Was es in Aachen geben sollte. Folge 4: Shareeconomy

Tja, ich muss zugeben, dass mir zu „Shareeconomy“ kein deutsches Wort einfällt. Es ist aber etwas, das wohl alle, die mit dem Internet aufgewachsen sind, kennen und schon praktizieren.

Manche gehen davon aus, dass sich der Wohlstand einer Gesellschaft erhöht, je mehr geteilt wird. Aber auch, wenn sich der Wohlstand nicht erhöht, wenn er also gleich bleibt, plädiere ich für eine Gesellschaft, in der das Teilen und Mitbenutzen wichtig sind und gefördert werden. Da sollte Aachen die Initiative ergreifen und Vorreiter werden.

Man kann Gegenstände mit anderen teilen, außerdem Wissen, Ideen und Erfahrungen. Wie auch immer: Das Teilen-Können gehört zu einer postmaterialistischen Welt.

Das Ford-Forschungsinstitut in Aachen ist insofern dabei, als es zusammen mit möglichst vielen Menschen seine Produkte verbessern will. Zusammen darüber nachdenken, was einem Auto fehlt und die Umsetzung den Ingenieuren überlassen. Die Idee wird prämiert. . . das machen die bei Ford in Aachen. Die Idee ist wichtig, aber allein die Umsetzung schafft den Wert.

Online-Verleihsysteme müssten eingerichtet werden. Aber auch Gebäude, beispielsweise das leerstehende ehemalige Arbeitsamt mitten in der Aachener Innenstadt (Adresse: An den Frauenbrüdern) müssten zu Tauschbörsen umgestaltet werden. Dabei sollen dort NICHT Teile abgeladen werden, die ein Haushalt vielleicht nicht mehr braucht und bequem entsorgen will. Nein, die Teile müssten eine Prüfung überstehen und dann zum Ausleihen zur Verfügung gestellt werden. Wer ausleiht und einen Gegenstand in sehr gutem Zustand wieder zurückbringt, sollte (wie bei ebay) eine Bewertung erhalten, für jeden einsehbar.

Das ist alles sehr einfach: Musik kann man teilen, Texte, Links sich zuschicken. Aber was ist mit den anderen Sachen, die die meiste Zeit zuhause ungenutzt herumliegen oder stehen? Gemeint sind hier nicht die Erinnerungsstücke, heißgeliebte Einzelteile, die man unbedingt immer bei sich haben möchte. Kamera und Auto kann auch kaum einer teilen. Geschenkt. Aber all der andere Krempel bis hin zum teuren Armreifen.

„Sharing is caring“ lautet die Devise. Es geht um die Entwicklung in Richtung „Teil- und Tauschgesellschaft“. Digitale Inhalte und Gegenstände aller Art kann man mit anderen teilen. Motto: „Nutzen statt besitzen“. Dazu gehört auch die Einrichtung von Coworking-Büros, also Gemeinschaftsbüros mit mehreren Arbeitsplätzen, die leicht von Menschen genutzt werden können, die gleichwohl nicht in einer gemeinsamen Firma arbeiten. Warum nicht einen Coworking-Raum in der Jakobstraße einrichten? Und einen in Burtscheid. Diejenigen, die solche Büros kennen und nutzen (in Berlin) schwärmen davon.

Ich möchte mich jetzt nicht darüber auslassen, ob der Impuls, etwas mit anderen zu teilen, angeboren ist. Aber die in Berlin lebende Maike Gossen könnte da bestimmt helfen und der Shareeconomie in ihrer alten Heimatstadt beispielhaft zum Durchbruch verhelfen. Sie hat zu dem Thema wissenschaftliche Erkenntnisse geschaffen und gesammelt.

Nachbarschaftshilfe war gerade unseren Vorfahren nichts Fremdes. Auch nach den beiden Weltkriegen muss es zu so etwas wie Shareeconomie schon gekommen sein. Diese Angewohnheiten der Alten kennen wir aus Erzählungen, es ist aber – wie so vieles – verloren gegangen.

siehe auch http://www.nachbarschaftsauto.de
http://www.frends.de
http://www.kleiderkreisel.de

Achtung: Hier geht es nicht um Ökologie. Eine schöne Handtasche oder ein Buch von München nach Aachen und zurück zu schicken, zwecks dem Ausleihen für kurze Zeit, das belastet die Umwelt. Es geht um Gemeinschaftssinn, um Nachbarschaftshilfe.

Über AachenNews

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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