Wie soll es jetzt weitergehen?

Viele verstehen die Corona-Einschränkungen nicht, weil Krankenhäuser bisher nicht überlastet sind. Sie sind ja derzeit nicht mal ausgelastet.

Es mehren sich die Einwände, die Schutzmaßnahmen seien übertrieben streng gewesen. Und tatsächlich: Bilder von leeren Betten auf künstlich erweiterten Intensivstationen lassen einen zweifeln.

Wie bitte? Vier Wochen Stillstand und schon haben wir das Coronavirus niedergerungen? Das ging doch schnell – könnte man denken. Was bringt es jetzt noch, allen kleinen Kindern ihre Freunde und Freundinnen vorzuenthalten, sie in Wohnungen festzuhalten, isoliert? Das Leid dieser Kinder – ist das irgendwo eingepreist in den Preis, den wir zahlen für quasi-leere, also nicht-ausgelastete Intensivstationen?

Tausende Minifirmen sind dabei, pleite zu gehen. Müssen wir wirklich auf ihre Kreativität verzichten, auf ihre Leistungen? Die Tourismusbranche, in früheren Jahren mühsam aufgebaut – rauscht in den Abgrund. Die meisten Restaurants und Cafés sind geschlossen, es könnte sein, dass viele niemals wieder öffnen. Städte ohne Gastronomie – wollen wir das?

Mir wäre besser, die Kanzlerin würde noch mal sagen: Wir schaffen das! Ich erinnere mich an die sogenannte Flüchtlingskrise. Wo so viele alte Männer, alte Politiker schon ausgerastet sind, diese Knallköpfe, und meinten, das ganze Land werde ruiniert, weil 82 Millionen ungefähr 1 Million Menschen aufnehmen müssten. Was für Vollpfosten.

Nein, wir schaffen das, das sagt Angela Merkel keineswegs. Sie weist vielmehr darauf hin, dass die Ansteckungsrate (wohl als Reaktion auf unser Verhalten zu Ostern) gestiegen ist und jetzt bei 1 liegt.

Das bedeutet: Jeder Angesteckte steckt wieder eine/n anderen an, übrigens innerhalb von 4 Tagen. Und wenn das so weitergeht, so rechnet die Kanzlerin vor, dann sind bei 1,1 alle Intensivstationen in Deutschland im Oktober überfüllt. Bei 1,2 sind sie im Juli und bei 1,3 im Juni überfüllt. Wie wäre es also mit noch weiteren Lockerungen? Na?

Zurück zu unserem alten Leben, das wird es nicht geben. Viele arbeiten jetzt zwar krampfhaft daran, das alte Leben und das alte Wirtschaften wieder einzuführen. Sie klammern sich an die Vorstellungen von damals, also von Anfang des Jahres. Sie wollen zum Beispiel viele Autos mit Verbrennungsmotor verkaufen und ähnliches nutzloses Zeug. Diese Zeiten werden niemals wiederkommen. Wir müssen das Leben, also das Zusammenleben und -arbeiten ganz und gar neu aufstellen. Ganz neu und anders als zuvor. Mit anderen/ neuen Gewohnheiten.

Die Therapie darf nicht schädlicher sein als die Krankheit. Klar. Wirtschaftliche und soziale Seiten unseres Handelns müssen mitgedacht werden. Von beidem müssen wir uns trennen: von der Krankheit und auch von der Therapie, die ebenfalls ruinös ist.

Also weg mit dem alten Leben, stellen wir uns auf neue Gegebenheiten ein, auf ein Leben, das wir alle noch erfinden müssen. Was für eine große und im Grunde interessante Aufgabe! Packen wir’s an und legen wir los. Organisieren wir „die neue Normalität“ – mit diesem Virus und allen Viren, die noch kommen werden.

Was die Vorfahren schufen, sollte Ansporn sein. Wir müssen wahrscheinlich jetzt ebenfalls etwas aufbauen, etwas erschaffen. Etwas, das den Leistungen dieser Altvorderen entspricht, nicht hinter dem zurückbleibt. Foto: Henning Brinkmann

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