Kitas vor dem Kollaps. Personalmangel ohne Ende.

Erzieherinnen und Erzieher sind mit dem Latein am Ende. Das machten sie der Politik klar, als sich die Damen und Herren jüngst in den Burtscheider Kurparkterrassen zu Beratungen trafen.

Kommt es in Aachen zum Kita-Kollaps? Das muss man sich wirklich fragen, denn viele Kitas klagen über massiven Personalmangel. Es gibt weit und breit viel zu wenig Erzieher*innen und Kinderpfleger*innen. In der StädteRegion, im Ruhrgebiet, überall. Da ist es auch egal, wohin man schaut: Ob in die Kitas der Stadt Aachen, der StädteRegion, AWO, kath. Kirche und andere – überall ist wegen Mangel an Personal die Arbeit in den Kindergärten gefährdet. 

Wie konnte es dazu kommen? Viele Erzieherinnen werden pensioniert und wollen nicht mehr länger arbeiten. Andere werden schwanger und wieder andere sind einfach ausgebrannt, krank. Corona gibt zahllosen anderen den Rest. Und es gibt auch noch das Vorurteil, dass man als Erzieher*in extrem wenig verdient. Dabei ist das längst nicht mehr der Fall. Ein Einstiegsgehalt von 3104,00 Euro ist nicht schlecht. 

Der Personalmangel ist unausweichlich, wenn in der Gesellschaft weiterhin an dem Vorurteil festgehalten wird, dass mit einem Erzieher*innen-Gehalt kein eigenständiges Leben zu finanzieren ist. Da muss sofort aufgeklärt und eine knackige Werbekampagne (auf junge Menschen zugeschnitten) gestartet werden. 

In Aachen ist es schon vorgekommen, dass eine Kita wegen Personalmangel eine Woche lang geschlossen werden musste. Andere schlossen immer mal wieder für einen Tag oder können die zugesagte Randzeiten-Betreuung nicht leisten. Das sind Zeiten, wo die Kinder besonders früh in den Kindergarten gebracht oder besonders spät wieder abgeholt werden. Es gibt ja Eltern, die z. B. von morgens 7 Uhr bis zum frühen Nachmittag arbeiten. Das ist unmöglich, wenn eine Kita erst um 9 Uhr öffnet. 

Überhaupt muss der Notstand auch mal von Arbeitgeber-Seite aus betrachtet werden. Da möchte jemand eine junge Frau beschäftigen, aber dazu kommt es nicht, weil die Frau für ihr Kind keinen passenden Platz im Kindergarten (oder in der OGS) findet. Oder weil sie immer mal wieder plötzlich einen Tag zu Hause bleiben muss. Das ist keine Seltenheit, die Arbeitgeber werden diesbezüglich sicher noch bei der Politik vorstellig werden. 

Der Kita-Kollaps geht nicht nur junge Familien etwas an. Wenn die Kitas nicht mehr funktionieren, ist auch für uns andere bald niemand mehr da, die uns in den Geschäften bedient und uns die Haare macht usw. Die Frauen müssen zu Hause bei ihren Kindern bleiben. 

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Eine Lösung wäre es, mehr Tagespflegepersonen (vormals Tagesmütter genannt) auszubilden. Die Ausbildung dauert knapp ein Jahr und ist mittlerweile gut und vor allen Dingen intensiv. In Aachen gibt es schon über 100 Tagespflegepersonen, warum nicht noch 100 zusätzliche ausbilden?

Dagegen wird argumentiert, dass die Eltern nun mal die Kitas bevorzugen und der Elternwille muss – ohne Zweifel –  berücksichtigt werden. Die Alternative heißt aber nicht mehr: Kita oder Tagespflege? Die Alternative wird für viele lauten: Tagespflege oder gar nichts! 

Auch wird gesagt, die Tagespflegepersonen seien nicht wirklich gut ausgebildet. Eine Erzieherin lernt mehrere Jahre und wird im Praktikum angeleitet, eine Pflegeperson nur ein paar Monate, so lautet ein Vorurteil. Aber so schlecht ausgebildet sind diese Personen nicht: denn 300 Stunden Kurs plus 80 Stunden Praktikum plus Selbstlerneinheiten, dazu lernen in kleinen Gruppen mit jeweils 2 Dozent*innen. Viele bringen Vorwissen mit, nicht wenige waren mal als Erzieherinnen in einer Kita im Einsatz.

Wenn – zur Verhinderung des Totalzusammenbruchs – demnächst in den Kitas Personen eingestellt werden, die keine pädagogische Ausbildung haben, dann könnte ein Kind bei einer Tagespflegeperson zumindest gleich gut untergebracht sein.

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OMG unterdessen melden sich 2 Erzieherinnen und meinen, das Gehalt bleibe dann auch ewig bei der Summe stehen. Es ärgert sie, dass es heißt, sie würden gut verdienen. Wenn man denn mal eine Stufe höher komme, habe man nicht mal 100 Euro mehr.

Viele Kinder hätten in der Corona-Zeit sehr gelitten, hätten Störungen, das müsse alles in der täglichen Arbeit aufgefangen werden. Hinzu komme jetzt der Krieg, „die Kinder spüren die Ängste und Sorgen von uns Erwachsenen“. Auch das müssten die Erzieherinnen auffangen, wobei sie selbst wegen Krieg und Teuerungen große Sorgen hätten.

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Eine Antwort zu Kitas vor dem Kollaps. Personalmangel ohne Ende.

  1. Katharina schreibt:

    Die Frauen müssen zu Hause bei ihren Kindern bleiben. ….Puuuuh und das von einer Frau geschrieben…. Generation verfehlt! Haben die Kinder keine Väter!

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