Barbara Vinken zum Thema: Männer und Mode

1. Körperbedeckend

 
Die Berufskleidung der Männer, das ist der Anzug. Man begebe sich in eine Versicherung, eine Bank oder ein Verwaltung, in ein Parlament, eine Firma . . . immer haben dort die Männer das Gleiche an: eher schmal geschnittene Anzüge. Bis auf die Hände und das Gesicht sieht man vom Körper nichts. Kein Körper,  nirgends, die Jacke bedeckt den Po.

 
Und das alles seit fast 200 Jahren: ein Stil, den man getrost „zeitlos“ nennen kann. Dazu immer kurze Haare und ein glatt rasiertes Gesicht. Darüber schreibt Barbara Vinken in ihrem neuen Buch „Angezogen“, aus dem hier referiert wird.
 
Als Zeichen größtmöglicher Anpassung im Äußeren tragen Männer ihre Anzüge, ihre Berufsuniform, in Uni-Optik, dazu gehören für alle – völlig uniform – Halbschuhe und eine teils teure Uhr am Handgelenk. Für restlos alle, die ich je gesehen habe, ist die Uhr der einzige Schmuck, den man sieht.
 
In der Freizeit jedoch tragen die Männer alle keine Anzüge. Sondern Jeans oder Cordhosen, dazu Turnschuhe. Die Jeans erlaubt es ihnen, ein bisschen Po zu zeigen, aber nur in der Freizeit. Der Anzug ist die Berufskleidung.
 
 
2. Körperbetont
 
Frauen haben keine Berufskleidung, selbst hart arbeitende Frauen sind niemals einheitlich gekleidet, meint Vinken. Sie tragen bei der Arbeit Röcke mit Blusen und Pullis, Kleider lang und kurz, Hosen und lange Pullover mit LeggingsBallerinas, Stiefel, Pumps, Halbschuhe mit spitzem oder breitem  Absatz. In den letzten 200 Jahren zeigte die Mode der Frauen rasante Wechsel.
 
Frauen sind immer so gekleidet, als befänden sie sich in den Ferien. Das krasse Gegenteil von Berufskleidung und Uniformierung – die Individualität wird betont. Auch wenn sie arbeiten, sehen sie aus, als hätten sie gerade Freizeit. Das ist bei den Männern völlig anders: Man sieht an ihrer Kleidung auf den ersten Blick, dass sie arbeiten, und zwar in verantwortungsvollen Positionen, das signalisiert der Anzug.
 
Zum Nachlesen:
Roland Barthes: „Die Sprache der Mode“.
Paul Morand: „Die Kunst, Chanel zu sein“.
Sara Gay Forden: „Mode, Mord und Business“.
Francois Baudot: „Die Mode im 20. Jahrhundert“.
Barbara Vinken: „Das Geheimnis der Mode“.

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Eine Antwort zu Barbara Vinken zum Thema: Männer und Mode

  1. feuertinte schreibt:

    Hier geht es um die Berufskleidung der Männer, den Anzug, mittels dem sich die Männerkörper in Reih und Glied in einen Gesamtkörper, in eine Körperschaft des modernen Staates (ein Amt, eine Behörde, ein Wirtschaftsunternehmen, einen Verband, eine Institution) einfügen. Alles schön geschildert in den oben genannten Büchern, insbesondere in dem von Barbara Vinken.

    Anzüge bedecken immer männliche Körper, die verwalten, planen, denken, organisieren, Profit machen. Ein Körper, der zupackt, trägt einen Blaumann.

    Deshalb war auch der erste Auftritt der neuen Piratenpartei-Abgeordneten in Düsseldorf so enttäuschend. Sie erschienen in Anzügen und machten dadurch klar: Dass sie sich von Anfang an in die Abgeordneten-Riege einfügen würden, dass sie in Reih und Glied gehen würden. Dass sie nicht danach trachten, eigene Identität zu zeigen, sondern Corporate Identity. Und deshalb wurde auch ein Berliner Abgeordneter der Piratenpartei vor den meisten anderen in Talkshows eingeladen: Er bestand auf seinem Blaumann, das heiß, er verweigerte sich einem simplen Einordnen ins Politiker-Kollektiv.

    Weltweit tragen Männer Anzüge bei der Arbeit, weil in den Institutionen keiner durch Abweichung hervorstechen soll. Der funktionale Anzug ohne Verzierungen bedeutet: überpersönliche Kontinuität. Er signalisiert, dass dem Anzugträger christliche Tugenden wichtig sind: Selbstbeherrschung, Bescheidenheit, Enthaltsamkeit. Außerdem Staat, Demokratie, Wissen, Macht, Geld. Nicht schön sein, aber korrekt und angepasst sein. Ins Bild passen, nicht aus dem Bild fallen.

    Frauenmode dagegen uniformiert nicht, sie individualisiert. Und das Weibliche ist in den Korporationen ein Fremdkörper.



    http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-21910-0004,_Bonn,_Kabinett_Adenauer_II,_Gruppenbild.jpg?uselang=de
    http://commons.wikimedia.org/wiki/File:RBS_RMS_GWB_medal_2008_2.jpg?uselang=de

    und so ohne Ende immer alle gleich gekleidet

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