Patenprojekt für junge Flüchtlinge, Folge XV

Seit wir uns kennen möchte der Junge gern „arbeiten und Geld verdienen“. – „Was?“, frage ich. „Alles“, sagt er immer. Vier oder fünf Stunden am Tag hätte er noch Zeit für einen Aushilfsjob (kellnern, Gartenarbeit, putzen, so sagt er). Bei „Job“ denke ich an JobCenter, und wir gehen da hin. War aber falsch gedacht, man schickt uns zur Arbeitsagentur in die Roermonder Straße. Ich mache einen Termin aus für einen Tag um 9.15 Uhr.

Um 9.15 Uhr trifft das Patenkind in der Arbeitsagentur ein. Und weil ich zunächst über die aktuellen Anschläge in Kabul und Umgebung informiert werden muss, auch darüber, wer laut TV die Attentäter waren und wer in Wirklichkeit hinter allem steckt, klopfen wir erst um 9.30 Uhr an die Tür der Sachbearbeiterin.

Mit vorwurfsvollem Blick und SEHR von oben herab sagt die Dame als erstes: „Der Termin war um 9.15 Uhr.“

Ich muss ehrlich sagen, dass sich 99 Prozent aller Leute freuen, wenn ich überhaupt irgendwo erscheine. An Freundlichkeit bei meiner Ankunft bin ich gewöhnt. Aber dass ich daran gewöhnt bin, das war mir gar nicht bewusst. Andererseits mache ich gern öfter mal was, was ich noch nie gemacht habe. Und das hab ich jetzt davon, dass ich erstmals mit einem Flüchtling zur Arbeitsagentur gehe. Da darf ich mich nicht beschweren, wenn mir was passiert, was ich noch nie erlebt habe.

Außerdem hatte die Dame natürlich Recht, wir waren 15 Minuten zu spät.

Das Gespräch in der Arbeitsagentur entwickelte sich dann doch noch einigermaßen gut. Eine Sache, die wir zunächst nicht kapiert hatten, wurde uns (von der genervten Dame) sogar zweimal erklärt. Wir haben zwar die zweite Erklärung auch nicht verstanden, wagten aber keine weitere Nachfrage.

„Frau Vallot, so sind hier viele Leute.“

(Das Patenkind zu mir nach dem Gespräch mit der Sachbearbeiterin)

Im Ergebnis kam raus, dass auch die Arbeitsagentur keinen Job für den Jungen hat und wir dafür zum „Sozialdienst Aachener Christen.“ in die Rosstraße gehen mussten. Das Wort „Rosstraße“ sprach die Dame übrigens „Roßßßstraße“ aus. (Ich konnte mich nicht zurückhalten, das erstaunt zu korrigieren und darauf hinzuweisen, dass es sich um eine ganz berühmte, alte Aachener Straße handelt. Hallo?)

Dann wurden wir aber schon verabschiedet und machten später einen Termin mit den Christen in der Rosstraße aus. Dort war man zwar freundlich, und wir waren richtig, aber auch dort gab es keinen Job, sondern es wird eine Verbindung zu jemand von der Handwerkskammer hergestellt. (update: Den Herrn haben wir inzwischen getroffen, doch gebracht hat es bis jetzt ebenfalls nichts.)

Und weil wir seitdem nicht gestorben sind, suchen wir noch weiter.

*

Offenlage: Der junge Mann, den ich hier immer „das Patenkind“ nenne, ist volljährig. Aber sei es, weil der Junge spricht wie ein zweijähriges Kind, sei es, weil ihm (immer wieder) vieles mit einfachen Worten erklärt werden muss oder weil der Altersunterschied so extrem groß ist: Für mich ist der ein Kind.

Außerdem versuche ich, die Anonymität des Jungen zu wahren. Deshalb erwähne ich seinen Namen nicht und schreibe nur über Vorkommnisse, von denen ich weiß, das sie viele junge Flüchtlinge in ähnlicher Weise erleben.

Folge XIV findet ihr hier

(Diese Serie wird fortgesetzt)

Sehenswerte Kunst von Alf Lechner vor der Aachener Arbeitsagentur in der Roerminder Straße.

Sehenswerte Kunst von Alf Lechner  Franz Bernhard vor der Aachener Arbeitsagentur in der Roermonder Straße (danke, Johanna, für die Korrektur).

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Gegenüber Stadttheater: Denkmalschutz für eine eigenwillige Kinofassade?

elysee Aachen

Am Kapuzinergraben direkt gegenüber vom Stadttheater: Drei Gebäude sollen abgerissen werden für ein neues Hotel. Die Frage ist jetzt: Kann eventuell die Fassade vom Kino gerettet und in einen Neubau integriert werden?

An prominenter Stelle in Aachen, direkt gegenüber vom Stadttheater, befindet sich ein altes Kino mit einer markanten Fassade: das Elysée. Das und zwei direkt rechts neben ihm stehende Gebäude sollen abgerissen werden – für ein neues Hotel.

Gegen ein Hotel am Kapuzinergraben wird sicher niemand etwas haben. Im Gegenteil, man freut sich. Die Hotelkette „Motel one“ soll Interesse gezeigt haben. Schade wäre es allein um die ungewöhnliche Fassade vom Elysée. Und da fragt man sich doch, ob diese außergewöhnliche Außenfront samt Schriftzug nicht erhalten werden kann, ob sie nicht in die Front des Hotel-Neubaus integriert werden kann? Einheitsfassaden aus Glas, Stahl und Beton gibt es ja in der Innenstadt genug. Die alte Kinofassade könnte das Stadtbild bereichern.

Seit ihr mal an den Aachen Arkaden und dem neuen Aquis Plaza (untere Adalbertstraße) entlangspaziert? Ziemlich gleichförmig und profillos, nicht wahr? Eine einzige lange und etwas langweilige Glasfront. So sollte es am Kapuzinergraben besser nicht aussehen. Werden verschiedene Parzellen zu einer großen zusammengelegt, dann geht dabei immer ein Stück Feinkörnigkeit

Fassade und Schriftzug sollten erhalten bleiben. Passend zur prominenten Örtlichkeit, gegenüber vom Stadttheater.

Fassade und Schriftzug sollten erhalten bleiben –  passend zur prominenten Örtlichkeit, gegenüber vom Stadttheater.

im Straßenbild verloren, schrieb Daniel Lohmann. Ich bin nicht die einzige, die das bedauert. Via aachenac.de haben sich schon mehrere Personen einer Initiative zur Rettung der Fassade angeschlossen. Leider ist kein einziger Ratspolitiker darunter.

Die Front vom Elysée steht nicht unter Denkmalschutz, aber den kann man beantragen. Die Chancen stehen nicht schlecht, meinte jemand aus der Verwaltung. Man müsse es eben mal versuchen. Dann erhält der Investor bzw. sein Architekt die Auflage, die Kino-Fassade in den Neubau zu integrieren. Ein Verfahren, das Architekten nicht fremd ist.

Das Kino, so teilte Stadthistoriker Holger Dux mit, wurde am 1. Januar 1954 eröffnet. Ob mit oder zunächst noch ohne die Fassade, die eine Welle darstellen soll, ist nicht bekannt. Dux nennt die Namen der Architekten: Bachmann und Langen, Mitarbeiter: Matthias Royé.

Um die Idee vom „Denkmalschutz für die Elysée-Fassade“ noch ein wenig zu erklären und zu verbreiten, werde ich die örtliche Presse und die Politiker der Fraktionen im Rat (vor Ort) zu einem Gespräch einladen. Ich hoffe, dass die Angeschriebenen Interesse zeigen, sicher ist das aber nicht. Ich hoffe auch, dass viele „Mitstreiter“ hinzukommen. Den Termin werde ich hier, auf Facebook, auf Twitter und auf unserac.de noch bekannt machen.

Schließlich wird ein Antrag gestellt und die Angelegenheit wird – wenn alles gut geht – in einem Ausschuss oder im Stadtrat diskutiert.

Ich denke, die Sache ist den Versuch wert.

Infos zum Hotelprojekt hier: https://www.aachener-nachrichten.de/drei-haeuser-muessen-der-hotelkette-motel-one-weichen-1.1186803

und hier: http://www.aachener-zeitung.de/lokales/aachen/altes-elysee-kino-weicht-hotel-neubau-1.1186062

 

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4-Sterne-Hotel wird im Frühjahr fertig

melia Aachen

Im November 2014 wurde der Grundstein für dieses Aachener Hotel gelegt, im Mai 2016 sollen die ersten Gäste dort schon übernachten.

Nichtsahnend biegt man bei Drucks, Alexanderstraße, um die Ecke und steht plötzlich vor Aachens neuestem Hotelbau, dem „Innside Melia Hotel“ in der Sandkaulstraße.

Der Bau ist weit gediehen und soll im Frühjahr 2016 fertig sein. 158 Zimmer, ein Restaurant und eine Dachterrasse wird es geben. Vorher stand dort ein alter Bunker. Das neue Gebäude wird ein 4-Sterne-Hotel, doch das reicht noch nicht.

Aachen braucht noch mehr Gästebetten, und deshalb werden weitere Hotels geplant. Reitturnier, Karlspreisverleihung und diverse Kongresse der Hochschule spülen die Gäste in die Stadt. Und die wollen nicht immer bis in die Eifel  fahren, um ein Bett für die Nacht zu finden.

Ein neues Hotel soll unter anderem gegenüber vom Stadttheater errichtet werden. Dazu und zu einer dortigen, ganz außergewöhnlichen Fassade werde ich später noch etwas schreiben.

Hotel Aachen Theater

Die drei Gebäude, die ihr hier seht (nicht das mit dem Degraa-Bären auf dem Dach) sollen niedergelegt werden und einem Hotel-Neubau Platz machen. Hochfliegende Hotelpläne hat es in Aachen schon viele gegeben. Alles heiße Luft. Aber diese neuen Pläne sind ernst zu nehmen.

 

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Theater Aachen trennt sich von hunderten Kostümen

aachen, Stadttheater

Deckten sich für Halloween mit Kostümen ein: Hunderte Menschen, die sich gestern vor dem „Mörgens“ in eine Warteschlange stellten.

Gestern gegen 14 Uhr in der Mörgensstraße in Aachen: Hunderte wollen Kostüme aus dem Fundus des Stadttheaters kaufen – für wirklich sehr, sehr wenig Geld. Selten habe ich in Aachen eine so lange Schlange wartender Menschen gesehen. Das Angebot war passenderweise gigantisch und preiswert. Zum Beispiel gab es einen bodenlangen, weiten Mantel im Zebra-Look (schon für 5 Euro).

Die Kundschaft verteilte sich schnell auf dem Hof des „Mörgens“, wo die Klamotten an den Ständern hingen und farbenfroh leuchteten. Erstmals habe ich es dieses Jahr zum „Mörgens“ geschafft und ganz schön gestaunt. Denn es waren nicht alles schöne Stoffe, die da reißenden Absatz fanden. Billige Stoffe, hurtig zusammengenäht, eindeutig intensiv getragen – so sahen viele Kostüme aus. Für Halloween gerade noch gut genug. Ich merkte schnell, dass ich doch eher neue Kleidung für mich bevorzuge. So habe ich am Ende nichts gekauft, mir war auch die Schlange an der Kasse zu lang.

Das „Mörgens“ ist eine externe Spielstätte des Aachener Stadttheaters mit 99 Plätzen. Neben seiner Verwendung als Probebühne finden dort meist Inszenierungen von jungen Regisseuren, improvisiertes Jugendtheater, Crossover-Projekte, Lesungen sowie Spiel- und Filmabende statt. Ich hoffe, ich habe demnächst auch Zeit, dort die ein oder andere Inszenierung zu erleben.

Aachen theater mörgens

Verteilten sich im Innenhof des „Mörgens“: Hunderte, die danach teils mit fünf oder sechs Kostümen nach Hause gingen.

 

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Lärm-Freunde prallen auf Kulturpolitiker

Seit gefühlt 100 Jahren laufen in Aachen Kulturausschuss-Sitzungen nach den immer gleichen Regeln ab. Vom altbewährten Schema wich man auch jüngst nicht ab, als sich die Gruppe „Macht mal Lärm“ auf Antrag der Grünen diesem Gremium vorstellen durfte. Das berechtigte Anliegen der Gruppe (zusammengefasst): Die Politik in Aachen möge doch die kulturellen Hervorbringungen und Äußerungen dieser Initiative genauso ernst nehmen wie die der „etablierten“ Kultur.

Als Beobachter hatte man das Gefühl, zwei fremde Welten prallen aufeinander. Es begann damit, dass der Sprecher von „Macht mal Lärm“ bei seiner Vorstellung einer anderen Initiative den Vortritt lassen wollte. Diese Gruppe stand aber gar nicht auf der Tagesordnung der Sitzung, durfte sich also nicht äußern. Da hätte man flexibel reagieren müssen.
Dann monierte die Sprecherin der SPD im Ausschuss, dass über sie und ihre Partei etwas Falsches verbreitet worden war und zeigte sich anhaltend beleidigt.

Dieses Foto soll den Text auflockern, mehr nicht. Es entstand in der Wilhelmstraße/Ecke Theaterstraße in Aachen.

Dieses Foto soll den Text auflockern, mehr nicht. Es entstand in der Wilhelmstraße/Ecke Theaterstraße in Aachen. Zum Anschauen: ruhig mal draufklicken.

Auch darüber, dass sie irgendwie „von hinten“ angesprochen wurde (sie hätte sich einfach umdrehen und dem Sprecher zuwenden müssen).

Und so ging es zunächst immer weiter aneinander vorbei.

Konkret wurden von „Macht mal Lärm“ 1. mehr Möglichkeiten für Graffiti-Künstler erbeten, 2. eine mittelgroße Bühne und 3. eine größere Toleranz von Seiten der Behörden gegenüber Musikern in Aachener Parks. Die Verwaltung versprach, mit der Initiative in Kontakt zu bleiben. Die jungen Leute  unterdessen teilten mit, sie bereiteten gerade ihre nächste Lärm-Demo vor. Aachen kann sich also wieder auf einen Umzug freuen, bei dem es in der Innenstadt ziemlich laut zugehen wird. Die üblichen Beschwerdeführer sitzen bestimmt schon in den Startlöchern.

Die Piraten hatten vor der Kommunalwahl vorgeschlagen, zur Unterstützung der Musik- und Party-Szene einen „Nachtbürgermeister“ zu installieren. Diesen Vorschlag hatte die örtliche SPD schnell gekapert und als ihren eigenen ausgegeben. Vor der Wahl.
Nach der Wahl wurde dazu plötzlich nichts mehr mitgeteilt. Die Frage stand seitdem im Raum, ob die SPD dazu noch etwas unternehmen würde, oder ob jetzt die Piraten wieder ihren Vorschlag übernehmen und für die Durchsetzung kämpfen dürfen??? Der Vertreter der Piraten im Ausschuss, Gunter von Hayn, fragte auch nach, was denn wohl aus der Idee geworden sei??? NICHTS, so die Antwort. Die Verwaltung habe die Sache geprüft und befunden: Einen „Nachtbürgermeister“ braucht Aachen nicht.

Im weiteren Verlauf der Sitzung stellte sich der neue Leiter der Abtei in Kornelimünster vor, der das versprach, was schon immer versucht aber noch nie gelungen ist, nämlich die Abtei ans Aachener Kulturleben anzubinden.

Dann lobten im Ausschuss alle zu Recht die Bemühungen von Stadt und Städteregion in Sachen kultureller Bildung für Kinder.

Die Dezernentin Schwier erklärte sodann, es gebe bezüglich der Neustrukturierung von Volkshochschule (VHS) und Stadtbücherei Gespräche und viele Ideen. Man werde sich demnächst in Bonn, wo eine derartige Umstrukturierung schon erfolgt sei, kundig machen.

Und, so Schwier, es werde eine kleine Kommission sich einmal mit der „Kunst“ befassen, die Aachens Plätze und Straßen schmückt: Püppchen (Körbergasse) und Pferdchen (Bahnhof), Stelzenkinder (Annastraße) und Vögelchen (Münsterplatz) und sonst noch haufenweise Kitsch und niedliches Zeug. Schon mal vorab: Die Besetzung der Kommission gibt keinen Grund zu der Hoffnung, dass sich daran mal etwas ändern wird.

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Für alle, die es genau nehmen: Das Gremium, aus dem hier berichtet wurde, heißt korrekt „Betriebsausschuss Kultur“. Es setzt sich zusammen aus Ratspolitikern und -politikerinnen (hoher Frauenanteil, weil: Kultur), sachkundigen Bürgern und Vertretern der Stadtverwaltung. Es bereitet Entscheidungen vor, die der Rat der Stadt Aachen übernimmt. Um sachkundig zu sein, lässt sich das Gremium oft auch lediglich (über Aktivitäten und Initiativen) informieren. 

 

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Der Lärm, die Prachtvilla und die Breitband-Versorgung

Wünsche ein schönes Wochenende gehabt zu haben. Meins war nicht so schön. Migräne. Sorry G., B., J. (und ein paar wenige andere) aber die von mir diesbezüglich angerichtete Verwirrung ließ sich nicht vermeiden. Manche Leute

container Aachen

In Aachen werden Container geklaut. Wer was sieht, soll die Polizei rufen. Und dann eine Belohnung kassieren.

sagen: Mit Migräne kannst du eigentlich nie Termine machen, diese heimtückische Krankheit überfällt einen ohne jeden Plan (zumindest erkenne ich keinen), man muss gelegentlich was absagen, wirkt deshalb unzuverlässig.

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Nur mal so mit Blick auf Aachen gesagt: In Berlin hat man eine Turnhalle konfisziert – hier sollen Flüchtlinge unterkommen (das betrifft demnächst auch zwei weitere Hallen in der Hauptstadt). Ebenfalls auf der Liste zum Beschlagnahmen: leerstehende Wohnungen gegenüber vom Rathaus Kreuzberg. Die Politik will die Beschlagnahme Mittwoch beschließen, das Amt unmittelbar danach handeln. Der Eigentümer bekommt als Ausgleich eine „ortsübliche Miete“. Alles nachzulesen in der „Berliner Zeitung“.

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Erinnert sich noch jemand an die Initiative „Macht mal Lärm“? Das ist ein Verein, dem der Erhalt und die Vernetzung der freien Aachener Kulturszene wichtig ist. Mit Demos wurde lautstark Aufmerksamkeit erzeugt und insbesondere für eine lebendige Clubszene geworben.

Diese Musikszene wird in Aachen nicht wirklich geschätzt. Sie gilt im Rat, in den politischen Gremien und Parteien nicht als etwas Wertvolles, das ausdrücklich gefördert werden muss. Es ist einer starken Aachener Lobby einfach überall zu laut. z.B.: Die Leute, die die Musikbunker-Konzerte besuchen, stören alle irgendwie, da sind Nachbarn vor Gericht gezogen. Und Anwohner der Innenstadt hatten ebenfalls einen starken Auftritt, beschweren sich wegen der Auftritte von Bands beim EM-Special.

Auf Initiative der Grünen wird „Macht mal Lärm“ sich der Politik stellen und diskutieren (Die., 29. 09., Mozartstraße 2-10, Raum 207, 17 Uhr), öffentlich, je

Aachen Haus Mathe

Im Garten des Haus Matthéy in der Aachener Theaterstraße. Foto: Johannes Meyer

mehr hinkommen desto besser. Es ist aber sehr die Frage, ob Aachener Lokalpolitiker jemals kapieren, dass die Clubszene mindestens so wichtig ist wie traditionelle, gerade in Aachen sehr konservativ betriebe Kultur, also wie Museen und Stadttheater in Aachen.

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Weiß jemand, wo das Haus Matthéy steht? Es ist ein Stadtpalais, eine Prachtvilla, im oberen Teil der Theaterstraße. Das Haus mit seinem wunderbaren kleinen Garten gehört der Stadt Aachen, steht zum Verkauf. Obwohl: Ob das Haus nun verkauft wird oder nicht, darüber streiten sich die Politiker (noch). Innen befinden sich unter anderem zwei leere Wohnungen und das Deutsch-Französische Kulturinstitut. Weil das Gebäude (innen) ziemlich heruntergekommen ist, soll es nicht mehr als 800.000 Euro bringen. Man könnte es auch sanieren und dann die einzelnen Etagen neu und teuer vermieten. Entschieden ist nichts.

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Adalbert Aachen

Das Aquis Plaza wird wohl pünktlich fertig, die Umgebung eher nicht. Dort sieht alles noch sehr ungepflegt und heruntergekommen aus. Hier: Blick auf eine Szene von St. Adalbert.

Breitband-Verbindungen sind ein wichtiger Standortfaktor für Unternehmen. Die Stadtverwaltung fragte jüngst nach der Zufriedenheit der Unternehmen mit ihrer derzeit genutzten IT-Infrastruktur. Am Mittwoch, 30. September, gibt es eine Veranstaltung („Breitband für Aachener Unternehmen – Ein Standortfaktor?!“) von 18 bis 21 Uhr auf dem Campus Boulevard 55, Konferenzzentrum 1. Etage. Gregor Theissen, Berater Breitbandausbau, iQbis Consulting GmbH, Mülheim an der Ruhr, wird zum Thema „Breitband heute versus Glasfaser morgen“ referieren. Dr. Michael Krause, BreitbandConsulting.NRW, Wuppertal, wird den Ausbaustand in Aachen mit anderen Städten vergleichen. „An der anschließenden Podiumsdiskussion nehmen auch Vertreter von Breitband-Anbietern aus Aachen teil“, so teilte die Stadtverwaltung mit.

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Fahrrad abzugeben? Wir schaffen das.

fahrräder Aachen

Wer noch ein Fahrrad übrig hat, kann das zur Reparatur einem jungen Flüchtling überlassen. Eine Gruppe von Aachenern hilft weiter. Wir schaffen das.

An der Hauptschule Kronenberg hat eine Gruppe von pensionierten Männern ein Fahrradprojekt ins Leben gerufen: In der dortigen Werkstatt werden gebrauchte Fahrräder zusammen mit Schülern (hauptsächlich junge Flüchtlinge) instandgesetzt, im Anschluss erhalten die Schüler eine Radfahrschulung. Schließlich – am Ende des jeweils 6wöchigen Projekts – erhält der Schüler das selbst instandgesetzte Fahrrad als Eigentum.

Die Bürgerstiftung unterstützt das Projekt ideell und finanziell.

Diese Gruppe benötigt noch etwa 30 gebrauchte Fahrräder. Wer eins übrig hat, spende es bitte. Dabei geht es natürlich nicht darum, Schrott loszuwerden, vielmehr sollten die Räder halbwegs intakt sein.

Wer ein Fahrrad spenden will, setze sich bitte mit dem Organisator der Gruppe, Dieter Weinkauf, direkt in Verbindung, hier die Mailadresse:

nc-weinkadi@netcologne.de

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Flüchtlings-Unterkunft besichtigt

Von Johannes Meyer

Die ersten 102 Flüchtlinge sind vergangene Woche in die Körner-Kaserne eingezogen. Somit fanden sich auch Mitglieder der Piratenpartei dort ein,

Die Zelte, in denen die Essensausgabe stattfindet.

Die Zelte, in denen die Essensausgabe stattfindet.

zusammen mit dem Fraktionsvorsitzenden Udo Pütz. Und zwar zu dem von der Stadtverwaltung organisierten Pressetermin. Besonders willkommen war man dort zwar nicht. Aber egal: Man wollte sich unbedingt informieren.

Vor Ort waren zugegen: Der Pressesprecher der Stadtverwaltung, Bernd Büttgens, Heinrich Emonts vom Fachbereich Soziales, verschiedene Offiziere, allen voran Oberst Ralf Lungershausen sowie diverse Pressevertreter, Fotografen und ein Priester.

Die Piraten konnten eines der beiden Gebäude besichtigen, die schon für die Flüchtlinge leergeräumt und bezugsfertig hergerichtet waren. Einige Wohneinheiten waren bereits belegt. Einzelpersonen und Familien mit Kindern waren schon eingezogen.

Die Piraten hatten den Eindruck, dass es sich um eine Notunterkunft handelt, in der Menschen nach langer Flucht tatsächlich zur Ruhe kommen können und ein – den Umständen entsprechend – angenehmer Aufenthalt möglich ist. Die Soldaten erwiesen sich vor Ort als sehr aufgeschlossen und freundlich gegenüber den Menschen und gegenüber der anstehenden Aufgabe.

Einziger Kritikpunkt könnte sein, dass die „Hilfebedürftigen“ (auf diese

Im Gespräch: Offiziere, ein katholischer Geistlicher und der Pressesprecher der Stadt, Bernd Büttgens.

Im Gespräch: Offiziere, ein katholischer Geistlicher und der Pressesprecher der Stadt, Bernd Büttgens (v.l.).

Ausdrucksweise hatten sich ganz offensichtlich die Soldaten verständigt) in einem mehr oder weniger isolierten Bereich abseits des Haupteinganges untergebracht sind. Der Bereich, den die Bundeswehr nutzt und der Bereich, den die Flüchtlinge nutzen dürfen, sind beide getrennt durch einen Bauzaun.

Die Essensausgabe wird im Freien stattfinden, genauer: in Zelten. Als Grund dafür wurden sicherheitstechnische Überlegungen angeführt. Die Essensausgabe soll so nah wie möglich an der Unterkunft stattfinden. Lange Wege über das Gelände will man vermeiden („Transitverkehr reduzieren“, wie gesagt wurde) .

Einige Flüchtlinge interessierten sich für das Treffen und redeten die Teilnehmer auf Englisch an.

Die Piraten wollten das Gelände und den Zugang zu den Unterkünften fotografisch dokumentieren. Jedoch wurden sie darauf hingewiesen, dass dies nicht erwünscht ist. Da waren die Fotos (s. unten) aber schon auf Twitter erschienen.

Blick auf die Kaserne. Hier: der Zugang zu den Flüchtlingsunterkünften.

Blick auf die Kaserne. Hier: der Zugang zu den Flüchtlingsunterkünften. Alle Fotos: Johannes Meyer

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Schulen, Kasernen, Turnhallen. Wer hat noch Platz?

Am heutigen Donnerstag, 10. September, sind in Aachen 1100 Flüchtlinge in kommunalen Einrichtungen untergebracht. Hinzu kommen 500 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die über die Stadt verteilt sind. Außerdem noch 350 Menschen in Notunterkünften des Landes, also in Gebäuden, die nicht der Stadt, sondern dem Land NRW gehören. Das ist einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung zu entnehmen.

Leerstehende Schulgebäude, Kasernen, Turnhallen, die Kinderheime natürlich und ein Hotel sind voll mit Menschen. Der Ansturm ist tatsächlich so groß, wie zuvor angenommen. Auf das Aufstellen von Containern wird man nicht mehr verzichten können, weil höchstwahrscheinlich weitere Flüchtlinge Aachen zugeteilt werden.

Ein Foto von den Bauarbeiten am vorderen Teil des Gebäudes.

Ein Foto von den Bauarbeiten am vorderen Teil des neuen Stadtteilzentrums.

Die jungen Männer aus Syrien, mit denen ich sprechen konnte, wollen die deutsche Sprache lernen. Doch jeder betont auch, unvermittelt, ohne dass ich danach frage, mitten im Gespräch: „Ich will wieder zurück nach Syrien, wir wollen dort alles wieder aufbauen.“ Bleibt die Frage, ob man in einem Land, das vom IS regiert wird, überhaupt etwas aufbauen kann.

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Unterkünfte werden knapp, aber: Was ist eigentlich mit dem Gebäude der Landeszentralbank (LZB) in Aachen? Das bunkerartige Bauwerk an der Normaluhr (Römerstraße) gehört der Sparkasse, steht es leer?  Was ist mit dem ehemaligen Pfarrheim St. Elisabeth im Aachener Ostviertel? Oder mit dem Kloster in der Lousbergstraße? Gänzlich leer.

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Das Thema Flüchtlinge dominiert alles. Und man ist froh, wenn man sich mittels einer dieser grandiosen Apple-Präsentationen (6s, am gestrigen Mittwoch) etwas ablenken kann. Apple veranstaltete in Kalifornien ein Event mit 7000 Gästen, davon rund 500 Journalisten. Apple ist eben noch immer der Achthundertpfundgorilla der Branche. . .  Wir mussten allerdings auch erfahren, dass unsere iPhones leider ab sofort veraltet sind.

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Das alte Straßenbahndepot im Aachener Ostviertel soll Kulturzentrum werden.

Das alte Straßenbahndepot im Aachener Ostviertel soll Bürgertreff und Kulturzentrum werden.

Der neu hergerichtete Bürgertreff in der Talstraße (vormals Eisenbahndepot, sollte 9,4 Millionen, wird jetzt aber über 11 Millionen Euro kosten), gäbe ja eigentlich auch eine gute Flüchtlingsunterkunft ab. Zumal die sozialen und kreativen Vereine, die da eigentlich im Herbst 2016 einziehen sollten, die hohe Miete nicht werden aufbringen können. Das ist schon lange bekannt, wurde aber jetzt endlich einmal öffentlich mitgeteilt. Die Vereine sind so knapp bei Kasse, sie wollen zwei Jahre mietfrei dort unterkommen. Ich fürchte, daraus wird nichts.

Der Haken bei der ganzen Sache: Der Umbau geschah mit Geld vom Land NRW und ist an Bedingungen geknüpft. Wird das sanierte Bauwerk statt an finanzschwache Vereine an zahlungskräftige Firmen vermietet, dann sagt das

Ein Bild aus Umbau-Tagen. Im Herbst 2016 soll alles fertig sein. Alle Fotos: Archiv

Ein Bild aus Umbau-Tagen. Im Herbst 2016 soll alles fertig sein. Alle Fotos: Archiv

Land: „So war das nicht verabredet.“ Und will die Fördermillionen zurückerstattet haben.

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Thematisch ist dieser Blogpost wenig abwechslungsreich. Es geht noch mal um Flüchtlinge. Die Stadtverwaltung sucht zur Versorgung der neu aufzunehmenden Flüchtlinge kurzfristig ehrenamtliche Helfer für die Essensausgabe täglich jeweils von 7.30 bis 10 Uhr (Frühstück), 12 bis 14.30 Uhr (Mittagessen) und 18 bis 20.30 Uhr (Abendessen).

Wer helfen will, melde sich bitte unter der E-Mailadresse helfen@mail.aachen.de. – und bitte nur auf diesem Weg! Als Betreff sollte „Essensausgabe“ angegeben werden. Die Stadtverwaltung bittet darum, in der Mail den Namen, die möglichen Einsatzzeiten sowie eine Telefon- oder Handynummer anzugeben. Die Helfenden sollen angeben, ob sie bezüglich des Einsatzortes flexibel sind.

Die Einsatzleitung wird sich bei den Ehrenamtlern melden, sobald die Hilfe benötigt wird. Und: „Bitte kommen Sie nur, wenn Sie von der Einsatzleitung der Stadt angefragt werden!“

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Wie schön: Viele Unternehmen wollen sich in der Hochschulstadt Aachen ansiedeln oder expandieren. Da geht in Aachener Gewerbegebieten der Platz aus, alles voll, alles zu. Und statt jetzt etwa nach Stolberg ins leere Gewerbegebiet Camp Astrid auszuweichen, in dessen Anlage bereits Millionen investiert wurden, fixiert die Politik sich auf Aachen. Als ob es nicht auch für Aachen wichtig ist, dass 15 Kilometer vor der Toren der Stadt eine Kommune wie Stolberg prosperiert. Der wirtschaftliche Niedergang unserer Nachbarstadt Stolberg ist auch für Aachen eine Gefahr. 

 

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Piraten Aachen: Blick zurück und nach vorn

14 Piraten trafen sich gestern (Sonntag) im Alten Torhaus in Aachen zu ihrer Klausurtagung. Nach dem ersten Jahr als Fraktion im Rat der Stadt galt es, auf Geleistetes zurückzublicken und das zu besprechen, was in Zukunft geschafft werden soll.

Piraten trafen sich einen Sonntag lang zu Beratungen.

Piraten trafen sich einen Sonntag lang zu Beratungen.

Zunächst hielt jeder einen persönlichen Rückblick, jeder nannte Erreichtes und Noch-nicht-Erreichtes. In viele Bereiche hat man sich eingearbeitet, viele Zusammenhänge durchschaut und Initiativen ergriffen. In den Bereichen Kita-Ausbau und Flüchtlingsunterbringung wurde gute Arbeit geleistet. Viele Stunden gingen drauf für die Diskussion diesbezüglicher Fragen. Für Transparenz wurde immer wieder gestritten und dabei überlegt, wie weit Transparenz bei internen Diskussionen getrieben werden darf.

Piraten sind eine wilde Truppe. Gleichwohl ist eine gewisse Professionalisierung gelungen, und das schon im ersten Jahr der Ratsarbeit. Die Ratsherren und die sachkundigen Bürger waren hochmotiviert bei der Sache. Insbesondere in den Bereichen Schule und Mobilität konnte sich die Fraktion auf die engagierte Arbeit der sachkundigen Bürger verlassen. Kultur und Soziales wurden fleißig und in einzelnen Crews bearbeitet. Alles in schöner Regelmäßigkeit.

Kritisiert wurde: Piraten sollten ihren Unmut über Entscheidungen der Mehrheitsfraktionen krasser herausstellen und in der Öffentlichkeit darstellen (frecher werden). Dazu wäre es hilfreich, wenn die Arbeit öfter in Blogposts dargestellt werden könnte (mehr schreiben). Es muss zudem über die Erstellung der Protokolle neu nachgedacht werden (nachvollziehbar sein).

So wurde noch vieles angesprochen, unter anderem wurde auch geprüft, ob die Themen aus den verschiedenen Bereichen der Aachener Lokalpolitik den einzelnen Piraten noch korrekt und effektiv zugeordnet sind.

Fraktionsgeschäftsführer Rahu präsentierte sodann die Arbeit des vergangenen Jahres in Zahlen. Die Anzahl der Ratsanträge, der Rats-Anfragen und der Presseberichte mit Piraten-Erwähnungen wurde mitgeteilt und analysiert. Resümee: Mehr als die FDP (man war zufrieden).

Im Alten Torhaus in Aachen wurde viele Stunden lang diskutiert. Dabei wurde ein leckeres Essen serviert.

Im Alten Torhaus in Aachen wurde viele Stunden lang diskutiert. Mittags wurde ein leckeres Essen serviert. Foto: Johannes Meyer

Fraktionsvorsitzender Udo benannte im folgenden das, was an aktuellen Fragestellungen im Rat auf der Tagesordnung steht und grenzte die Themen ein, die die Piraten auch in Zukunft massiv beschäftigen werden. Die gänzlich neuen Themen waren klar in der Minderheit. Im Grunde befasst man sich als Ratspolitiker mit den immer gleichen Themen/Fragestellungen/Problemen jeweils über eine lange Zeit hinweg.

Hier kann nicht alles erwähnt werden, was besprochen wurde. So viel Zeit zum Lesen hat ja keiner. Es bleibt festzuhalten, dass es eine fruchtbare Diskussion gab, und man sich für die Zukunft gut aufgestellt sieht.

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