Kleingärtner*innen sind ganz besondere Zeitgenossen. Sie sind unendlich fleißig und können viel verkraften, nur eins darf man ihnen nie antun: Ihnen ihre Parzellen wegnehmen und alle Gärten planieren. Es ist wie eine Vertreibung aus dem Paradies. Aus dem Paradies der Herzen.
Genau das wird bald mit einer Kleingartenanlage in Forst geschehen. Ihr Ende ist besiegelt, das Gelände wird in ein Gewerbegebiet umgewandelt. Es geht hier um die Anlage Eifelbahn, das sind etwa 45 gepachtete Idyllen. Offenbar 1923 am Stadtrand errichtet, überstanden sie den Wahnsinn der Hitlerzeit, den 2. Weltkrieg, Nachkriegsnot, Wirtschaftswunder und Krisen ohne Ende. Das muss reichen, denn jetzt ist Schluss.

Es gibt schon ein Ersatzgebiet in der Nähe einer anderen Schrebergarten-Anlage (Standort Sonnenscheinstraße, von den Eifelbahn-Gärtnern seinerzeit aus drei Möglichkeiten ausgesucht.) Schon seit 2018 hängt die Möglichkeit eines Umzugs über den Kleingärtnern. Manche haben daraufhin aufgegeben, pflegen ihre Parzelle jetzt nicht mehr, andere bleiben dran. Die konnte man am Samstag noch bei der Gartenarbeit antreffen.
In der Sonnenscheinstraße sollen (gerüchteweise) die Anwohner wenig erbaut sein von dem schon fest verabredeten Zuzug neuer Nachbarn. Vielleicht finden sich diese Personen ja am kommenden Dienstag im Bürgerforum in der 4. Gesamtschule zur Gesprächsrunde ein. Los geht es um 18 Uhr.

Etwa 35 Parzellen soll es in der Sonnenscheinstraße geben und einen Parkplatz, sofern diese Angaben noch aktuell sind. Die Stadt will kein neues Vereinsheim finanzieren, wohl aber eine Toilettenanlage. Ob das gutgeht? Eine Schrebergartenanlage ohne Vereinsheim? Schwer vorstellbar.
Foto: Das alte Vereinsheim der Anlage Eifelbahn, Brandenburgweg 11. Wird es nach dem Umzug kein neues Vereinsheim geben?
Die Lebenskünstler auf schmalem Grund wissen, dass Idyllen kein Geschenk, sondern ein Produkt menschlicher Arbeit sind. Sie seien stark verunsichert, sie würden einen Vertrauensverlust in alle bisherigen städtischen Ansprechpartner*innen beklagen (weil die Sache sich seit 2018 hinzieht) und „haben verständlicherweise große Sorgen um die zurückgehenden Mitgliedschaften, denn wer tritt einem Verein bei, dessen Anlage dem Erdboden gleich gemacht wird“.
Das steht so im Protokoll eine Versammlung der Kleingärtner mit Mathias Dopatka (SPD), die Anfang Dezember 2023 stattfand.

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Beete, Sträucher, Hecken und Häuschen, ein Gehweg, ein Stück Heimat werden die Kleingärtner vermissen. Es gibt einen Abschied und einen Aufbruch in eine neue Ecke von Aachen: vom Brandenburgweg zur Sonnenscheinstraße.
Die Tagesordnung zur öffentlichen Sitzung des Bürgerforums (Dienstag, 5. März, 18 Uhr, in der 4. Gesamtschule, Zugang Rochusstraße) gibt es hier. Bitte TOP 5 sowie dort, unten, die beiden Anlagen anschauen.
UPDATE (08. 03.): Wie es beim Bürgerforum war, lest ihr hier.
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Irgendwann ist es eben vorbei, auch im schönen und bekannten Teil des Lebens, das ist immer schade. Aber die Konsequenz besteht darin, die neue und demokratisch beschlossene Realität anzunehmen. Nicht immer dieses Negative nach vorne schieben, denn wer ist am Verlauf ohne Anteil …
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