen lesbischen Liebesakt neben einem Foto der russischen Panzer in Prag 1968 zu zeigen. 

Der Verein hat seitdem die Arbeit der Neuen Galerie mitgetragen, hat die Kindergalerie gegründet und betreut, hat Veranstaltungen und Ankäufe von Filmen und Videobändern finanziert, hat dem Leiter ein Handgeld garantiert, das ihm gestattete, Sonderausgaben zu finanzieren, hat Besichtigungen, Führungen, Reisen organisiert – und einen Kunstpreis gestiftet, der geholfen hat, Aachen auf die Landkarte der international beachteten Kunststädte zu setzen. Die Stadt und die Aachener Wirtschaft haben diesen Preis mitgetragen, aber dem Verein gern die Federführung überlassen.

Alle Dezernenten haben seitdem den Schutz und die Hilfe des Vereins für das junge, experimentelle Institut geschätzt, und in den Jahren des Übergangs von der Neuen Galerie zum Ludwig Forum hat die jüngst verstorbene Hildegard Reitz die Geschicke des Hauses, die Verhandlungen zwischen der Stadt, dem Sammlerehepaar Ludwig, dem Verein und seinen konkurrierenden Sammlern mit geschickter Hand geleitet. Und nun?

Niemand hätte daran gedacht, die Preisträger Luciano Fabro, Christian Boltanski oder Igor Kabakov nach ihrer politischen Ausrichtung zu fragen. Der Oberbürgermeister heute wundert sich, von Walid Raad, dem libanesischen Kunstpreisträger dieses Jahres, eine verwirrende Antwort auf diese Frage zu erhalten. Und er zieht darauf, bewaffnet mit einem Verdacht, die Beteiligung der Stadt an dem Kunstpreis zurück. Der Verein wird den Kunstpreis, dennoch vergeben. Er belohnt nicht eine politische Haltung, sondern ein künstlerisches Oeuvre. Der Termin steht bevor. 

Und nun? Die Stadt verweigert dem Verein die Vergabe des Kunstpreises in dem städtischen Gebäude Ludwig Forum! Er bietet es dem Verein, der seit einem halben Jahrhundert die städtische Institution unterstützt, nicht einmal gegen eine Mietzahlung an, er zwingt ihn, den Preis in einem nicht städtischen Gebäude zu vergeben. Der Norweger Johan Holten, Direktor der Mannheimer Kunsthalle, Wortführer der Jury des Kunstpreises, wird seine Preisrede dort halten. Die Kulturdezernentin hüllt sich in Schweigen. Die Kulturstadt Aachen schläft im Bewusstsein, der Politik gedient zu haben. Mir stehen die Haare zu Berge.

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