Was zum Stadttheater und seinen gut 300 Beschäftigten

Wenn man sich fast nie mit Kunst und Kultur beschäftigt, sondern immer nur mit Politik, dann braucht man, um die Produktionen der Kreativen zu verstehen, Erklärungen und Informationen. 
Das wissen die Leute im Aachener Stadttheater und bieten zu jedem Stück eine kostenlose Vorfeld-Veranstaltung an. Da wird dann erklärt, worum es in dem Stück geht, warum es aufgeführt wird, was das Besondere ist und auch, was an den alten Sachen aktuell ist usw. Und nach den Erklärungen darf man auch ein bisschen was vom Stück sehen. Während die Proben noch laufen.
 
Jüngst kamen also wieder mal rund 200 Leute ins Aachener Stadttheater, hörten Erklärungen und sahen eine Szene aus einer Oper. Ich konnte am Ende eine Bemerkung von einem Teilnehmer aufschnappen: „Alles gut und schön, aber das ist ja mal wieder eine Spar-Kulisse 😦 …..!“ Die Leute sind nicht begeistert, wenn sie im Theater an jeder Ecke sehen, dass gespart wird wie verrückt. 
 
Jetzt muss man wissen, dass in kulturfernen Kreisen wegen der Ebbe in der Kasse der Stadt darüber diskutiert wird, dem Theater in Aachen die Bezüge zu kürzen. Man will statt der über 17 Millionen Euro pro Jahr mal ein paar 100.000 Euros weniger geben. Okay, das kann man fordern. Aber man muss dann auch wissen, dass man Leute arbeitslos macht. (Deren Lebensunterhalt zahlt die Öffentliche Hand danach über Arbeitsagentur und Sozialamt.) 
 
Denn nicht die Kulissen sind der Posten, der am meisten Geld kostet, sondern die Gehälter. Dabei bekommen Schauspielerinnen und Schauspieler, Sänger und Sängerinnen nicht selten lediglich die Mindestgage von 1600 Euro brutto im Monat und das auch nur im Rahmen kurzfristiger Verträge. 
Und: Im Theater arbeiten nicht nur ein Generalintendant, ein Verwaltungsdirektor und ein Generalmusikdirektor mitsamt Kapellmeister. Es arbeiten dort auch Auszubildende in mehreren Berufen (Schreiner, Schlosser, Schneider), es gibt dort Jobs als Tontechniker, Lichttechniker und Veranstaltungstechniker. Ein Souffleur verdient sich dort sein Brot genau so wie die Garderobenfrauen, die Öffentlichkeitsarbeiter und die Theaterpädagogen. Es gibt Schülerpraktika, und einen Chor muss so ein Theater auch auf die Beine stellen. 
Drei Dutzend Sänger und Schauspieler beschäftigt das Stadttheater und kann sich über mangelnden Zuspruch beim Publikum nicht beschweren. Ich wette: Wenn jetzt das Weihnachtsstück „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler aufgeführt wird, dann wird JEDE Vorstellung restlos ausverkauft sein, jede. 
 
Aber jeder Platz in jeder Vorstellung ist auch mit über 100 Euro subventioniert. 

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2 Antworten zu Was zum Stadttheater und seinen gut 300 Beschäftigten

  1. Guntfred schreibt:

    Arbeitslos?
    Ich habe schon oft bei solchen Themen so etwas gelesen. „Wenn wir mit X aufhören, werden N Leute arbeitslos“. Stimmt. Ist aber kein Argument. Denn das gilt für Alles und auch für absurde Dinge.
    „Wenn wir aufhören jeden Morgen für den Sonnenaufgang zu beten, werden alle die professionellen Betenden arbeitslos“.
    Man muss sich zuerst fragen, ob der Aufwand und das Ergebnis in einem vernünftigen Verhältnis stehen und was genau das Ergebnis eigentlich ist. Und dann kann sich natürlich schon fragen, ob es nicht vor allem im Bespaßung von Bildungsbürgern geht, während an den Schulen der Putz von den Wänden fällt und die Straßen voller Löcher sind. Oder man kann eben der Meinung sein Theaterkultur ist wichtiger als schnöde Straßen.

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  2. feuertinte schreibt:

    Diesem Text fehlen Zahlenangaben. Soweit ich recherchieren konnte, gibt die Stadt Aachen freiwillig 40 Millionen Euro von ihren insgesamt etwa 823 Millionen Euro für die Kultur (in jedweder Form) aus.
    Hier die dicksten Posten: knapp 19 Mio für das Stadttheater, 4 Mio für die Volkshochschule, Ludwig Forum 2,04 Mio, weitere Museen 2,7 Mio, Stadtarchiv knapp 1 Mio, Musikschule 1,4 Mio, Stadtbücherei 3,9 Mio, Route Charlemagne 1,1 Mio, Barockfabrik für Kinder 500.000 Euro. Und das Karlsjahr mit seinen Ausstellungen schlägt mit 3,8 Mio zu Buche.

    Jetzt zur sogenannten freien Kultur oder auch „Kultur außerhalb städtischer Einrichtungen“. Das sind Leute, die vor 20, 25 Jahren mal eine Theatergruppe oder einen sonstwie Kunstverein gegründet haben und dann flugs an die Stadtverwaltung herangetreten sind und Geld verlangt haben. Toll, ne?
    Zwei „freie“ Theater bekommen je 40.000 Euro, ein Kunstverein 30.000 Euro, Music Loft 25.000 Euro, Gesellschaft für zeitgenössische Musik 24.000 Euro, bis hin zu einem Filmforum 13.000 Euro, dem Verein „Kunst und Internet“ 10.000 Euro und, und, und 🙂

    Das Problem wird diskutiert, dass man kein Geld bekommt, wenn man jetzt mit einer ganz neuen Idee/Initiative an die Stadtverwaltung herantritt. Es bekommen seit vielen Jahren immer dieselben „Freien“ ihr Geld. Das ganze Verfahren fördert nicht gerade die Entstehung des Neuen.

    (Alle Zahlen ohne Gewähr. Wer andere oder neuere Zahlen hat, möge sie unbedingt hier bekanntgeben.)

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