Käßmann fordert einen „Aufstand der Mitmenschlichkeit“

Friedenspreis Aachen

Ein Höhepunkt bei der Friedenspreisverleihung in der Aula Carolina in Aachen: Die Rede der Ex-Bischöfin Margot Käßmann.

Voll des Lobes für die Stadt Aachen war gestern der Vorsitzende des Vereins Aachener Friedenspreis, Ralf Woelk. „Wie man sich hier um die Flüchtlinge bemüht“, das sei vorbildlich, sagte er bei der Friedenspreisverleihung in der gut gefüllten Aula Carolina. „So weit sind wir also“, dachte ich: Ein im Grunde selbstverständliches Verhalten wird lobend erwähnt.

Schön war, dass die afrikanischen Preisträger bereits nachmittags von Oberbürgermeister Marcel Philipp im Rathaus empfangen wurden. Die Zeiten, da sich Teile der Politik vom Friedenspreis und dem Verein distanzierten, scheinen vorbei zu sein.

Im Mittelpunkt des Abends standen natürlich die Preisträger, ein Erzbischof und ein Imam aus Zentralafrika, die sich für ein friedliches Miteinander einsetzen. Außerdem eine Studentengruppe, die in Marokko gestrandete Flüchtlinge versorgt. Über diese tapferen Leute haben die Aachener Tageszeitungen schon viel geschrieben (da nachlesen). Die Arbeit der Studenten ist von Empathie geprägt und zugleich lebensgefährlich.

„Wir verdienen an den Kriegen, die wir beklagen und die die Menschen in die Flucht schlagen.“

Margot Käßmann, evangelische Theologin

Ein Höhepunkt der Veranstaltung war sicherlich die beeindruckende Rede der evangelischen Theologin Margot Käßmann. Diese Frau wird gern deutlich und sagt schonungslos, was der Fall ist. Nämlich, dass es „eine Schande für Europa“ ist, was derzeit an seinen Außengrenzen passiert. Die Situation sei katastrophal. Das mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Europa erweise sich als dieser Auszeichnung nicht würdig.

Käßmann bewertete, mehrfach von Beifall unterbrochen, die Situation der Flüchtlinge in Afrika, die Deportationen und Auffanglager, sie zitierte Augenzeugenberichte. Von Menschenwürde könne keine Rede mehr sein. „Das Mittelmeer und die Sahara sind zum Massengrab geworden“, rief sie in den Saal.
Käßmann sprach auch über die Situation der Flüchtlinge bei uns. „Einen Aufstand der Mitmenschlichkeit“ müsse es geben. Und sie erwähnte, dass es deutsche Waffenexporte sind, die Krieg und Elend in andere Länder bringen

Friedenspreis Aachen

Die Preisträger mit der Laudatorin Margot Käßmann (2. v. l.) und dem Vorsitzenden des Vereins Aachener Friedenspreis, Ralf Woelk (r.)

und dafür sorgen, dass Menschen flüchten. Wir in Europa initiieren das, was wir am Ende beklagen und was wir andere mit dem Leben bezahlen lassen, so sinngemäß.

Aufgefallen ist mir, dass nur eine Person (außer mir) von der Veranstaltung twitterte, was für so ein wichtiges Thema ungewöhnlich ist. Auch der Widerhall bei Facebook war eher mager, in TV, Funk und Print dagegen größer. Bei der Preisverleihung schien mir ganz die Generation der 20- bis 30-Jährigen zu fehlen. Die ältere Generation dominierte das Bild. Die Frage steht im Raum, ob Friedenspreis-Verleihungen nicht in einem anderen Rahmen, in einer anderen Form stattfinden sollten. Ich fände es zudem schön, wenn die Rede von Margot Käßmann auf Youtube veröffentlicht würde. Bis jetzt habe ich nichts gefunden.

Die schwungvolle Musik zum Fest lieferte übrigens das Folk-Ensemble Da Musica. Denen hörte man sehr gerne zu, ihre Musik verbreitete eine fröhliche Stimmung.

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update: Käßmann-Rede ist online https://www.youtube.com/watch?v=AIABtTONOAc

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Alles nichts wert, wenn man nicht auch mal lachen darf

Fluechtlinge Aachen

Politik sollte nicht immer nur todernst betrieben werden. Wichtig ist: Man sollte über sich selbst lachen können.

Auf jeden Fall muss auch Raum sein für Lästern, bitteren Hohn und Spott, für Spaß, feine Ironie und Sarkasmus. Zumindest im Rheinland, zumindest in der Lokalpolitik, denn da geht es fast nie um Leben und Tod, sondern um praktische Dinge.

Drei Mitglieder der Piratenpartei Aachen (Offenlegung: Da bin ich Mitglied), zwei Grüne und mehrere andere Interessierte haben gestern eine neue Flüchtlingsunterkunft in Richterich besucht. Zumindest zwei waren gut drauf. Angesichts der Tatsache, dass die Unterkunft 100 Mal besser sein wird als alle Container und Zeltstädte zusammen, darf man das auch zeigen.

Im Bild: Udo Pütz (l.), Fraktionsvorsitzender der Piraten im Rat der Stadt Aachen, und Johannes Meyer, ebenfalls Pirat. Im Hintergrund ist der Haupteingang zu der neuen Flüchtlingsunterkunft zu sehen. (Bericht: s. unten)

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Richterich: Privatsphäre auch für Flüchtlinge

Aachen hat Glück: Am Rande von Richterich befindet sich ein Bürogebäude, das ohne großen Aufwand in Wohnungen für Flüchtlinge umgewandelt werden kann. Platz ist für 240 Personen.

Steht in Richterich zur Verfügung: Ein ehemaliges Büro Gebäude, das relativ leicht in eine Flüchtlingsunterkunft umgewandelt werden kann.

Steht in Richterich zur Verfügung: Ein ehemaliges Bürogebäude, das relativ leicht in eine Flüchtlingsunterkunft umgewandelt werden kann.

Drei Mitglieder der Aachener Piratenpartei und eine Handvoll anderer Personen, die sich in Flüchtlingsfragen engagieren, hatten gestern Gelegenheit, die Örtlichkeit unter die Lupe zu nehmen. Das Gebäude gehört einem in Aachen bekannten Projektentwickler (Landmarken). Projektleiterin Dipl.-Ing. Petra Müller führte die Gruppe durch das 6200 Quadratmeter große Bauwerk.

Die Stadtverwaltung wird, so ist es verabredet, das Gebäude von der Landmarken AG Aachen für einen durchaus akzeptablen Preis mieten. Von 8,40 Euro pro Quadratmeter war gestern die Rede. Noch teurer als die monatliche Miete wird allerdings der Wachdienst, der in der Anlage eingerichtet werden muss.

Die Notunterkunft ist und bleibt natürlich eine Notunterkunft, aber sie enthält so gut wie alles, was man zu einer menschenwürdigen Unterbringung von

Eine von mehreren Teeküchen in der Anlage.

Eine von mehreren Teeküchen in der Anlage.

Flüchtlingen braucht: Zahllose, ausreichend große Räume gibt es, auch zusammenhängende Räume für Familien, es gibt zwei Kantinen (eine ist nahezu komplett eingerichtet) und mehrere jetzt schon voll funktionsfähige, kleine Teeküchen. Innen gibt es einen Garten, außen ist man in wenigen Schritten bei Aldi, Netto und einem Getränkemarkt. Ein Freizeitgelände ist ebenfalls in der Nähe.

Voll funktionsfähige Duschen und Waschräume mit Waschmaschinen, Räume für Büros und wo man sich zum Deutschlernen treffen kann, sind vorhanden. Einige Zimmer haben eingebaute Schränke. Da aus den Büroräumen jetzt Wohnungen werden, muss allerdings ab nächster Woche der Brandschutz verstärkt werden. Brandschutztüren werden eingebaut. Auch wird noch einige Zeit vergehen, bis alle Anschlüsse (Strom, Wasser etc.) vorhanden sind.

Projektleiterin Petra Müller sprach davon, dass das Gebäude ab 1. Oktober

Flüchtlinge Richterich

Hier wird sich einmal eine der beiden Kantinen befinden.

bezugsfertig sein wird. Ein Mietvertrag müsse allerdings erst noch unterschrieben werden.

Erwähnt seien abschließend die vielen Richtericher, die sich bei einer Bürgerversammlung einfanden und den Flüchtlingen helfen wollen. Sie gehören zu dem Besten, was Aachen zu bieten hat.

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Der Mob ist los

Während wir in Aachen ins Reitstadion strömten und uns abends bei diversen Konzerten amüsierten, formierte sich andernorts etwas, das nennt man „Mob“. Der Mob ist eine Menschenmenge besonderer Art.

Ich habe noch niemals einen Mob gesehen, wohl in den letzten Tagen oft gelesen, dass hier und da (vornehmlich in Sachsen) ein Mob aufgetaucht ist. Und zwar vor den Unterkünften von Flüchtlingen.

Manche Menschen können es nicht ertragen, wenn andere Geld bekommen, ohne etwas geleistet zu haben.

Manche Menschen können es nicht ertragen, wenn andere Geld bekommen, ohne etwas geleistet zu haben.

Soweit ich mich erinnern kann, wurde ich erstmals auf einen Mob aufmerksam, als die Eheleute Honecker – heimatlos geworden – von der Familie eines protestantischen Pfarrers (!) aufgenommen wurden, und als dann vor deren Haus jeden Abend ein Mob randalierte. Das hat der Pfarrer – oder war es seine Frau? – irgendwo eindrucksvoll beschrieben. Was haben die Eheleute Honecker mit den Flüchtlingen gemeinsam?

Schon damals dachte ich, ich hätte mir – zu Studienzwecken – den Mob gern mal etwas näher angeschaut. Aber ich hatte weder Zeit noch Möglichkeiten. Im digitalen Zeitalter hat sich der Mob selbst gefilmt und man kann ihn sehen.
Es ist eine Masse wütender Menschen, die sich einig ist, die zielgerichtet agiert. Es ist, als hätten sie sich eine Aufgabe gestellt, die sie jetzt hastig alle zusammen erledigen.

Mir scheint, ein Mob hat und braucht keine Anführer. Es entladen sich bei allen Beteiligten im selben Moment dieselben Gefühle. Krass.

Der Mob ist etwas Gottloses, er kennt keine Gnade, er will auf jeden Fall Gewalt ausüben/zündeln/zerstören, und er weiß auch genau, wo das geschehen soll. Die Polizei kann ihn mit Schlagstöcken abdrängen, aber er beruhigt sich dann noch lange nicht. Ich wüsste nicht, dass ein Mob jemals politische Forderungen aufgestellt hat. Hass zeigen, zerstören ohne einen Plan für später, das macht der Mob.

Der Mob kann nicht innehalten. Es sieht so aus, als bestünde er aus Personen, die niemals reflektieren, niemals überlegen, was sie eigentlich machen und wie es weitergehen soll. Bis aufs Blut gereizt, so scheinen sie, wie in Notwehr, wo man nur noch handelt facepalm_07und nicht denkt. Es sind Menschen mit groben Gesichtszügen, die von Bildungsbürgern „bildungsfern“ genannt werden. Wenn man sie sieht, fällt einem das Wort „Habenichts“ ein. Lauter Habenichtse gehen denen an die Wäsche, die ohne alles in Deutschland angekommen sind. Arme gegen Arme, sozusagen. Der Mob gefährdet niemals die Mächtigen. Die können da ganz ruhig und gelassen sein.

Ein Mob war es, der in Istanbul Ende der 1950er Jahre die Häuser und Geschäfte der christlichen Minderheit zertrümmert und geplündert hat. Waren diese Menschen aufgewiegelt? Von wem werden die Sachsen jetzt aufgewiegelt? Von den Nachrichten über die große Hilfsbereitschaft, die vornehmlich im Westen den Flüchtlingen entgegenschlägt?

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Die Rechtschreib-Schwäche der Rechtsextremen ist sprichwörtlich.

In manchen Städten ist es gerade so, als hätten die Menschen auf eine Aufgabe gewartet, die sie jetzt gemeinsam meistern. Kann einen das wütend machen? Offenbar.

Ein Mob ist übrigens gerade das Gegenteil von einem Flashmob und hat auch mit dem Mobben, wie ein bestimmter Psychoterror am Arbeitsplatz genannt wird, nichts zu tun. Auch die Zeitgenossen, die gerade Deutschland-weit gezielt diejenigen Gebäude anzünden, die als Flüchtlingsunterkunft hergerichtet  werden sollen, gehören nicht zum Mob. Sie gehen organisiert vor und haben sich von langer Hand und gründlich über ihre Vorgehensweise abgesprochen.

*

Bürgerinformation zur Flüchtlingsunterbringung

Die Stadtverwaltung Aachen beabsichtigt für die Unterbringung von Flüchtlingen den Parkplatz am Gemmenicher Weg im Bereich Kronenberg als Standort für mobile Wohneinheiten zu nutzen. Der Stadtrat hat dies zuvor so beschlossen.

Um die Bürger am Kronenberg über die geplante Unterkunft für Flüchtlinge zu informieren, laden Verwaltung und Politik am Dienstag, 1. September, um 18 Uhr in das Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Kronenberg 142, zu einer Bürgerinformation ein. Dort werden Vertreter der Stadtverwaltung sowie Ratspolitiker über aktuelle Entwicklungen in der Flüchtlingsunterbringung berichten.

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Vorschulkinder machen Werbung für das „Aquis Plaza“

Auf den 1. Blick schien mir das eine originelle und nette Sache zu sein. Auf den 2. Blick eher weniger: Um sich selbst bekannt zu machen, hat das neue „Aquis Plaza“ eine Kinderaktion gestartet.

Das „Aquis Plaza“ eröffnet am 28. Oktober, und dieses Datum wollen die Betreiber des Konsumtempels natürlich bekannt machen. Wie auch die Tatsache, dass es überhaupt ein „Aquis Plaza“ in Aachen gibt. Und statt nun in  einer öffentlichkeits-wirksamen Aktion Erwachsene zu bespaßen, hat man hier Kindergarten-Kinder eingeladen, man könnte auch sagen „zu Werbezwecken benutzt“.

Rund 100 Jungen und Mädchen durften auf einer so genannten „Kinderbaustelle“ mit Holz arbeiten. 100 Kinder, die im Grunde dazu benutzt wurden, das neue „Aquis Plaza“ bekannt zu machen. Schirmherr der Aktion: Oberbürgermeister Marcel Philipp. Ich finde, da hat der Oberbürgermeister schon für Passenderes die Schirmherrschaft übernommen.

Auch bei den Piraten-Freunden kam die Aktion nicht so gut an. Kollege Michael Sahm hat eine Ratsanfrage gestartet:

 

Sehr geehr­ter Herr Oberbürgermeister,

wie einem Zeitungsbericht vom 16.08.2015 zu ent­neh­men ist, fand am Sams­tag, den 15.08.2015, auf dem Willy-Brandt-Platz die Aktion “Aquis Bau­meis­ter” statt. Ver­an­stal­ter war lt. Zei­tungs­be­richt das Center-Management des Ein­kaufs­zen­trums “Aquis Plaza”. Rund 100 Kin­der und ihre Eltern konn­ten einen Tag lang u.a. auf der “Bau­stelle zum Anfas­sen” hin­ter die Kulis­sen der Bau­stelle schauen. Das Center-Management habe im Vor­feld über das Inter­net, aber auch in loka­len Kin­der­ta­ges­stät­ten für die Teil­nahme an die­ser Aktion gewor­ben, so der Bericht abschließend.

Kin­der im Vor­schul­al­ter sind gegen­über Mar­ken­bil­dung noch beson­ders emp­fäng­lich und unkri­tisch. Zudem ist es aus­sichts­los, den Kin­dern in die­sem Alter die Mecha­nis­men und Ziel­set­zun­gen sol­cher Wer­be­ak­tio­nen ver­mit­teln zu wol­len. Eine kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung zum Auf­bau von Medi­en­kom­pe­tenz kann also natur­ge­mäß mit den Kin­dern gar nicht stattfinden.

Das NRW-Schulgesetz (SchulG) sieht im § 99 Abs. 2 ein grund­sätz­li­ches Ver­bot von Wer­bung für nicht­schu­li­sche Zwe­cke vor. Im NRW-Kinderbildungsgesetz (KiBiz) fehlt ein ent­spre­chen­der Pas­sus, was unse­rer Mei­nung nach jedoch keine Berech­ti­gung für gezielte Wer­be­ak­tio­nen in Kitas bedeu­tet. Gerade Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen soll­ten aus vor­ge­nann­tem Grund beson­dere Schutz­räume gegen­über Wer­bung am Kind darstellen.

Wir bit­ten des­halb um die Beant­wor­tung der fol­gen­den Fragen:

• An wel­chen Kin­der­gär­ten in städ­ti­scher Trä­ger­schaft hat das Center-Management “Aquis Plaza” Wer­bung für die Aktion “Aquis Bau­meis­ter” gemacht? Lis­ten Sie bitte die Namen der Kin­der­ta­ges­stät­ten auf.
• In wel­cher Form hat das Center-Management an die­sen Kin­der­ta­ges­stät­ten gewor­ben? Nen­nen Sie bitte Art und KiTa-Ansprechpartner (Posi­tion) der Kon­takt­auf­nahme, auf­ge­schlüs­selt nach Kindertagesstätten.
• Wel­che Kos­ten bzw. Auf­wände sind der Stadt Aachen für die Aktion “Aquis Bau­meis­ter” ent­stan­den? Wird die Stadt Aachen ggf. die Erstat­tung die­ser Auf­wände vom Center-Management des “Aquis Plaza” fordern?
• Erfolgte die Anspra­che der Kin­der­gär­ten direkt über das Center-Management “Aquis Plaza” oder z.B. über eine soge­nannte “Schul/KiTa-Marketing-Agentur”? Wenn ja, welche?
• War die Aktion “Aquis Bau­meis­ter” auch eine Koope­ra­tion mit der Hand­werks­kam­mer Aachen bzw. hat die Hand­werks­kam­mer Aachen Gele­gen­heit bekom­men, sich bei die­ser Aktion als Ver­tre­ter des Aache­ner Hand­werks zu präsentieren?

Hier könnt ihr die Ratsanfrage der Piraten auch kommentieren:

http://msahm.piraten.ac/meine-ratsanfrage-aquis-baumeister/

Hier seht ihr, wie Ratsanträge aussehen. Man muss das, was man fordert, auch ausführlich begründen, dazu reichen drei kurze Sätze nicht aus. Achtung: pdf.

20150818 Ratsanträge von Navelbrush

 

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Was treibt eigentlich die Männer des IS?

Was ich mal wirklich gern wissen möchte: Wieso hat diese Menschen im Irak und Syrien, die sich IS nennen, so massiv die Mordlust gepackt?

Ich weiß zu wenig und hatte bisher nicht die Zeit dazu und die Nerven, Texte zu suchen, die das erklären. Aber IS, das sind ja wohl hauptsächlich Männer.

Was ich an den Aktionen ablese, von denen berichtet wird, sind: Hass, Wut, sexuelle Frustration, Frauenverachtung, Größenwahn, Kontrollwahn, Panik, Angst. Und was einen treibt, wenn man kleine Kinder ermordet, dazu habe ich keine Idee.

Jemand meint, es handelt sich um Fanatismus. In Bezug auf was? Religion? Warum ermordet man dann Glaubensbrüder? Warum nicht einfach in den Iran fahren und da leben? Nebenbei: Sind die IS-Leute eigentlich Schiiten oder Sunniten? Nicht mal das ist mir bekannt.

Jedenfalls morden sie wie die Bekloppten, und man fragt sich ja doch: Wie kann man sie eventuell besänftigen? Schließlich bewirken sie, dass im Nahen Osten (in vorislamischer Zeit die „Wiege der Menschheit“) kein normales Leben mehr möglich ist, dass sich Flüchtlingsströme in Bewegung setzen. Flüchtlingsströme, die sogar bewirken, dass Europa aus den Fugen gerät. So dass sogar hier in Deutschland die sehr dünne Decke der Zivilisation krachend in die Brüche geht: Sonst stets freundliche Menschen erzählen plötzlich mit Verachtung in der Stimme, was sie von den Flüchtlingen halten. Fürchterliche Ansichten und Gefühle brechen sich Bahn.

Wie gesagt, ich oute mich hier als nicht besonders gut informiert, was den Nahen Osten angeht. Aber kann man dem IS ein Stück Land anbieten, wo er seinen Steinzeit-Islam leben könnte? Würde das die Männer besänftigen? Muss man nicht langsam mal an „Verhandlungen“ denken?

Und noch etwas frage ich mich (wegen der Flüchtlinge): Wenn man mir das Messer an den Hals setzt, würde ich mich doch sofort krass als großer Fan eines superstrengen Islam darstellen. Mit allen Konsequenzen. Getreu der Maxime: Jetzt ist erst mal „am leben bleiben“ mein obersters Ziel. Was später kommt (Guerilla und Widerstand), das sehen wir dann mal. Oder ist das zu rheinländisch gedacht?

Mir fällt auf, dass das zu einfach gedacht ist. Junge Flüchtlinge erzählen, dass von ihnen als Beweis ihrer Loyalität verlangt wurde, irgendwelche schutzlosen Menschen zu töten. Das kann nicht jeder . . .

*

Zu verdanken haben wir die ganze Scheiße den Amerikanern, namentlich Georg W. Bush. Denn: Eine Reihe von Anführern des IS waren Häftlinge im US-amerikanischen Gefängnis Camp Bucca im Südirak. Die sind in US-Gefangenschaft radikalisiert worden, das kann ich sogar noch verstehen. Aber wieso töten sie dann Glaubensgenossen? Bei Wikipedia lese ich: „Die Führungsspitze des IS wird von einer Gruppe von ehemaligen Geheimdienstoffizieren der irakischen Streitkräfte gebildet.“

Da beängstigt es einen, dass auch in Deutschland die Geheimdienste mit viel mehr Geld, Technik und Personal ausgestattet werden sollen, als jemals. Wie jüngst netzpolitik.org enthüllt hat. Wer kontrolliert eigentlich diese immer mächtiger werdenden Geheimdienste bei uns?

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Viel erreicht. Zur Erinnerung.

Wieso haben eigentlich alle Leute von Obama eine schlechte Meinung? Haben sie vergessen, dass er eine Finanzmarktreform durchgesetzt hat, die sich sehen lassen kann? Und die Gesundheitsreform,  ohne die jetzt schon 12 Millionen Amerikaner keine Krankenversicherung hätten? Und der Abrüstungsvertrag mit Russland? Alles vergessen?

Nicht zu reden davon, dass jetzt überall in den USA Schwule und Lesben heiraten dürfen. Und dass die Klimapolitik wieder auf der Tagesordnung steht. Selbst wenn er dort in den kommenden 15 Monaten nichts erreicht, ist es auch schon viel wert, das Thema neu gesetzt zu haben.

Und dann nach 50 Jahren endlich Frieden und Freundschaft mit Kuba  Außerdem: das Atombombenabkommen mit dem Iran. Ist das nichts? Selbst in Guantanamo gibt es einen (allerdings nicht ausreichenden) Fortschritt: Von seinerzeit etwa 280 Gefangenen sind jetzt mittlerweile nur noch 100 da.

Bei einer Trauerfeier für einen schwarzen Jungen hat er den institutionellen Rassismus angeprangert und für den Ermordeten gesungen (sehr emotional, wie das eben in den USA so ist). Amazing Grace. Unvergessen.

Von wegen „lame duck“ !!1!!!!!!  Gut, ich weiß: Die Amerikaner von ihrem Waffen-Fetischismus zu befreien, das ist ihm (unter anderem) nicht gelungen. Aber mit seinen Projekten am Ende ist er noch nicht. In den kommenden Monaten könnte es mit Obama noch spannend werden.

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Patenprojekt für junge Flüchtlinge, Folge XIV

„So arm können die Flüchtlinge doch gar nicht sein, die haben doch alle Handys.“

Besonders ältere Menschen reden so. Und dann erklären sie einem, dass ein Flüchtling sich einen Satz in Deutsch ins Handy abgetippt hat und in Windeseile sei dieser Satz in seiner Heimatsprache auf dem Display erschienen. Ja, so was aber auch!

Blogger werden ist nicht schwer. Das kannst du auch.

Blogger werden ist nicht schwer. Das kannst du auch. Sei mutig.

Weil sie selbst kein Smartphone bedienen können und auch nicht wissen, wie kinderleicht es ist, eine Übersetzungs-App zu installieren und zu nutzen, nehmen sie an, dass sich der Flüchtling für teures Geld einen Hochleistungscomputer gekauft hat. Was wieder mal beweist, wie wichtig Bildung ist. Wenn einer nicht informiert ist, kommt er/sie zu nichts als Fehleinschätzungen. Mit – in der Masse – verheerenden Folgen.

Exkurs: Im digitalen Zeitalter erweist es sich als erforderlich, dass für Menschen jenseits der 65 die Schulpflicht eingeführt wird. Konkret sollen zwei Semester an einer Volkshochschule Pflicht sein, wo es ununterbrochen um die Einführung in Funktionsweisen und Nutzung der gängigen digitalen Geräte gehen muss. Es ist mein Ernst. Schulpflicht für Minderjährige und Schulpflicht für Menschen ab 65, für letztere natürlich nur ein Jahr. Wer als rüstiger Rentner auf dem Rad durch die Eifel braust oder jedes Jahr nach Österreich in den Skiurlaub fährt, und auch wer gar nicht sportlich ist, der kann auch noch ein Schuljahr absolvieren, um in die digitale Welt eingeführt zu werden.

Ansonsten bleibt zu bedenken, dass zu uns nicht wenige Menschen kommen, die etwa in Syrien eine Firma, ein Geschäft oder zwei, ein Haus, ein Auto, Antiquitäten oder sonstiges Vererbtes, eine große, mit dem üblichen Wohlstand ausgestattete Familie und was weiß ich noch hatten und denen (von allem Wohlstand) allein ihr Smartphone geblieben ist. Ihnen dies jetzt sozusagen zu neiden, das kann ja wohl nicht wahr sein.

Im Unterricht mache ich Flüchtlinge darauf aufmerksam, dass und wo man in Aachen für wenig Geld ein gebrauchtes Smartphone kaufen kann. Sie sollen ins Internet  gelangen und sich via Google und Wikipedia die vielen Fragen beantworten, die sich in ihrem neuen Leben stellen. Ich sage ihnen das nicht so deutlich, aber ich bin der Überzeugung, dass man in Deutschland einen Zugang zum Internet haben muss wie man in der Wohnung an Strom und Wasser angeschlossen ist. Ohne geht es nicht.

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How to become a famous blogger

Viele jungendliche Flüchtlinge haben längst ein Smartphone, und daraus ergibt sich leider auch folgendes: Einige beschäftigen sich zu oft mit dem, was gerade in ihrer Heimat und in den Nachbarländern passiert. Sie sind über jeden Anschlag informiert, kennen genau die Zahl der Toten, wie viele Frauen, Männer, Kinder getötet wurden, wo die Bombe zu welchem Zeitpunkt explodiert ist und wer sie gezündet haben soll oder sich zu dem Anschlag bekannt hat. Es lässt sie nicht los, es macht sie wütend und furchtbar traurig.

Den Rat, diesen Dingen keine Aufmerksamkeit mehr zu schenken, kann auch mein Patenkind nicht befolgen. Der Junge ist davon so erschüttert, als sei dies alles in seiner Nähe passiert und nicht 8.000 Kilometer von Aachen entfernt. Mit vor Schrecken geweiteten Augen, mit lauter Stimme und in anklagendem Ton berichtet er aufgeregt von den aktuellen Anschlägen. Er liest dazu allerlei Texte, schaut sich Videos an und ist anhaltend so entsetzt, dass ich schon mehrfach dachte: So kann es nicht weitergehen.

Ich weiß auch nicht, warum er die Verbrechen der Taliban und IS so haarklein zur Kenntnis nimmt, es zieht ihn dermaßen runter . . . Er hält mir dann via Smartphone Bilder von zerbombten Häusern und Straßen unter die Nase. Und Bilder – von Betroffenen mittels Handy aufgenommen – die ich gar nicht sehen will und die in Deutschland auch kein TV-Sender und keine Zeitung zeigen würde.

Mir fällt nichts Besseres ein als zu sagen: „So sah es in Deutschland vor 70 Jahren auch aus, und schau: Jetzt ist alles wieder gut. Auch in Afghanistan wird eines Tages alles gut sein.“ – „Ja, aber, Frau Vallot“, sagt dann nach einer Weile das Patenkind, „wir haben in Afghanistan seit 30 Jahren Krieg . . .

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Zum Weiterlesen. „Flüchtlinge und teure Smartphones: Hetze ohne Fakten“

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(wird fortgesetzt)

Folge XIII findet ihr hier

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Alle Ermittlungen sofort einstellen

Landesverrat ist ein Verbrechen. Ich will, dass das Verfahren gegen Markus Beckedahl und Andre Meister sofort offiziell beendet wird und dass alle Ermittlungen eingestellt werden.

Außerdem soll die Öffentlichkeit unverzüglich erfahren, ob und wenn ja, mit bloggers-rights-148x224pxwelchen technischen Mitteln und Methoden die beiden Blogger ausspioniert wurden, und zwar sowohl was ihre Privaträume als auch was ihre Dienstträume betrifft. Schließlich soll behördlicherseits kurzfristig mitgeteilt werden, ob  andere Mitarbeiter von netzpolitik.org überwacht und ausspioniert wurden.

Ich möchte, dass das Presserecht noch 2015 so geändert wird, dass auch Blogger wie Markus Beckedahl und Andre Meister in den Genuss sämtlicher Rechte kommen. Wir brauchen ein zeitgemäßes Presserecht.

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Update 06.08: Es gibt jetzt eine Petition, die schon allerhand namhafte Medienmenschen unterzeichnet haben. https://netzpolitik.us

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Notunterkünfte gesucht: Hallen, Klöster, Kasernen, Bürogebäude . . .

In Richterich wird möglicherweise eine große Notunterkunft für Flüchtlinge eingerichtet, vielleicht sogar ein Erstaufnahme-Lager. Das wurde – laut Aachener Tageszeitungen – jüngst zwischen der Spitze der Stadtverwaltung und Ratspolitikern besprochen. In der Diskussion ist das ehemalige Logistikzentrum der Telekom an der Roermonder Straße.

„Wo und wie können wir in Aachen noch Menschen menschenwürdig unterbringen?“ Über diese Frage haben sich Aachens Kommunalpolitiker seit

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Das ist Werbung.

Monaten das Gehirn zerbrochen. Die Piratenfraktion hatte vor der Sommerpause acht Anträge vorgelegt.

Die Körner-Kaserne in Forst und das leerstehende Kloster an der Nizzaallee waren im Rat und in diesem Blog erwähnt worden. Wenn mit der Renovierung unverzüglich begonnen würde, könnten da Menschen bald für ein, zwei Jahre leben, so wurde argumentiert. Die Reaktionen der Politiker und der Verwaltung waren niederschmetternd. „Völlig bescheuert“ und „wirkt, wie das Anheulen des Mondes“ so hieß es damals über die Piraten-Anträge in der Sitzung. Zur Erinnerung:

Die Piraten-Ratsanträge:
1. Modularer Fertigbau und Nutzung der teilweise leerstehenden Schule Eintrachtstraße

2. Bau von Wohnungen in Leichtbauweise auf dem Blücherplatz

3. Kauf und Nutzung der Gebäude neben St. Elisabeth

4. Verhandlung zur Räumung und Nutzung der Körner Kaserne bzw. der Fläche der Kaserne

5. Anfrage zur Nutzungsüberlassung des Verwaltungsgebäudes SMS/Meer (Nerscheider Weg)

6. Nutzung der angebotenen Flächen in der Münsterstraße

7. Beschlagnahme und Herrichtung des ehemaligen Klosters der Karmelitinnen an der Nizzaallee/Lousbergstraße

8. Interimsnutzung des Depot Talstrasse, falls weiterhin keine Mieter gefunden werden.

Hauptsache ist, dass nach realistischen Möglichkeiten gesucht wird. Dies insbesondere, weil – wie oben erwähnt – die Landesregierung in Düsseldorf überlegt, in Aachen eine Erstaufnahmestelle einzurichten. Ein Dringlichkeitsbeschluss des Rates der Stadt soll schon in der Mache sein (s. dazu  Aachener Zeitung: „Asyl für Flüchtlinge in Richterich?“). Bedarf besteht: Die Erstaufnahmestellen, die es schon in NRW gibt, sind doppelt und dreifach überbelegt, eine musste kürzlich schon zeitweise geschlossen werden.

Finanziert würde diese Stelle – so nehme ich stark an – vom Land NRW. Wie es  aber genau mit den Kosten aussieht, entzieht sich meiner Kenntnis. Die Halle in Richterich wäre übrigens deutlich preiswerter zu bekommen und einzurichten als die schon gekauften Wohncontainer. Von den 6000 Quadratmetern der Halle sollen 2000 kurzfristig in eine Notunterkunft umwandelbar sein, weitere Quadratmeter später ebenfalls.

Auf jeden Fall: Die Dinge sind angesichts der vielen Flüchtlinge, die ganz sicher noch kommen werden, mächtig in Bewegung geraten. Hier wird weiter berichtet.

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