Straßennamen unter der Lupe

Hier schon mal ein Ausblick auf die Zeit nach der Sommerpause, denn auch da wird – hoffentlich – das Bürgerforum zusammenkommen und die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger behandeln. Folgende Themen stehen an:

1. Renaturierung des Hangeweiher Gebietes.

2. Bauliche Maßnahmen für den innerstädtischen, nicht motorisierten Individualverkehr.

3. Unterbindung der Schleichverkehre auf dem Templergraben im Bereich des Hauptgebäudes der Hochschule.

4. Benennung von Straßen und Plätzen nach Personen.

Alle vier Themen sind für die kommenden Sitzungen des Bürgerforums am 1. September und/oder am 17. November 2020 vorgesehen. Auf alle Punkte bereiten sich die Piraten im Rat der Stadt vor, insbesondere ich selbst, da ich Mitglied des Bürgerforums bin.

Und weil es auch um die Benennung von Straßen und Plätzen nach Personen (Punkt 4) geht, wurden ausgewählte Straßen und Skulpturen/Plastiken Aachens von Felix Kehren einmal auf ihre Namen hin angeschaut. Die Ergebnisse seiner Recherche sind möglicherweise unvollständig, aber jede/r kann sie nachvollziehen.

Straßennamen

Anton-Kurze-Allee: https://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Kurze Oberstadtdirektor Aachens, geb. 1910, arbeitete von März 1942 bis November 1944 als Regierungsrat in der Abteilung III Wi – 6 (Preisbildung und -überwachung) des Reichsministeriums für die besetzten Ostgebiete und von Juni 1944 bis Dezember 1944 als Regierungsrat im Reichswirtschaftsministerium, fällt in die Kategorie V durch den Entnazifizierungsausschuss Hagen.

Hubert-Wienen-Straßehttps://de.wikipedia.org/wiki/Aachen-Laurensberger_Rennverein Mitbegründer des Aachen-Laurensberger Rennvereins. Trat als ALRV-Vorsitzender der NSDAP bei, was innerhalb des Vereins zu zahlreichen Austritten verdienter Mitglieder wie beispielsweise Richard Talbot führte und lud hochrangige Nazis (z. B. Hermann Göring) zum Turnier ein.

Johannes-von-den-Driesch Weg: https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_von_den_Driesch Über ihn ist uns wenig bekannt. Er unterschrieb das „Bekenntnis der deutschen Professoren zu Adolf Hitler“.

Josef-PontenStraßehttps://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Ponten  Er war Schriftsteller, Kunsthistoriker und Geograph. War ein Freund von Thomas Mann, der ihm aber die Freundschaft kündigte, weil Ponten ein Fan Hitlers war.

Karl-Friedrich-Straße https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Friedrich Wir wissen nicht, welcher Karl Friedrich hier gemeint ist. Viele Einträge auf Wikipedia handeln aber von NSDAP-Politikern oder Generälen. Hier würde eine Einordnung durch ein kleines Schild unter dem Straßennamen eine Verwechslung unmöglich machen.

Prinz-Eugen-Straße: (Prinz Eugen war AUCH das 2. größte Kriegsschiff im 2. Weltkrieg . . . )

Von-Broich-Straße: (Friedrich von Broich war deutscher 2. WK Nazi Offizier, gemeint ist aber wahrscheinlich Werner von Broich.)

Auch Kaiser Friedrich Wilhelm wird in Aachen mit einem Straßennamen geehrt. Seine Kolonialproblematiken sind uns noch nicht so gut bekannt, als dass wir uns da eine Einordnung erlauben würden.

Skulpturen, Plastiken, etc. 

Das Ehrenmal im Marienturm (Matthias Corr): Matthias Corr war Schüler von Richard Müller, der wiederum ein sehr beliebter und bekannter Künstler des 3. Reiches war. 1933 war dieser bereits Mitglied der NSDAP und von Hitler aufgenommen in die Liste der Gottbegadneten. Inwiefern sich das auf Corrs politische Einstellung übertragen lässt, konnten wir aktuell nicht herausfinden, aber den Schüler eines Vorzeige-Nazis ein Kriegsdenkmal für die Gefallenen des 2. Weltkriegs erstellen lassen, das hat einen faden Beigeschmack.

Hühnerdieb (Hermann Joachim Pagels): Lieblingsmotiv von Pagels waren Hitler-Büsten, außerdem Keitel und Rundstedt. Größte Werke sind Büsten von Heß, Göbbels und Mussolini. Hier nachzulesen.

Badende Frauen (Fritz Klimsch): Wurde von den Nazis verehrt, seine Mitgliedschaft in der NSDAP ist aber bis heute umstritten. Im Jahr 1944, in der Endphase des Zweiten Weltkriegs, nannte ihn Hitler auf der Sonderliste der Gottbegnadetenlisten unter den 12 wichtigsten bildenden Künstlern des NS-Regimes. Trotz der Bewunderung durch die Nationalsozialisten, ist keine Mitgliedschaft Klimsch in der NSDAP nachgewiesen. Er wurde aber als NS-Belasteter von der 1955 neugegründeten Akademie der Künste ausgeschlossen.

Bismarckturm: Warum ehren wir eigentlich einen antisemitischen Opportunisten? Er war zwar mehr oder weniger gegen den Kolonialismus, hatte dann als die Wahlen anstanden auch nicht mehr wirklich so viel dagegen . . .  https://www.zeit.de/zeit-geschichte/2014/04/otto-von-bismarck-juden

Kaiser-Friedrich-Denkmal: Friedrich ist auch als 99-Tage-Kaiser bekannt. Sein Sohn, der das Denkmal für ihn errichten ließ, war ein Antisemit allererster Güte und hat den 1. Weltkrieg und den Kolonialismus richtig befeuert. Das ist vielleicht auch nicht gerade ein guter Grund, um jemand Denkmale aufstellen zu lassen.

Nachlesen und selbst recherchieren

Geht man nach den Ehrungen, so haben in der Geschichte Aachens übrigens die Frauen nur absolute Nebenrollen gespielt. Sie kommen bis auf ganz wenige gar nicht vor. Hier die Liste der Denkmäler, Brunnen und Skulpturen von Aachen.

Es ist nicht von existentieller Bedeutung, aber wie die Namen der Straßen lauten, in denen wir wohnen, da sollten wir gelegentlich mal drüber nachdenken. Hier: Hasencleverstraße.

Mit Dank an Felix.

Über AachenNews.org

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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