Bloß nicht anecken

Dieser Tage weilte der Journalist Peter Zudeick auf Einladung der hiesigen SPD und der Friedrich-Ebert-Stiftung in Aachen. Im Theater K. sollte es aus seinem Mund eine gepfefferte „Journalistenbeschimpfung“ geben. So war es jedenfalls angekündigt worden, und weil ich vor nichts zurückschrecke, dachte ich: „Na gut, lässt du dich halt mal von Peter Zudeick beschimpfen.“ Es beschimpft mich als Journalistin ja auch sonst alle Welt. 

Peter Zudeick kommt sehr sympathisch rüber, viele kennen ihn ja von seinen samstäglichen satirischen Glossen im WDR. Er hat vier Fächer studiert, promoviert, schreibt des öfteren in der TAZ und in anderen wichtigen Zeitungen. Seine Kommentare und Analysen gehören zum Besten, was es gibt in dieser Bundesrepublik. 

In Aachen schilderte er äußerst freundlich und charmant die missliche Lage und die Fehlleistungen der Journaille in Deutschland. Und brachte viele Beispiele, wo die Kollegen bei Themen einfach versagen. Wie sie auf Themen springen, nur weil sie die BILD einfach mal anleiert, wie sie halb-recherchierte Sachen verbreiten und mit Politikern kungeln. Wie sie nach Bedarf einen hochgejubelten Mann in der Öffentlichkeit plötzlich alt aussehen lassen, wie sie die blödesten Themen mit Feuereifer aufgreifen und die wichtigen nicht anpacken, nicht in den Griff bekommen. Wie sie sich in hochnäsigen Kommentaren aufschwingen und immer alles besser wissen. 

Das alles wurde so nett und freundlich präsentiert, dass man denken konnte: Die Redakteure in Funk, Fernsehen und in den Verlagen sind ein lustiges, eigenwilliges Völkchen, wo sich die Mitglieder ab und zu selbst ein Bein stellen, aber sonst sind sie ganz in Ordnung und die Lage ist nicht dramatisch. 

Dieser Ton wurde dem Thema nicht gerecht. Die vierte Gewalt im Staat kommt ihren Aufgaben nicht mehr ausreichend nach. Es gibt viel zu viel Verlautbarungsjournalismus, zu wenig freche Kommentare und Biss. Zu wenig Nachbohren und Misstrauen gegenüber den Mächtigen, seien es nun Bürgermeister in der Provinz, die Kirche und die Gewerkschaften, die Parteien oder die Angeordneten in Berlin.  Aus irgendwelchen Ängsten heraus versucht die schreibende Zunft bloß nicht anzuecken. 

Wie gesagt: Es war recht unterhaltsam, Zudeick zuzuhören, er wurde aber der Brisanz der Lage in keine Weise gerecht. Die vierte Gewalt im Staate muss  leider viel ungeduldiger, krasser und grundsätzlicher kritisiert werden. Wegen grandioser Fehlleistungen. 

Zudeick wurde in der Diskussion auf die NSA-Affäre angesprochen. Und da stimme ich ihm zu: Die Presse hat DIESES Thema bisher erfreulich umfassend abgehandelt. Wer will, findet dazu viele gute Beiträge in den Zeitungen. 

Die rund 150 Gäste bei der Veranstaltung meinten auch, die SPD sei bezüglich der Überwachung durch ausländische und inländische Geheimdienste auf dem falschen Pferd. Es gab, als diese Meinung geäußert wurde Beifall (von mir).

Über AachenNews

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.