Rassismus in Aachen? Ja, gibt es.

Eine Wahl – wie die vom 13. September diesen Jahres – ist eine gute Gelegenheit, sich mal ein paar Gedanken zu Rechtsradikalismus und Rassismus zu machen. 

Der Aachener und die Aachenerin halten sich gewöhnlich für besonders weltoffen und kein bisschen rassistisch. Schließlich gebe es hier seit ewigen Zeiten die RWTH mit ihren vielen ausländischen Dozenten und Studenten, durch die Grenzlage sei man zusätzlich an Kontakte zu Ausländern gewöhnt, und schließlich lade man sich einmal im Jahr die halbe Welt zu einem internationalen Reitturnier ein.

Es konnten in Aachen 2015 und 2016 viele Menschen gewonnen werden um Flüchtlingen zu helfen. Und als beispielsweise einmal einer Einrichtung, die Flüchtlinge unterstützt, die Mittel massiv gekürzt werden sollten, oder als ein junger Mann mit Migrationshintergund plötzlich ausgewiesen werden sollte, da fanden sich in Aachen immer und sofort viele hunderte Menschen zu Protesten zusammen. Ein „runder Tisch gegen Rechtsextremismus“ findet unter der Leitung des Oberbürgermeisters statt.

Es ließen sich wirklich noch viele Beispiele anführen, an denen sich die besondere Sensibilität und Hilfsbereitschaft der Aachener*innen zeigt. Nicht zuletzt das vom Rat der Stadt getragene Programm der Aachener Volkshochschule zeigt von vorne bis hinten den Willen, Integration zu bewirken und Ausgrenzung entgegen zu arbeiten bzw. nicht zuzulassen.

 Feindliche Einstellungen gegenüber Minderheiten existieren gleichwohl: als 1. offener Rechtsradikalismus und als 2. (nicht unbedingt absichtsvoller) Rassismus. Wie hätte es sonst sein können, dass 2013 plötzlich die AfD in den Rat der Stadt gewählt wurde? Eine Partei, die sich gerade in Aachen nach ihrer Gründung noch einmal deutlich rechtsextrem entwickelt hat.

Im Sommer 2018 schockte der Inhalt der Facebook-Seite „Du bist aus Aachen wenn . . .“.  Inhaltlich war die Seite nach Ultrarechts gedriftet, man fand dort  Hetze gegen Ausländer*innen. Die örtliche Presse berichtete umfassen und sehr kritisch.

Feindliches Verhalten erleben Menschen mit Migrationshintergrund bei der Wohnungssuche, bei der Jobsuche, im Fitnessstudio. Bei der Polizei, in der Stadtverwaltung, als Pädagogen in den Schulen sind auch in Aachen bestimmte Minderheiten deutlich unterrepräsentiert. Das ist schlecht und darf so nicht bleiben. 

Beides – der offene Rechtsradikalismus und der unterschwellig mitlaufende Rassismus – sollten in Aachen mehr ins Licht der Öffentlichkeit geholt werden. Um derart unguten Entwicklungen entgegen zu wirken, bieten sich vielfältige Maßnahmen an. Hier eine kleine Auswahl:

 Was tun? In Stichworten

Menschen mit Migrationshintergrund in Unternehmen und Verwaltungen einstellen, Mehrsprachigkeit in den Behörden fördern, Informationen verbreiten über Religion und Feiertage, Anwerben von freiwilligen Paten und Patinnen für Neuzugewanderte, „Wege gegen das Vergessen“ bekannter machen, Alphabetisierungs- und Sprachkurse anbieten, Nutzung neuer Medien für die Aufklärungs- und Bildungsarbeit.

Sehr wichtig: Begegnungen möglich machen, für Begegnungen Räume zur Verfügung stellen. Über Rassismus reden (privat und im Rathaus in öffentlichen Sitzungen), Ausbau von Gewaltpräventionstrainings an Schulen. Ferner wichtig: preiswerte Wohnungen bauen für alle Minderbemittelten in der Stadt, damit die Konkurrenz um Wohnraum nicht Nährboden wird für ausländerfeindliche Anwandlungen. 

Für Aachen gilt die profane Feststellung: Damit Aachen wirklich weltoffen wird und bleibt, müsst ihr euch überlegen, welche Leute ihr in den Stadtrat wählt. Am 13. September könnt ihr entscheiden.

Wege gegen das Vergessen. Was geschah hier, wer wohnte hier und wie ist es diesen Menschen ergangen? Wer solche Fragen beantworten will, der denkt automatisch auch über übertriebenen Nationalismus und Rassismus nach, über menschenfeindliches Verhalten und wohin das führt.

Wer sich an Schule und Hochschule, am Arbeitsplatz oder bei der Wohnungssuche, bei Behörden oder bei der Polizei benachteiligt und angefeindet fühlt, kann im Gleichbehandlungsbüro Hilfe bekommen. Erreichbar unter Telefon 0241 / 406 500 oder 0241 / 401 7778, per Mail unter gbb@paez-aachen.de

Infos unter gleichbehandlungsbuero.de

Über AachenNews.org

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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