Ganz Haaren probt den Aufstand. Ganz Haaren?

Das (Foto oben) ist die Welsche Mühle. Die heißt so, weil sie vor Jahrhunderten einem Welschen gehörte. Welsche sind romanisierte Angehörige keltischer  Völker. Die Welsche Mühle steht in Haaren, was ein Aachener Ortsteil ist und ansonsten sehr arm an bauhistorischen und sonstigen Attraktionen. Haaren wurde in den 1920 Jahren ein Arbeiterviertel.

Das (Foto oben) ist der Mühlenteich der Welschen Mühle. Aus dem speiste sich das Wasser, das von oben auf das Mühlrad knallte und die Mühle in Gang setzte. Es wurde Mehl gemahlen.

Das (nochmal Foto oben) ist die Obstwiese, die zu dem Teich und zu der Welschen Mühle gehört. Das Ensemble wird im Volksmund „der Kurpark von Haaren“ genannt, weil die Leute, besonders die aus dem nahegelegenen Seniorenheim, dort gern eine Runde spazieren gehen.

Auf diese Obstwiese soll in Kürze ein Kindergarten gebaut werden. In Haaren fehlen Kindergartenplätze für rund 90 Kinderchen. Beschlossen wurde das erstmals im Mai 2017 in der Bezirksvertretung Haaren, einstimmig.

Jetzt (reichlich spät) haben sich rund 300 Haarener zu Protesten aufgeschwungen. Sie wollen, dass die Wiese unbebaut bleibt und die Kita auf einem anderen Grundstück errichtet wird, das seinerzeit auch zur Diskussion stand und vielen als geeignet erschien.

Der Fall wird am kommenden Dienstag, 22. Januar, ab 18 Uhr im Bürgerforum diskutiert. Die Mitglieder des Bürgerforums werden vor Ort tagen. Beginn in der GGS Haaren ist um 18 Uhr.

Die Preisfrage ist jetzt übrigens quasi nebenbei: Warum melden die Bürgerinnen und Bürger mal wieder so spät Protest an? Warum haben sie sich nicht schon viel früher eingemischt? Weil sie dazu zu faul waren? Weil sie zu doof und verschlafen sind und nichts mitbekommen? Weil sie trotz Bemühungen der Stadtverwaltung um Mitbestimmung nicht informiert waren? Weil sie – wie an anderer Stelle viele Briten – geglaubt haben: So ein Quatsch wird doch sowieso nicht realisiert?

Die Welsche Mühle, von der Obstwiese aus fotografiert. Übrigens: Die Bilder sind „Bilder“ und nicht die „Wirklichkeit“. Man wählt die Perspektive und einen Ausschnitt und die Lichtdramaturgie aus. Objektiv sind Fotos nie. Wer das glaubt, ist dumm.

Hier weiterlesen. Wenn ihr daran interessiert seid zu erfahren, wie es immer wieder dazu kommt, dass Bürger*innen sich zu spät einmischen. 

***

Folgendes hat die Verwaltung erwogen bei der Überlegung, die Obstwiese der Welschen Mühle als Standort für eine neue Kita vorzuschlagen.

1. Das Grundstück gehört der Stadt, muss also nicht extra gekauft werden.

2. Es ist zwar knapp, hat aber doch so gerade noch die richtige Größe.

3. Der Bebauungsplan muss aber geändert werden. Dauer: 2 Jahre.

4. Die Lage ist innerörtlich und damit gut.

5. Die 90 Kinder (in 6 Gruppen) ergeben einen zusätzlichen Pkw-Verkehr morgens von 45 – 60 Autos. Dafür ist die Mühlenstraße zu klein, sie müsste ausgebaut werden.

6. Wäre die Kita an der Welschen Mühle, wären die Kitas in Haaren gut über das Stadtviertel verteilt.

7. Die Stadt könnte das andere, ebenfalls gut geeignete Grundstück mit Gewinn verkaufen.

***

Bitte schenkt in diesem Fall denen, die routinemäßig Bevölkerungsgruppen gegeneinander stehen sehen, keine Beachtung. Es

Wie passend: Kunst von Peter Lacroix (Aachen) an einer Seite von der Mühle.

heißt, die Alten wollen keine Kita, die Jungen wollen die Kita auf der Obstwiese doch. Das ist durch keine Umfrage belegt. Alt gegen Jung, Reich (Nizzaallee) gegen Arm (Ostviertel) usw. das ist nur ein Klischee.

Bitte glaubt auch denen nicht, die sagen: Die Haarener hatten ja Zeit, sich einzumischen, es sind erwachsene Menschen, jetzt ist demokratisch entschieden, und damit Schluss, aus, Ende, vorbei. Wer so denkt, dem sind Formalitäten wichtiger als die Ängste, die Menschen äußern.

Seid auch vorsichtig, wenn Verschwörungs-Theoretiker sich zu Wort melden. Diese vermuten, dass die Verwaltung oder die Politiker oder beide in Wirklichkeit gar keine Bürgerbeteiligung wollen, sondern den Bürgern ihren Willen aufzwingen wollen. Auch das ist erwiesenermaßen Quatsch.

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