Bleibt die Baukultur auf der Strecke?

In Forst wird nachverdichtet. „Nachverdichten“ nennt man das Nutzen freier Flächen innerhalb bereits bestehender Bebauung.

Anlässlich der Bebauung des oben abgebildeten Grundstücks hat sich in Aachen eine interessante Diskussion entzündet, die hier aufgegriffen werden soll. Zum Hintergrund: Wegen der Wohnungsnot in Aachen sehen sich Stadtverwaltung und Politik herausgefordert. Es soll an mehreren Stellen in der Stadt zügig nachverdichtet werden. Unter anderem errichtet die GeWoGe 40 Wohnungen in Forst zwischen Zeppelinstraße, Freunder Weg und Mataréstraße.

Die Anwohner befürchten – wie übrigens auch bei den Luisenhöfen (Nähe Boxgraben) – eine zu enge Bebauung und wollen sich einmischen. Die lokale Presse hat berichtet, und auf Facebook gab es viele Kommentare. Doch bei der Verdichtung geht es auch um die Frage: Ist das noch eine gute Baukultur, die da hochgezogen wird?

Der Aachener Architekt Til Jaeger äußerte sich auf Facebook. Er schreibt:

„Mir geht es um eine (bau-)kulturelle Frage! Und zwar nicht nur in Forst, sondern an sehr vielen Orten in unserer Stadt und in unserem Land.

Die Maxime, (bezahlbaren) dringend benötigten Wohnraum zu schaffen, scheint Legitimation genug zu sein, möglichst viele Menschen auf kleiner Fläche unterzubringen. Das Problem dabei ist: Den Entscheidungsträgern fehlen die Ideen – beispielsweise wie man Dichte erzeugt ohne dabei die Wohn-Qualität einzubüßen.

Darüberhinaus wird nur darüber hinweggetäuscht, dass mindenstens 30 Jahre lang in Politik und Verwaltung im Bezug auf Stadt-Entwicklung gepennt wurde und immer noch gepennt wird. Was allerorten von den Großinvestoren gebaut wird, ohne jegliche städtebauliche Qualität – d.h. Nicht-Architektur – ohne Inspiration und Innovation, genau das sind die Bausünden von morgen.

40 Wohneinheiten auf der hier vorhandenen Fläche unterzubringen, so dass höchstens 3 Meter Platz für Restgrün rundum bleibt und für keinen einzigen Baum (von Grünflächen für Bewohner ganz zu schweigen) und das dann noch „Sozialen Wohnungsbau“ zu nennen, das ist mehr als zynisch.

Gemeinnützig (GeWoGe) ist das sicher nicht. Unsere Städte sollen lebenswerter werden…? Dafür müssen NEUE Konzepte her!

Müsste die Öffentliche Hand nicht Vorbild sein?

Wenn es allerdings in einer Stadt möglich ist, das neue Polizeipräsidium (wieder) ins Gewerbegebiet zu setzen . . . in einen banalen Zweckbau neben Burger King, Obi und Niagara Wash, dann darf man nicht viel erwarten. Investoren können die Innenstadt mit Hotels und Malls zupflastern, und die geförderten Wohnungen u.a. des „Blue Gate“ werden an den Stadtrand abgeschoben. Das ist einfach nur eine weitere Bankrotterklärung!“

*

(Fettung: Redaktion)

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