Die Stadt möge von Durchfahrtsverkehr frei bleiben, das wünschen sich insbesondere die Mitglieder der Fahrrad-Lobby. Ihre Wünsche könnten in Erfüllung gehen: Vor lauter Baustellen kommt in Deutschlands westlichster Großstadt bald niemand mehr irgendwohin.
Zuletzt hat es die Pontstraße getroffen, oben (am Pontor) und auch im unteren Teil.

Wo eine Archäologin im offenen Boden nach Spuren der Vergangenheit sucht, da sind andere extrem belastet, besonders die Händler, die darauf angewiesen sind, dass Kunden und Lieferanten sie gut erreichen können. Hans-Georg Lesmeister ist einer von ihnen. Er nimmt die Sache mit Humor (noch, wie Jürgen Klopp sagen würde).
Frei nach Karl Valentin meint Herr Lesmeister: „Ich freue mich über die Baustelle. Denn wenn ich mich nicht freue, ist sie trotzdem da. Irgendwann ist sie ja auch wieder weg.“

Baustelle hin oder her, ein Besuch im Weinhaus, Pontstraße 60, lohnt sich (Printengin). Etwa hundert Meter weiter Richtung Markt hat Lesmeister ein temporäres Schaufenster gestaltet. In der Pontstraße 28 nutzt er die große Glasfront eines leerstehenden Ladenlokals als Werbefläche. Gegenüber vom Zeitungsmuseum strahlt ein Foto von ihm durch die Scheibe, umringt von Aachener Spezialitäten. „Ohne uns sähe es hier prostlos aus“, heißt es auf der Fensterbeschriftung – ein Wortspiel, das die Situation auf den Punkt bringt.
Bitte nachmachen
Die Stadt Aachen bemüht sich mit Programmen wie „Ladenliebe“ und „Citygold“ darum, Leerstände in der Innenstadt zu mildern und neue Nutzungen zu fördern. Der Fall in der Pontstraße zeigt: Auch jenseits öffentlicher Programme können Eigentümer, Makler und Zwischennutzer unkompliziert zueinanderfinden – wenn alle Seiten offen für pragmatische und kreative Lösungen sind.
s. auch: Entspannter Umgang mit der Baustelle (Bismarckstraße)
Entdecke mehr von AachenNews
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.








@aachennews.org
Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals mit dem Auto in die Pontstraße gefahren zu sein. Zu Fuß oder mit dem Fahrrad ja, aber mit dem Auto? Seltsame Idee.
Vielleicht ist Herr Lesmeister ja deshalb so entspannt.