Im öffentlichen Raum wird Not sichtbar

Ein Völkchen, das zu jeder Großstadt in Deutschland dazugehört, macht in letzter Zeit auch in Aachen massiv auf sich aufmerksam: die Obdachlosen, die Nichtsesshaften, Stadtstreicher und Penner, Landstreicher und Nomaden – für sie gibt es viele Namen, alle sind abwertend.

Schon immer waren diese Menschen – fast alles Männer – am Kaiserplatz „zu Hause“. Da nervten sie die Geschäftsleute und Anwohner ohne Ende, weil sie für Dreck und Belästigungen sorgten. In letzter Zeit soll es dort aber schlimmer, ja unerträglich geworden sein. Über 100 Personen stark sei die Szene der Süchtigen/Wohnungslosen dort, und Politiker*innen würden von „dramatischen Zuständen“ sprechen, so wird berichtet.

Aber nicht nur am Kaiserplatz fühlt man sich massiv belästigt. Auch rund um die Kirche St. Peter macht ein Trupp von Menschen ohne festen Wohnsitz unangenehm auf sich aufmerksam. Aus der Kirche hat bekanntlich die Caritas eine Anlaufstelle für suchtkranke und obdachlose Zeitgenossen gemacht. Dort werden jetzt in der Couvenstraße Hauseingänge als öffentliche Toiletten missbraucht. Auch darüber berichtete schon die örtliche Presse ausführlich.

Ähnlich groß ist die Not der Gastwirte in der Pontstraße. Dort sind es Betrunkene, die abends und nachts regelmäßig mit brutaler Gewalt aufeinander losgehen und den Wirten sowie den Gästen das Leben schwer machen. Auch die Wirte wandten sich an die Presse und dazu noch an die Fraktionen im Rat und die Oberbürgermeisterin. 

Der Platz am Bahnhof Rothe Erde war mal ein Treffpunkt für Obdachlose. Die meisten verkehren jetzt woanders, haben ihren Lebensmittelpunkt verlagert. Am Kaiserplatz und an St. Peter versammeln sie sich.

Immer gibt es in Industrienationen Menschen, die beim besten Willen nicht mithalten können im Hamsterrad von Arbeiten/Konsumieren, die draußen übernachten müssen oder in Notunterkünften. Schulden, Scheidung, Arbeitslosigkeit, Kündigung der Wohnung, Krankheit, Missbrauch, Verwahrlosung in der Familie, Alkoholismus – es ist oft reine Glücksache, wenn man vor diesem Schicksal verschont bleibt. 

Und es ist nicht angebracht, sich über diese Menschen zu erheben. Sie sind äußerst schwierig im Umgang, brauchen professionelle Hilfe. Die allerwenigsten sind gerne obdachlos.

Man muss sich fragen, ob mehr Kontrollen, ob der Einsatz von mehr Polizei und mehr Sozialarbeitern das Desaster in den Griff bekommen können. Und was eigentlich der Grund dafür ist, dass in Aachen an so vielen Ecken (auch übrigens in Brand) Zustände herrschen, die wirklich niemand mehr schön findet. 

Ein Hund ist manchmal der einzige Freund eines Obdachlosen. Ein Hund, den viele gern hatten, ist überfahren worden. Ein Kreuz auf dem Vorplatz vom Bahnhof Rothe Erde erinnert an ihn.

Tunnelwände werden bemalt

Wird zur Zeit innen gänzlich bemalt: der Zugang zum Bahnsteig vom Bahnhof Rothe Erde. Die Bahn AG zeigt sich spendabel und finanziert die fantasievolle Verschönerung. Den Künstlern wurden keine inhaltlichen Vorgaben gemacht. Sie können auf die Wände bringen, was immer ihnen passend erscheint. Wir sind gespannt.

Rechts ist schon die Silhouette des Aachener Doms zu erkennen. Die Wände werden komplett bemalt.

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