Waldbesetzer? Im Frühjahr 2012 ging es los

Das Foto entstand im Mai 2012 im Hambacher Forst. Damals staunte ich nicht schlecht – über den Wald und die Besetzer.

Im Mai 2012 hörte ich zum ersten Mal von einer Waldbesetzung. Hausbesetzung kannte ich und wusste, dass mittels Hausbesetzungen viele schöne, alte Häuser gerettet werden konnten. Ganze Straßenzüge im Aachener Frankenberger Viertel zum Beispiel. Aber eine Waldbesetzung? Ich weiß noch, dass ich damals lachte, weil ich meinte, das könne doch nur ein Blödsinn sein.

Immerhin wollte ich es (in meiner Funktion als Journalistin) genau wissen und machte mich auf den Weg. Skeptisch und misstrauisch. Zuerst lernte ich den Wald kennen, der war anders als der bei Monschau, der mir vertraut ist. Der Wald, den alle Hambacher Forst oder die Bürge oder Bürgewald nannten, war schon etwas Besonderes, so licht und hell. Ich war nicht wenig beeindruckt.

Schließlich fand ich nach einem längeren Spaziergang die sogenannten Waldbesetzer, die sich dann sofort die Mühe machten, mir ihr Anliegen zu erklären. Ich hatte kaum Detailkenntnisse über RWE und die Braunkohleförderung und im Laufe des Gesprächs jede Menge Fragen. Die Besetzer waren viel jünger als ich und GANZ anders drauf. Mit Internet hatten sie rein gar nichts zu tun. Sie twitterten nicht.

Telefonisch konnte man sie nicht erreichen. Ich hatte von ihrer schieren Existenz über einen „Unterstützer“  aus einem nahen Dorf erfahren.

Waldbesetzer habe ich noch öfter besucht, auch in Eis und Schnee im Januar

Kaum zu erkennen: das Wiesencamp der Waldbesetzer im Januar 2013. Der Eigentümer der Wiese musste sich gegen Räumungsaufforderungen durch viele Instanzen gerichtlich zur Wehr setzen. Er ist heute finanziell am Ende, hochverschuldet.

2013, zusammen mit Piraten-Freunden aus Düren, immer dienstlich, bis ich wirklich kapiert hatte, was sie motiviert, was ihr Anliegen ist, wie sie leben, warum sie so leben.

Die Piraten hier und die Aktivisten da im Hambacher Forst, das war wie: Fremde Welten schauen sich an. Piraten hielten sich damals am liebsten in der Nähe von Steckdosen auf.  Ich insbesondere, wir alle wollten vor allen Dingen jederzeit und überall ins Internet. Und dafür wollten wir (und wollen es noch) jederzeit und überall Energie zur Verfügung haben. Und zwar Energie im Überfluss aus Sonne, Wasser, Wind und damals – warum denn nicht – aus Braunkohle. (Offenlage: Ich bin schon lange Mitglied der Piratenpartei.)

Die Besetzer waren – ich erwähnte es bereits – ganz anders drauf. Sie boten schon bald „Führungen“ an und erklärten ihre Ansichten allen, die sich in den Hambacher Forst begaben. Die Gruppen wurden immer größer, die Leute brachten Kaffee und Kuchen mit. Und Bretter für Baumhäuser.

Ich erinnere mich noch, anfangs (unter anderen) zwei Fragen gestellt zu haben: „Ist es nicht total langweilig hier so tagaus, tagein rumzuhängen?“ und „Wie lange werdet ihr bleiben?“ Dazu wurde gesagt: Wie haben viel zu tun, denn wir werden Baumhäuser bauen. Und: Wir bleiben, bis RWE mit dem Abbau der  Braunkohle aufhört.

Im März 2013 startete (meines Wissens nach) die Polizei den ersten Versuch, Leute aus halbfertigen Baumhäusern runter zu holen. Das gelang zunächst, doch war der „Erfolg“ nur von kurzer Dauer. Für solche Kletter-Einsätze, so konnte ich sehen, hat die Polizei eigens Personal ausgebildet.

Wald hin oder her, worum es eigentlich geht, das ist die Klimaerwärmung. Es ist eine Menschheitsbedrohung, auf die die Politik ungenügend reagiert. Massen von Menschen protestieren nur dann so massiv, wenn es wirklich um existentielle Bedrohungen geht und wenn sodann, auf diese existentiellen Bedrohungen die Politik hilflos und falsch reagiert. Versagen der Politik steht am Anfang.

Wer meint, dass die Gefahr besteht, dass wir alle durch radioaktive Strahlen grausam geschädigt werden, der engagiert sich gegen Atomkraftwerke. Wer meint, dass Ausländer/Moslems die Bundesrepublik in ein muslimisches Land verwandeln werden, der geht zur AfD. Und wer erkennt, dass die Energieerzeuger das Klima der Erde ruinieren dürfen. . .  dann kommt es eben zu Waldbesetzungen, unterstützt von tausenden Menschen.

Möge sich doch jede/r mal vorstellen: Du produzierst etwas, irgendetwas. Dabei entsteht jede Menge Dreck. Wohin damit? Na? Du darfst den Dreck kostenlos in der Atmosphäre entsorgen. Ja. Alles rein in die Atmosphäre. Ist das nicht wunderbar? Bequem und kostenlos? Schon verständlich, dass RWE noch ganz lange damit weitermachen will.

Dem Tagebaubetreiber RWE gehört der Hambacher Forst und RWE hat die Erlaubnis bekommen, dort Braunkohle abzubauen. Insoweit geschieht (bis zu den nächsten Urteilen) das alles nach Recht und Gesetz, wie man es in einem Rechtsstaat schöner nicht haben kann. RWE macht nichts Ungesetzliches. Wer sich darüber freut, dass Kommunen RWE-Aktien verkaufen, ist doppelt dumm: Er bedenkt nicht, dass die Aktien mitsamt dem Einfluss dann in andere Hände geraten, und er bedenkt nicht, dass die Erlaubnis zum Abbau von Braunkohle und zum Verstromen derselben nicht davon abhängig sind, wem die Aktien zufällig gerade gehören.

Unter Rot/Grün wurde die Erlaubnis erteilt, Braunkohle abzubauen und zu verbrennen mit verheerenden Folgen für das Klima. Und unter Schwarz/Gelb wird dieses Erlaubnis nicht zurückgenommen. Jetzt müssen wir uns die Frage stellen, ob wir diesen Strom von RWE noch kaufen wollen. Oder vielleicht doch lieber den Strom von Greenpeace.

Der Anfang vom Ende (im Oktober 2012): Die Erhaltung des Waldes wird wichtig, und das Ende des Braunkohle-Abbaus beginnt.

 

Über AachenNews

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2 Antworten zu Waldbesetzer? Im Frühjahr 2012 ging es los

  1. Pingback: Wegen Hambacher Forst: Es hagelt Proteste | AachenNews

  2. Wolfgang schreibt:

    Schön, dass Du jetzt auch darüber schreibst. Ich fiebere seit Jahren mit, wenn es um dieses Waldstück geht, eins der letzten verbliebenen Fleckchen Erde für die es sich lohnt auch als normaler Bürger mal von Deinem Thron herunterzusteigen und sich mal einzusetzen.

    Ich Kämpfe zur Zeit überwiegend per Internet zur Verbreitung der Geschehnisse mit den Waldbesetzern und gegen die Staatsmacht und schreibe Politiker an und versuche die Massen für Unterstützung zu bewegen.

    Ich weiss nicht, ob man den Kampf für die Schönheit der Umwelt gegen die Klimakatastrophe noch gewinnen kann, aber ich denke dieser Wald hat enormen Symbolcharakter für die nächste Zeit. Gewinnen die Waldbesetzer werden immer mehr Menschen bereit sein aufzustehen. Gelingt es nicht werden sich auch viele versammeln um sich zu vernetzen und allerorts aufbegehren.

    Nun getan werden muss etwas und ich werde auf jeden Fall auch aktiv bleiben und mich von nichts einschüchtern lassen.

    Dir weiterhin viel Erfolg bei Deinen Recherchen und Berichten, die wie immer sehr interessant sind.

    LG Wolfgang

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