Der Christdemokrat Udo Rüttgers

(Wegen mehrerer Nachfragen wird das Thema hier nochmals aufgegriffen:)

Ende Mai 2014 war es, als eine vielhundertköpfige Gruppe von Wählerinnen und Wählern im alten Kreis Aachen einmal NICHT eine der etablierten Parteien wählen wollte. Sie wollten gerade nicht die CDU wählen, machten ihr Kreuzchen bei den Newcomern, bei den Piraten. Die Piraten sind eine Partei, die dem linken Spektrum zugerechnet werden muss.

Die Wähler müssen sich jetzt verarscht vorkommen, denn sie haben Udo Rüttgers von den Piraten in den Städteregionstag und in den Stadtrat von Stolberg gewählt, aber dort mit ihm die CDU (!) stark gemacht. Denn Udo Rüttgers hatte offenbar ein Erlebnis wie Paulus vor Damaskus.  Ihm fiel auf, dass er ideologisch haargenau das Gegenteil von dem vertreten muss, was er zuvor als Pirat vertreten hat. Nach der radikalen Sinnesänderung sitzt er jetzt als Christdemokrat in zwei Kommunalparlamenten und verstärkt dort die zuvor fragile Fraktion seiner neuen Parteifreunde.

Die CDU machte er so stark, dass die beispielsweise im Stadtrat von Stolberg plötzlich keinen Koalitionspartner mehr braucht.

Wahlzettel für Wahlen in  Aachen und der Städteregion. Da ließ sich  Rüttgers für die     Piratenpartei ins Rennen schicken.

Wahlzettel für Wahlen in Aachen und der Städteregion. Im Mai ließ sich Rüttgers für die Piratenpartei ins Rennen schicken.

Aber nicht nur das: Er zerstörte mit seinem Wechsel eine ganze Fraktion, die von Piraten/UFW nämlich, die nur zu dritt Fraktionsstatus hat, nicht zu zweit. Rüttgers leistete ganze Arbeit, 11 hochmotivierte  sachkundigen Bürgerinnen und Bürger konnten, da fortan ohne Fraktion, nach Hause gehen. Diese hatten gerade angefangen, den Etablierten etwas Ärger zu machen.

Des weiteren hat Rüttgers durch seinen Wechsel zwei Menschen – kurz vor Weihnachten – arbeitslos gemacht:  eine Fraktionssekretärin und einen Fraktionsgeschäftsführer. Sehr feinsinnig inszeniert, das Ganze. Danke, Udo Rüttgers, für nichts.

Mit wem auch immer ich über den Fall Udo Rüttgers spreche, die Leute sind der Meinung, dass es Rüttgers vollkommen egal ist, was er mit seinem Wechsel angerichtet hat. Und so ist es wohl auch.

Dass jemand sagt: „So, ich kann mit den Piraten nichts mehr anfangen, ich trete aus“, das kann ich verstehen. Es gibt auch Leute, die wechseln von der SPD zur den Linken, oder von der FDP zur CDU und jeweils umgekehrt usw. Aber dass jemand von den PIRATEN ausgerechnet zur CDU wechselt, bedarf näherer Erklärung. Von Rüttgers hört und liest man indessen nichts.

Würde einer nun lauthals verkünden, dass Udo Rüttgers (in einem Gespräch mit drei führenden Herren der hiesigen CDU) für seinen Gesinnungswandel ein Angebot gemacht wurde, und würde man sogar davon sprechen, das Udo Rüttgers das Angebot angenommen und korrupt sei, so würde dann Rüttgers mit Fug und Recht Anzeige erstatten und der Staatsanwalt hätte die Sache auf dem Tisch.

Deshalb behaupten wir hier gar nicht, dass Udo Rüttgers korrupt ist, und auch nicht, dass er mit den Herren Helmut Etschenberg (Städteregionsrat, CDU), Klaus-Dieter Wolf (CDU-Fraktionsführer) und Axel Wirtz (MdL, CDU) über dergleichen oder etwas anderes gesprochen hat. Das können wir nämlich nicht wissen, wir waren ja bei dem Gespräch nicht dabei.

Wir nehmen lieber an, dass es eine Art Erleuchtung gewesen sein muss, die den Stolberger ereilte. Eine Bekehrung, ein Wunder, ein Weihnachtswunder sozusagen, kurz vor Weihnachten.  Dergleichen soll bei Christen ja vorkommen.

*

Für alle, die gerade nicht wissen, was das Damaskuserlebnis des Paulus ist, lest hier.

 

Über uebergangshymne

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3 Antworten zu Der Christdemokrat Udo Rüttgers

  1. Leftssidepirate schreibt:

    Von der CDU zu den Piraten geht ja anscheinend auch (bislang haben wir noch NIE etwas von besagtem Ratsherren gehört) und alleine der Versuch, mit der AfD etwas zu starten, respekt „Piraten“!

    Gefällt 1 Person

    • margret vallot schreibt:

      Ja, in die eine Richtung zu wechseln finde ich persönlich genauso furchtbar wie in die andere. Und das Ergebnis der politischen Arbeit gibt mir Recht. Es lässt dann doch sehr zu wünschen übrig. Man erkennt die Absicht und ist verstimmt. 😦

      Gefällt mir

  2. Pingback: Gekommen, um zu bleiben | Aachen. Kommentierte Infos.

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