Misserfolg auf der ganzen Linie: der Aachener Marktliner ist (vorerst?) gescheitert

Der sogenannte Marktliner kann nicht mit den ursprünglich geplanten sechs Fahrzeugen des elektrisch und teilweise autonom fahrenden „e.GO Moover“ in Betrieb gehen. Das kam jetzt im zuständigen Politiker-Gremium zur Sprache. Im Mai 2021 habe die Firma e.GO (seinerzeit gegründet von RWTH-Professor Schuh) der Stadtspitze mitgeteilt, dass ein wesentlicher Technologiepartner für die Automatisierung des e.GO Moover aus dem Projektkonsortium ausgestiegen ist. Und dieser Ausstieg habe Folgen für das gesamte Projekt. 

Professor Günther Schuh, Geschäftsführer der e.GO MOOVE GmbH wird dazu vom Presseamt wie folgt zitiert: „Verschiedene Finanzierungs- und Zuliefererprobleme haben die e.GO MOOVE  während der Pandemie daran gehindert, die geplanten Fortschritte bei der Entwicklung des autonom fahrenden People Movers rechtzeitig zu erzielen. Wir sind daher erst ab Sommer 2022 in der Lage, diese Fahrzeuge zu liefern. Wir bedauern außerordentlich, dass dadurch der vorgesehene Testbetrieb in der Aachener Innenstadt nicht mehr im Zeitrahmen des Förderprojektes stattfinden kann.“

Die Pleite kommentiert auch Matthias Achilles mit treffenden Worten. Er und seine Piratenfraktion waren seinerzeit die Einzigen, die erkannten, dass das Projekt Marktliner „eine Mischung aus nutzlos, störend, über-ambitioniert und deplatziert“ war.

Stadtbaurätin Frauke Burgdorff meint: „Die Idee, eine Buslinie über den Markt und durch die Innenstadt fahren zu lassen, muss nun unter veränderten Vorzeichen neu bewertet werden.“

Es soll hier nicht verschwiegen werden, dass AachenNews die Hoffnung hegt, es werde den Marktliner in Aachen niemals geben. Fußgängerzonen sollen für Fußgänger*innen da sein und nicht für kleine Busse. Besonders die FDP-Fraktion in Aachen ist übrigens Fan dieses Projekts. (s. dazu auch hier. Bussi Bussi. Von Anfang an ein echter, leicht zu erkennender Quatsch. )

Zum Hintergrund teilt das Presseamt mit: Die Firma e.GO Mobile AG war zum Jahresende 2019 nach einem europaweiten Vergabeverfahren von der Stadt Aachen mit der Entwicklung und Lieferung von bis zu sechs Fahrzeugen des Typs e.GO Moover beauftragt worden, und zwar mit dem Ziel, diese als Marktliner über den Marktplatz und die Innenstadt fahren zu lassen. Diesem Auftrag an die e.Go Mobile AG waren mehrere Entwicklungsstufen vorausgegangen. 

Im Jahr 2018 hatte die Aachener Verwaltung gemeinsam mit der ASEAG einen Förderantrag zum Marktliner im Rahmen des Förderprogramms „Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme“ des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gestellt. Der Antrag zielte darauf ab, automatisierungsfähige, elektrische Kleinbusse zu entwickeln und in der Innenstadt mit Anbindung des Marktes zu erproben und einzusetzen. Der Förderantrag hatte ein Volumen von 3,6 Millionen Euro. Der Bund hatte sich bereit erklärt, als Zuschussgeber die Hälfte davon zu übernehmen. Der Antrag wurde Anfang des Jahres 2019 bewilligt.

Die Corona-Pandemie (neuerdings an allem schuld, was schief geht) habe im Jahr 2020 dafür gesorgt, dass sich das Projekt verzögerte. Hinzu sei eine Insolvenz des Auftragnehmers e.GO gekommen, die aber im Herbst 2020 durch die Beteiligung eines neuen Investors (angeblich ein Mensch aus der Filmbranche in den USA) abgewendet werden konnte. 

Daraufhin stimmten e.GO, ASEAG und Stadtverwaltung einen neuen Projektzeitplan ab. Sie beantragten beim Zuschussgeber Bund, das Projekt bis zum September 2022 verlängern zu dürfen. Diesem Antrag wurde zugestimmt. Seit Mai 2021 ist aber klar, dass auch die Zeit bis September 2022 nicht ausreichen wird, das Projekt Marktliner als teilautomatisiertes Fahrzeug auf die Straße zu bringen. 

Damit so viele Menschen so lange Zeit so intensiv zu befassen ist und war . . . bescheuert. Aber das wird sicher noch weitergehen. Prognose: Ohne den geringsten Erfolg.

Fördermittel müssen zurückgezahlt werden

Die Stadt führe, so wurde mitgeteilt, zurzeit Gespräche mit dem Zuschussgeber über den Projektausstieg. Bisher seien Kosten für die Machbarkeitsstudie in Höhe von rund 25.000 Euro angefallen. Die Stadt geht davon aus, dass die hierfür bereits eingegangenen Fördermittel in Höhe von rund 12.500 Euro zurückgezahlt werden müssen.

Die Fachverwaltung wird den Mobilitätsausschuss über die weitere Entwicklung regelmäßig informieren.

Mit Infos vom Presseamt der Stadt Aachen

Über AachenNews.org

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