Umstrittener Museumschef stellt unbekannten Maler aus

So eine Ausstellung wie die, die am 13. März im Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen eröffnet wurde, dürfte es eigentlich gar nicht geben. Zu sehen sind Zeichnungen eines völlig unbekannten niederländischen Malers aus dem 17. Jahrhundert. Ein Museum sollte aber bekannte Künstler zeigen, wo die Menschen hinströmen, wahrscheinlich wegen des Wiedererkennungswertes oder was weiß ich.

Und zweitens darf es eine solche Ausstellung nicht geben, weil der Titel der Bilderschau englisch ist. „Deaf, dumb & brilliant“, so lautet er. Englische Titel hat das Publikum in Deutschland nicht gern. Darauf wies der Chef des Hauses an der Wilhelmstraße, ein Niederländer, das Vernissage-Publikum hin.

Dieser Mann hat die Ausstellung gleichwohl so gemacht, wie es sie eigentlich gar nicht geben darf. Sie wurde vor zahlreichem Publikum eröffnet und ist rundum gelungen und wunderschön. Und alles, was nicht sein darf, geschieht, wobei Peter van den Brink angeblich um seinen Arbeitsplatz bangen muss. Diese Diskussion ist jedenfalls in kunst- und kulturinteressierten Kreisen zur Zeit im Gange.

Mein Eindruck: Er bangt keinesfalls, jedenfalls machte er bei der Eröffnung und bei der Vorstellung seiner Pläne für das Suermondt-Ludwig-Museum im Kulturausschuss nicht diesen Eindruck. Vor den Politikern entschuldigte er sich zwar für das ein oder andere Fehlverhalten als Museumschef. Er war wohl in der Vergangenheit zu oft unterwegs und zu selten in Aachen als Chef präsent und soll dann noch hohe Spesenrechnungen vorgelegt haben. Auch hatte er die Texte für die Politiker zur Sitzung wieder viel zu spät vorgelegt. Und er hat ja tatsächlich reichlich oft gerade niederländische Künstler präsentiert. Aber um seinen Job fürchtet er nicht, muss er auch nicht. Dieser bestens vernetzte Kunsthistoriker kann auch als Kurator, Dozent oder Autor andernorts zu Ruhm und Ehre (und Geld) kommen.

Am 13. März wurde nun also die Bilderschau eröffnet, von der eingangs die Rede war. Vom 13. März datiert übrigens auch der erste Eintrag zum Künstler (jetzt fällt endlich der Name: Johannes Thopas) bei Wikipedia.

Von diesem Meisterzeichner existierte seit Jahr und Tag nur ein einziges Bild im Suermondt-Ludwig-Museum. Jetzt aber sind dort bis zum 22. Juni genau 39 Werke von ihm zu sehen. Aus Museen und privaten Sammlungen wurden sie zusammengesucht. „Ein in Vergessenheit geratener Meister seines Fachs“ ist Thopas laut Museum. Viele der 39 Werke sind in Aachen zum ersten Male öffentlich zu sehen. Sie sind fast alle sehr klein und zeigen ausdrucksvolle Charakterbildnisse, selbstbewusste und wohlhabende niederländische Bürgerinnen und Bürger.

Es ist eine Ausstellung für Menschen, die es gewöhnt sind, Bilder zu betrachten, sie zu lesen und die sich nicht verschließen vor dem, was alles von ihnen an Gefühlen und Erkenntnissen ausgeht.

Wie es indes mit Peter van den Brink weitergeht, darüber wird hier noch berichtet.

——————-

http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Thopas

http://www.aachen.de/DE/kultur_freizeit/kultur/museen_sammlungen/slm/index.html

http://www.suermondt-ludwig-museum.de/index.html

Über AachenNews

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.