Bestes Buch soweit in 2022

Heute soll hier ein Buch empfohlen werden, dass man gut lesen kann, wenn man mit der Pandemie einigermaßen seinen Frieden gemacht hat. Wenn man also nicht mehr vor lauter Angst vor der Erkrankung allein schon ganz krank wird, wie das anfangs der Fall gewesen sein mag.

Das Buch hat über 600 Seiten und stammt aus der Feder vom Nobelpreisträger Orhan Pamuk. Es heißt „Die Nächte der Pest“. Man sollte schon gewöhnt sein an anspruchsvolle Texte und Freude haben an erlesenen Formulierungen sowie nicht genervt sein von vielen fremden Namen und Titeln. Denn das Werk ist nicht einfach ritschratsch wegzulesen wie ein Krimi, sondern es ist ein ungeheuer elegant geschriebener, elaborierter Text. Für mich ist es schon jetzt das beste Buch des Jahres 2022.

Pamuk hat mit dem Buch 2016 begonnen, als ihm jede/r sagte: Pest? Das will doch keiner lesen. 2022 kam das Buch heraus und jede/r sagte: Da hast du aber ein Glück mit deinem Thema. Es handelt von einer Insel, die zur Türkei gehört, und auf der vor über 120 Jahren Menschen an einer Seuche erkranken. Es ist eine erfundene Mittelmeerinsel. Pamuk liebt es, in einer übersichtlichen Kommunität menschliche Verhaltensweisen darzustellen. So wählte er z. B. einmal eine im tiefen Schnee eingeschlossene Stadt.

Die Handlung des Pest-Buches wirkt sehr aktuell, spielt aber zur Zeit der Osmanen. Die wollen gern so schlau und aufgeklärt sein wie die Europäer, haben aber mit dem rationalen Denken so ihre Schwierigkeiten. Es ist bisweilen allerliebst dargestellt. Es gefällt auch die sanft ironische Schreibweise, aber manchmal muss man bei Lesen auch schallend lachen.

Zum Inhalt: Der Mediziner Dr. Nuri wird mit seiner schönen Frau vom Sultan auf die Insel geschickt um die Pest zu bekämpfen. Türken und Griechen beschuldigen sich gegenseitig, den Erreger eingeschleppt zu haben. Oder waren es doch die Pilger aus Mekka? Oder die Händler aus allen Teilen des Reiches? Das ganze Panorama des osmanischen Vielvölkerstaats wird uns vor Augen geführt.

Gegen die Seuche hilft nur die Quarantäne, doch alle leisten auf unterschiedliche Weise Gegenwehr gegen die Quarantäne. Die Todesfälle nehmen zu. Es werden Waren verbrannt, Häuser und Geschäfte verbarrikadiert, Arbeiten eingestellt, Familien getrennt. Es geht um Personenkult und Nationalismus und plötzlich ruft auch noch jemand die Unabhängigkeit aus. Die überlegene Ironie der Darstellung schafft übrigens Distanz, kein Todesfall geht einem wirklich nah.

Ein Major namens Kamil (klingt wie Mustafa Kemal) spielt eine wichtige Rolle und erinnert ein wenig an den Staatengründer, weshalb der Autor des Buches sich auch schon mit einer Klage der türkischen Regierung wegen Verunglimpfung konfrontiert sieht. Man könnte tatsächlich meinen, es werde in dem Buch die Gründung der Republik Türkei beschrieben. Das ist zwar nicht der Fall, aber vieles hat Pamuk recherchiert und so märchenhaft es auch klingt, es hat sich doch allerhand genau so ereignet.

Orhan Pamuk, „Die Nächte der Pest“, Hanser 2022, 30 Euro. Das Buch gibt es auch in der Stadtbibliothek in Aachen. Dort kann man es für 2 Euro geliehen bekommen. Mathe mit AachenNews: Man spart 28 Euro.

Über AachenNews.org

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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