Alles Gute für 2017

Vor einer Kneipe in der Rennbahn gesehen

Vor einer Kneipe in der Rennbahn gesehen: Hochrad von 1886.

Tja, wer mit diesem Fahrzeug unterwegs ist, kommt nur langsam voran. Und unbequem ist es auch noch, man betrachte die Pflastersteine, über die das Hochrad durch Aachens Innenstadt rollt.

Das Teil sieht aus wie aus einer anderen Welt. Im 19. Jahrhundert wurde es erfunden und bald wieder verboten. Der Grund: Tödliche Kopfstürze häuften sich. Das Auf- und Absteigen dürfte auch nicht ganz einfach gewesen sein.

Das Hochrad ist ein Vorläufer unserer heutigen Fahrräder, es wurde aus der Laufmaschine entwickelt. Diese gilt als das erste Fahrzeug, bei dem zwei Räder hintereinander laufen. Mit der Laufmaschine wurde – ohne Vorbild in der Natur – 1817 das bis dahin unbekannte Zweiradprinzip erfunden.

Das Hochrad, von der anderen Seite aus gesehen.

Das Hochrad, von der anderen Seite aus gesehen. Im Hintergrund übrigens ein Gebäude des Bistums, das innen und außen und rundum erneuert wird.

Erfindungen technischer Art gibt es seitdem ohne Ende. Und auch 2017 werden wir bestimmt wieder von technischen Problemlösungen erfahren, die uns mit neuen Mitteln zu neuen Zielen treiben. Wichtig ist nur, dass wir den Anschluss nicht verpassen.

Einen guten Rutsch und ein gutes neues Jahr wünsche ich allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs. Und danke sage ich allen alten und neuen Besuchern dieser Seite. 2016 sind wieder viele Neue hinzugekommen. Das freut mich sehr.

Bei so einem Blog kann man „hinter dem Vorhang“ nicht viel erkennen, man sieht aber, wie viele Menschen die Seite angeklickt haben und aus welchem Land diese Leute kommen. Dabei erfahre ich immer nur, was ich ohnehin schon vermutet habe: z. B. ihr werdet immer mehr, und über 90 Prozent von euch kommen aus Deutschland, der Rest aus Belgien, den Niederlanden, Österreich und Frankreich (in dieser Reihenfolge). Der weitere Rest aus anderen Ländern.

2017 will ich hier ein schönes neues Projekt starten, bleibt also dran, es wird bestimmt nicht langweilig.

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Aachener Stadtbetrieb beginnt mit dem Tausch der Abfallbehälter

Eine neue Mülltonne für jedes Haus. Und das nicht nur in Aachen, sondern auch in Monschau.

Eine neue Mülltonne für jedes Haus. Und das nicht nur in Aachen, sondern auch in Monschau (Foto).

Ein vom Aachener Stadtbetrieb beauftragtes Unternehmen beginnt am Montag, 2. Januar, mit dem Tausch der Abfallbehälter. Begonnen wird in den Außenbezirken (Aachen-Brand, Eilendorf, Oberforstbach, Haaren, Horbach, Verlautenheide, Soers, Kornelimünster, Walheim, Laurensberg und Richterich). Das teilt das Presseamt der Stadt mit.

Es werden nur bei den Anwohnerinnen und Anwohnern die Behälter getauscht, die im Vorfeld vom Aachener Stadtbetrieb angeschrieben worden sind. Dies betrifft den 60-Liter-Restabfallbehälter mit wöchentlicher oder 14-täglicher Leerung und den 120-Liter-Restabfallbehälter mit wöchentlicher Leerung.

Weiterhin werden die Behälter von Leuten getauscht, die von sich aus bereits an den Aachener Stadtbetrieb herangetreten sind.

Die betroffenen Behälter werden am jeweiligen Entsorgungstag getauscht. Die Anwohnerinnen und Anwohner werden daher gebeten, ihre Mülltonnen nach der Leerung bis 17 Uhr am Straßenrand stehen zu lassen.

Bis zum Tausch des eigenen Restabfallbehälters gilt noch der alte Abfuhrrhythmus. Erst anschließend greift für die betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner der neue Leerungsrhythmus.

Anders ist es bei der Leerung der Biobehälter: Hier gilt für das gesamte Aachener Stadtgebiet direkt ab Montag, 2. Januar, der neue, ausschließlich 14-tägliche Leerungsrhythmus. Im Onlineabfallkalender ist dieser geänderte Rhythmus für Biobehälter ab sofort geändert. Die Änderungen für Restabfallbehälter sind erst einige Tage, nachdem vor Ort der Behälter getauscht wurde, online einsehbar.

Der Austausch der Behälter in der Innenstadt beginnt erst nach dem Tausch in den Außenbezirken. Dies wird voraussichtlich im Laufe des Februars sein. Hierzu wird eine gesonderte Mitteilung veröffentlicht. Betroffen sind dann auch wieder vorerst die bereits angeschriebenen Nutzerinnen und Nutzer sowie jene, die bereits vorab beim Aachener Stadtbetrieb einen Wechsel beantragt haben.

Insgesamt werden in der Stadt Aachen rund 60.000 Abfallbehälter getauscht. Sollte es beim Behältertausch zu fehlerhaften Auslieferungen kommen, bittet der Aachener Stadtbetrieb vorab um Verständnis. Betroffene Bürgerinnen und Bürger werden in einem solchen Fall gebeten, sich telefonisch beim Servicecenter der Abfallberatung unter 0241/432-18666 zu melden.

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Zum Jahresende

Wir wissen nicht, wie weit zurück die Ultrarechten gehen wollen, aber hier ist schon mal eine alte Karten von Aachen, als Burtscheid noch nicht zu Aachen gehörte.

Man weiß ja nicht, wie weit zurück in Richtung „früher“ die Ultrarechten gehen wollen, aber hier ist schon mal eine alte Karte von Aachen (als Burtscheid noch nicht eingemeindet war).

Ein Rückblick folgt dem nächsten, es ist wieder soweit: Ein Jahr geht zuende. Ich will niemandem Angst machen, aber auch 2017 werden wieder viele prominente Menschen sterben. Stellt euch schon mal darauf ein.

In rasendem Tempo ändert sich die Welt. Davon wird vielen schwindelig. Und 2017 – davon ist auszugehen – wird das Tempo nochmals gesteigert.

Wie habe ich Ende des vorigen Jahrhunderts die Erfindung des Internet bejubelt! Ich konnte ja nicht ahnen, dass man in Deutschland – einer wichtigen Industrienation – so viel falsch machen würde. Vom Geschäftsführer in der Medienbranche bis zum Minister brüsteten sich Männer damit, dass sie keinen E-Mail-Account besitzen. Journalisten meinten, das Internet sei „ein Quatsch, der bald wieder verschwindet“. Und so ging es immer weiter. Eine Technik-Ferne wurde offensichtlich, die einem die Tränen in die Augen treiben konnte wegen der vielen verpassten Chancen.

Aber jetzt ist es zu spät. Man kann fordern, dass Google und Facebook verstaatlicht werden. Allein: Das wird 2017 nicht geschehen, es wird vermutlich leider niemals geschehen. Stellt euch darauf ein, dass eure Daten, eure

Erste Neuerung im neuen Jahr: Umzug. Die Kisten sind gepackt. In diesem Blog bleibt allerdings vorerst alles beim Alten.

Erste Neuerung im neuen Jahr: Umzug. Die Kisten sind gepackt. In diesem Blog bleibt allerdings vorerst alles beim Alten.

Gewohnheiten, eure politischen Ansichten, euer ganzes Verhalten aufgezeichnet werden und ultrarechte Politiker*innen darüber verfügen werden. Man sollte für den schlimmsten Fall der Fälle eine Strategie im Hinterkopf haben.

Ihr wisst, welche Wahlen im kommenden Jahr stattfinden. Mal werden die Richtigen gewählt, mal die Falschen, ich lass mich überraschen, es sieht nicht gut aus. Nur die Piratenpartei, die wird mit Sicherheit nicht mehr gewählt. Was bei den einen die Technikferne, ist bei den Piraten die Politikferne. Die allermeisten wissen bis heute nicht, was „Opposition“ eigentlich ist und was deren Aufgabe.

So muss man der Überlegung nahetreten, vielleicht demnächst als „Aix-Piraten“ aufzutreten. Aber das hat noch Zeit . . . bis über 2017 hinaus.

Ich wünsche allen Leser*innen dieser Zeilen einen guten Rutsch und ein gutes neues Jahr. Alles doppelt so viel wie ihr mir wünscht.

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Pirat im Rat: Auf diese Menschen ist Aachen angewiesen

Bildung, ein zentrales Thema der Piratenpartei, fängt im Kleinkind-Alter an. Entsprechend macht sich die Fraktion der Piraten für gute Arbeitsbedingungen derjenigen stark, in deren Hände Eltern ihre Kinder geben (müssen). Hinten im Bild: Ratsherr Sait Başkaia

Bildung, ein zentrales Thema der Piratenpartei, fängt im Kleinkind-Alter an. Entsprechend macht sich die Fraktion der Piraten für gute Arbeitsbedingungen derjenigen stark, in deren Hände Eltern ihre Kinder geben (müssen).  Im Bild: Ratsherr Sait Başkaya

Der Stadtrat von Aachen muss Richtlinien festlegen, nach denen etwa 150 Tagesmütter (es sind auch einige Männer dabei) fast 600 Kinder betreuen. Viele dieser Kinder sind unter 2 Jahre alt. Sie werden von Tagesmüttern und -vätern betreut, weil die Stadt Aachen nicht genug Kitaplätze zur Verfügung stellen kann.

Im Rat der Stadt hat gestern Sait Başkaya, Ratsherr der Fraktion der Piraten, ausführlich dargestellt, dass für die Tagespflege Richtlinien vorgelegt werden müssen, die auch wirklich angemessen sind und nicht wieder, wie die derzeitigen Richtlinien, vom Gericht als illegal, ungerecht, falsch oder unpassend abgeurteilt werden.

Seine Ansprache, für die es aus den Reihen der zahlreich erschienenen Zuhörer Beifall gab, wird hier ungekürzt wiedergegeben (Hervorhebungen von mir):

 

Dies ist der Auftrag an den Rat heute: Eine Richtlinie zu beschließen, welche Rechtssicherheit bietet. Rechtssicherheit für die Stadt und Rechtssicherheit für die Tagespflegepersonen.

Wenn wir heute keine rechtssicheren Richtlinien beschließen, können wir davon ausgehen, dass mit dem Bescheid im März (die Richtlinie soll ja ab 01. März gelten) also Anfang April die Klagen bei Gericht – gegen die Stadt und die heute zu beschließende Richtlinien – eingehen werden.
Wir können diese Klagen, die damit verbundenen Kosten für die Stadt und den Aufwand für die Verwaltung und für die Tagespflegepersonen verhindern, wenn wir heute eine rechtssichere Richtlinie beschließen.

Als Piratenfraktion sind wir der Meinung, dass gerade der vorliegende Entwurf keine Rechtssicherheit geben wird und wir mit einer Klagewelle zu rechnen haben. Im Weiteren möchte ich meine „Behauptung“ mit Nennung konkreter juristischer Lücken aufzeigen.

Noch einmal: Wenn diese Richtlinien – wie heute seitens der Verwaltung vorgelegt – beschlossen werden, prophezeie ich Sait Başkaya, dass gegen diese Richtlinien geklagt wird. Bei Prophezeiungen ist es meist so, dass zwischen Prophezeiung und Eintreten dieser Prophezeiung lange Zeit vergeht und am Ende alles vergessen wird. Aber es handelt sich diesmal nur um wenige Monate. Sie können sicher sein, dass wir im Frühjahr hier erneut zusammensitzen werden, und ich werde Sie an meine heutige Prophezeiung erinnern. Nach dem Motto #toldyouso

Damit dies aber nicht passiert, legen wir als Piratenfraktion einen Änderungsvorschlag vor, den ich im Weiteren erläutern werde. Im KJA (zuständiger Ausschuss) wurde ganz schnell klar, dass Unwissen und Unverständnis bezüglich der Thematik herrschen, deshalb hier nochmal in aller Klarheit:

Ich verstehe, dass die Materie zu komplex sein kann und man eventuell als  „normales“ Ratsmitglied bei Richtlinien- oder Satzungsentscheidungen eher vorsichtig ist. Als Fraktionen haben wir deshalb auch Fachleute in die jeweiligen Ausschüsse entsandt, damit eine Aufgabenteilung existiert, da nicht jedes Ratsmitglied über alle kommunalpolitischen Themen in der Tiefe Ahnung haben kann. Das Problem dabei ist natürlich, wenn auch die Fachleute im Fachausschuss zugeben müssen, dass diese Expertise nicht vorliegt. Dann fällt das Kartenhaus zusammen.
Auch ich habe nicht über alle Themen im KJA bis ins kleinste Detail Ahnung, aber ich bringe die Bereitschaft mit, denjenigen Leuten zuzuhören und diese nicht wegzuignorieren.

Ich möchte hier ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich nicht um einen klassischen Interessenkonflikt von zwei Parteien handelt. Wenn etwas gebaut wird, dann kann eine Seite davon profitieren und die andere möchte dies nicht, weil es mit Lärm etc. verbunden ist. Aber hier geht es nicht um einen Interessenskonflikt, sondern um eine schlechte Vorlage und Planung der Verwaltung.

Ich mache diese Behauptung an einem konkreten Beispiel deutlich. Die Stadt plant die Mehrkosten von 1,3 Millionen Euro folgendermaßen: Sie geht von

Drängeln war erforderlich, um einen Blick in den hoffnungslos überfüllten Ratssaal werfen zu können.

Drängeln war erforderlich, um einen Blick in den hoffnungslos überfüllten Ratssaal werfen zu können.

einem alten Stundensatz aus, rechnet die Differenz zum neuen Stundensatz in Prozent (nämlich 30 %) aus und rechnet damit die Mehrkosten von 1,3 Millionen aus.
Was dabei aber nicht beachtet wird: dass mit der neuen Richtlinie gerade die Fehlzeiten abgezogen werden sollen. Wenn ich eine andere Berechnungsgrundlage habe, dann kann ich nicht einfach die Mehrkosten nach diesem Schema berechnen.
Es werden auch nicht der damit verbundene Mehraufwand in der Verwaltung berücksichtigt, denn jeder Bescheid müsste eventuell am Ende des Monats neu berechnet werden, da Fehlzeiten der Tagespflegepersonen und Kinder berücksichtigt werden müssen. Ich spreche hier „nur“ von dem Bürokratieaufbau innerhalb der Verwaltung, ich lasse die neue Bürokratie bei den Tagespflegepersonen außen vor. Dies ist ein weiterer Punkt der beachtet werden muss.

Schauen wir uns nun die Änderungsvorschläge an: Es gibt diesen Mythos (welcher auch in der Verwaltungsvorlage kommuniziert wird) des „Jahresgesamteinkommens“ von 61.500 Euro. Wenn man allein diese Zahl hört, dann denkt man vielleicht „ja wo is denn das Problem?“

Bei diesem Eurobetrag, der fälschlicherweise als Einkommen, Einnahmen, Gehalt angesehen werden kann, handelt es sich um einen Jahresumsatz.

Umsatz ist nicht das, was mir am Ende zur Verfügung steht. Dies sollte jedem hier klar sein. Damit es deutlich wird ein Beispiel: Ein kleiner Kiosk macht vielleicht einen Jahresumsatz von 60.000 Euro im Jahr.
Das bedeutet aber nicht, dass diese 60.000 als Gewinn anzusehen sind. Davon müssen Waren, Miete, Heizung etc. bezahlt werden.
Das wären die sog. Sachaufwendungen. 20.000 Euro, also ein Drittel davon sind diese Sachaufwendungen, die gar nicht als „Entlohnung“ anzusehen sind. Die geben die Tagespflegepersonen z.B. für Spielzeug, Kinderwagen, Hygieneartikel usw. aus.

Außerdem sind diese 61.500 Euro das absolute Maximum, was nur rein hypothetisch erwirtschaftet werden könnte, was in der Realität nie passieren wird. Die theoretische Berechnungsgrundlage ist, dass eine Tagespflegeperson 5 Kinder + 45 Stunden pro Woche + das gesamte Jahr (auch z. B. an Silvester, an allen Weihnachtstagen, Feiertagen usw) betreuen muss.

In der Realität werden im Stundenkorridor von 40 bis 45 h pro Woche unter 20 % der Kinder betreut. Ich habe mir den Spaß erlaubt, die Wahrscheinlichkeit dieser Konstellation auszurechnen und bin auf 0,3 Promille (also 0,00032 % Wahrscheinlichkeit) gekommen.
Dies bedeutet, dass niemand diese mystische Zahl 61.500 Euro erreichen kann. Aber nehmen wir mal an, dies wäre der Fall.

Dafür müsste eine Tagespflegeperson das gesamte Jahr über arbeiten können und müssen. Können, weil gerade gesetzliche Feiertage dies nicht ermöglichen werden. Das ist ein Ausfall!
Wenn die Tagespflegeperson krank wird oder im Urlaub ist, dann ist das ein Ausfall! (Vgl. hierzu im Gegensatz die Situation des Kita-Personals)
Nun soll auch noch der Ausfall der Kinder (wofür die Tagespflegeperson nichts kann) ebenfalls abgezogen werden. Also sollen unter bestimmten Umständen die Betreuungszeiten der Kinder, die krank oder im Urlaub sind, abgezogen werden. (Wieso bestrafen wir die Tagespflegepersonen hierfür?)

Ich möchte hier nur in Erinnerung rufen, dass jeder vierte U3-Platz in der Tagespflege realisiert wird. Aachen möchte eine familienfreundliche Stadt sein und die Betreuungsquote erreichen. Wir haben in den letzten Jahren aber gesehen, dass wir nicht ausreichend neue Tagespflegepersonen akquirieren können. Planen aber im Gegensatz jedes Jahr 50 neue U3-Plätze in der Tagespflege ein. Da stimmt doch etwas nicht!

Wir können und sollten deshalb nicht der Argumentation folgen: Ja, das Risiko tragen nun mal die Tagespflegepersonen und diese müssen mit der neuen Richtlinie leben!
Wenn wir dies tun, dann werden wir ganz schnell nicht nur die neueingeplanten, sondern auch die derzeit zur Verfügung stehenden Betreuungsplätze in Aachen verlieren.
Wir müssen deshalb das Risiko bepreisen, d.h. kostenneutral die Jahreszahlung anstelle von 52 Wochen in 44 Wochen auszahlen.

Ein Grund, warum Eltern die Tagespflege präferieren ist, dass diese flexibel ist, also nicht immer die 45 Stunden benötigt werden. Mal wird das Kind früher/später gebracht und auch früher/später abgeholt. Dienstleistungen, die wir als Stadt in unseren Kitas niemals anbieten könnten. (Ich sage nicht, dass

Sait Başkaya hatte aufmerksame Zuhörer.

Aufmerksam verfolgten die Menschen die Redebeiträge gestern im Rathaus von Aachen. Es gab eine Bürgersprechstunde, die diesen Namen verdient. Bürger*innen kamen ausführlich zu Wort.

die Kita schlechter ist als die Tagespflege, aber am Rande kann erwähnt werden – das war aktuell in der Zeitung – dass mehr als die Hälfte des Kita-Personals ihre eigenen U3-Kinder nicht in die Kita geben würden, 13 % würden diese sogar in die Tagespflege geben.)

Es wurde hier auch oft vom Wahlrecht der Eltern gesprochen. Aber: Mit dieser neuen Richtlinien nehmen wir langfristig den Eltern das Wahlrecht weg, da es über kurz oder lang keine Betreuung in der Tagespflege geben wird. Warum sollte man denn bei dieser nicht existierenden Wertschätzung und fehlenden Anerkennung diesen Beruf ausüben?

Wir sind verpflichtet, für diesen Beruf Anreize zu schaffen, auch monetäre Anreize, da wir als Stadt auf diese Betreuungsplätze angewiesen sind. Aber zu sagen: Ich hebe zwar den Stundensatz an (wir wurden vom Gericht gezwungen, leistungsgerecht zu entlohnen, sonst hätten wir dies auch nicht getan!) aber ziehe dann die Fehlzeiten wieder ab. Das ist eine Milchmädchen-Rechnung.   

Unsere Forderungen deshalb:
1. Fehlzeitenregelung nicht einführen, sondern wie bisher regeln
2. den Stundensatz der Verwaltungsvorlage um einen Qualifizierungszuschlag ergänzen
3. die Eingewöhnungszeiten auf maximal 4 Wochen anheben

Wenn wir schon als Rat sagen „wir nehmen 1,3 Millionen Euro in die Hand“ dann lassen Sie uns auch eine rechtssichere Richtlinie beschließen, die nicht Klagen und unnötigen zusätzlichen Verwaltungsaufwand nach sich zieht, sondern die Tagespflegepersonen leistungsgerecht entlohnt und ihnen und der gemachten Arbeit Anerkennung schenkt.

*

Mit Mehrheit beschlossen wurden am Ende die kritisierten Richtlinien der Verwaltung. Allerdings sollen in einem halben Jahr ihre tatsächlichen Auswirkungen  geprüft werden.

Journalistische Arbeit war gestern nicht gerade einfach: Der Ratssaal war hoffnungslos überfüllt. Zwei verschiedene Gruppen wollten gegenüber der Politik ihre Interessen vertreten.

Dabeisein war gestern nicht gerade einfach: Der Ratssaal war hoffnungslos überfüllt. Zwei verschiedene Gruppen von Bürgern wollten in der letzten Sitzung des Jahres gegenüber der Politik ihre Interessen vertreten.

 

 

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Elisenbrunnen in knallige Farben getaucht

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Licht in vielen unterschiedlichen Farben, dazu Weihnachtswünsche in verschiedenen Sprachen und Schriften gab es dieser Tage im Elisengarten zu sehen. Projektionsfläche war der Elisenbrunnen, und zwar die Rückseite, zum Garten hin. Einheimische und Touristen schauten erstaunt und freuten sich über die Aktion der Aachener Geschäftswelt.

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Es wird voll im Rathaus

Fünf Sitzungen – davon eine Ratssitzung (Mit., 21. 12., 17 Uhr, Rathaus) – gibt es in der neuen Woche, bevor sich auch die Kommunalpolitik eine Weihnachtspause gönnt.

Viel Arbeit und Lebenszeit stecken in allen Sitzungen, für die Öffentlichkeit wichtig dürfte besonders die Sitzung des Rates sein. Da wird der Saal mal wieder pickepacke voll: Es wollen sich 1. Eltern aus Kornelimünster Gehör verschaffen und es wollen 2. die Tagesmütter (neuerdings „Tagespflegepersonen“ genannt) ihr Anliegen vortragen.

Wer sich da persönlich ein Bild verschaffen will, wird enttäuscht. Bedauerlicherweise gibt es von den Sitzungen keine Übertragung ins Internet, obwohl das kinderleicht zu bewerkstelligen wäre und es rechtlich bei einer ohnehin öffentlichen Sitzung keine Schwierigkeiten gäbe. Seufz.

Die Tagesmütter haben vor Gericht eine Neuordnung ihrer Verträge erreicht. Sei es aus Wut über das für die Stadtverwaltung negative Urteil oder sei es aus purer Dummheit oder Gedankenlosigkeit oder was weiß ich: Die Verträge für die Tagesmütter sind jetzt so bescheuert ausgestaltet, dass kaum ein Mensch mehr durchblickt und diejenigen, die sich da durchgewühlt haben, sich an den Kopf fassen und meinen, dass alles so denkbar schlecht geregelt sei, ja, schlechter als zuvor . . . wie man es von der Stadtverwaltung nie erwartet hätte.

Ich habe den Eindruck, dass kaum jemand von den Politiker*innen Lust hat, sich mit der Angelegenheit zu befassen. Dabei sind über 530 Kinder betroffen und 130 Tagespflegepersonen. Es haben die Betroffenen selbst einen schön ausgearbeiteten Plan vorgelegt, wie der ganze Casus gut geregelt werden könnte. Bin gespannt, wie sich der Rat am Mittwoch aus der Affäre zieht. Ein Tipp: Einfach genau so verfahren, wie es die StädteRegion macht.

Im Grunde geht es darum, dass die Tagesmütter wie Selbstständige behandelt werden und weder Urlaub noch Krankheitstage bezahlt bekommen. Sie müssen sich selbst versichern und haben mancherlei Kosten, so dass sie am Ende von ihrer nervenzerfetzenden Arbeit (selbst wenn sie 5 Kleinkinder dauerbetreuen) nicht mal ansatzweise leben können.

***

Nächster Punkt: „Gute Schule 2020“. Das Land NRW hat einen Nebenhaushalt eröffnet, und aus dem verteilt es in den kommenden 4 Jahren 2000 Millionen Euro für die Schulen im Land. Jedes Jahr 500 Millionen Euro. Die Kommunen kostet das platterdings NICHTS.

Aachen bekommt aus diesem Programm etwa 21 Millionen Euro. „Das Förderprogramm bietet Finanzierungsmöglichkeiten für Um- und Neubauten, Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen sowie für Ausbau und Verbesserung der digitalen Infrastruktur in den kommunalen Schulen“, schreibt die Verwaltung, und das lassen sich die Politiker in Aachen natürlich nicht zweimal sagen und verplanen das Geld. Eine schöne Sache. Im Rat muss die Prioritätenliste beschlossen werden.

***

Außerdem im Rat: Ratsherr Markus Mohr (AfD) ist bisher noch Mitglied im Ausschuss für Arbeit, Wirtschaft und Wissenschaft. Er möchte in den Ausschuss für Soziales, Integration und Demographie wechseln. Warum dieser Wechsel geschieht, ist mir nicht bekannt. Dass Mohr sich von seiner Anwesenheit im Sozialausschuss mehr Einfluss verspricht, halte ich aber für möglich. Mal sehen.

***

Unter Stellungnahmen der Verwaltung zu Ratsanfragen (Ö 27.2) könnt ihr mal runterscrollen und bei Die Linke nachschauen. Dort erfahrt ihr, wie die Stadt mit den Straßenmusikern verfährt. Das sind die Antworten:

1. Die Genehmigungen für die Musiker sind beim Fachbereich Sicherheit und Ordnung zu erhalten und kosten pro Tag (bis max. 5 Tage) 5,- Euro
2. Es werden in Aachen bis zu 10 Genehmigungen pro Tag erteilt; die meisten werden für die ganze Woche beantragt.
3. Gespielt werden darf Adalbertstr., Großkölnstr., Holzgraben, Dahmengraben, Willy-Brandt-Platz und Münsterplatz; Münstlerplatz immer 11 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr. Alle anderen: montags bis samstags 9 (so u. feiertags 11.00) bis 13 und 14 bis 20 Uhr.
4. Grundsätzlich ist die Anzahl der Gruppenmitglieder nicht begrenzt. Eine orchesterähnliche Darbietung müsste ggfs. gesondert genehmigt werden.
Hinsichtlich der Lautstärke gibt es folgende Regeln: Keine festen Aufbauten, keine Verstärker, max. 30 Minuten an einer Stelle danach Wechsel des Standorts mind. 100 Meter, einzelne Standorte sind nur einmal am Tag möglich, bei Stadtführungen ist jegliche Musikdarbietung zu unterbrechen.

***

Soweit das Schlaglicht auf die kommende Kommunalpolitik. Im neuen Jahr geht es munter weiter. Dann wird es auch wieder eine größere Themenvielfalt geben. Derzeit ziehe ich um, das wird bis Ende Januar noch viel Zeit kosten. Also: Stay tuned.

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Politik in der neuen Woche

Während in Berlin der  Stadt-Soziologe Andrej Holm nicht Staatssekretär im Ministerium für Städtebau und Wohnen werden darf (laut div. Medien und div. CDU-Politikern) weil ihm in jungen Jahren sein Vater einen Job bei der Stasi besorgt hatte, schau ich mal auf die „Politik in Aachen“ für die neue Woche. Seufz.

Der Finanzausschuss (Die., 13. 12., 17 Uhr, Rathaus) ist ja immer relativ langweilig, weil da die Kämmerin ohnehin vorschreibt, was noch ausgegeben werden darf und was nicht. Meistens nichts.

***

Weiter geht es mit der Bezirksvertretung Aachen-Mitte (Mi., 14. 12., 17 Uhr, Haus Löwenstein, Markt), und da ist schon mehr los. Zunächst ist die „Aufwertung Neumarkt im Aachener Frankenberger Viertel“ interessant. Es werden jetzt doch die einzelnen Spielbereiche anderes angeordnet, als es heute der Fall ist. Mehr hintereinander als wild durcheinander. Der Platz wird sicher schick aussehen, das ganze Viertel wartet misstrauisch auf das Ergebnis. Soll wohl alles 140.000 Euro kosten, wenn alles glatt geht.

Soweit ich sehe, wird man sich im Haus Löwenstein auch darüber unterhalten,  wie denn der Vorplatz der neuen Moschee in der Stolberger Straße/Elsassstraße einmal aussehen soll. Die Moschee ist schön geworden, innen und außen, und man kann den Menschen in Aachen nur viele angenehme Stunden in diesem strahlend weißen Neubau wünschen.

***

Schauen wir mal in den Personal- und Verwaltungsausschuss (Do., 15. 12, 17 Uhr, Verwaltungsgebäude Klatschhof, Zi. 305) rein.

Kitas und die Feuerwehr brauchen 2017 mehr Personal als 2016, um über die Runden zu kommen. Aber nicht nur die. . . Hää? Zehn (10) Stellen für Verwaltungspersonal in der Abteilung „Kitas und Tagespflege“ sollen hinzukommen??? Kann das sein? 10 Stellen, um die Tagesmütter zu organisieren?

„Der Stellenplan für das Haushaltsjahr 2017 (Stand: 11.11.2016) weist in der Allgemeinen Verwaltung insgesamt 2.825,50 Planstellen aus. Im Vergleich zum Vorjahr (2.756,00) erhöht sich das Gesamtstellensoll somit um saldiert 69,50 Planstellen.“ (steht in der Vorlage)

***

Bleibt noch der Betriebsausschuss Theater und VHS (Do., 15. 12. , 17 Uhr, Forum der VHS, Peterstraße 21-25).

Zunächst geht es da um die Aachener Volkshochschule (VHS). Organisation und neues Programm der VHS werden diskutiert. Dann stehen Stadttheater und Musikdirektion mit den Wirtschaftsplänen 2016/17 und 2017/18 im Mittelpunkt. Knapp 21 Millionen Euro will der Generalintendant für 2017/18 aus der Stadtkasse und wird sie sicher auch bekommen.

Ganz unten ist der vorläufige Wirtschaftsplan angehängt. Da findet ihr alle Summen genannt, die ausgeben werden.

Sehr komisch finde ich, dass bei all den Millionen die Schauspieler auch heute noch (wie vor 20 oder 30 Jahren) mit extrem wenig abgespeist werden. Was verdienen eigentlich der Verwaltungsdirektor und der Generalintendant, weiß das jemand?

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Was darf/muss das Stadttheater kosten?

Es sei hier gestattet, ein paar Worte zum Stadttheater anzumerken. Das Aachener Haus ist gut besucht, fast immer agieren die Künstler*innen vor vollen Sitzreihen. Über 40.000 Aachener sahen z. B. das Musical „West Side Story“ in Aachen. Aber so ein Stadttheater ist auch ungeheuer teuer.

Unmittelbarer Anlass, mir Gedenken zu machen, ist der Besuch der beiden Vertreter der Aachener Theaterwelt im Piratenbüro: Philipp Manuel Rothkopf und Hannes Schumacher.

Die beiden Schauspieler machen – wie zahllose andere Kollegen in anderen Städten – Politiker aller Parteien auf die missliche finanzielle Lage der Künstler aufmerksam. Und auf die Bedeutung und die Bedingungen lokaler Theaterarbeit.

„Hunger wie ’n Schauspieler haben“, das ist eine in Aachen bekannte, uralte

Philipp Manuel Rothkopf und Hannes Schumacher (v.l.) zu Gast im Piratenbüro.

Philipp Manuel Rothkopf und Hannes Schumacher (v.l.) zu Gast im Piratenbüro.

Redensart. Das kommt nicht von ungefähr. Dass Schauspieler mit gefährlich wenig Geld auskommen müssen, ist in Aachen nichts Neues. Und das sogar  in einer Zeit, wo das Stadttheater nicht weniger als 20 Millionen Euro im Jahr bekommt. 20 (zwanzig) Millionen Euro aus der Kasse der Stadt Aachen! So viel wie nie. Hallo?

(Liebe Leute, das ist ein Riesenhaufen Geld. Wenn da nicht jeder in dem Laden einigermaßen gerecht bezahlt wird, dann stimmt mit der ganzen Einrichtung was nicht. Man könnte verlangen, dass sie geschlossen wird.)

Das Theater und das Theaterspielen wurden Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung im alten Griechenland erfunden. Das Theater war beliebt und als Unterhaltungseinrichtung der Hit . . . bis der Film erfunden wurde und das Publikum in die Kinos rannte. Den nächsten Schlag erhielt das Theater, als das Fernsehen erfunden wurde, fortan versammelte sich die Menschheit zuhause vor der Glotze. Und jetzt? Jetzt gibt es das Internet und alle Welt befasst sich mit  YouTube-Videos. Allerdings sind jetzt auch erstmals aus Konsumenten von Bildern und Geschichten Produzenten geworden (das ist ein Quantensprung).

Na ja, ältere Leute gehen natürlich immer noch massenhaft ins Theater, aber nur, weil sie technisch nicht auf der Höhe der Zeit sind. Sie werden aussterben. Oder nicht?

Bisher hat man jedenfalls immer die neuen und die alten Darstellungsweisen beide genutzt. Das Kino hat das Theater nicht kaputt gemacht, es ist nur hinzugekommen. Das Fernsehen hat danach das Kino nicht kaputt gemacht, es ist auch nur hinzugekommen. Und so ist jetzt auch noch das Internet mit seinen Möglichkeiten dazugekommen. Wir können also davon ausgehen, dass das Theater (Schauspiel/Oper/Musical) nicht aus der Welt verschwindet. Nur, in welcher Form genau wird es finanzierbar sein?

Ich weiß keine Region auf der Welt, wo es so viele Theater und Museen gibt wie in Deutschland. Das schreit nach Zusammenschluss und Zusammenlegung. Warum müssen wir alles in Aachen haben? Warum können wir nicht mit dem Zug flott nach Köln fahren, um ein Schauspiel zu sehen oder nach Brüssel, um da eine Opernaufführung zu erleben? Müssen wir alles drei Straßen weiter, vor der Haustüre vorfinden? Und diejenigen, die nie nach Köln fahren würden, die gehen auch jetzt hier in Aachen nicht ins Theater.

So könnten sich die Städte die Arbeit teilen: In Köln geht man ins Schauspiel, in Aachen ins Musical und vielleicht in Bonn in die Oper. Oder umgekehrt, und jedes Haus hätte sich spezialisiert und könnte für sich wirtschaftlicher arbeiten.

Oder man schafft es, ein- und dieselbe Produktion durch die Städte wandern zu lassen. Dann müssten aber die Bühnen alle gleich sein, bzw. gleich gemacht werden. So, dass Auf- und Abbau ganz einfach und quasi automatisch vonstatten gehen.

Für mich ist das Theater die Möglichkeit, mich mit den Themen zu befassen, die mich ohnehin sehr interessieren, aber dies einmal auf eine ganze andere Weise zu tun: Nicht in Form einer Podiumsdiskussion oder indem ich still alleine einen Text lese. Zuletzt wurde mir so das Schicksal von US-Whistleblower*in Manning anders nahe gebracht. Aber wie es mit dem Theater weitergehen soll, das weiß ich – muss ich zugeben – auch nicht genau, bleibe aber dran.

http://www.aachener-zeitung.de/lokales/aachen/die-radikalisierung-bradley-mannings-feiert-in-der-kammer-premiere-1.1367529

http://www.klenkes.de/kultur/buehne/74837.buehnenkritik-die-radikalisierung-bradley-mannings.html

und: https://www.youtube.com/watch?v=UVPNxRaf7KE

zum Finanziellen hier die Anlage beachten http://ratsinfo.aachen.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=15909

*

Via Facebook hat Ph. M. Rothkopf zum Thema noch mitgeteilt: 

Hallo Margret. Bei Deinem Blog ist es mir wichtig zu bemerken, dass gerade in einer Zeit, in der durch neue Medien die Beschleunigung unendlich wird, die Entschleunigung durch das Theater unverzichtbar ist. Sie schärft den Blick und das Bewusstsein für das Wesentliche. Geduld, Liebe, Mitgefühl und Zeit, die man sich und anderen schenkt. Liebe Grüße, Philipp.

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Bürgerforum: Kaum Bürger, kein Forum

Typisch für das Bürgerforum, das nur alle zwei Monate im Ratssaal des Rathauses zusammenkommt: Leere Stühle (Symbolbild)

Typisch für das Bürgerforum, das nur alle zwei Monate im Ratssaal des Rathauses zusammenkommt: leere Stühle (Symbolbild)

Beim „Bürgerforum“ in Aachen schlagen immer nur sehr wenige Bürger*innen auf, und ein „Forum“ ist dieser städtische Ausschuss schon mal gar nicht. Die Bezeichnung „Bürgerforum“ ist also tatsächlich in zweifacher Hinsicht glatt falsch, unzutreffend. Die Bezeichnung täuscht etwas vor, was gar nicht existiert. Es ist ein Fake, vielleicht sogar ein Zombie.

Das sehen CDU und SPD und sogar auch die Grünen GÄNZLICH anders. Und das musste ich diese Woche erfahren, als ich für die Piratenpartei an einer Sitzung eben jenes „Bürgerforums“ teilnehmen durfte. Die Piraten hatten einen Antrag formuliert, wonach man doch mal die wenigen Bürger*innen, die dort vorsprechen, fragen sollte: Hat es Ihnen was gebracht, in dem „Forum“ vorstellig geworden zu sein oder nicht? Und was meinen Sie, könnte besser gemacht werden??? – Zwei oder drei kurze Fragen um Feedback zu bekommen, um mal zu erfahren, wieso das „Bürgerforum“ so ein Flopp ist.

Das „Bürgerforum“ ist (geschätzt) 90 Prozent aller Aachener unbekannt, und macht auch nichts, um bekannter zu werden. Hätte es erfolgreich gearbeitet,

dann hätte sich das in Aachen innerhalb von zwei Jahren rumgesprochen und das „Forum“ würde genützt. Irgendwas macht man also falsch mit/in diesem Gremium, aber was?

Seit der letzten Kommunalwahl gibt es das „Bürgerforum“. Es sollte eine Anlaufstelle sein für all diejenigen, die meinen, dass in Aachen an irgendeiner Ecke gerade etwas ziemlich schief läuft und die Vorschläge haben, wie man was besser machen kann. Ausgegangen wird von der Tatsache, dass Menschen oft besser Bescheid wissen über „ihre“ Umgebung als die Stadtverwaltung. (Damit ist nicht im geringsten eine Kritik an der Stadtverwaltung gemeint.)

Über den Piratenantrag, den Wunsch nach Feedback, gab es von Seiten der anderen Parteien nur Entrüstung und Ablehnung. So als hätten die Piraten ein richtig unverschämtes Anliegen vorgetragen. Besonders die Grünen sehen bei Piraten-Anliegen immer

Längst nicht jedem in den politischen Gremien der Stadt willkommen: Piraten, hier bei der Arbeit. 12 versammeln sich einmal pro Woche im Fraktionsbüro am Klatschhof.

Längst nicht jedem in den politischen Gremien der Stadt willkommen: Piraten, hier bei der Arbeit. 10 bis 12 versammeln sich einmal pro Woche im Fraktionsbüro am Katschhof.

wie Angstbeißer aus (subjektiver Eindruck), wie jemand, der hassvoll auf etwas draufknüppelt. – Jedes Mal denke ich: Wie sonderbar, was haben wir denen angetan?

Auch jetzt im Bürgerforum war die sonst so ruhige und stets freundliche grüne Vorsitzende geradezu erregt, so schien mir. Schon als sie den nächsten Punkt der Tagesordnung (den Piratenantrag) ankündigte, formulierte sie vorab ein bisschen höhnisch, jetzt – so müsse sie sagen – komme etwas besonders Blödsinniges an die Reihe (sinngemäß zitiert).

Na ja, die Sache wurde letztlich an den Rat verwiesen, der soll sich damit befassen. Der Piraten-Antrag wird wohl abgewiesen. Piraten-Wegbeißen, das haben sich die anderen Parteien – meiner Meinung nach – vorgenommen, auf dass Piraten im nächsten Rat nicht mehr vertreten sind. Mal sehen.

Der Vertreter von Die Linke und ich kamen beim Nachzählen auf 16 Bürger*innen-Anträge in zwei Jahren. Wir fanden das deutlich, fanden das zu wenig, wenn man bedenkt, was alles in Aachen an einen herangetragen wird an Verbesserungsvorschlägen. Eine Zeitung schreibt von 40 Anträgen und rechnet einfach die Anträge der Politiker und der semiprofessionellen Initiativen dazu. Falsch gedacht. So kommt man den Tatsachen, die zu Verbesserungsvorschlägen führen, nicht auf die Spur. Schönfärberei hat noch nie einer Sache genützt.

Das „Bürgerforum“ ist bis jetzt noch oft eine Scheinveranstaltung, es simuliert Bürgernähe, es sollte an sich arbeiten. Macht es das nicht, wird es überflüssig. Dann sollte man lieber die zugunsten des Bürgerforums abgeschafften Bürgerfragestunden vor den Ausschuss-Sitzungen wieder einführen.

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Tagesmütter: Wichtig für Familien, aber extrem ungerecht bezahlt

Zeigten im Ausschuss Präsenz und kämpften für ihr Anliegen: Tagesmütter und -väter aus Aachen.

Zeigten im Ausschuss Präsenz und kämpften für ihr Anliegen: Tagesmütter und -väter aus Aachen.

Die Tagesmütter und -väter  – sie betreuen in Aachen zur Zeit immerhin 567 Kinder – werden von der Stadt Aachen voll verarscht. Sie werden nicht leistungsgerecht bezahlt. So urteilte dieser Tage ein Gericht. Die Stadtverwaltung änderte die Richtlinien, und was war??? – Sie haben Richtlinien gebastelt, die die Tagesmütter und -väter wieder benachteiligen und finanziell kein bisschen besser stellen als zuvor. Dazu schreibt eine Tagesmutter, deren Text ich nur leicht verändert habe:

Die Probleme, die die 130 Aachener Tagesmütter (korrekt: Kindertagespflegepersonen. Es sind auch Männer dabei.) mit der Stadtverwaltung haben, haben schon eine Geschichte. Lange Zeit setzte sich die Stadt nämlich über geltendes Recht hinweg und förderte die Kindertagespflege einfach NICHT.

Die Eltern mussten bis Sommer 2013 die Kindertagespflege komplett aus eigener Tasche bezahlen. Erst auf dem Klageweg konnte die Stadtverwaltung dazu gebracht werden, geltendes Recht anzuerkennen und auch umzusetzen.

Im August 2013 kamen die jetzt noch gültigen Richtlinien (alte Richtlinien) auf den Tisch. Auch in diesen Richtlinien wird wieder gegen geltendes Recht verstoßen. Weil die Verwaltung/das Jugendamt sich durch Gespräche mit der IG (Interessengemeinschaft der Aachener Kindertagespflegepersonen) nicht zu Verbesserungen der Rahmenbedingungen überzeugen ließ, wurde im Sommer 2014 gegen die Richtlinien Klage erhoben. Mit Erfolg.

Im Juli 2016 (nach sage und schreibe 2 Jahren) entschied das Gericht, dass die Richtlinien überarbeitet werden müssen. Hauptsächlich in den Punkten „Differenzierung in Sachaufwand und Anerkennungsbeitrag“ (die Stadt hat einen nicht aufgeschlüsselten Betrag überwiesen), „Höhe der laufenden Geldleistungen“ und Fördersystematik (keine großen Stundenkorridore) sollte nachgebessert werden.

Die Freude der Tagesmütter und -väter in Aachen war groß über den errungenen Erfolg vor Gericht. Sofort wurden Termine mit der Verwaltung ausgemacht, da die IG die Hoffnung hatte, an der Ausarbeitung der neuen Richtlinien teilhaben zu dürfen. Diese Hoffnung wurde bitter enttäuscht.

„Wir durften zwar Stellung beziehen und Wünsche äußern, an der Ausarbeitung der neuen Richtlinien waren wir aber nicht beteiligt. Das einzige Zugeständnis, das uns gemacht wurde, war, dass wir den neuen Entwurf einsehen durften, bevor er im zuständigen Ausschuss am 29. November als Empfehlung für den Rat beschlossen werden sollte. Als uns der Entwurf dann vorlag war klar, dass es keine wirklichen Verbesserungen für uns gibt.“

Zwar soll jetzt in den Bescheiden eine Differenzierung zwischen Sachaufwand, protest_2-2Förderleistungsbetrag und Sozialversicherungsbeiträgen erfolgen, die Stundenkorridore wurden zugunsten einer stundengenauen Betreuungszeit abgeschafft und der Anerkennungsbeitrag für die Förderleistung wurde erhöht.
Im Gegenzug zu diesen positiven Veränderungen sollen aber Urlaubs- und Krankheitstage nicht mehr bezahlt werden (bis jetzt galt die Regelung, dass 5 Tage zusammenhängende Krankheit und Urlaub weiterbezahlt wurde).

Auch bei Fehlzeiten des Tageskindes, die 4 Wochen im Jahr überschreiten sowie Krankheit des Tageskindes von mehr als 14 Tagen pro Krankheit (Ausnahme: Es gibt ein Attest, dann bis zu acht Wochen) soll es Abzüge geben.

Der Verein Familiäre Tagesbetreuung hat in einer Stellungnahme zu allen problematischen Punkten fundierte Änderungsvorschläge ausgearbeitet und der Verwaltung vor der Abstimmung im Ausschuss zukommen lassen. Die Stellungnahme wurde nicht beachtet, obwohl Frau Konrath (Geschäftsführerin der Fam. Tagesbetreuung e.V.) auch auf rechtlich problematische Punkte des Entwurfes hingewiesen hat.

Auch die IG hat mit der Piratenfraktion zusammen einen alternativen Entwurf der Richtlinien mit genauen Erklärungen der Änderungsvorschläge erarbeitet und im Ausschuss als Gegenvorschlag einbringen lassen. Der Vertreter der Piratenpartei hat dem Ausschuss die prägnantesten Änderungen verständlich dargelegt.

Aber: Die Verwaltung und die Politiker hatten offensichtlich kein Interesse an einem Alternativvorschlag. Die abstimmenden Politiker*innen waren nicht gewillt, sich mit der Thematik intensiv zu beschäftigen, da diese „für die Kürze der Zeit zu komplex“ sei, so wurde gesagt. Also wurde – trotz fehlender Kenntnis der Tatsachen – der Entwurf der Verwaltung, mit lediglich 5 Enthaltungen, als Empfehlung an den Rat am 21. Dezember beschlossen.

Trotz einer großen Menge an protestierenden Betroffenen (die IG hat ca. 150 Eltern/Kinder und Kindertagespflegepersonen mobilisiert, die ihren Unmut über die neuen Richtlinien auf Plakaten in der Sitzung äußerten), konnte diese Empfehlung an den Rat nicht verhindert werden.

„Für akzeptable Rahmenbedingungen müssen wir, wenn die Richtlinien doch verabschiedet werden sollten, wieder klagen“, so Christine Frels, eine der Tagesmütter in Aachen.

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