Tanz geometrischer Formen

Heute, da in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen Wahlen sind, ist auch der Geburtstag eines bedeutenden Aacheners: Ludwig Mies, der sich später Ludwig Mies van der Rohe nannte. Das macht man in Aachen gern, dass man seinen Namen selbst verändert oder gleich ganz neu wählt.

Heute, da die radioaktive Strahlung am Unglücksreaktor in Japan millionenfach höher ist als normal, lenke ich mich mal ein bisschen ab und denke an den berühmten Architekten Mies van der Rohe, der in vielen, vielen Städten mit seinen Bauten vertreten ist, nur nicht in Aachen. Er war den Aachenern auch in den 60er und 70er Jahren noch zu modern. Den großen Sohn der Stadt einladen, hier etwas zu bauen? Ach nö, lieber nicht. So konservativ sind die Aachener (heute vielleicht nicht mehr).

Heute vor 125 Jahren wurde er geboren. Er wuchs an der Vaalser Straße zwischen Maurern und Steinmetzen auf, sein Vater hatte einen Steinmetzbetrieb. Mit 19 ging er von Aachen nach Berlin und lernte dort Bruno Paul kennen.
1938 musste er in die USA auswandern, weil die Nazis seine transparenten Bauten und seine Theorien hassten. Aber: Ich habe den Verdacht, dass Ludwig Mies van der Rohe damals sowieso nichts dagegen hatte, in die USA zu reisen. Dort konnte er seine Architektur sofort weiterentwickeln, was er auch tat, und war bald ein gefragter Mann, ein Star in der Architektur-Szene. Dass er sich so schnell akklimatisiert hatte und auch sonst gegen die Nazis, soweit ich zumindest weiß, nicht aktiv wurde, scheint mir (vorsichtig gesagt) darauf hinzuweisen, dass er dort nicht unfreiwillig war.
Es kann auch sein, dass die Aachener ihn nach dem Krieg nicht zum Bauen in die alte Kaiserstadt eingeladen haben, WEIL er 1938 auswanderte. Das müsste alles untersucht werden oder ist schon untersucht worden, aber ich weiß davon nichts.
Mies van der Rohe liebte die Einfachheit, die man nicht mit dem Simplen verwechseln darf. Einfachheit liebte er, wegen der Klarheit. Nicht Stuck und Beton bevorzugte er, sondern Stahl und Glas. Und er prägte den Slogan “less is more”. Das ist sehr wahr: Weniger ist definitiv mehr. Es kann aber auch sein, dass jemand in seinem Umkreis diese griffige Formel erfand. Es zeigt, dass es immer nützlich ist, wenn man seine noch so komplizierten Theorien in einen Slogan packen kann. Das muss wohl sein.
Mies ging es wie allen: Dinge werden im Kopf klarer und klarer und dann spricht man das eines Tages aus als eine Theorie. Das sagte er so ähnlich auch mal.
Jedenfalls setzte er beim Bauen dem überbordenden Zierrat, den historistischen und historisierenden Formen die klaren Linien durch. Flache Dächer, große Fenster, Bauten, bei denen das Wichtigste das Gerüst aus Stahl war. Die ganze Konstruktion eines Gebäudes wurde sichtbar, sie wurde nicht mehr versteckt und kaschiert. Und man konnte erkennen: Konstruktion kann schön sein. Mies war ein Architekt, der die Schönheit zum Vorschein brachte. Von mir wird er sehr verehrt und bewundert.
1928 baute er zur Weltausstellung den deutschen Pavillon in Barcelona. Und wenn ich in Kürze nach Berlin reise, werde ich mir dort auch ein prominentes Gebäude von Mies anschauen. Das habe ich bis jetzt noch nicht gemacht, aus Angst vor meiner eigenen gigantischen Begeisterung. In Krefeld und New York habe ich aber schon Bauten von Mies gesehen.
In seine Bauten passten auch die alten Möbel nicht wirklich rein. So erfand er für den Barcelona-Pavillon den Barcelona-Sessel. Ein Sessel, atemberaubend schön weil komplett einfach. Heute noch zu kaufen, aber sehr teuer.

Mies van der Rohe, Architektur wird Kunst. Eine Kunst, der es auf Schönheit ankommt.

Über AachenNews

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