Dürer-Ausstellung in Aachen? Für mich nicht!

Ich weiß ja nicht, wer sich diese Dürer-Ausstellung für Aachen und sein Suermondt-Ludwig-Museum gewünscht hat. Ich war es jedenfalls nicht. Die „Betenden Hände“, der Dürer-Hase, „Hieronymus im Gehäuse“ und ähnliches jahrhundertelang abgehangenes Zeug von Albrecht Dürer (1471-1528) sagen mir nichts.

Gleichwohl plant der Chef des Suermondt-Ludwig-Museums, der geniale Peter van den Brink, eine Ausstellung zu Dürer mit allerlei Skizzen und Zeichnungen, die am 7. Oktober 2020 eröffnet werden soll. Ob die vorausgesagten über 100.000 Besucherinnen und Besucher tatsächlich kommen werden, wage ich sehr zu bezweifeln. Deren Eintrittsgeld soll aber 1,31 Millionen Euro erbringen. Mal sehen.

Das superteure Projekt hat leider bisher keinen, dem ich davon erzählte, vom Hocker gerissen. Zusätzlich ist jetzt noch aufgefallen, dass die Dürer-Schau nicht stattfinden kann, bevor nicht die komplette Klimatechnik des Museums erneuert wird. Kosten: 2,4 Millionen Euro. (Ich wette, dass es deutlich teurer wird.) Die Anlage sei „abgängig“, so steht es in einem Text der Verwaltung, das heißt, sie ist total im Arsch.

Außer der Klimatechnik müssen noch weitere bauliche Maßnahmen stattfinden. Alles bis Oktober 2020. „Das ist sportlich“, würde ein piratiger Kollege sagen. „Das geht schief“, sage ich und behaupte: Dass die kaputte Klimaanlage für eine derartige Ausstellung nicht reicht, das Problem hätte man doch wohl schon früher bearbeiten müssen, oder?
Wie auch immer: Wegen der Bauarbeiten muss das Suermondt-Ludwig-Museum (SLM) ab März für 13 Monate am Stück geschlossen werden.

Überaus erfolgreich: Andreas Beitin mit dem LuFo und der Ausstellung  „Flashes of the Future“. Im Bild: der Katalog zur Schau.

Bei der Dürer-Schau freue ich mich auf die drei geplanten flankierenden Zusatzausstellungen (Kosten alles zusammen übrigens: 4,64 Millionen Euro), z. B. die im Ludwig Forum (Jülicher Straße) zum Thema „Künstlerreisen“. Sie soll die Ausstellung im SLM (Wilhelmstraße) eigentlich nur ergänzen. Mal sehen.

Das LuFo ist unter seinem Leiter Dr. Andreas Beitin übrigens gerade erst ausgezeichnet worden als „Museum des Jahres 2018“ (von der deutschen Sektion des internationalen Kunstkritikerverbandes, AICA). Außerdem wurde die LuFo-Ausstellung „Flashes of the Future – Die Kunst der 68er oder die Macht der Ohnmächtigen“, die von April bis August in Aachen zu sehen war, zur „Ausstellung des Jahres“ gewählt. Ebenfalls von der AICA.

Zurück zu Dürer: In Düsseldorf gab es vor 10 Jahren eine Ausstellung, die zeigte Jörg Immendorff, Sigmar Polke, Thomas Struth, Ewald Mataré und andere Künstler im Dialog mit Grafiken des berühmtesten aller deutschen Künstler. Alles interessant, aber auch erfrischend respektlos. Zu den bekannten Arbeiten gehörte damals die legendäre Beuys-Aktion „Dürer, ich führe persönlich Baader ++ Meinhof durch die Dokumenta V“. Dieses Teil war jüngst im Ludwig Forum zu sehen, in der 60er-Jahre-Präsentation, die zur „Ausstellung des Jahres“ gewählt worden ist.

Respektlosigkeit gegenüber dem berühmtesten deutschen Künstler war in den 60er Jahren angesagt. Man wollte nicht mehr in Ehrfurcht erstarren. Vor niemand. (Bild: eine Arbeit von Aktionskünstler Joseph Beuys).

Dürers Reise in die Niederlande: hier nachlesen auf der Seite des SLM

Über AachenNews

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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2 Antworten zu Dürer-Ausstellung in Aachen? Für mich nicht!

  1. Peer van Daalen schreibt:

    Das Ludwig-Museum geht mir am Arsch vorbei … Die letzte gute Veranstaltung der vergangenen 20 Jahre dort, war die Podiums-Diskussion mit Gretchen Dutschke vor paar Wochen … Männo, wat hab ick mir jefreut, dit Gretchen nach 50 Jahren mal wieder in den Arm nehmen zu dürfen … :-).

    Aachen hat andere Probleme als dieses verschwiemelte Geisterhaus. Kann abgerissen werden … Oder ´n Laufhaus daraus machen …

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    • AachenNews schreibt:

      Eine Auffassung, die ich ganz und gar nicht teile. Das LuFo und die moderne Kunst gefallen mir sehr.
      Plötzlich werden immer mehr Aachener Gebäude vorgeschlagen, aus denen man ein Laufhaus machen sollte. Die Aachen Arkaden wurden u. a. auch schon genannt. Was soll das?
      Ich halte nichts davon, ein Gewerbe, das von so ungeheuer vielen Männern frequentiert wird, einfach in Bauwerken zu verstecken, die alle Welt häßlich und überflüssig findet. Manche Männer hassen anscheinend Prostituierte und laufen doch massenhaft hin. Wie sonderbar.

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