Wir brauchen Augen und Ohren in Berlin

In Berlin gibt es bestimmt Heerscharen von Journalisten. Aber einer fehlt (mir): der Piratenpartei-Berlin-Journalist. Das wäre jemand, der dezidiert und professionell aus Piraten-Perspektive über die Themen berichtet, die in der Bundespolitik auf der Tagesordnung stehen und die einen Piraten interessieren.
Hier wird jetzt die Idee von einem Projekt entwickelt, das es so bestimmt noch nicht gegeben hat. Aber ich stelle mir vor, dass 100 Piraten jeden Monat 20 Euro geben, um ein Jahr lang (als Experiment, das verlängert werden kann) einen Arbeitsplatz zu finanzieren. Den Arbeitsplatz von einem Journalisten/Reporter/Redakteur, dem ich als Pirat vertrauen kann. Und der sich in Berlin in der Polit-Szene gezielt auf die Suche nach Vorgängen macht, die mich als Pirat interessieren. Und der auch (mit Presseausweis ausgestattet) an den Ereignissen teilnimmt, von denen die Piraten gern wüssten, wie sie genau abgelaufen sind.
Man kann sich viele Termine vorstellen, nicht nur bestimmte Sitzungen des Innenausschusses, Treffen der Enquete-Kommission und Demonstrationen. Derjenige müsste unbedingt auch ein guter, professioneller Schreiber sein. Der wirklich schnell auf den Punkt kommt. Er müsste tatsächlich arbeiten wie ein Profi: Sauber berichten, was passiert ist, was entschieden wurde, was wieder nicht entschieden wurde usw. Scheinbar Nebensächliches, das doch symbolisch ist für eine gewisse Haltung, erkennen. Er müsste Zusammenhänge sehen und am besten Mitglied der PP sein oder mit dieser heftig sympathisieren. Mit einfachen Worten komplizierte Sachen erklären können, an der richtigen Stelle ruhig mal polemisch werden. Ein Gespür haben für die Themen der “Netzgemeinde”. ………..
Jetzt könnte man sagen: Es gibt doch schon genug Journalisten, die aus Berlin berichten. Ja. Aber es ist immer noch so, dass ich mir die News, die mich wirklich interessieren, mühsam zusammensuchen muss. Wenn ich überhaupt etwas finde (über die Enquete-Kommission, die zuletzt zwei Stunden tagte, fand ich keinen Bericht. Auch wenn es langweilig war und nichts beschlossen wurde, wüsste ich doch gern, mit was man sich denn nun befasst hat und in welcher Atmosphäre).
Ich stelle mir vor, dass der PP-Reporter sich eine einfache Seite baut und jeden, der es lesen will, auf dem Laufenden hält. Wenn 2000 Euro (weniger auf keinen Fall) zusammenkommen, müsste man wahrscheinlich einen Verein gründen. Dazu braucht man sieben Personen. Die würden den Vorstand bilden, der den PP-Reporter aussucht und ihm dann (es ist ja ein Experiment) für ein Jahr freie Hand lässt. Man müsste also 100 Personen finden, die zusagen, dass sie ein Jahr lang jeden Monat 20 Euro zur Verfügung stellen. Lieber wäre mir, man müsste keinen Verein gründen. Und wie es mit Sozialabgaben und Einkommensteuer aussieht, weiß ich auch nicht.
Jetzt würde ich am besten die Thermenpalette beschreiben. Aber vorher noch: Wie stelle ich mir den Leser vor?
Der Leser hat keine Zeit, stundenlang Veranstaltungen, die gestreemt werden, anzuschauen. Er hat keine Zeit, die weitschweifigen, unprofessionell geschrieben Texte in den Blogs zu lesen. Er möchte seine Spezialthemen mundgerecht serviert bekommen und nicht selbst die Auswahl übernehmen, weil er dazu keine Zeit hat, weil er selbst schon 50 Stunden die Woche arbeitet, weil Berlin so weit weg ist und so weiter und so weiter.
Die Themen hier werden noch ergänzt: Datenbrief, Flughafensicherheit, Elena-Datenbank, anlasslose Speicherung von Telekommunikation, Enquete-Kommission, Netzneutralität, Netzpolitik überhaupt und Post-Privacy-Debatte, e-perso, staatl. Alimentierung von Presseverlagen. Wie verkauft sich eigentlich das neue Buch von Kurz/Rieger? Querbeet einfach alles an harten und weichen Themen, was zu den Piraten-Kernthemen gehört.

Über AachenNews.org

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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2 Antworten zu Wir brauchen Augen und Ohren in Berlin

  1. MrCalvinHobbes schreibt:

    gute Idee – aber wie soll das mit 2000 € finanziert werdenß? Ich kenne nicht die Gehälter von Journalsiten, aber 2000 € brutto scheint mir sehr wenig zu sein. Da ist noch kein Euro Spesen drin – Ich würde so eine Idee unterstützen, aber etwas konkreter müsste man schon werden. Oder soll ein freier Journalist Teilzeit helfen? Dann muss aber noch klar sein, was er sonst macht damit keine Interessen Konflikte entstehen können.
    Ich würde Dir gerne bei der konkreten Planung der Idee helfen.

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  2. oLapi schreibt:

    Wir brauchen Augen und Ohren in Berlin.

    Genau das…

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