Klosteranlage, Radschnellweg und ein neues Hotel

karmelitinnen Aachen

Hinweise eines Lesers bringen neue Erkenntnisse über das Kloster in der Lousbergstraße. Das Kloster fiel Mitgliedern der Piratenpartei bei der Suche nach Unterkünften für Flüchtlinge auf.

Neues von der verlassenen  Klosteranlage in der Lousbergstraße , die gut geeignet erscheint für die Unterbringung von Flüchtlingen. Ich hatte mir das Kloster näher angesehen, einige Fotos gemacht und darüber berichtet. Dank eines Leser-Hinweises habe ich jetzt erfahren, dass das Kloster immerhin bis 2009  bewohnt war.

Auch ist jetzt klar, dass es 2009 an einen „Investor“ verkauft wurde, der es zu hochwertigen Seniorenwohnungen umbauen lassen wollte. Daraus ist aber –

Blick auf die  Klosteranlage von der Straße aus. Man sieht hier nur 10 Prozent von der großen Anlage. Im Netz seht ihr auf den bekannten Seiten deutlich mehr.

Blick auf die Klosteranlage – von der Straße aus. Man sieht hier nur 10 Prozent von der großen Anlage. Im Netz seht ihr auf den bekannten Seiten deutlich mehr.

allem Anschein nach – nichts geworden. „Auch Denkmalamt, Gartendenkmalamt und Umweltamt wurden (2009) eingeschaltet“, heißt es in einem Bericht. Vielleicht kann man den neuen Eigentümer (Petruswerk Berlin, „ein Investor mit kirchennaher Herkunft und Perspektive“) kontaktieren und mal nachfragen, ob er es zum Herrichten der Stadt überlassen will. Oder hat auch er seinerseits die Anlage verkauft?

Was sagt Aachens Oberbürgermeister zu der Möglichkeit der Beschlagnahme? Lohnt es sich, dazu eine Anfrage an Rat und Verwaltung zu stellen?

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Sehr erhellend war der Vortrag von Uwe Zink zum Radschnellweg Aachen – Herzogenrath, der 15 bis 18 Millionen Euro kosten soll. Die Kosten können bisher nur grob geschätzt werden, weil noch nicht feststeht, wo der Radschnellweg genau entlang führen soll. Auf einer Seite im Netz haben schon 80 Bürgerinnen und Bürger Vorschläge gemacht, darunter sind einige recht brauchbare.

Erst wenn feststeht, wo der Radschnellweg genau langführen könnte, wie viele Brücken und Tunnel man bauen müsste und wie viel alles kostet, müssen die

Freie Wähler und Piraten hatten zum Info-Termin eingeladen.

Freie Wähler und Piraten hatten zum Info-Termin eingeladen.

Politiker in Aachen, in Herzogenrath und in der Städteregion (3 Kommunalparlamente) entscheiden, ob sie den Radschnellweg überhaupt wollen. 80 Prozent der Kosten spendiert die NRW-Regierung, die als rot-grüne Truppe natürlich das Geld, das nun mal da ist, gemäß ihrer Ideologie für ökologisch sinnvolle Projekte ausgeben will. Wenn nicht in der Städteregion Aachen, dann eben woanders. Das haben mit Mehrheit gewählte Politiker entschieden. Es ist ihr gutes Recht.

Sich da zu sperren und zu sagen: Das Geld wollen wir lieber sparen, das sei  gewissermaßen kleinkariert und provinziell. Das sagte Uwe Zink sinngemäß, der erfreulich offen mit uns geredet hat.

Zink ist übrigens bei der Städteregion Dezernent für Umwelt, Kreisplanung, Bau-, Kataster- und Vermessungswesen. Er tischte auch Zahlen auf (480.000 Fahrräder und Pedelecs werden in Deutschland pro Jahr gekauft) und plädierte dafür, die Verkehrswege, also die Transportwege für Menschen und Waren, zukunftsfähig zu machen. Autos, die Sprit verbrauchen, hält er  – auf mehreren Ebenen – für nicht unbedingt zukunftsfähig.

Der Radschnellweg (kaum Steigungen, kein Gegenverkehr, glatte Fahrbahn) würde für den Berufsverkehr gebaut, und ich weiß tatsächlich nicht, ob ich noch angemessen aussehe, wenn ich im voreifeler Regenwetter 22 Kilometer von Herzogenrath nach Aachen zur Arbeit radele. Man möchte schließlich in Seidenbluse und hohen Schuhen für den Job cool gekleidet sein, auch Herren übrigens. Aber Zink und die meisten Anwesenden meinten sinngemäß, das sei ja wohl das geringste Problem.

Bei den Piraten gibt es Gegner und starke Befürworter des Radschnellweges. Wir haben mit Uwe Zink umfassend zwei Stunden lang – von den Kosten bis zum Radverkehr in Aachen – vieles diskutiert, und es war wieder mal gut, „sachkundige Bürgerin“ zu sein.

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Zwei Stolpersteine vor einem Geschäft in der Adalbertstraße.

Zwei Stolpersteine vor einem Geschäft in der Adalbertstraße.

Der Rat der Stadt wird neue „Stolpersteine“ verlegen lassen. Und zwar vor dem letzten bekannten und selbst gewählten Wohnsitz von Sibilla Levy an der Straße „An den Frauenbrüdern“ 4 sowie am ehemaligen Wohnsitz von Emma und Hugo Hartog an der Weißenburgerstraße 40 (Nähe Kennedypark).

Seit 2008 erinnern die Stolpersteine in Aachen an Bürgerinnen und Bürger der Stadt, die im Dritten Reich deportiert und ermordet oder zur Flucht aus Deutschland gezwungen waren. Die Stolpersteine sind Messingquader, in die jeweils der Name, die Lebensdaten und das Schicksal eines Aacheners oder einer Aachenerin eingraviert sind, die dem Nationalsozialismus zum Opfer fielen. Weitere Infos: www.wgdv.de

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Das Presseamt teilt mit: Ein Hotel und zwei Wohnhäuser entstehen bis Mitte 2017 auf einem 5000 Quadratmeter großen Eckgrundstück an der Ecke Krefelder Straße/Merowingerstraße (Gelände altes Tivoli-Stadion). Oberbürgermeister Marcel Philipp stellte das Projekt kürzlich mit Vertretern der Firma DAixKo GbR, einem Zusammenschluss der Firmen Derichs & Konertz und AIXACT Immobilien, und den verantwortlichen Architekten vor.

Neuere, große Gebäude in Aachen sehen ja eigentlich alle gleich aus. Eine Uniformität, die mir gefällt.

Neuere, große Gebäude in Aachen sehen ja eigentlich alle gleich aus. Eine Uniformität, die mir gefällt. Oben: Franzstraße, unten: Zollernstraße. Ganz unten: Studentenwohnanlage in der Rütscher Straße

Der Planungsentwurf für das Hotel stammt vom Architekturbüro Benthem Crouwel (BC): 164 Zimmer, ungewöhnliche, lamellenartige und purpurfarbene Fassade. Purpur wirke kostbar und außerordentlich angenehm, sagte der Architekt. Das neue Hotel wird einmal von der Kette „Hampton by Hilton“ betrieben – im Drei-Sterne-Bereich.

neu_7931Hinter dem Hotel entstehen noch zwei Wohnhäuser mit 34 Wohnungen, von denen acht öffentlich gefördert sein werden. „Die Wohnungen sind 60 bis 150 Quadratmeter groß“, erklärte der Aachener Architekt Manfred Hammers, der die beiden Wohnhäuser geplant hat. Im Erdgeschoss: großzügige Gärten. In den oberen Etagen: Penthouse-Wohnungen mit einem Panoramablick auf den Lousberg und in die Soers.

Es wird eine gemeinsame Tiefgarage (für 91 Fahrzeuge) für Hotel und Wohnungsbau geben. Erschlossen wird das Hotel zum einen durch eine Vorfahrt an der Merowingerstraße, zum anderen durch die Tiefgaragenzufahrt, die sich im Baugebiet Alter Tivoli befindet. „Die Bauarbeiten für Hotel und Wohnhäuser sollen zum Jahreswechsel 2015/16 beginnen“, sagte laut Presseamt Dieter Laskowski vom Bauunternehmen Derichs und Konertz. Die Wohnhäuser sollen bis Ende 2016 fertig gestellt, das Hotel Mitte 2017 eröffnet werden. Die Investoren gehen von einem Kostenvolumen von rund 22 Millionen Euro aus.

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Wohnraum ist da, nur genutzt wird er nicht

Verlassenes Karmelitinnen Kloater in Aachen

Verlassenes Karmelitinnen-Kloster in Aachen. Das Kloster ist schwer zugänglich und hat vermutlich drei Innenhöfe. Die Anlage reicht von der Lousbergstraße bis zur Nizzaallee.

Aachen, Lousberstraße 14: Hier befindet sich nicht genutzter Wohnraum. Lassen sich hier Unterkünfte für Flüchtlinge herrichten?

Aachen, Lousberstraße: Dort befindet sich nicht genutzter Wohnraum. Lassen sich hier Unterkünfte für Flüchtlinge herrichten? Es ist nicht gerade sozial, so viel Wohnraum so viele Jahre völlig ungenutzt zu lassen.

Wohin mit all den Flüchtlingen? An die 2000 könnten es Ende dieses Jahres sein. Und wie viele werden 2016 kommen? Wo in Aachen sollen diese Menschen wohnen? In Containern, neuerdings Wohnmodule genannt, die drei Etagen hoch gestapelt werden? Etwas außerhalb von Aachen, auf einem Sportplatz beispielsweise? Oder doch lieber citynah und in Gebäuden aus Beton und Stein?

Dieser Tage habe ich mir (freundlich unterstützt von n.n.) ein Kloster

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Wir haben geklingelt, geöffnet hat niemand.

angesehen, leider nur von außen. Es ist eine große Anlage mit vielen Räumen und einem Garten. Alle Türen waren gut verschlossen, aufs Klingeln hat niemand reagiert. Das Gebäude befindet sich in der Lousbergstraße und macht einen guten Eindruck: Eben weil niemand eindringen konnte, sind offenbar  auch alle Leitungen und Rohre noch in den Wänden und sanitäre Anlagen nicht herausgerissen. Keine einzige Scheibe war eingeschlagen, keine Türe eingedrückt, keine Gardine runtergerissen, keine Dachziegel fehlte – wie sollte es auch?

Warum darf hier niemand wohnen? Die Nonnen haben das Kloster längst verlassen.

Warum darf hier niemand wohnen? Die Nonnen haben das Kloster längst verlassen.

Allerdings ist dort definitiv seit langem niemand mehr ein- und ausgegangen. Das zeigte der Bewuchs mit Grünzeug.

Dieses Kloster (der Karmelitinnen) könnte die Stadtverwaltung möglicherweise beschlagnahmen und für Flüchtlinge herrichten lassen. Ein entsprechender Antrag (der Piratenpartei) richtete sich jedenfalls an den Aachener Oberbürgermeister. Der Antrag wurde aber gar nicht diskutiert und über ihn auch nicht abgestimmt, und ich versteh bis heute nicht, warum.

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Zu. Aber selbst die Lampen an den Eingängen sind noch intakt.

Hätte der Rat der Stadt diesen Antrag diskutiert und dann abgelehnt, so könnte er sich mit der nächsten guten Idee befassen: Errichtung von Wohnraum auf dem Aachener Blücherplatz. Gedacht ist jetzt nicht an Gebäude mit Kellern oder Garagen und allem Komfort, sondern an preiswerte Leichtbauweise, an Häuser, die in neun Monaten hochgezogen werden und in vielleicht zehn Jahren einfach wieder abgetragen werden können. Die Stadtverwaltung selbst fand den Blücherplatz in ihrem Konzept „Aachen Strategie Wohnen 2020“ schon geeignet und hat ihn zum Bebauen vorgeschlagen (Achtung: pdf, s. Seite 64). Auch damit befasste sich die Politik, obwohl ein entsprechender Piraten-Antrag vorlag, nicht. Ebenso erging es folgenden Anträgen: 1. Entwicklung der Kirche St.

Die Eingangstüren lassen sich zählen, die Wohneinheiten von außen nicht. Wieviele Nonnen haben hier einst gelebt?

Die Eingangstüren lassen sich zählen, die Wohneinheiten von außen nicht. Wieviele Nonnen haben hier einst gelebt? Warum wird die Anlage jetzt nicht genutzt, da in Aachen  Wohnraum äußerst knapp ist?

Elisabeth, insbesondere der  Nebengebäude (wird alles nicht mehr genutzt und steht zum Verkauf) für die Flüchtlingsunterbringung. 2. Nutzung des Depot Talstraße für die Flüchtlingsunterbringung. Für das Depot, das zur Zeit hergerichtet wird, gibt es noch keinen einzigen Mieter. Sollte das so bleiben, dann . . .    3. Entwicklung des etwa  zur Hälfte leerstehenden Schulgebäudes in der Eintrachtstraße und Bebauung eines direkt daneben befindlichen Grundstücks mit einfachem Wohnungsbau. 4. Entwicklung des Grundstücks Münsterstraße/rückseitig Vennbahnweg für Flüchtlingsunterkünfte. Weitere Vorschläge gibt es, die erspare ich mir.

Ich finde es ärgerlich, wenn man sich statt mit dem Finden von Wohnraum für Flüchtlinge mit dem Schreiben von Beschwerdebriefen befassen muss, weil man nicht versteht, bzw. nicht schlüssig erklärt bekommt, warum sieben bis acht Anträge einfach nicht behandelt werden.

Wo niemand wohnt, da macht sich die Natur breit. So auch in der Klosteranlage der Karmelitinnen in der Aachener Lousbergstraße.

Wo niemand wohnt, da macht sich die Natur breit. So auch in der Klosteranlage der Karmelitinnen in der Aachener Lousbergstraße.

Zu dem Karmelitinnen-Kloster bleibt zu sagen, dass höchstwahrscheinlich Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff oder das Bistum Aachen nicht befugt sind, eine Nutzung zu erlauben oder zu versagen. Die Klöster sind quasi Privateigentum des jeweiligen Ordens, und die „Chefs“ sitzen meistens in Rom. Denen kann keiner reinreden.

Man kann mit diesen Personen aber per Mail Kontakt aufnehmen wie ich es – nebenbei gesagt – vor Jahren mal getan habe, als es um ein Karmelitinnen-Kloster in Zweifall (Stolberg) ging. Das Kloster sollte geschlossen werden, die Nonnen weigerten sich auszuziehen, und als sie weggebracht werden sollten, da haben die Nonnen die Polizei gerufen. Die Polizei hat den Nonnen prompt geholfen, und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute in dem Kloster und finanzieren sich mit dem Backen von Hostien.

Unten noch ein Foto aus Aachen.

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Flüchtlinge, wohin? Nach Haaren, zum Kronenberg und an die Adenauerallee

Hier sollen 57 Container aufgestellt werden, in denen dann Flüchtlinge wohnen können. Die Anwohner haben sich zu einer Bürgerinitiative formiert: Sie fordern, de Flüchtlinge in festen Wohngebäuden unterzubringen.

Auf dem Sportplatz an der Adenauerallee, in der Nähe vom Hotel Buschhausen,  sollen 57 Container für Flüchtlinge aufgestellt werden Die Anwohner haben sich zu einer Bürgerinitiative formiert. Sie fordern, die Flüchtlinge in festen Wohngebäuden unterzubringen.

Das ist der Sportplatz, aber von der genau anderen Seite aus fotografiert.

Das ist der Sportplatz, aber von der genau anderen Seite aus fotografiert.

Weit weniger turbulent als bei der Sondersitzung ging es im Rat der Stadt zu, als die Unterbringung von Flüchtlingen zur Diskussion stand. Wieder füllten Bürgerinnen und Bürger alle Zuschauerplätze. Beschlossen wurde, dass 57 Container gemietet und auf dem Sportplatz an der Aachener Adenauerallee aufgestellt werden (Foto: oben).

Beschlossen wurde weiterhin, dass 33 Container (für 50 Personen)  gekauft und in der Laachgasse in Haaren aufgestellt werden. Die Formation wird  ein dreigeschossiger Riegel sein.

Außerdem bestimmten die Politiker (alles gegen die Stimmen der drei Vertreter der Piratenpartei), dass auf dem Parkplatz Kronenberg/Gemmenicher Weg zwei dreigeschossige Riegel gekauft und aufgestellt werden, nämlich 57 Container für genau 78 Menschen.

Wer an dem Sportplatz entlang spaziert. dem begegnet dieses Ungeheuer.

Wer an dem Sportplatz entlang spaziert. dem begegnet dieses Ungeheuer.

Die Gegend um den Sportplatz ist idyllisch (s. Foto: links). Weit und breit sind keine Geschäfte zu sehen, zum Einkaufen muss man mit dem Auto nach Burtscheid fahren. Die Anwohner hatten in einer Stellungnahme den Vorschlag gemacht, die Flüchtlinge in diesem Gebäude (s. unten) einzuquartieren. Das Gebäude müsste aber dann noch hergerichtet werden. „Dauert drei Jahre“, so der zuständige Mitarbeiter der Stadtverwaltung in der Sitzung des Rates. Doch man kann sich auch auf die Suche nach Gebäuden machen, die zwar leer stehen, aber innen noch funktionsfähig sind.

Steht seit Jahren leer und war mal die Unterkunft einer Verwaltung, welche, ich mir entfallen. Soll jetzt innen komplett zerstört sein. Davon konnte ich nichts erkennen.

Steht seit Jahren leer und war mal die Unterkunft einer Verwaltung, welche, ist mir entfallen. Das Bauwerk soll jetzt innen komplett zerstört sein. Davon konnte ich nichts erkennen.

So sieht das Gebäude in Nähe der Adenauerallee aus, das die Anwohner für die Flüchtlinge im Auge hatten und vielleicht auch noch haben. Warnung: Es ist übrigens absolut verboten, so nah an das Teil heranzugehen.

Noch ein Blick auf das Gebäude in Nähe der Adenauerallee, das die Anwohner für die Flüchtlinge im Auge hatten und vielleicht auch noch haben. Warnung: Es ist absolut verboten, so nah an das Teil heranzugehen.

Da ich heute auch an der Nizzaallee zu tun hatte, fiel mir dieses Gebäude der RWTH ins Auge: Komplett leer.

Steht leer und wäre eventuell auch als Unterkunft für Flüchtlinge geeignet? Die Nähe zu Geschäften und der Innenstadt wäre auch von Vorteil.

Steht leer und wäre eventuell auch als Unterkunft für Flüchtlinge geeignet? Die Nähe zu Geschäften und der Innenstadt wäre auch von Vorteil.

Zurück zur Sitzung des Stadtrates. Der Vertreter der AfD fiel auf, weil er betonte, es müssten viel schneller diejenigen zurückgeführt werden, die zwar vor Hunger und Elend nach Aachen geflüchtet seien, aber nicht anerkannt werden.  Harald Baal, Fraktionschef der CDU, wies den AfDler sofort in die Schranken. Alle Flüchtlinge würden gleich behandelt, es werde nicht nach Herkunftsländern unterschieden und allgemein werde ganz nach Recht und Gesetz verfahren.

Bei der Debatte um Flüchtlinge melden sich immer auch die Vertreter vom rechten Rand zu Wort. Im Rat von Aachen gefällt mir, dass der menschenverachtende Tenor der Argumente stets sofort offengelegt und zurückgewiesen wird. Prima.

Das sagte Marc Teuku im Rat der Stadt (am 24. Juni) 

 

 

 

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Bürger gegen Unterbringung in Containern

Immer mehr Flüchtlinge kommen nach Aachen. Im Rathaus wird um menschenwürdige Lösungen für ihre Unterbringungen gerungen. Bürgerinnen und Bürger bestehen darauf, bei den Planungen mitgenommen zu werden.

Immer mehr Flüchtlinge kommen nach Aachen. Im Rathaus wird um menschenwürdige Lösungen für ihre Unterbringungen gerungen. Bürgerinnen und Bürger bestehen darauf, an den Planungen beteiligt zu werden.

Das hatten sich die Bürger auch anders vorgestellt: Gestern (23. Juni) besuchten sie eine wichtige Sondersitzung zum Thema „Unterbringung von Flüchtlingen in Aachen“. Im Ratssaal mussten sie sich vom Fraktionsvorsitzenden der CDU, Harald Baal, Vorwürfe bezüglich ihres Sprachgebrauchs anhören. Baal stellte die Menschen, die für Flüchtlinge Häuser statt Container fordern, in die rechte Ecke. Es blieb einem fast das Herz stehen und Atemschwierigkeiten stellten sich ein, so ungeheuerlich waren die Vorwürfe.

Es ging um die Fragen: Wo sollen über 1000 Flüchtlinge, die noch kommen, wohnen? Werden Container aufgestellt, und was wird das kosten? Zunächst gab es von Seiten der Verwaltung unter anderem Fotos von Containern in Burtscheid, wo 20 Minderjährige, die allein nach Aachen gekommen sind, drin wohnen. Diese Vorzeige-Container sind wirklich eine hinnehmbare Unterkunft.

Aber es soll keiner glauben, dass die 50 Container, die demnächst auf dem Sportplatz Adenauerallee aufgestellt werden, und die anderen Container, die noch kommen, auch nur in etwa ähnlich sein werden zu dem, was in Burtscheid zu besichtigen ist. Da werden sich die Leute noch umschauen, wenn Ende des Jahres über 100 Erwachsene in 3-Etagen-Containerbauten leben. Es ist nicht fair den Menschen zu erklären, es würde alles so nett ausgestaltet wie für die Minderjährigen.

Die 2 Piraten Udo Pütz und Marc Teuku (Foto: s. unten) haben im Ausschuss versucht, sich für Unterbringung in

Kleiner Werbeblock.

Kleiner Werbeblock. Das Egmont befindet sich in der Pontstraße in der Nähe vom Markt.

leerstehenden Kasernen und Klöstern stark zu machen und sofort Leichtbauhäuser wie in Münster da zu errichten, wo laut Stadtverwaltung sowieso sofort gebaut werden kann. Die Piraten erhielten Applaus von den Zuschauern, von den übrigen Politikern wurden sie verbal niedergemacht.

Ein Ex-ProNRWler (rechte Splitterpartei) meinte, das Problem sei unlösbar und es würden immer mehr und mehr und mehr Flüchtlinge kommen. Was Quatsch ist. Es handelt sich um ein Problem, das lösbar ist, wie schon nach dem Krieg in Deutschland mehrere Millionen Flüchtlinge aufgenommen und integriert wurden. In Aachen, der Stadt von den beiden großen Hilfswerken Missio  und Misereor, wurden schon weit schlimmere Lagen bewältigt.

Schwierig, aber nicht hoffnungslos ist die Lage: Aachen mit seinen 56.000 Studierenden ist sozusagen ausgebucht. Die Stadt gehört zu den Kommunen, in denen ab Juli die Mietpreisbremse bis 2020 gilt. 975 Flüchtlinge sind bereits in Aachen. Bis Ende des Jahres könnten es insgesamt 2200 sein. Manche dürfen arbeiten, werden aber wohl keinen Arbeitsplatz finden.

Es ist eine Riesenherausforderung, und im Grunde möchten alle  – die Bürgerinnen und Bürger,  die Politiker, der Oberbürgermeister und die Stadtverwaltung – akzeptable Lösungen. Heute, im Rat, wird weiter darum gerungen.

Meine Darstellung ist subjektiv. Bildet euch über die gestrige Sitzung eine eigene

Udo pütz (l.9 und Marc Teuku, Piratenpartei.

Udo Pütz (l.) und Marc Teuku, für die Piratenpartei im Rat der Stadt Aachen aktiv.

Meinung und lest als Kontrast die Berichte in den 2 Aachener Tageszeitungen. Zum Beispiel im Café Egmont (Pontstraße)  gibt es beide Zeitungen. Heute wird das Thema in der Ratssitzung behandelt. Wenn ich wieder einen Sitzplatz bekomme, werde ich wieder aus der Sitzung twittern. Wie gestern unter @feuertinte

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Hier bringe ich der Vollständigkeit halber das, was das Presseamt der Stadtverwaltung als Ergebnis der Sitzung offiziell mitgeteilt hat. Das sind natürlich nur die Ergebnisse und nichts zum Atmosphärischen:

 

„Nach intensiver Diskussion haben heute Abend (23. Juni 2015) der städtische Sozialausschuss, der Finanzausschuss sowie der Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss dem Rat der Stadt Aachen empfohlen, der Vorgehensweise der Verwaltung zur Deckung des Wohnbedarfs für Flüchtlinge zuzustimmen und die finanziellen Mittel für eine kurzfristige Unterbringung von Flüchtlingen in Containern deckungsfähig im Haushalt einzuplanen.   

Entsprechend sollen 90 mobile Wohneinheiten zum Ankauf ausgeschrieben werden. Davon werden zunächst 33 Container, die Platz für ungefähr 50 Menschen bieten, an der Laachgasse in Haaren aufgestellt. 57 Container, die 78 Menschen beherbergen können, sollen in einem zweiten Schritt nach dem Vorschlag der Verwaltung auf den hergerichteten Parkplatz Kronenberg/Gemmenicher Weg gestellt werden. Die Verwaltung schlägt weiter vor, 57 Wohncontainer anzumieten, die dann auf dem Sportplatz an der Adenauerallee stehen könnten. Darüber hinaus soll die Standortfrage außen vor bleiben und je nach aktueller Lage entschieden werden. 

In der Sondersitzung wurde erläutert, dass je 24 Wohncontainer und drei Allgemeincontainer einen Bebauungsriegel bilden. In jeden Riegel sind Wohnungen unterschiedlichster Größenordnungen geplant. An der Laachgasse in Haaren ist momentan ein dreigeschossiger Riegel geplant, am Kronenberg zwei dreigeschossige Riegel. Über die Anordnung der Container an der Adenauerallee  wird noch beraten. 

Sozialdezernent Dr. Manfred Sicking betonte noch einmal, dass das Aufstellen von Wohncontainern in Aachen ebenso wie die Herrichtung von Turnhallen eine reine Übergangslösung bis zur Bereitstellung von permanentem Wohnraum sei. „Die Schaffung von neuem Wohnraum zur Unterbringung von Flüchtlingen hat unsere absolute Priorität, braucht aber einen längeren Vorlauf. Zur Deckung dieses Bedarfs reichen aber die zur Verfügung stehenden Wohnungsbestände in der Stadt nicht aus“, so Sicking.

Bedingt durch die weltweite Flüchtlingssituation werden in den kommenden Monaten zahlreiche Flüchtlinge nach Deutschland und damit auch nach Aachen kommen. In Aachen sind aktuell rund 980 Flüchtlinge untergebracht. Unter anderem ausgehend von der Prognose des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge und unter Berücksichtigung weiterer Einflussfaktoren – Aufnahme unerlaubt eingereister Menschen, Aufnahmen aus des Aufnahmeprogrammen des Bundes, Aufnahmen aus dem Resettlementverfahren sowie laufende gesetzliche Entwicklungen – rechnet die Stadt bis Ende des Jahres aber insgesamt mit bis zu 

2 200 unterzubringenden Flüchtlingen. Auch im kommenden Jahr 2016 erwartet die Verwaltung einen weiteren Anstieg der Flüchtlingszahlen. Sie kalkuliert einen Nettozuwachs von 50 Menschen pro Monat ein, so dass zum Jahresende 2016 durchaus 2 800 Flüchtlinge oder mehr in Aachen leben könnten.“

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Das neue Leben soll kein Albtraum sein

Aus der Zeitung haben sie von dem Vorhaben erfahren. Und sofort haben sie sich zu einer Bürgerinitiative (BI) zusammengeschlossen: Aachener, die rund um den Sportplatz Adenauerallee wohnen und die dort geplante Unterbringung von Flüchtlingen in Containern für „eine unmenschliche und menschenunwürdige Form der Behausung“ halten.

Auf neun Seiten wendet sich die neue BI, die sich den sperrigen Namen „Bürgerinitiative Heidbendenstraße/Kornelimünsterweg/Adenauerallee“ gegeben hat,  an die Öffentlichkeit. Unter anderem ist in der Stellungnahme zu lesen:

„Die oft traumatisierten und schwer belasteten Flüchtlinge kommen aus Kriegs- oder Notstandgebieten, haben fürchterliche Odysseen auf ihrer Flucht nach Deutschland meist über ein bis zwei Jahre erlebt und sollen nun hier in engen Containersiedlungen auf engstem Raum ghettoisiert zu 80 und eventuell zukünftig auch bis zu 160 Menschen an der Adenauerallee auf einem derzeit unbefestigten Sportplatz leben.“

 

Und weiter heißt es da:

„Wir machen die Entscheidungsträger der Stadt schon jetzt darauf aufmerksam, dass wir die entsprechenden Stellen dafür haftbar machen, sollten Flüchtlinge, die in einer solchen campingähnlichen Massenunterkunft eingepfercht werden, oder auch Sozialarbeiter zu Schaden kommen!“

 

Statt der Unterkunft in Containern auf einem Sportplatz bevorzugt die BI die Unterbringungen der Menschen „direkt auf der gegenüberliegenden Straßenseite“ in einem großen, leerstehenden Gebäude des ehemaligen Landesstraßenbauamt. Die beiden Unterzeichner des Textes, Stefan Lindner und Dr. Christiane Rütgers, verlangen, dass die Stadtverwaltung zumindest einmal genau prüft, ob in den genannten Räumen (nach entsprechender Herrichtung) Menschen wohnen können.

Der Text schließt mit den Worten: „Wir sind bereit für ganz Aachen ein Bürgerbegehren und auch einen Bürgerentscheid umzusetzen, damit alle Aachener über eine Containerlösung für Flüchtlinge entscheiden dürfen!“

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Hier wegen der Brisanz des Themas und um nichts vorzuenthalten die Stellungnahme im Wortlaut für alle, die die nötige Zeit zum Lesen haben:

Bürgerinitiative

Heidbendenstraße/Kornelimünsterweg/Adenauerallee

Bürgeranliegen zur Planung von Containersiedlungen für Flüchtlinge in großem Maßstab zur Lösung des Unterbringungsproblems für die nächsten 3-5 Jahre. 

Containersiedlung Sportplatz Adenauerallee mit anfangs 57 Containern und 80 Menschen und Ausbaufähigkeit zweigeschossig auf 114 Container mit 160 Menschen

Sehr geehrte Damen und Herren,

nachdem wir erst Freitag, den 12.06.2015, aus der Presse erfuhren, dass eine Unterbringung in Containern der bis zum Jahresende in Aachen ankommenden Flüchtlinge neben Haaren und Kronenberg auf dem Sportplatz Adenauerallee geplant ist, hat sich innerhalb der letzten Woche eine schnell wachsende Bürgerinitiative gebildet, die die Unterbringung von Flüchtlingen in Containern für eine unmenschliche und menschenunwürdige Form der Behausung hält.

Die oft traumatisierten und schwer belasteten Flüchtlinge kommen aus Kriegs- oder Notstandgebieten, haben fürchterliche Odysseen auf ihrer Flucht nach Deutschland meist über ein bis zwei Jahre erlebt und sollen nun hier in engen Containersiedlungen auf engstem Raum ghettoisiert zu 80 und eventuell zukünftig auch bis zu 160 Menschen an der Adenauerallee auf einem derzeit unbefestigten Sportplatz leben.

Es ist unserer Meinung nach nicht zumutbar, so viele Menschen verschiedenster Nationen in diesen drei Standorten geballt unterzubringen. Die Flüchtlinge können in dieser Form nicht integriert und zumindest erst einmal nicht vernünftig aufgenommen werden. Diese Menschen und Familien suchen nach all den Schreckensjahren, die sie dazu zwangen ihre Heimat zu verlassen, einen Ort des Friedens und des Schutzes, um zur Ruhe zu kommen und eine neue Zukunft zu finden.

Unzumutbare Bedingungen in Containersiedlung vor allem in dieser Größe

Ein Asylantrag bedeutet zur Zeit zwischen 3 und 5 Jahren Wartezeit, so dass die in der Adenauerallee geplanten Familienunterkünfte zur Dauereinrichtung für diese Menschen werden. Ihre Kinder und Eltern stehen, sollte der Sportplatz nicht vollflächig versiegelt werden, in den vielen Regenmonaten Aachens von Oktober bis Mai/Juni im aufgeweichten Matsch. Zwei zusammengefügte Containereinheiten mit Bad und Küche bedeutet für eine Familie mit zwei oder drei Kindern zwei Schlaf- und Wohnräume von je maximal 9 Quadratmetern zuzüglich einer kleinen Küche und Duschbad. Wir fordern die Stadt Aachen auf, die europäische Menschenrechtskonvention sowie das Abstandsgebot zur Unterbringung von Sicherungsverwahrten mit 15 + 5 Quadratmetern pro Person ohne Toilette und Bad zumindest einzuhalten. (OLG Naumburg, Beschluß 30.11.2011, Az. 1Ws64/11)

Die unterzubringenden Menschen sollten nicht schlechter als Sicherungsverwahrte beherbergt werden, sondern besser! (Ihr Wohnbedarf stellt keine Unterbringung nach dem Strafvollzugsgesetz in Verbindung mit den Sicherungsverwahrungsvollzugsgesetz NRW da.)

Totale Überforderung der verantwortlichen Sozialarbeiter wegen Betreuerschlüssel

Die menschenunwürdige Planung verschärft sich zudem, da die Verwaltung der Stadt Aachen für 80 Flüchtlinge einen Betreuerschlüssel von nur einem Sozialarbeiter und einem Hausmeister (der sicher nicht entsprechend geschult ist, um die psychologische Erstversorgung dieser Menschen mit entsprechenden Sprachkenntnissen – mindestens Englisch und Französisch  – zu übernehmen) plant. Das heißt, dass die Menschen der Containersiedlung mit ihren vielen Ängsten und Nöten neben der unzureichenden Betreuung ab 16.00 Uhr sowie am Wochenende sogar von Freitagnachmittag bis Montagmorgen 8.00 Uhr sich selbst überlassen bleiben.
Eine 24-Stunden-Betreuung, insbesondere bei der Erstversorgung der Flüchtlinge in Sammelunterkünften und Auffangstationen mit grundsätzlich mindestens 2 Sozialarbeitern vor Ort zum Schutz und zur Hilfe der Menschen ist Mindestvoraussetzung und wird auch in anderen Flüchtlingssiedlungen so gehandhabt. Alle anderen Entscheidungen wären unverantwortlich und auch eine totale Überforderung für den Sozialarbeiter/in, der für jeden einzelnen gerade einmal 30 Minuten pro Woche (bei einer 40-Stunden-Woche) zur Verfügung hätte, ohne zusätzliche Verwaltungs- oder Organisationsaufgaben zu berücksichtigen!

Gerade in den Erstunterkünften muss den Menschen, die oft kein Wort Deutsch können, neben der menschlichen Komponente zum Einfinden in den Alltag von Grund auf alles erklärt werden. Die Kinder der Familien brauchen Kindergarten- oder Schulplätze, was wie für viele andere organisatorische Maßnahmen viele Telefonate erfordert und von einem Sozialarbeiter/in unmöglich zu bewältigen ist.

Wir machen die Entscheidungsträger der Stadt schon jetzt darauf aufmerksam, dass wir die entsprechenden Stellen dafür haftbar machen, sollten Flüchtlinge, die in einer solchen campingähnlichen Massenunterkunft eingepfercht werden, oder auch Sozialarbeiter zu Schaden kommen! 

Flüchtlingsrat NRW sagt NEIN zu Containern

Der Flüchtlingsrat NRW hat in einer Studie von Ende 2013 („Flüchtlingsunterkünfte in NRW – Ergebnisse einer Fragebogenerhebung des Flüchtlingsrates NRW“ unter www.frnrw.de) dringend darauf hingewiesen: Die Versorgung in „Sammelunterbringungen, auch in der ersten Phase, sollte grundsätzlich nicht in Containern oder in Einrichtungen in Leichtbauweise erfolgen.“(S.34)

„Der Flüchtlingsrat NRW fordert grundsätzlich eine dezentrale Unterbringung“ und besonders „Familien sollten möglichst zeitnah in Wohnungen untergebracht werden“.(S.34)

Die unverhältnismäßig starke Ballung von bis zu geplant mehr als 500 Flüchtlingen auf drei Containerplätzen ist eine Lösung, die den Menschen in diesen eng bebauten Grundstücken das Leben zu einem neuen – aber nun unerwarteten – Albtraum machen.

Städteplanerisch steht zudem die Ansiedlung von 80 bis 160 Menschen auf dem Sportplatz Adenauerallee in einem krassen Missverhältnis zu der zum Beispiel sofort angrenzenden Heidbendenstraße mit etwa 65 Anwohnern wie auch den anderen umliegenden Bereichen.

Wir verstehen nicht, dass die Stadt das sich selbst gesetzte Ziel von maximal 50 Personen pro Standort (laut Stadtverwaltung Aachen, Konzeptpapier vom 16.06.2015 zur Unterbringung von Flüchtlingen, Kap. 2.2 Die Parameter) schon bei den ersten drei Containerdörfern massiv überschreitet und fast verdoppelt! und so Flüchtlinge und umliegende Bevölkerung auf dem Ziel zu einer erfolgreichen Integration total überfordert.

Untersuchung zur infrastrukturellen Versorgung der Flüchtlinge 

Wir fordern die Vertreter der Stadt auf, eine Studie zur infrastrukturellen Versorgung der Bewohner der Containersiedlung an der Adenauerallee anfertigen zu lassen. Zwar ist das Geschäftsviertel in Burtscheid in etwa 1,5 Kilometern Entfernung mit einem Fußweg von 22 Minuten (eine Strecke) erreichbar, bietet jedoch nur hochpreisige Geschäfte (mit einem Lebensmittelgeschäft von Kaisers), das für eine Flüchtlingsfamilie auf Dauer unerschwinglich ist.

 Günstige Einkaufsmöglichkeiten wie Aldi, Lidl oder Netto finden sich erst in einer Entfernung von 2,2 km (Lidl, Eynattener Str.) bis 3,2 km (Aldi/Schillerstr.: 2,6 km sowie Aldi/Freunder Weg: 3,2 km) mit jeweils Fußmärschen von 30 bis 40 Minuten für eine Strecke, die auf dem Rückweg bei jeder Witterung mit allen Lebensmittel und Getränken wieder zurückgelegt werden müssen. In diesem Fall fordern wir für die Flüchtlinge, die sich vorwiegend aus Familien zusammensetzen sollen, auf jeden Fall freie Busfahrmöglichkeiten und Angebote zur Lösung des Einkaufsproblems. Als Anwohner sprechen wir hier aus langjähriger Erfahrung, können jedoch unsere Einkäufe im Gegensatz zu den ankommenden Flüchtlingen vorwiegend mit dem Auto erledigen.

Umfassende Information der Anwohner im Viertel und Wahrung der Verhältnismäßigkeit zur angrenzenden Wohnbevölkerung 

Wir erwarten – da die Anwohner, die einen großen Teil der Integration der Menschen mittragen sollen – eine umfängliche Einbindung und vollständige Offenlegung aller geplanten Maßnahmen! Wir fordern Einblick in die vorliegenden Schätzungen und Pläne zur Auslastung des Sportplatzes Adenauerallee mit Containern und ihre geplante Anordnung auf dem Platz sowie die mögliche geplante Maximalbelegung. 

Ein gravierender Eingriff in ein Wohngebiet und weitreichende städtebauliche Entscheidungen erfordern ein Planungsverfahren mit der Einbeziehung aller Anwohner und abwägender Entscheidungen. Die Aufstellung der Container soll hingegen auf Grundlage einer kurzfristig veröffentlichten Entscheidung der Verwaltung erfolgen, ohne dass den Betroffenen auch nur die Gelegenheit gegeben wurde sich zu äußern.

Der Sportplatz ist in dem Bebauungsplan Nr. 516 als „Sportgelände“ festgesetzt; im Übrigen sind eine Grünfläche und ganz überwiegend ein reines Wohngebiet festgesetzt. Wir behalten uns daher vor, eine Entscheidung zur Aufstellung der Container auf dem Sportplatz auf seine Rechtmäßigkeit und die Beachtung der planungsrechtlichen Vorgaben überprüfen zu lassen.

Bisher fühlen sich die Bewohner des Stadtviertels absolut  „überfahren“ und aus den Entscheidungen der Stadt ausgeschlossen. Eine verhältnismäßig an das umliegende Viertel in der Bevölkerungszahl angepasste Gruppe von Flüchtlingen könnte problemlos aufgefangen und unterstützt werden.

Wir verweisen hierbei auf die Einbindung der 16 Container mit zwei Wohngruppen zu je 10 Jugendlichen in das Viertel an der Karl-Marx-Allee. Diese von der evangelischen Kirche exzellent betreute Gruppe jugendlicher Flüchtlinge, wurde mit einem Betreuerschlüssel von 4,7 (!) Stellen pro 10 Jugendlichen sehr gut in das Viertel eingebunden und wird von der umliegenden Bevölkerung tatkräftig unterstützt.

Wahrung der Anforderung zum Schutz der Kaltluftschneise entlang des Gillesbaches

Auch die umwelttechnischen Auflagen der bisher über Jahrzehnte gut geschützten weiträumigen Kaltluftschneise entlang des Gillesbaches muss weiterhin gewahrt werden!

Nach dem gesamtstädtischen Klimagutachen der Stadt Aachen von Juni 2001 befindet sich das Sportplatzgelände in einem Kaltluftstrom für die Innenstadt mit einer wichtigen Versorgungsfunktion. Angesichts der übrigen sehr restriktiv gehandhabten Zulassung einer Bebauung in solchen Bereichen ist auch hier die Bedeutung dieser Freifläche für das Klima zu wahren. Nach der Begründung zum Bebauungsplan „Kornelimünsterweg/ Fuchserde“ Nr. 908A ist eine bauliche Verdichtung möglichst zu vermeiden. Eine Bebauung/Versiegelung entlang des Bachtals ist „streng abzulehnen“.

Daher sollte eine Bebauung des Sportplatzes mit Containern nur entlang der Heidbendenstraße und Ecke Heidbendenstraße/Adenauerallee erfolgen, wie auch eine Bebauung für normale Wohnhäuser aus städtebaulicher und klimatischer Sicht erlaubt wäre.
Sollte der Sportplatz bis zur Grenze zum Gillesbach vollständig mit Containern (eventuell sogar zweigeschossig) bebaut werden, würde man aus klimatischer Sicht wie mit einem Korken die Kaltluftschneise auf ihrem Weg in die dicht besiedelten Innenstadtgebiete stoppen!
Da Aachen sich in einer Talkessellage befindet, ist in den Sommermonaten für die dicht bebauten Innenstadtbereiche die Frischluftzufuhr, hier insbesondere in das Frankenbergerviertel und nach Burtscheid,  zum Schutz vor Überhitzung von eklatanter Bedeutung. Diese Zone entlang des Gillesbaches wurde in allen Bebauungsplänen immer ausdrücklich vor Bebauung geschützt.
Die Containersiedlung würde auch dem Klimafolgen-Anpassungskonzept für Aachen widersprechen, das im Frühjahr 2014 von Planungs- und Umweltpolitikern der Stadt gemeinsam mit Wissenschaftlern der RWTH erarbeitet und beschlossen wurde.

„Die Kaltluftschneisen, durch die Frischluft in die Stadt strömt, werden von Neubauten freigehalten.“ (siehe aktuelle Veröffentlichung auf der Homepage der Stadt Aachen)

Keine Ablehnung zur menschenwürdigen Unterbringung von Flüchtlingen im Viertel seitens der Anwohner 

Die Bewohner um den Sportplatz Adenauerallee wollen hiermit nochmals ausdrücklich betonen, dass sie eine Unterbringung von Flüchtlingen in ihrem Viertel in keiner Weise ablehnen. 

Jedoch sollte die Unterbringung menschenwürdig in festen Gebäuden mit ausreichend Aufenthalts- und Bewegungsmöglichkeiten erfolgen. Die Witterungsbedingungen in Aachen erfordern für die zu unterbringenden Menschen und Familien trockene und geschützte Wohnräume, in denen sie auch in den langen verregneten, kalten Wintermonaten (Oktober bis Mai) ein wirkliches Zuhause finden können.

Leerstehendes gegenüberliegendes Landesstraßenbauamt für Flüchtlinge renovieren 

Daher fordern wir als Alternative die Renovierung des direkt gegenüberliegenden großen Gebäudes vom Landesstraßenbauamt (von Straßen NRW der Bundes- und Landesimmobilien/BLB) an der Adenauerallee/Ecke Karl-Marx-Allee, das der Stadt Aachen zur Zeit über einen Bieterwettbewerb im Vorkaufsrecht zur Verfügung steht. Weder die RWTH noch die FH haben Bedarf angemeldet, so dass der Weg zur Unterbringung der Flüchtlinge hier frei wäre.

Dieses leerstehende Gebäude bietet ausreichend Platz zum Wohnen und für  Gemeinschaftsräume, um den Flüchtlingen bei der Erstaufnahme eine vernünftige neue „Heimat“ bieten zu können. Vor allem auch für die Kinder der Familien könnten hier Spielmöglichkeiten in Innenbereich und sogar Räume zum Erwerb der ersten deutschen Sprachkenntnisse angeboten werden. Abgesehen von dem gewaltigen Verwaltungsaufwand für diese Menschen, der hier durch die Sozialarbeiter in ausreichend großen Büroräumen in einer vernünftige Arbeitssituation umgesetzt werden kann. Um das Gebäude gibt es auf dem Grundstück große Freiflächen, die von den Bewohnern ebenfalls genutzt werden könnten.

Natürlich kommt in diesem Moment der Einwand der Stadtverwaltung, dass dieses Gebäude erst saniert werden müsste. Hier würden jedoch Steuergelder sinnvoll und langfristig investiert, die hohen Mieten für die primitiven Container mit 13,00 bis 15,00 Euro pro Quadratmeter würden nicht im Laufe von 3 bis 6 Jahren sinnlos verschleudert und den Menschen würde in einer für sie mit Abstand würdigeren Weise geholfen.

Alternative Übergangslösungen für Flüchtlinge statt Containern

Dr. Leo Löwenstein-Kaserne (ehemalige Gallwitz-Kaserne) wurde schon für Flüchtlinge genutzt

Als Übergangslösung bis zum Ende der Renovierungsarbeiten (ca. 3 Jahre) schlagen wir eine Unterbringung der Flüchtlinge in der am Kornelimünsterweg 27 gelegene Dr. Leo Löwenstein-Kaserne (Gallwitz-Kaserne) mit seiner großen Vielzahl an Gebäuden vor. Da dort schon Flüchtlinge untergebracht worden sind, sollte es doch möglich sein, die bis Ende des Jahres 2015 benötigten Plätze für 80 Menschen mit einem Wohnraumbedarf als Familien von ca. 26 – 30 Einheiten für drei Jahre zu schaffen!

Das Gelände könnte auch unterteilt werden, um die heute schon stark eingeschränkte militärische Nutzung nicht zu stören. Das großflächige Grundstück hat bereits vom Kornelimünsterweg aus zwei Zufahrtsmöglichkeiten, es gibt Gebäude mit ausreichend sanitären Einrichtungen und zudem großen Freiflächen für Sportmöglichkeiten. Gegenüber liegt eine Turnhalle mit Tennisplätzen des ATV, so dass auch für Kinder und Jugendliche weitere Freizeitaktivitäten angeboten werden könnten.

Hier ist jedoch nun auch die Aachener Politik gefragt, der Stadtverwaltung unterstützend zur Seite zu stehen. Außergewöhnliche Notlagen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen, bei denen Bund, Länder und Kommunen eng zusammen arbeiten müssen. Es ist eine Entscheidung aller, die Flüchtlinge aufzunehmen. Daher muss man konsequent auch den zweiten Schritt gehen und menschenwürdige Lösungen finden!

Wir fordern die Politiker Aachens eindringlich auf, eine klare Offenlegung der Bundeswehr zur Nutzung und Auslastung dieser Kaserne anzufragen und im Rahmen der derzeitigen Notstandssituation eine teilweise und zeitnahe, zeitlich begrenzte Nutzung der Gebäude zu fordern. Es gibt schon andere Flüchtlingsdörfer in ehemaligen Bundeswehrunterkünften und Kasernen, daher sehen wir keinen Grund, warum in dieser Kaserne keine menschenwürdige Übergangslösung zu verwirklichen wäre.

Unverhältnismäßig hohe Kosten für eine primitive und menschenunwürdige Containerlösung

Außerdem fordern wir die umfassende und vollständige Offenlegung der Kosten, die die Erschließung und Bebauung des Sportplatzes an der Adenauerallee sowie die Mietbindung über drei Jahre für 57 Container (je Container 3×6 Meter Grundfläche) mit insgesamt 1026 Quadratmetern verursachen. Nach Angaben der Stadtverwaltung liegt der Quadratmeterpreis für Mietcontainer bei 13,00 bis 15,00 Euro je Monat, so dass wir hier von einer Summe pro Jahr von 160.056,00 Euro (13,00 €/qm) bis zu 184.680,00 Euro (15,00 €/qm) ausgehen müssen.

Das heißt bei einer Mietbindung von drei Jahren kostet diese Containerlösung den Steuerzahler für die nächsten drei Jahre bis zu 554.040,00 Euro Miete, wobei das Aufstellen der Container, die infrastrukturelle Erschließung des Sportplatzes und die zumindest teilweise Versiegelung der Flächen nicht mit ein berechnet sind (die Container brauchen feste Bodenbedingungen und die Familien müssen zumindest halbwegs ohne im Matsch zu versinken in ihre Behausungen kommen). Der abschließende Rückbau der Containersiedlung ist eine weitere Kostengröße, die in die Kalkulation mit eingehen muss.

Die Herrichtung des Grundstückes kostet zwischen 250.000,00 Euro und 400.000,00 Euro, wobei eher der Höchstsatz anzusetzen ist, da der gesamte Sportplatz auch von erheblicher Kontamination betroffen war. Es ist ein Bodengutachten unbedingt zu erstellen, um die Flüchtlingsfamilien nicht einer Wohnsituation auf gesundheitsschädlichem Boden auszusetzen. Dies ist vor dem Beschluss über die Ausschreibung der Anmietung der Container zu erstellen, da anderenfalls nicht bestimmt werden kann, welche Kosten auf die Stadt und damit auf die Steuerzahler zukommen!

Weitere Gutachten zur Standfestigkeit des Bodens etc. werden zusätzliche Kosten verursachen, so dass wir für drei Jahre Übergangslösung am Sportplatz Adenauerallee schnell mit einem Kostenaufwand von mehr als 1 Million zu rechnen haben. Sollten Sie davon ausgehen diese Lösung kostengünstiger umzusetzen, dann erstellen Sie bitte eine genaue Kalkulation und stehen als politischer Entscheidungsträger mit Ihrem Namen zu der Einhaltung der Finanzierung.

Weitere Alternativen als Übergangslösung ohne Containerghettos

Es ist nicht zu verstehen, dass die primitive Unterbringung der Flüchtlinge zu diesen enormen Kosten von der Stadt finanziert werden soll! Warum wird nicht ein weiterer Aufruf zum benötigten Wohnraum in der Stadt an Hausbesitzer und Gewerbeimmobilienbesitzer gestartet, um alternative und geschützte Unterbringungen zumindest übergangsweise zu schaffen? Diese Wohnungen werden bei einem durchschnittlichen Mietspiegel in der Stadt Aachen von 6,00 bis 8,00 Euro pro Quadratmeter sicher unter den Quadratmeterpreisen der Mietcontainer zu finden sein. Damit belaufen sich die Kosten zu einer angemessenen und vernünftigen Unterbringung auf maximal die Hälfte im Vergleich zu den Containern an der Adenauerallee, insbesondere da Erschließungskosten, Gutachten etc. eingespart werden können.

Eine Alternative bezogen auf die uns vorliegenden Daten der Stadt mit 80 Flüchtlingen und durchschnittlich 3 Personen pro Wohneinheit bedeutet die Anmietung von weiteren 26 bis 30 Wohnungen, was auch im Hinblick auf den angespannten Finanzhaushalt der Stadt unbedingt zu berücksichtigen ist.

Auch die Verwaltungsvorlage FB50/0084/WP17 weist auf die hohen Kosten der Bereitstellung von Containern als letzte Möglichkeit neben der Nutzung von Turnhallen hin mit dem weiteren Einwand: „die Nutzbarkeit ist auch weniger flexibel wie bei konventionellen Bauten“.  Durch den Vorlauf mit Ausschreibung von 6-7 Monaten für die Container, wären statt dessen „bis dahin möglicherweise andere, besser geeignete oder kostengünstige Lösungen“ gefunden (laut Vorlage Seite 2, FB50/0084/WP17).

Verkauf der Baugrundstücke entlang der Heidbendenstraße auf dem Sportplatz und Schutz der Kaltluftschneise am Gillesbach

Sollte es bis zur Schaffung menschenwürdigem Wohnraumes günstigere und trotzdem witterungsbeständigere, solide Unterkünfte für die Flüchtlinge geben, könnte einerseits Geld eingespart und zudem der Sportplatz entlang der Heidbendenstraße als hochwertige Baugrundstücke in guter Wohnlage zum Verkauf gebracht werden. Dieser Gewinn von mindestens 1,2 bis 1,5 Mio. Euro könnte zudem in die Sanierung des gegenüberliegenden Gebäudes einfließen. Die großräumige Kaltluftzone um den Gillesbach wird ebenfalls erhalten und im Rahmen der klimatechnischen Auflagen geschützt. Zusätzlich stehen der Stadt vom Bund ab 2016 weitere 1,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Nutzung schon erschlossener städtischer Flächen für den Übergang in kleinen Einheiten

Warum muss die kostenintensive Erschließung eines Sportplatzes für drei oder auch sechs Jahre in Erwägung gezogen werden? Wenn auch schon von der Stadt gut erschlossene Flächen wie zum Beispiel im Gewerbegebiet Aachen-Brand/Nordstraße mit einer Größe von rund 40 bis 50 Fußballfeldern zur Verfügung stehen. Sogar die infrastrukturelle Anbindung mit Aldi, Netto, Bäckereien und weiteren Einkaufsmöglichkeiten ist für die Menschen mit Abstand einfacher.

Es gibt auch schon versiegelte große Parkplatzflächen der Stadt in innerstädtischer Lage, auf denen man kleinere dezentrale Containereinheiten – sollten sie tatsächlich nötig sein – (wie schon an der Karl-Marx-Allee erfolgreich eingerichtet) aufbauen kann.
Da sich die Gesetzeslage zur Unterbringung von Flüchtlingen auch für den Bereich in Gewerbegebieten maßgeblich geändert hat, fordern wir die Stadt auf, im Hinblick auf den angespannten Finanzhaushalt zur Überbrückung eines Unterbringungsengpasses erst erschlossene Flächen zu nutzen, um jeden damit eingesparten Euro in die Sanierung einer vernünftigen Unterkunft wie dem ehemaligen Landesstraßenbauamtes an der Adenauerallee für die schon mehr als Leid geplagten Menschen zu stecken.

Entscheidung der Politiker zur Containerlösung für Aachen muss überdacht werden

Es ist eine grundsätzliche weitreichende politische Entscheidung, die im Stadtrat am Mittwoch, den 24.06.2015 für Aachen und seine Bevölkerung, aber vor allem für die Lebens- und Wohnsituation einer Vielzahl von traumatisierten, oft kriegs- und fluchtgeschädigten Menschen und Familien getroffen wird.

Sollen die Flüchtlinge zukünftig in engen und übervollen Containerghettos erst einmal „geparkt“ werden oder stellen wir uns gemeinsam der Verantwortung und versuchen alle Hebel in Bewegung zu setzen, diese unzumutbare Form der Unterbringung zu vermeiden und den Menschen lebenswerte Bedingungen für einen Neustart zu ermöglichen.
Hierbei muss die Verwaltung der Stadt noch tatkräftiger zur Lösung der Unterbringungsproblematik unterstützt werden. Es erfordert weiterhin der intensiven Bemühungen, auch seitens der Politik, um auf alternative Übergangslösungen wie Kasernen oder auch der zur Verfügungsstellung von Räumlichkeiten aus den vielen Immobilien seitens der Kirche hinzuwirken.
Wir sprechen im Namen der Menschlichkeit und warnen davor mit einen „Schnellschuss“, unter Zeitdruck, wie sie die Containerlösung in drei eng bebauten Ghettos darstellt, den tatsächlichen Bedürfnissen der Flüchtlinge nach einer neuen friedlichen und sicheren Heimat nicht gerecht zu werden. Eine erfolgreiche Integration und Aufnahme der leidgeprüften Menschen in die Gesellschaft kann nur mit ausreichender Betreuung, einem sicheren, geschützten Wohnumfeld und in enger Einbindung der angrenzenden Wohngebiete gelingen.

Wir sind bereit für ganz Aachen ein Bürgerbegehren und auch einen Bürgerentscheid umzusetzen, damit alle Aachener über eine Containerlösung für Flüchtlinge entscheiden dürfen!

*

Hier noch die Vorlage der Stadtverwaltung zu dem Thema. http://ratsinfo.aachen.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=13793

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Krass: Sparvorschläge in allen Preisklassen

Städteregion Aachen

Hier hat man sich in den vergangenen Wochen über Sparvorschläge ziemlich viele Gedanken gemacht: im Haus der Städteregion.  Ziel ist, künftig die Umlage für die Städte und Gemeinden der Region nicht weiter zu erhöhen.

„Einen Prozess ohnegleichen“ kündigte Helmut Etschenberg an, und die Politikerinnen und Politiker schauten ganz schön kariert aus der Wäsche, als der Chef der Verwaltung der Städteregion in der Zollernstraße sein Sparprogramm für die Jahre 2015 bis 2025 vorstellte. Das ist ganz ohne die Mitarbeit der Politik, allein in der Verwaltung entstanden.

Zu der Sitzung im Mediensaal  kamen übrigens knapp 80 Zuschauer, viele mussten stehen. Den Bürgermeistern, dem Aachener Oberbürgermeister und der Presse waren die Sparvorschläge erst kurz zuvor offeriert worden. Hier mal das, was ich von den Zuschauerplätzen aus mitbekommen habe:

Zunächst sollen alle Stellen überprüft werden, und ab 2016 sollen es genau 1 Prozent und ab 2019 genau 2 Prozent weniger sein (außer im JobCenter und in den Kitas, dort soll nicht an Personal gespart werden). Derzeit hat die Städteregion etwa 1650 Beschäftigte.

Dann ging es um die Berufskollegs, von denen laut Etschenberg eines (und zwar in Aachen) geschlossen bzw. mit einem anderen zusammengelegt werden kann. Statt 9 könne die Region auch mit 8 Berufskollegs auskommen, so die – wie ich finde – korrekte Einschätzung. Abendgymnasium und Euregiokolleg sollen zusammengelegt werden, Standort soll Würselen sein.

Etschenberg schlägt eine Sportstättengebühr vor, und dass die drei Eifelkommunen (Simmerath, Monschau, Roetgen) ein gemeinsames Jugendamt bekommen und dessen Arbeit nicht mehr in der Zollernstraße geleistet wird. Auch, was die Bauaufgaben betrifft „sind wir bereit, diese Aufgaben an die drei Eifelkommunen abzugeben“, so Etschenberg.

Verzicht auf den Neubau des Fachseminars für Altenpflege schlug er vor und eine – mMn hochproblematische – Halbierung der Zuschüsse für die Sozialverbände. Eins von zwei Frauenhäusern soll geschlossen werden. Die verblüfften Zuhörer bekamen etwa eine halbe Stunde lang teils Sparvorschläge präsentiert, die Millionen Euro umfassen, aber auch solche, die nur eine  vierstellige Summe ausmachen.

Gespart werden allein mit den sogenannten Kernvorschlägen dieses ziemlich ambitionierten „Strukturkonzept 2015 – 2025“ über 25 Millionen Euro bis zum Jahr 2020. Entscheiden müssen über all die Sparvorschläge aber die Politiker. Und die werden längst nicht allem zustimmen, was sich die Verwaltungsspitze auf die Liste geschrieben hat. Das wurde in der Sitzung von CDU, Grünen und der SPD gleich mal klar gesagt. Die FDP fand alle Sparvorschläge ganz toll, die zwei Vertreter von Piraten/UfW äußerten sich leider gar nicht.

Glücklicherweise war in der Verwaltung aufgefallen, dass das Kunst- und Kulturzentrum (KuK) in Monschau mit großem Erfolg arbeitet, seit es sich vor etwa zwei Jahren auf Fotografie konzentriert hat. Diesen Touristen-Magnet in der strukturschwachen Eifel und das Kulturfestival (eine Veranstaltungsreihe der Extraklasse) will Helmut Etschenberg nicht nur erhalten, sondern fördern. Auf Kosten der „Monschau Klassik“ möglicherweise. Es wäre eine gute Entscheidung, wenn die Politik hinsichtlich KuK zustimmen würde.

Leider befürwortet Städteregionsrat Etschenberg den Bau einer Dreifach-Sporthalle in Aachen, schließlich seien die „Ladies in Black“ in der Bundesliga und mit diesen und einer neuen Halle könne man es ins Fernsehen schaffen. Oder so ähnlich. Offenbar reicht der CHIO nicht mehr. Ich bin – aus Gründen – gegen den Bau einer Dreifach-Sporthalle, denke aber, dass sie nicht zu verhindern sein wird.

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Blitte klicken: Strukturkonzept 20150619_Strukturkonzept_18062015

Hier der Bericht aus der örtlichen Tageszeitung, einschließlich Kommentar. 

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Wohnen im Container

container Aachen

Im Flur der Container-Unterkunft gesehen.

Dieser Tage konnte ich mir die Container von innen angesehen, in denen in Aachen minderjährige Flüchtlinge wohnen. Das Resümee vorweg: „Geht schon!“, sagte ein Junge selbst über die Behelfsunterkunft. Ich hatte etwas Schlimmes

aachen Container

Flur. Nach einer oft monatelangen Flucht leben in Aachen Jugendliche in Containern.

erwartet, wurde aber beruhigt.

„Geht schon“ fasst es gut zusammen. Vorerst geht’s irgendwie schon. Feste Bauten wären natürlich besser, aber die müssen wohl erst mal errichtet werden.

Die jugendlichen Flüchtlinge kommen aus ganz verschiedenen Ländern, ihre gemeinsame Sprache ist Deutsch. Rund um die Uhr ist immer ein Betreuer/in anwesend. Die Container sind mitten in der Wohngegend als zwei kleine Trakte aufgestellt worden. Eine Wiese ist gleich nebenan (die soll bald eine Grillwiese werden) sowie ein Pfarrheim, wo man sich kümmert. Von außen sieht man, dass es sich um Container handelt, von innen nicht direkt.

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Flur im anderen Trakt. In jedem Trakt leben 10 Jugendliche.

Ich durfte die Eingangsbereiche, 2 Gemeinschaftsräume, die 2 Küchen, Bad und Zimmer besichtigen. Sehr lange habe ich mich aber nicht aufgehalten, obwohl ich den Eindruck hatte, willkommen zu sein. 20 Jungen wohnen dort, so wurde mir gesagt. Immer zwei wohnen in einem Zimmer. In die Zimmer durfte ich einen Blick werfen, habe aber nicht fotografiert, weil: zu persönlich.

Ein Gemeinschaftsraum.

Ein Gemeinschaftsraum für 10 Jugendliche . . .

. . .  und noch ein Gemeinschaftsraum (für die anderen 10 Jugendlichen.

. . . und noch ein Gemeinschaftsraum (für die anderen 10 Jugendlichen).

Eine von zwei Küchen.

Eine von zwei Küchen.

Und zum Schluss ein Blick ins Bad (s. unten).

Beim jüngsten Treffen der Bürgerstiftung habe ich von einem Projekt erfahren, im_container_00das Flüchtlinge mit Fahrrädern versorgt. Dazu werden alte Fahrräder repariert,  und den Jugendlichen wird bei einer längeren Probefahrt gezeigt, wie man auf den Fahrrädern am besten durch den Aachener Verkehr kommt. Wer noch ein Fahrrad im Keller oder der Garage stehen hat, möge das nicht ausgerechnet jetzt entsorgen. Schaut in eure Aachener Tageszeitung. Da wird es bald einen Aufruf geben, wo man den alten Drahtesel hinbringen kann, und es wird auch mitgeteilt, wer ggf. wann euer altes Fahrrad abholen kann. Natürlichen müssen die Jungen auch Helme, Luftpumpen und Material zum Flicken der Reifen bekommen. Daran ist gedacht.

Ich freue mich, wenn die Stadt, in der ich wohne, Flüchtlinge nicht in verkommenen alten Containern am Rande der Stadt wohnen lässt. Flüchtlingen zu helfen, das finde ich eine gute Politik. Obwohl: Besser geht immer.

Im Aussenbereich stehen Symbole, die  Religionen der Welt symbolisieren.

Im Aussenbereich in Burtscheid stehen Symbole, die Religionen der Welt symbolisieren.

 

Hier ergeben sich zusätzliche Erkenntnisse: Link zum Deutschen Auswandererhaus Bremerhaven

http://www.deutschlandradiokultur.de/migration-guter-fluchthelfer-boeser-schleuser.984.de.html?dram%3Aarticle_id=278523

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Kultur- und Tourismusausschuss

Wenn man Menschen in die Eifel bekommen will, muss man dort etwas bieten, was die Menschen anlockt und sollte das Geld nicht für Kultur-Events in AACHEN ausgeben. Man darf auch nicht so tun, als würden die ganzen Radwege gebaut, um die Betriebe in der Eifel zu fördern, wenn man einfach nur mit Steuergeld ein Freizeitvergnügen subventionieren will. 

Leider nix kapiert

„Margret Vallot gegen alle“, mit diesen Worten kann man zusammenfassen, was sich in der jüngsten Sitzung des Kultur- und Tourismus-Ausschuss der Städteregion abgespielt hat (ganz aus meiner subjektiven Sicht geschildert).

Auf der Tagesordnung standen nur

1. ein „Sachstandsbericht zu kulturellen Veranstaltungen und Projekten“.
2. eine Reihe von Beschlüssen zu Radwegen, die alle irgendwie aufgemotzt

rad Aachen

Fahrrad, grün, in der Straße Rennbahn.

werden müssen. Der RurUfer-Radweg (150 km lang), der Radtourismus in der Region, ein Tourenplaner, die Grünroute (ein 370 km langer Radwanderweg) die Vennbahntrasse und ihre „touristische Beschilderung“ . . . ohne Ende war vom Radtourismus die Rede, weil angeblich mit dem Radtourismus die Menschen und das Geld in die Eifel kommen.

In dem Ausschuss sagen die Grünen, wo es lang geht. Und die Grünen wollen: Immer mehr Radwege, und die bestehenden Radwege immer besser ausgestalten. Die CDU stimmt hemmungs- und willenslos allem zu, offenbar unter Druck gesetzt, jedenfalls wirken die Herrschaften wie paralysiert.

rad Aachen

Fahrrad, vor mittelalterlicher Mauer in Aachen

Die Verwaltung stellt uns Politikern wegen der Beschlüsse, die gefasst werden müssen, allerlei von ihr verfasste Texte  zur Verfügung. Penetrant ist in diesen Texten die Rede davon, dass die Radwege dazu da seien, „die kleinen und mittleren Betriebe der Region zu fördern“, die „Tourismuswirtschaft“ insgesamt anzukurbeln, die „Wertschöpfung in der Region“ zu fördern, Arbeitsplätze und Ausbildungsplätze zu schaffen, die touristische Infrastruktur zu stärken. Kurz: Die Schaffung von Radwegen wird uns von Seiten der Verwaltung als eine Maßnahme der Wirtschaftsförderung vorgestellt.

Jetzt zur Sitzung konkret: Zunächst sprach die Beauftragte für Kultur über eine Reihe von Konzerten und Veranstaltungen. Alles Konzerte mit so angesagten

Fahrräder, in einer Garage in der Franzstraße

Fahrräder, in einer Garage in der Franzstraße in Aachen

Künstlern, dass immer schon wenige Stunden nach Beginn des Kartenverkaufs alles ausverkauft war. Ein Erfolg jagt da den nächsten.

Das Aller-Erfolgreichste, was diese Frau macht, ist aber ihre Ausstellungserie im KuK. Das ist ein Haus in Monschau, wo auf drei Etagen wechselnde Ausstellungen stattfinden. Gerade ist eine Schau mit Fotos von Vivian Maier zu Ende gegangen. Innerhalb von vier Wochen kamen 13.000 Menschen in die Eifel, die Kataloge waren gegen die Mitte der Ausstellung hin schon ausverkauft.

Die Besucher kamen aus ganz Nordrhein-Westfalen, wie an den begeisterten Kommentaren im Gästebuch zu lesen war. Die Kulturbeauftragte erreichte auch bei der vorigen Ausstellung (Fotos von Ara Güler) einen ähnlichen Erfolg, und

Fahrrad, wird bald von der Stadtverwaltung abgeholt, Nähe Burtscheider Brücke.

Fahrrad, wird bald von der Stadtverwaltung abgeholt, Nähe Burtscheider Brücke.

bei der jetzigen sowie bei der kommenden mit Arbeiten von Jürgen Klauke wird es mit Sicherheit wieder so sein.

Wenn man es also ernst meint mit dem Anliegen, Menschen in die Eifel zu locken, dann würde man doch nicht die Zahl dieser Ausstellungen reduzieren. Genau das tut aber die Koalition von CDU und Grünen in der Städteregion. Statt wie sonst immer 9 (neun) Ausstellungen pro Jahr zu veranstalten, werden es 2015 nur 7 (sieben) und 2016 nur noch vier (4) sein.

Hallo? Gehts noch? Wollt ihr nun Touristen in die Eifel locken oder nicht?

Fahrrad, Kleinmarschierstraße in Aachen

Fahrrad, Kleinmarschierstraße in Aachen

Ich habe gleich zu Anfang der Sitzung versucht klarzumachen, dass man das Zugpferd, das Menschen aus ganz NRW in die Eifel holt, stärken muss, nicht schwächen. Allein – ihre Gesichter waren alles Fragezeichen. Man gebe doch dieses Jahr immerhin mehr Geld aus für die Kunst als 2014, meinte jemand. 20.000 Euro für die Chorbiennale in Aachen, das sei nicht wenig.

Dieses Geld hätte man sich unbedingt sparen müssen, denn wenn man eine Veranstaltung, die in Aachen stattfindet, unterstützt, holt man damit doch keine Menschen in die Eifel. Wieso soll auch die Städteregion die ohnehin tourismusstarke Stadt Aachen noch stärker machen? Mir geht es um die Eifel und darum, in diese strukturschwache Region Menschen zu ziehen. Zufällig ist es jetzt die Kunst, bei der es funktioniert.

In diesem Ausschuss versteht das vorerst niemand. Ich habe hoffentlich noch fünf Jahre Zeit, es ihnen klar zu machen.

Grüne, CDU, SPD und die FDP vertraten die Ansicht, man dürfe „den Radtourismus nicht gegen die Kunst ausspielen“.  Ja, klar, das darf man auch

Und zum Schluss: Fahrradständer in Aachen, Kranzstraße (die Bilder sollen den Text auflockern, mehr nicht).

Und zum Schluss: Fahrradständer in Aachen, Franzstraße (die Bilder sollen den Text auflockern, mehr nicht).

nicht. Was ich sagen will, ist, man darf die Einrichtung, die genau die Ziele erreicht, die man erreichen will, nicht schwächen. Wer von „gegeneinander ausspielen“ spricht, hat nicht kapiert, worum es geht.

Wenn man Menschen in die Eifel bekommen will, muss man in der Eifel etwas bieten, was die Menschen anlockt und sollte das Geld nicht für Kultur-Events in AACHEN ausgeben. Man darf auch nicht so tun, als würden die ganzen Radwege gebaut, um die Betriebe in der Eifel zu fördern, wenn man einfach nur mit öffentlichen Steuergeldern ein Freizeitvergnügen subventionieren will.

Leider hinter einer Bezahlschranke: der Text in der örtlichen Presse. (Ja, es handelt sich tatsächlich bei beiden Texten um ein- und dieselbe Veranstaltung)

 

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Nicht jeder ist willkommen

Das steht fest: Die Flüchtlinge kommen in großer Zahl. Da sollte jede Initiative unterstützt werden. So hat jetzt für die Piratenpartei Marc Teuku einen Antrag eingereicht (das dürfen Fraktionen machen). Beantragt wird immer, dass der Oberbürgermeister und die Verwaltung etwas machen sollen, was der jeweiligen Fraktion gerade wichtig ist. Der Antrag wurde behandelt. Teuku schreibt dazu:

*

Initiative „Flüchtlinge willkommen“ ist nicht willkommen in Aachen

Heute durfte ich zum ersten Mal als beratendes Mitglied am Integrationsrat teilnehmen, denn unser Ratsantrag zur Unterstützung der Initiative „Fluechtlinge-willkommen.de“ stand auf der Tagesordnung. Normalerweise haben wir Ratsmitglieder kein Rederecht in „fremden“ Ausschüssen. Da wir aber Antragsteller waren, durften wir Piraten an der Sitzung beratend teilnehmen.

Die Stadtverwaltung hat zu unserem Antrag Stellung bezogen: Es wird moniert, dass sich der Verein „Flüchtlinge willkommen“ kritisch äußert zum Umgang öffentlicher Stellen mit Flüchtlingen und ferner in Bezug auf die Betreuung und Versorgung von Flüchtlingen. Ich habe in der Sitzung angemerkt, dass Kritik an Behörden gerade nach den jüngsten Skandalen bei der Unterbringung von Flüchtlingen in NRW gerechtfertig ist und dass es auch in Aachen noch großes Ausbaupotential gibt, was die Willkommenskultur betrifft.

Die Verwaltung merkte weiterhin an, dass die Initiative bisher lediglich 40 Vermittlungen (in Wohngemeinschaften) realisiert hat und damit „kein relevanter Vermittlungserfolg (für Aachen) zu verzeichnen“ sei. In der Sitzung habe ich erwidert, dass „Flüchtlinge willkommen“ gerade weiterentwickelt wird – mittlerweile wird sogar ein bezahltes Team eingesetzt, wodurch in naher Zukunft ein rasanter Anstieg der Vermittlungszahlen zu erwarten ist.

Ein weiterer „Trick“, den Verein in Misskrediit zu bringen war, ihn als Verein als Vermittler von illegalen Flüchtlingen darzustellen. Ich habe die Verwaltung darauf aufmerksam gemacht, dass sich die Initiative nicht als Prüfungsinstanz (Einwanderungsbehörde) sieht, und der Status der Menschen für sie deshalb irrelevant ist. Ich habe die Aussagen der Webseite zitiert und erläutert, dass die Formulierungen von einem Juristen überprüft worden sind und es von juristischer Seite keine Bedenken gibt. „Flüchtlinge willkommen“ und ich finden außerdem, dass kein Mensch illegal ist.

Mein letztes Argument für den Antrag war, dass hier eine Chance für Aachen vertan wird, die im Vorhinein der Sitzung gelobte Willkommenskultur in Aachen zu fördern. Auf meine Ausführungen gab es lediglich von Seiten der SPD eine Reaktion. Man würde unseren Antrag wunderbar finden, auch die Vorlagen der Verwaltung seien wunderbar und der Verein „Flüchtlinge willkommen“ sei ebenfalls wunderbar. Und so wird der Antrag wunderbar nicht umgesetzt.

Das Projekt „Flüchtlinge willkommen“ ist ein Vorzeigeprojekt , das Flüchtlinge mit einfachen Mitteln sehr gut in die Gesellschaft integriert und der Bildung von Parallelgesellschaften vorbeugt. Leider jedoch nicht in Aachen. Nichtwunderbar!!!

*

Soweit Marc Teuku und sein Bemühen um Flüchtlinge. Was illegal hier anwesende Flüchtlinge betrifft, so sei an den mutigen Leiter der Schule Aretzstraße, Manfred  Paul, erinnert. Er war der Erste, der illegal in Aachen lebende Kinder eingeschult hat in seine Hauptschule. Das durfte damals niemand wissen, viele wussten es aber doch und hielten die Klappe, zum Nutzen der Kinder. Wenig später ist der Schulleiter vom zuständigen NRW-Ministerpräsidenten hoch ausgezeichnet worden.

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Sehr lesenswert zum Text von Marc Teuku ist diese Kommentierung: http://www.derfriedri.ch/den-dom-kennt-ihr-aber-oder/

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Patenprojekt für junge Flüchtlinge, Folge XII

Dem Patenkind sind Schuhe besonders wichtig. Nach Gesprächen mit Flüchtlingen in der Schule kombiniere ich, wieso Schuhe so bedeutend sind: „Ich musste über die Berge in den Libanon wandern“, sagt jemand plötzlich ganz nebenbei. „Zu Fuß über das Gebirge in die Türkei“ sind andere gelangt. „Durch Minenfelder gelaufen“ wieder andere. Auch wer in rasender Eile über ein meterhohes Gitter klettern musste, wird fortan gutes Schuhwerk zu schätzen wissen.

Und so seh ich das Patenkind, wo immer wir auch einkaufen, an den Schuhen stehen. Zuletzt bei Aldi, wo er nicht anders konnte, als sich für 9,99 Euro ein paar Tennisschuhe zu kaufen. (Ich: Kopf auf Tisch)

Mir ist auch aufgefallen, dass erstaunlich viele Jungen irgendwas an den Füßen haben. „Schade, ich werde nie mehr Fußball spielen können“, sagt z. B. einer. Unterwegs seien ihm beide Füße eingequetscht worden.

Und Kopfschmerzen. Daran habe ich mich schon gewöhnt, dass jemand sagt: Ich konnte nicht mitgehen, ich hatte Kopfschmerzen. Oder klagt: „Ich bekomme schreckliche Kopfschmerzen, wenn ich über meine Mutter spreche“. Oder: „Ich denke immer an meinen Bruder, mein Kopf ist so voll, da geht nichts mehr rein.“

Die Wahrheit ist: Es gibt junge Flüchtlinge, die haben Anschläge in der Heimat und die Flucht überlebt, aber sie sind manchmal gar nicht glücklich in Deutschland. Sie haben Heimweh, vermissen ihre Mütter, ihr gewohntes Essen, sie haben panische Angst, dass jemand ihnen heimlich Schweinefleisch ins Essen mischt, sie telefonieren mit Verwandten, die zurückgelassen wurden oder in andere Gegenden der Welt geflüchtet sind und fühlen sich ohnmächtig. Sie weinen manchmal nachts oder machen Krach, die Nachbarn hören das und fühlen sich von beidem gestört. Manche schicken kleine Geldbeträge oder Medikamente „nach Hause“. Die Welt in Deutschland erscheint ihnen manchmal unübersichtlich, kompliziert, jeden Tag gibt es etwas Neues, das sie erschreckt.

Und dann die Mädchen und Frauen . . .  Frauen, die arbeiten. Frauen, die laut lachen. Nackte Beine, nackte Arme, offene, lange Haare. Alles zum krass Fremdschämen, das Patenkind schaut betroffen in die Luft. Anfangs habe er gedacht, er hätte sich doch besser von den Taliban totschießen lassen sollen,“als das zu sehen, was ich hier sehen muss“, sagt in dem neuen Aachener Kurzfilm (sehr guter Text hier: „Um zu leben“) sinngemäß ein Junge.

Was Europäer ganz normal und sogar schön finden, ist für manche Jungen zunächst der Gipfel der Unmoral und Schamlosigkeit.

Doch sie gewöhnen sich an das Leben in Aachen, und sie lieben es, und ich weiß, dass die Lehrer/innen und die Paten und Patinnen ihnen helfen.

Die meisten Flüchtlinge gewöhnen sich sogar schnell, so scheint mir. Als das ewig unpünktliche Patenkind zum ersten Mal hektisch, aber pünktlich zum Treffen erscheint, da habe ich (extra) hocherfreut ausgerufen: „Super, du bist pünktlich, genau wie ein deutscher Junge.“ Wir mussten lachen, der Junge hat die Ironie verstanden und sich sehr gefreut. Seitdem ist das mit dem Unpünktlich vorbei.

(wird fortgesetzt)

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Folge XI findet ihr hier

Ein Flüchtling hat folgende Zeilen geschrieben

Update 09.08. Zum Weiterlesen ein passender Text aus der Süddeutschen

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