Das Buch zur Flut: Augenzeugen berichten von unfassbarer Zerstörung

Wer gute Nerven hat, kann sich in diesen Tagen in ein Buch vertiefen, das sich mit einer Katastrophe befasst. Eine Katastrophe, die sich quasi vor den Toren unserer Stadt im Juli 2021 abgespielt hat. „Hochwasserkatastrophe“ lautet der Titel, in dem in kurzen und packenden Texten von Augenzeugen aus Eschweiler, Stolberg und Vicht, aus Mulartshütte und Kornelimünster berichtet wird. 

Fünf Journalist*innen des Medienhaus Aachen lassen Männer und Frauen schildern, wie diese die beiden Fluttage, bzw. die Nacht vom 14. auf den 15. Juli erlebt haben. Auch, wie sie – nichts ahnend – die Stunden und Tage vor der großen Katastrophe ihrer Arbeit nachgingen oder Urlaub machten. Wenn sich in einem durchgeplanten und geregelten Leben schlagartig ALLES ändert, das hinterlässt Spuren. So schildern die 16 Porträtierten auch die Zeit nach der Katastrophe, als das Ringen um „Normalität“ im Mittelpunkt stand. 

Im Buch: Berichte über Menschen, die die Flutkatastrophe aus unterschiedlichen Perspektiven erlebt haben.

Weltuntergang. „Ich werde jetzt sterben“ hat plötzlich jemand gedacht und gesagt. Andere schildern, wie sie nichts mehr dachten, nur noch funktionierten. Das war kein normales Hochwasser, das Wasser stieg bis in die 1. Etage hinein, überschwemmte und verdreckte alles, zerstörte Wände, Böden und Fenster, ganze Häuser und Brücken und alles, was tausenden Menschen lieb und teuer war. In dem Buch bekommen auf der einen Seite Menschen eine Stimme, die sehen, wie das eigene Haus gerade zerstört wird. Auf der anderen Seite berichten diejenigen, die lediglich geholfen haben – oft bis zur vollständigen Erschöpfung. Beide haben mit schlimmen Erinnerungen zu kämpfen.

Erstaunlich: Niemand in dem Buch sieht eine Verbindung zwischen dem erlebten Naturereignis samt Schicksalsschlag und der galoppierenden Klimakrise. Wieso erlebte die Region gerade jetzt eine Katastrophe, wie es sie in unseren Landen seit 1000 Jahren nicht gegeben hat?

Groß ist dagegen bei allen das Erstaunen darüber, wie sehr man sich gegenseitig geholfen hat. Fremde seien in Gruppen aufgetaucht und hätten tagelang den Müll aus den Häusern getragen und ihn manchmal sogar noch abtransportiert. Große Dankbarkeit wird da sichtbar und eine gewisse Verwunderung darüber, dass Menschen – ohne je nach Lohn zu fragen – anpackten, trösteten, den Blick auf die Zukunft richteten und das ansprachen, was schon repariert werden konnte.

Wer das Buch liest und die vielen Fotos anschaut, der wird eines nicht vergessen: Menschen helfen einander. Dass jede/r immer nur an sich selbst denkt, wie es oft gesagt wird, das stimmt nicht. Ungeheuer viele Menschen haben auch in unserer materialistischen Zeit Mitgefühl, sie handeln mit Empathie. Das ist wirklich tröstlich.

Die Überschwemmungs-Fotos sind nicht reißerisch oder voyeuristisch, aber trotzdem sehr eindrucksvoll. Sie dokumentieren die zerstörerische Kraft des Wassers und transportieren eine düstere Stimmung. Im Vorwort äußern sich die Bürgermeister der Region, die Oberbürgermeisterin von Aachen  und Städteregionsrat Tim Grüttemeier. Außerdem gibt es noch eine kleine Chronologie der Ereignisse, die den eigenen Erinnerungen auf die Sprünge hilft. 

Hochwasserkatastrophe in der Städteregion, Städteregion Aachen (Hrsg.) in Zusammenarbeit mit dem Medienhaus Aachen, 114 Seiten, 15 Euro. Wo man das Buch kaufen kann, ist hier nachzusehen. 

Eine Szene aus Kornelimünster. Noch Tage nach der Überschwemmung stand das Wasser in der Kirche.

Über AachenNews.org

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