Monschau: Erinnerung an ein Christo-Projekt

Schöne Ausstellung in der verwinkelten Galerie Beumers in Monschau. Es wird an die Zeit erinnert, als Christo in Monschau aktiv war. Am Tisch: Kaspar Vallot, 92 Jahre alt.

Wieder mal lohnt sich eine Fahrt nach Monschau. Diesmal geht es um das Jahr 1971 und was damals in dem Eifelstädtchen geschah. Der Monschauer Kunstkreis mit Journalist Kaspar Vallot* war nämlich vor 45 Jahren auf die verwegene Idee gekommen, den Verpackungskünstler Christo nach Monschau einzuladen. Der sollte sich dort ein Objekt zum Verpacken/Verhüllen aussuchen.

Bereits im Jahr zuvor (1970) hatten die Liebhaber moderner Kunst die Stadt Monschau quasi in ein Open-air-Museum verwandelt. Die Bevölkerung war weitgehend not amused über die „Umwelt-Akzente“. Fast alle fanden: „Das soll Kunst sein? Niemals!“ An diese Ausstellung hat 2011 die Stadt Monschau auf großartige Weise erinnert.

Christo kam immerhin, spazierte 1971 durch Monschau und war begeistert: Er wollte die Burg und eine weitere Ruine (Haller) verpacken und den sensationellen Rur-Blick mit einem Vorhang verhüllen. Wie geplant, so geschehen. Weite Teile der Bevölkerung waren extrem empört. Es gab damals nicht so viele Menschen, die überhaupt bemerkten, dass in der Welt und in der Sicht auf die Welt ein enormer Wandel im Gange war.

Bei der Aktion entstanden viele kunstvolle schwarz/weiß Fotos, die jetzt in Monschau zu sehen sind. Und zwar im sogenannten Tuchschererhaus, in dem sich die Galerie Beumers befindet. Galeristin Carla Giessing hat zusammen mit Kaspar Vallot diverse Fotos, Objekte, Plakate und Dokumente aus jener Zeit zu einer Ausstellung kombiniert.

Wer viel Zeit mitbringt, sollte sich in den Räumen die Leserbriefe aus jenen Tagen ansehen. Sie zeigen, wie die Menschen auf die moderne Kunst reagierten. Sie waren einfach überfordert. Aber es geschah auch, dass Erwachsene einigen Jugendlichen einen Kasten Bier versprachen, wenn die Jugendlichen ein „Kunstwerk“ zerstören würden. Damals lernte ich, zu welchem Hass Menschen fähig sind, wenn sie etwas in ihrer Nähe ertragen müssen, was sie absolut nicht verstehen. Heute ist es mit den „Ausländern“ exakt dasselbe.
Insofern man selbst mit einer etwas breiteren Perspektive beschenkt ist, darf man sich allerdings auch nicht arrogant über diese Leute erheben.

Bei der Eröffnung der Ausstellung in Monschau berichtete Kaspar Vallot 45 Minuten lang konzentriert von der Zeit, als der anfangs etwas konventionelle Kunstkreis seine Ausrichtung änderte, als er mit den Journalisten-Kollegen Klaus Honnef und Willi Bongard über Kunst zu Aktionen kam und wie schließlich reagiert wurde. Außerdem bekam das Publikum kunstphilosophische Gedanken zu hören.

Christo war damals ein noch relativ unbekannter Künstler. Er war 1968 als Teilnehmer der documenta in Kassel aufgefallen. Nur wenige kannten ihn. Zudem hatte es sich ergeben, dass er 1971 auch noch an seinem Projekt „Valley Curtain“ arbeitete und sich in Monschau nur selten blicken ließ. Trotzdem: „Deutsche und internationale Presse rückte Monschau in die Schlagzeilen“, schreibt Peter Stollenwerk. Sein langer und schöner Text (jetzt noch hinter einer Bezahlschranke) ist in wenigen Tagen hier zu lesen.

***

Die Ausstellung „Das CHRISTO PROJEKT Mon SCHAU“ ist noch bis zum 10. Mai zu sehen in der Galerie Beumers in Monschau, Laufenstraße 6.
Öffnungszeiten: mittwochs bis sonntags von 12 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung. UPDATE: Wegen Krankheit ist die Ausstellung ab heute, 19. März, für eine Woche geschlossen
s. auch Kölner Stadtanzeiger, Bericht aus 2011: Als Christo die Burg verpackte
*Offenlage: Kaspar Vallot ist mein Vater.
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Über uebergangshymne

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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