Wirklich lustig ist dieser Hitler nicht

Mutig: Das Aachener Das Da Theater in der Liebigstraße führt „Er ist wieder da“ mit Klaus Beleczko als Adolf Hitler  auf.

Er ist wieder da“, daran besteht kein Zweifel. Hitler und sei Nationalismus erleben eine gewisse neue Beliebtheit. Aber muss man ihn ernst nehmen? Sollen wir diesmal nicht lieber – über seine skurrile, hirnvernagelte Art zu sprechen und zu agieren – lachen?

Zweifellos muten Adolf Hitler und sein Gebrüll, seine Art, sich in Szene zu setzen und zu gestikulieren heutzutage lächerlich an. Ein Gockel, der kaum gehen kann, so sehr ist er durchdrungen von der Bedeutung der eigenen Person. Ein Mann, gefangen in seinem Größenwahn.

Allerlei Showtalente haben ihn in letzter Zeit parodiert, am besten machte das bisher Jan Böhmermann (und hier). In Aachen feierte kürzlich das Das Da Theater mit dem Stück „Er ist wieder da“ diese Witzfigur, den Diktator. Das Schauspiel (nach dem Roman von Timur Vermes) wurde für die Bühne bearbeitet von Axel Schneider. Und in dem Aachener Theater – das sei hier als Resümee gesagt –

Das Holocaust-Mahnmal in Berlin. In Aachen dient es als Kulisse.

konnte man hin und wieder tatsächlich mal lachen. Aber es gab auch Szenen, in denen einem das Blut in den Adern gefror. Zum Beispiel, wenn das ganze Ensemble – stramm stehend – die erste Strophe vom Deutschlandlied singt. „Deutschland, Deutschland ÜBER ALLES IN DER WELT“. Man ekelt sich.

In dem Schauspiel (Regie: Tom Hirtz) geht es um Hitler, der im Jahr 2018 plötzlich in Berlin wieder auftaucht und mit Fernsehleuten in Kontakt kommt, die ihn für einen Komiker halten, der ohne Ende seine Hitler-Nummer aufführt. Er macht niemand etwas vor und begeistert bald die Massen. Man hält ihn für eine Parodie seiner selbst, gibt ihm viel Sendezeit und kassiert schließlich noch einen Fernsehpreis.

Klaus Beleczko spielt den Hitler, den die Zuschauer am Ende sympathischer finden als die dämlichen Fernsehfuzzis. Hitler quatscht und trompetet ohne Ende. Man wundert sich, wie ein Schauspieler so viel Text im Staccato von sich geben kann. Es ist kein einfaches Stück, das sich das Das Da Theater da vorgeknöpft hat, alle weiteren Schauspielerinnen und Schauspieler treten in mehreren Rollen auf. Nach zweieinhalb Stunden (mit Pause) fühlte ich mich ziemlich zugequallt. Meinetwegen hätte man ein, zwei Szenen weglassen können.

Das Bühnenbild ist krass: Das Holocaust-Mahnmal von Architekt Peter Eisenman in Berlin ist ansatzweise nachgebildet. „Die grauen Betonblöcke auf der Bühne bilden eine skulpturale Landschaft, die die Struktur des Mahnmals aufgreift“, schreibt Frank Rommerskirchen (Bühnenbild) im ausführlichen

Die Stelen erinnern an unfassbare Verbrechen. Mittendrin kann ein Theater-Hitler einen neuen Aufstieg inszenieren.

Programmheft. Manchmal agiert das Ensemble nicht nur vor und zwischen, sondern sogar auf den Blöcken stehend. Man hofft dann nur, dass niemand einen Fehltritt tut und abstürzt.

Klar, dass der Auferstandene bald schon eine Mail-Adresse hat, ein Handy nutzt, von den Möglichkeiten des Internet begeistert ist und via YouTube kommuniziert. Er erinnert manchmal an den amerikanischen Präsidenten Donald Trump.

Alle regulären Aufführungstermine waren bereits vor der Premiere ausverkauft. Es gibt aber Zusatz-Vorstellungen, unter anderem: am 14. und 27. November und am 4. und 11. Dezember (Beginn jeweils um 20 Uhr). s. Dasda.de

Eine Karte kostet 24 Euro, ermäßigt 16 Euro.

Eine weitere Theaterkritik findet ihr hier.

 

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