Es fehlt an Corona-sicheren Fahrradwegen und Bürgersteigen

Wie sollen wir den Sicherheitsabstand von 1,5 Meter einhalten, wenn wir mit dem Fahrrad unterwegs sind oder auf dem Bürgersteig gehen? Der Platz dazu ist gar nicht vorhanden. Menschen ohne Mundschutz kommen mir entgegen (auf dem Bürgersteig) und husten plötzlich neben mir, und da bin ich nicht die einzige, der das passiert.

Ganz zu schweigen von: auf dem Rad, wo prustende und schnaufende Leute, die sich – wie ich – fit halten wollen, zu nah an mir vorbeifahren. Viele verzichten zur Zeit auf das Auto und den Bus und fahren Rad. In Berlin wurden deshalb sogenannte Pop-up-Radwege eingerichtet. Den Straßen wurden Streifen abgezwackt, der Autoverkehr muss zugunsten der Radfahrer*innen auf einen Fahrbahnstreifen verzichten. Hier zu sehen.

In diesem Zusammenhang fordern zahlreiche Initiativen aus ganz Deutschland (auch aus Aachen) in offenen Briefen an Verkehrsminister Scheuer (CSU) und die Verkehrsminister der Bundesländer, unverzüglich pandemie-taugliche Infrastruktur für den Fuß- und Radverkehr deutschlandweit zu ermöglichen. Jan van den Hurk vom Radentscheid Aachen schickte heute den Offenen Brief zu. Wir lesen unter anderem:

„Abstand halten ist das Gebot der Stunde, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Die Menschen kommen dieser Anforderung mit großer Mehrheit und Solidarität nach und steigen aufs Rad um oder gehen zu Fuß. Der empfohlene Mindestabstand von 1,5 bis 2 Metern ist im Alltagsverkehr jedoch kaum einzuhalten, denn die ohnehin schon zu engen Fuß- und Radwege sind dafür nicht ausgelegt.

Weder Bundes- noch Landesregierungen haben eine einheitliche Vorgehensweise für pandemie-taugliche Mobilität empfohlen. Die Notwendigkeit der Umsetzung schneller Krisenmaßnahmen trifft auf unvorbereitete Kommunalverwaltungen, denen rechtssichere Regelungen fehlen, um schnell agieren zu können. Die bundesweite Radentscheid-Bewegung fordert daher die Bundes- und Landesregierungen auf, jetzt mit klaren Vorgaben, wie Leitlinien, aber auch der Beseitigung rechtlicher Unsicherheiten den Kommunen zu helfen, auf die neue Situation reagieren zu können.“

Deutliche Worte, eine klare Forderung! In Aachen hatten Umweltverbände schon vor wenigen Tagen „temporäre Radwege“ gefordert. Die Stadtverwaltung lehnte ab.

Der Kfz-Verkehr habe in den letzten Wochen massiv abgenommen, so schreiben die Verfasser in dem Offenen Brief. Während die Auto-Fahrbahnen leer seien, gefährdeten sich Menschen gegenseitig auf viel zu engen Geh- und Radwegen. Die bestehenden Richtlinien zur Planung und Regelung von Verkehr setzten den Fokus auf Autoverkehr. Diesen Fokus in der Krise auf Rad- und Fußverkehr umzustellen sei ein wichtiger Schritt zur Reduzierung der Neuinfektionen.

Die bundesweite Bewegung der Radentscheide aus mehr als 30 Initiativen sowie der Verein Changing Cities und andere zivilgesellschaftliche Initiativen fordern in ihrem offenen Brief Regelungen zur einfachen Umsetzung verschiedener Maßnahmen auf kommunaler Ebene. 

Hier findet ihr den Offenen Brief an Bundesminister Scheuer im Wortlaut.

Und zum Anhören: „Wie Corona unsere Mobilität verändern könnte

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Zum Weiterlesen wie üblich ein paar Links, die wir hier mit Dank übernehmen:

Weiterführende Links:

Infoseite zur Einrichtung temporärer Radstreifen in Berlin inkl. Regelpläne: https://www.berlin.de/senuvk/verkehr/politik_planung/rad/infrastruktur/temporaere_radstreifen.shtml 

Süddeutsche Zeitung vom 26.03.2020, „So wirkt sich Corona auf den Verkehr aus“: https://www.sueddeutsche.de/auto/verkehr-stau-corona-1.4857721

Überblick über Radentscheide in Deutschland: https://changing-cities.org/radentscheide/ 

Bundesgesundheitsminister empfiehlt Rad oder zu Fuß gehen statt ÖPNV: https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/jens-spahn-zum-coronavirus-jeder-kann-und-sollte-mithelfen-den-ausbruch-zu-verlangsamen-a-38f1e3f6-9ae9-4799-b781-43c104cd64af 

Online Petition für #FaireStraßen: https://changing-cities.org/fairestrassen/

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Die Idee der Pop-Up-Radwege lässt jetzt den Guardian neidisch nach Berlin schielen: „Pop-up bike lanes help with coronavirus physical distancing in Germany” schreiben die Kollegen hier: coronavirus-social-distancing-in-germany

Über AachenNews.org

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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