Putin erklärt sich: eine düstere Rede

Was für eine Nacht! Ich habe mit die lange Rede von Putin angehört, in der Übersetzung und mit Putin  – im Originalton – im Hintergrund. Man konnte mitbekommen, in welcher Tonlage Putin spricht. Er meinte alles kompromisslos ernst, teils hörte man deutlich Hass heraus, teils meinte ich in der Stimme zu hören, dass er am liebsten weinen würde.

Er präsentierte im Grunde eine Art Generalabrechnung, führte aus, wie ungeheuer gemein und übel ihm und seinem Land mitgespielt worden ist. Wie nach dem Untergang der Sowjetunion die Versprechen gebrochen wurden und wie sehr die USA versucht hätten, Russland vorzuführen und klein zu machen. Wahnsinn. Wenn man die Wirklichkeit SO erlebt hat, MUSS sich ja blanker Hass entwickeln.

Ich bin absolut kein Fan der US-Amerikaner, es ist ein furchtbares Land und wird sich bei der nächsten Wahl wieder Trump zum Präsidenten wählen. Und die Menschen, das sind nicht mehr die Amerikaner, denen Deutschland so viel verdankt. Die Nato in den 90er Jahren zu erweitern, das war ein Fehler, den die Amerikaner gemacht haben. Die NATO hätte in den 90er Jahren nicht erweitert werden dürfen. 

Was Putin sagte, war wirklich erschreckend. Er schilderte insbesondere die letzten 30 Jahre, das heißt: Er interpretierte die Wirklichkeit, was alles geschehen ist bezüglich Russland in diesen Jahren und was die Amerikaner alles unternommen haben, um Russland zu schaden. Meine Güte! Das sehen deutsche Politiker*innen mit Sicherheit ganz anders.

Ausführlich legte er dar, wie die Ukraine entstanden ist. Sozusagen vom Mittelalter aus bis heute sei die Ukraine ganz und gar von Russland erschaffen worden, nicht zuletzt und buchstäblich komplett auf Kosten der selbstlosen, geduldigen Russen. Die Ukraine habe nie eine „echte Staatlichkeit“ gehabt, sagt er in seiner Ansprache. Wie redet man mit jemand, der die Wirklichkeit so erlebt hat, so ganz anders, so fremd?

Auf jeden Fall muss man akzeptieren, dass seine Wirklichkeit nun mal so ist, wie er sie in der Rede geschildert hat. Man muss ihm argumentativ etwas entgegenkommen. Möglicherweise akzeptiert er, dass sich die vergangenen 30 Jahre für Menschen im Westen etwas anders darstellen. Vielleicht aber auch nicht. Er sprach so, als halte er es für unmöglich, dass jemand die letzten 30 Jahre anders erlebt hat als er. 

Jetzt verfährt er mit der Ukraine so wie vor Jahren mit Georgien (2008). Er „schützt“ irgendwelche Separatisten, die sich mit ihren 2 Landkreisen (Donezk und Luhansk) von der Ukraine ablösen und zwei eigene Mini-Staaten gründen wollen bzw. schon gegründet haben, aber weltweit nicht anerkannt werden. Diesen gibt er vor, „helfen“ zu müssen.

Die Chefs dieser neuen Kleinst-Staaten muss man sich ansehen (alle Infos im Netz). Es sind verkrachte Existenzen. Aus einfachsten Verhältnissen gekommen (wie Putin), ein kurzer Aufstieg zu irgendwas beim Militär oder im Geheimdienst, aber dann gescheitert, meist als Unternehmer bei dem Versuch, schweinereich zu werden. ( z.B. Denis Puschilin, der als Mitarbeiter einer Aktiengesellschaft in einem Schnellballsystem viele Millionen Menschen um ihre Geldanlagen brachte, jetzt Putins bester Mann in Donezk).

Das war eine düstere Rede. Aber Putin ist weder an allem schuld, noch ist er das Unschuldslamm, als das er sich darstellt. Und der Westen (also die NATO und die EU) sind nicht die 100-prozentigen Verbrecher und sind auch nicht unschuldig an dem Konflikt. Wenn alle Beteiligten schon mal davon ausgehen würden, ich würde mir dann gern noch mal eine Nacht um die Ohren schlagen um den Fortgang der Verhandlungen zu verfolgen. 

Über AachenNews.org

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Putin erklärt sich: eine düstere Rede

  1. Hinzelmeier schreibt:

    Vor dem Hintergrund der amerikanischen Aussenpolitik der letzten 74 Jahre, verblasst der jetzige Konflikt allemal. Amerika verliert langsam seine Vormachtstellung in der Welt und versucht nun mit allen Mitteln, Putin zu diskreditieren. Die westlichen Medien haben anscheinend schnell vergessen, dass im Laufe der Jahre mehr Leid durch Amerika, als durch Russland über die Welt gebracht wurde. Umso schöner deshalb dieser Artikel hier, der wenigstens versucht, sich objektiv mit der Thematik auseinanderzusetzen. Hat sich denn Willy Brandt umsonst hingekniet?

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.