Wie man sich Bürgerinnen und Bürger zu Feinden macht

In Aachen wird ein Bauwerk abgerissen, von dem ein bekannter Architektur-Professor sagt, es sei nicht nur für Aachen wichtig, sondern es sei wichtig für ganz Deutschland. 
Es geht – wer hier mitliest, kann es sich denken – um den Bunker in der Rütscher Straße. Und der Professor ist Christoph Schulten (Aachen/Dresden). Im Rathaus machte er sich jüngst öffentlich und mit Verve für den Erhalt des Bunkers stark. Ohne jeden Erfolg. 

Dass der Bunker abgerissen wird, ist schon länger klar. Seit wann genau, wissen aber wohl nur die Herren im Rathaus und der Investor, der dort Luxuswohnungen errichten will. Die komplette Nachbarschaft von dem Bunker wurde jedenfalls kurzfristig über den Abriss informiert und fühlt sich jetzt (in Teilen) krass über den Tisch gezogen. Diese Menschen sind wütend, sie wurden nicht gefragt, kaum informiert, sie wurden vor vollendete Tatsachen gestellt.

Und das ist genau der Nährboden, auf dem die katastrophalen Bürgerentscheide wachsen und gedeihen. Wütende Bürgerinnen und Bürger werden sich revanchieren. Sie werden, wenn mal wieder über ein anderes Bauprojekt abgestimmt werden darf, mit „nein“ stimmen. Allein um den ignoranten Stadtoberen aus Politik und Verwaltung in die Suppe zu spucken. Als hilfloser Protest.

Dass die das in der Stadtverwaltung nicht kapieren!? Wie sonderbar. Man kann über ein Projekt (wie die Campusbahn oder das Bauhaus) die Bürger früh informieren. Wenn man sie aber in den Jahren zuvor dauernd ins Kreuz getreten hat, wieder und wieder, werden sie ihrer Wut und Enttäuschung Luft machen und sich blindwütig wehren. 

Alte Aachener erinnern in diesem Zusammenhang an die fatale Begradigung einer Straße, der die damalige Szene-Kneipe „Theos Pinte“ zum Opfer fiel. Es hagelte – so etwa 1975 soll das gewesen sein – Proteste, und es gab Demos. Noch und noch. Allein: Die Häuser wurden abgerissen, die Straße begradigt, die Kneipe funktionierte nicht mehr. So alles einfach entschieden über die Köpfe der Leute hinweg.  

In der Rütscher Straße haben wird es mit einem Bunker zu tun. Hässlich, groß, dunkel. Eine vielköpfige Initiative möchte ihn erhalten, wegen der Erinnerung. Ein Professor möchte ihn als bauhistorisches Kleinod erhalten. 

Ich bin persönlich nicht gegen den Bau von Luxuswohnungen. Und ich mag Bunker nicht gern ansehen. Meine Mutter und ihre Schwester haben noch heute den Horror in den Augen, wenn man sie was zu irgendeinem Bunker in Aachen fragt. Was sie dort als Kinder erlebten, hat sie traumatisiert. 
Auch als Architektur finde ich Bunkerbauten hässlich. Sie wurden zur Nazizeit errichtet, und wir hängen uns ja auch nicht die Bilder auf und stellen uns die Skulpturen auf, die von Nazi-Künstlern damals produziert wurden. Diese Scheiße müssen wir nicht ständig vor Augen haben. Auch nicht zur Abschreckung oder Erinnerung. Aber hier sollte mal erklärt werden, wie man sich in Aachen seit Jahren die Bürgerinnen und Bürger zu Feinden macht. 

Auch für Stadtverwaltung und Politik gilt: Wer andere glücklich macht, der wird glücklich.

Über uebergangshymne

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Eine Antwort zu Wie man sich Bürgerinnen und Bürger zu Feinden macht

  1. Inge und Dieter Wernet, Militärhistorische Studien, St. Vith / Belgien schreibt:

    Sehr geehrte Aachener Bürger,
    viele Medien und andere Interessierte von Aachen berichten permanent nur lokal von dem Luftschutzbunker Rütscher- / Försterstraße.
    Seit mehreren Monaten unterstützen wir eine Petition, um Aufmerksamkeit für das historisch wichtige Bauwerk in Aachen zu bekommen. Es ist sehr bedauerlich, dass diese Unterstützung nicht intensiver gegen die Verantwortlichen eingesetzt wird.
    Für den Erhalt dieses einmaligen historischen Gebäudes haben sich national und international Experten, Historiker und Denkmalschützer aus 19 Ländern ausgesprochen. Wir sind fassungslos über die Ignoranz, die zu der Entscheidung, den Bunker auch in Zukunft nicht unter Denkmalschutz zu stellen geführt hat.
    Petition:
    https://www.change.org/de/Petitionen/stadt-aachen-landschaftsverband-rheinland-lousberg-h%C3%B6fe-gmbh-der-hochbunker-f%C3%B6rsterstr-in-aachen-soll-nicht-f%C3%BCr-stadtwohnungen-weichen
    Hier sprechen sich derzeit bereits 1.425 Unterstützer (Stand Samstag 7.12.2013) aus 19 Ländern ausdrücklich gegen eine Beseitigung des historisch so bedeutsamen Schutzbaues aus.
    Mit freundlichen Grüßen
    Inge und Dieter Wernet
    Militärhistorische Studien
    St. Vith / Belgien
    idw@swing.be

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