Echt gefährlich: Auf dem E-Bike unterwegs

Wer mal vor der Reparaturwerkstatt von Eurobike eine Stunde oder mehr warten muss, kann beobachten, wie viele Leute sich ein E-Bike kaufen. Es geht Schlag auf Schlag: ein, zwei, drei Runden ums Gebäude zur Probe fahren, ein bisschen mit dem Verkäufer plaudern und Fragen stellen und schon wechselt ein Fahrrad mit Elektromotor seinen Besitzer. Auffallend außerdem: Nicht wenige der Käufer*innen sind nicht mehr ganz jung. Manche 60 und älter.

Am Gut Wolf geht es zu wie im Taubenschlag: E-Bikes werden kurz probegefahren und flott gekauft, rechts hinten ist die Reparaturwerkstatt, wo man eine Nummer ziehen und lange Wartezeiten einkalkulieren muss.


Selbst erlebt: Man flitzt auf dem neuen E-Bike von Termin zu Termin, genießt die höhere Durchschnittsgeschwindigkeit (als bei konventionellen Rädern) und hat ab sofort einen größeren Aktionsradius. Beim Parken hat man viel weniger Probleme als mit dem Auto. Und preiswert ist es außerdem, man fährt 100 Kilometer für wenige Cent. 

Allerdings gibt es viele Unfälle und es werden immer mehr. Schwere Unfälle. Die Zahlen steigen rasant. Im ersten Halbjahr 2022 starben 27 Fahrer*innen allein in NRW bei einem Unfall mit dem E-Bike. 
Es verunglückten in der ersten Hälfte dieses Jahres 3156 Menschen auf einem Fahrrad, dessen E-Motor den Radler unterstützt. Im Vorjahreszeitraum waren es nicht mal 2000.

Wir wissen nicht, wie man das organisieren könnte, aber es wäre besser, wenn alle, die sich auf ein Pedelec setzen, zuerst ein paar Stunden unter Anleitung üben würden. Denn ein E-Bike ist ganz anders zu fahren als ein Fahrrad oder Mofa, es sieht nur so aus wie ein Fahrrad. Es wird auch im Straßenverkehr von Autofahrern und Fußgängern falsch eingeschätzt. Der ADFC ist ebenfalls von der Notwendigkeit solcher Trainings für Erwachsene überzeugt. Zum Nachlesen hier klicken

Es ist auch nicht so, dass man ein E-Bike nutzen könnte, um leistungsfähig und beweglich zu bleiben. E-Bikes sind nichts für Menschen, die sich sportlich betätigen wollen. Sie machen einen schlaff. Das Treten auf dem E-Bike hat keinen sportlichen Effekt. Die ganze „Beinarbeit“ erledigt der Elektromotor. Das merkt man spätestens, wenn man sich mal wieder auf ein konventionelles Rad setzt. 

Eine Selbstverständlichkeit zum Schluß: Immer einen Helm anziehen. Die Stadt Aachen bietet auch Fahrrad-Trainings an. Auskunft unter Telefon: 0241 432 6133.

Rührend: die Aufforderung „FAIR zusammen“. Gerade am Bahnhof Rothe Erde sind oft so viele Radler*innen und Fußgänger*innen gleichzeitig unterwegs auf dem Bürgersteig (und es werden immer mehr), dass man jederzeit mit einem Unfall rechnen muss. Die Polizei meint, dort sei kein Unfallschwerpunkt. „Noch nicht“ fällt einem dazu nur ein.

***

Es sind zu dem Text bereits Kommentare eingegangen. Bitte ebenfalls lesen.

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6 Antworten zu Echt gefährlich: Auf dem E-Bike unterwegs

  1. Bernard schreibt:

    Schätze AachenNews sehr, und Dialog ist immer das Beste. Im vorliegenden Artikel unterstütze ich die Einwände von Mülli und weitere kritische Anmerkungen.

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  2. Wenn hier durch die Hintertür eine Helmpflicht-Diskussion vom Zaun gebrochen wird – bitte sehr: Ich fahre seit knapp 60 Jahren defensiv Rad, bin in der Zeit maximal 5x durch eigene Fahrfehler und ohne weitere Beteiligte gestürzt und niemals war dabei mein Kopf verletzt. Ab dem Moment einer Helmpflicht fürs Fahrrad werde ich persönlich das Fahrradfahren einstellen und nur noch mein Auto benutzen.

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  3. Bernd Müllender schreibt:

    Und: Echt gefährlich auf jeder Art Bike unterwegs ist es vor allem aus einem anderen, sehr bekannten Grund: Der hat vier Räder, gern einen aggressiven Fahrer oder eine schläfrige Fahrerin im Innern (oder umgekehrt) und kommt sehr, sehr häufig vor.

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  4. Thomas Reifenrath schreibt:

    Danke Bernd Müllender für die richtigen Hinweise an die Autorin. Wir freuen uns ansonsten über die meinungsstarken Kommentare von AachenNews. Aber etwas mehr journalistische Sorgfalt wäre hier angebracht gewesen. Die grob falschen Aussagen hätte jeder mittels google oder eine kurzen Nachfrage beim adfc Aachen sofort erkannt.

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  5. Bernd Müllender schreibt:

    Sorry, in diesem Text steht einiger Unfug:
    Es geht offenbar um Pedelecs, nicht um E-Bikes. Pedelecs sind die soften Fahrräder mit Elektromotor, der ab Tempo 25 nicht mehr unterstützt. E-Bikes unterstützen auch bei höherem Tempo, – sie brauchen ein Nummernschild, es gibt Helmpflicht, diese Räder dürfen (anders als Pedelecs) im Regelfall keine Radwege benutzen.
    Weder E-Bikes noch Pedelecs machen schlaff. Kein sportlicher Effekt? Diese Behauptungen sind absurd. Der Motor arbeitet nur zusätzlich. Bei beiden gilt: Kein Meter ohne Beinarbeit. Auf konventionellen Rädern fährt man bei gleichem Krafteinsatz nur langsamer, erst bei steileren Bergen ist der Krafteinsatz höher und spürbar.
    Training ist sinnvoll, sicher. Die höhere Opferzahl hat ihren Grund aber auch in der höheren Anzahl der Pedelec-NutzerInnen. Siehe Beobachtungen bei Flizz Eurobike.
    Immer einen Helm anziehen? Das bleibt Ansichtssache. Eine Helmpflicht gibt es nicht, und das ist auch gut so. Eine Helmpflicht hält manche Menschen vom Radeln ab, und sei es nur aus optischen Gründen. Zudem gibt es Studien, wonach AutofahrerInnen behelmte RadlerInnen im Durchschnitt enger überholen, – wahrscheinlich weil sie unbewusst glauben, die seien ja besser geschützt. Eine schrecklich falsche Vermutung.
    Grüße von einem Pedelec-Fahrer seit 13 Jahren. Die längste Tagesreise über 160 km bis kurz vor Cochem an der Mosel hatte durchaus ihre sportlichen Effekte, wie die Beine damals deutlich meldeten.

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    • Margret schreibt:

      Kein Meter ohne Beinarbeit? Ja klar, aber was für eine lahme Beinarbeit! Die ist in Aachen, wo es immer rauf und runter geht, bei einem konventionellen Rad vergleichsweise viel kräftiger nötig. Das bisschen Strampeln auf einem Rad mit Elektromotor spürt man in den Beinen vermutlich erst, wenn man tatsächlich 160 Kilometer an einem Tag fährt und nicht von Aachen bis z. B. Herzogenrath und zurück. Für mich persönlich gilt: Kein sportlicher Effekt vorhanden.
      Und dass es keine Helmpflicht gibt, das ist mMn ein Fehler. Denkt mal drüber nach: Wollt ihr tatsächlich in erster Linie gut aussehen und zwar unmittelbar auf Kosten der Sicherheit?

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