Überraschung in Politiker-Sitzung: Aus für Gartenprojekt HirschGrün

Stolperstein für Fredy Hirsch in der Richardstraße in Nähe des Suermondt-Ludwig-Museum.

Stolperstein für Fredy Hirsch in der Aachener Richardstraße in Nähe des Suermondt-Ludwig-Museum.

Salat anbauen mitten in der Innenstadt? Bohnenstangen aufstellen und einen selbstgebauten Iglu im neu hergerichteten Suermondt-Park an der Richardstraße? Zusammen in der Erde wühlen und ernten? – Daraus wird nichts. Was seit fast 4 Jahren möglich ist und bisher auch immer in alle Pläne einbezogen wurde, das Projekt „HirschGrün“, erhielt von CDU und SPD in Aachen urplötzlich eine Absage, FDP und Grüne (!) schlossen sich der Großen Koalition an.

Überraschend sei es zu einer Abstimmung bezüglich  „HirschGrün“ gekommen, so berichtete später ein Augenzeuge (ich war selbst nicht bei der Sitzung dabei). Und noch überraschender war, dass die vier erwähnten Parteien dafür stimmten, dass die Verwaltung prüfen soll, ob der Verein sein Urban Gardening gefälligst woanders betreiben kann, irgendwo in Rothe Erde, jwd.

Warum heißt das Projekt HirschGrün? Weil es sich an der Stelle befindet, wo einst der Aachener Fredy Hirsch gewohnt hat. Diesen Mann, der im Vernichtungs- und Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau Kindern geholfen hat zu überleben, hat der Aachener Oberbürgermeister höchstselbst erst neulich geehrt.

Vertreter der CDU hätten an der Richardstraße lieber eine Liegewiese, wie im Westpark. Wo sich dann wieder die Anwohner beschweren, weil es zu laut ist. Beim Gärtnern entstehen Begegnung, Gemeinschaft und Engagement für den Stadtteil. Da geht es anders zu als auf einer Liegewiese. Haben die Herrschaften von der GroKo bis jetzt nicht gewusst was Urban Gardening ist? Und jetzt hat es ihnen einer gesagt und sie schreien erschrocken: „Nein, halt, stopp!“ ? Könnte sein.

Jedenfalls sieht es beim Urban Gardening nicht aus wie auf einem Golfplatz. Es geht hier um die Frage, ob man einen anderen Lebensstil akzeptieren kann, oder ob man diesen an den Rand der Stadt verweist, sozusagen aus dem Blickfeld bringt. Da hätte ich mir von CDU/SPD/Grüne/FDP doch etwas mehr Toleranz und Experimentierfreude gewünscht.

Die Piraten haben in der Sitzung nicht mit CDU/SPD/FDP/Grünen gestimmt, sind jetzt ziemlich sauer und haben eine Stellungnahme verfasst, die hier auszugsweise zitiert wird:

Die Piraten Aachen kritisieren das Vorgehen der GroKo zum Suermondt-Park und zum Gemeinschaftsgarten HirschGrün aufs Schärfste.
Durch eine schon handstreichartige Umänderung eines mündlichen Sachstandsberichtes über den Suermondt-Park in eine Entscheidung über die Schließung des Gartenprojektes HirschGrün in der Richardstraße droht völlig überraschend in der Bezirksvertretung Aachen Mitte das Aus für das ambitionierte und preisgekrönte Bürgerprojekt.

Die Bezirksverteter der Opposition sowie die Mitglieder der Initiative wurden durch diese Entwicklung völlig überrumpelt. Die anwesenden Nutzer des Gemeinschaftsgartens hatten nicht die Möglichkeit, zu Wort zu kommen.

Die Entwicklung ist auch deswegen völlig überraschend, weil die Pläne für das Suermondt-Viertel und die Richardstraße schon einige Male umgestellt und dabei in diversen Ausschüssen besprochen und abgestimmt worden sind. Immer ist die Einbeziehung des bundesweit anerkannten und ausgezeichneten Projektes HirschGrün eingeplant gewesen.

Zuletzt hatte die Verwaltung selbst in ihrem „Freiraumkonzept“ das HirschGrün als „Herz des Quartiers“ mit hohem Planungsbedarf und mittlerem Pfegebedarf perfekt umschrieben. Die Stadt muss also kaum selbst pflegen: Das übernehmen die vielen Ehrenamtlichen, die zugleich wichtige Bildungsarbeit und nachbarschaftliche Integrationsarbeit leisten. Was gibt es also aus Sicht von CDU und SPD zu kritisieren?

Dass in der Stadt grüne Orte mit Aufenthaltsqualität fehlen, ist oft und von Seiten der Bürger, der Politik und der Stadtverwaltung angesprochen worden. Ob eine „Liegewiese“, wie von Herrn Dr. Otten von der CDU vorgeschlagen, diese Qualität liefert, bezweifeln wir stark.

„Eine Umsiedlung des Gartenprojektes an Aachens Peripherie halten wir für abwegig. Urban Gardening ist nur urban in der Stadt und nicht am Stadtrand“, sagt der umweltpolitische Sprecher der Piraten, Dirk Szagunn.

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Unterdessen kommt das Umweltamt der Stadt ausgerechnet heute mit folgender Meldung um die Ecke:

Der Fachbereich Umwelt hat die sieben Broschüren mit dem Titel „Ganz schön nah – Natur erleben in Aachen“ in neuer Gestaltung ein weiteres Mal aufgelegt. Mit den sieben Faltblättern machen die Umweltfachleute auf die Schönheiten der Natur in unserer Heimat aufmerksam.

Sie sind erhältlich für die Innenstadt und für die Stadtbezirke Brand, Eilendorf, Kornelimünster/Walheim, Haaren, Laufenberg und Richterich/Horbach.

Die Faltblätter enthalten eine Einführung in Gebietsbezogene Biotope und schöne Blicke, Einzelheiten und wissenswerte Zusammenhänge der Naturschönheiten im Stadtzentrum. „Wir möchten mit unseren Broschüren die Besonderheiten der Natur zeigen, für mehr Verständnis in Sachen Naturschutz werben und auf umweltverträgliches Verhalten aufmerksam machen“, sagt Elmar Wiezorek, Leiter des Fachbereichs Umwelt.

 

Keine Pointe.

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Lest möglichst auch, was Achim Ferrari (Grüne) auf meiner Facebook-Seite geschrieben hat (alles erfreulich sachlich). Da steht unter anderem: „Die GRÜNEN haben einem Prüfantrag zugestimmt, nicht der Verlagerung (der Fortbestand ist übrigens vertraglich gesichert). Wenn es diesen (aufschiebenden) Prüfauftrag nicht gegeben hätte, hätte die GroKo vermutlich einer Verlagerung schon in der Sitzung zugestimmt. Leider kommen diese „Feinheiten“ des Abstimmungsverhaltens in der Presse (heute großer Bericht in den AN) nicht richtig rüber.“

Einige Unterstützer sammeln sich bei Facebook.

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Update (Sa., 12. März) : Unter der Überschrift „Beachtlicher Flurschaden rund ums Gemüsebeet“ berichtet die Aachener Presse heute ganzseitig über die Vorgänge und den schnell aufgebauten Protest. SPD und Grüne rudern zurück, bzw. erläutern ihre Position, die wohl etwas missverstanden wurde.

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Alles neu am Neumarkt? Bürger werden informiert und dürfen sich äußern

Der Neumarkt im Frankenberger Viertel: Sieht nach dem Winter nicht gerade attraktiv aus, ist aber für das Viertel uns deine Menschen wertvoll wie ein Juwel.

Der Neumarkt im Frankenberger Viertel: Sieht nach dem Winter nicht gerade attraktiv aus, ist aber für das Viertel und seine Menschen (besonders Kinder) wertvoll wie ein Juwel.

Das Presseamt der Stadt Aachen teilt mit: „Der Neumarkt im Frankenberger Viertel soll aufgewertet werden. Am Montag, 14. März, werden den  Bürgerinnen und Bürgern die aktuellen Planungen vorgestellt. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr in der Aula der Maria-Montessori-Gesamtschule. Das Landschaftsplanungsbüro  Büro 3+ Freiraumplaner und die Fachbereiche Umwelt sowie Kinder, Jugend und Schule der Stadt Aachen werden die neuesten Ideen präsentieren.“

Zuletzt hatten im August 2015 viele Bewohner des Viertels ihre Wünsche und Anregungen in einer Bürgerbeteiligung geäußert. Ein Hauptwunsch der damals Anwesenden war, den Neumarkt in seiner Grundstruktur möglichst zu erhalten.  Vor allzu großen Veränderungen ihres geliebten Neumarkts hatten die Bürgerinnen und Bürger bei diese Versammlung geradezu Angst. Dass der Platz insgesamt in die Jahre gekommen ist und saniert werden muss, stand aber – für die Stadtverwaltung – außer Frage.

Man kann nicht sagen, dass für die Veranstaltung massiv geworben wurde. Im Gegenteil: Im Frankenberger Viertel habe ich nur zwei (!) dieser Flugblätter gesehen.

Man kann nicht sagen, dass für die Veranstaltung massiv geworben wurde. Im Gegenteil: Im Frankenberger Viertel habe ich nur zwei (!) dieser Flugblätter gesehen.

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Freifunker haben eine Auszeichnung verdient

Graffitis gibt es im Frankenberger Viertel nicht zu knapp. Das hier befindet sich auf einem Freigelände in Nähe der unteren Bismarckstraße.

Graffitis gibt es im Frankenberger Viertel nicht zu knapp. Das hier befindet sich auf einem Freigelände in Nähe der unteren Bismarckstraße. Wollte ich hier nur mal zeigen, es steht jetzt nicht in irgendeinem Verhältnis zum Text.

Ich finde ja, die Leute, die in Aachen das Projekt Freifunk groß gemacht haben, die haben auch mal eine Auszeichnung verdient, einen Preis für vorbildliches bürgerschaftlichen Engagement oder so ähnlich. Denn wer kaum Geld zum Leben hat, kommt in der Innenstadt via Freifunk ins Internet, kann sich folglich informieren und zu seinen Leuten Kontakt aufnehmen, am öffentlichen Leben teilnehmen, mitmachen und ist nicht ausgeschlossen.

Das sehe ich fast täglich, immer früh morgens oder spät abends in der Jakobstraße. Da stehen junge Männer, offensichtlich Flüchtlinge an einer Häuserwand, starren wie gebannt auf ihre Handys, tippen und sind so konzentriert, dass man denken könnte, sie arbeiten an irgendwas. Auch 12-, 13-, 14-Jährige sah ich da sonntags morgens schon im Internet surfen.

Anfangs wollte ich einfach mal wissen, was die da machen und hab – neugierig – gefragt, ob sie etwa ins Netz kommen? Sie könnten kein Deutsch, gaben sie mir etwas ängstlich zu verstehen, nur Arabisch. . . und etwas Türkisch. Ich natürlich: „Internet, varme?“ gefragt. „Evet, evet“, (ja, ja) war die Antwort, dabei deuteten sie auf ihre Handys.

Ich musste lachen und erinnerte mich, wie ich vor vielen Jahren mal in Hamburg (oder war es in Berlin?) an den Häuserwänden entlang gegangen bin, um ein zufällig offen gelassenes W-Lan zu finden. Tja, ein Leben ohne Internet ist möglich aber sinnlos.

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Neue Bäume, neues Grün

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Auf dem Münsterplatz – rund um den Spatzenbrunnen – standen bis vor Kurzem noch drei Rotdorne, die gaben jedes Jahr ein tolles Bild ab. Die Rotdorne mussten weg, angeblich waren sie krank oder schon tot. Jetzt hat man flott drei neue Bäumchen gepflanzt.

Weiß jemand, um welche Sorte es sich handelt? Ich nehme nämlich nicht an, dass der Stadtbetrieb so nett war, und uns für die kranken/toten Bäumchen drei neue/gesunde Rotdorne hingesetzt hat. Das hätten sich zwar die Anwohner sehr gewünscht, aber das spielt keine Rolle. Nein, es musste (angeblich) pflegeleichteres Grün hin. Wobei sich die Experten noch darüber streiten, welche Baumart nun pflegeleicht und preiswert ist und welche teuer.

Die Entscheidung für preiswertes Grün oder sogar für gar kein Grün, die fällt auch in anderen Städten. Der Grund: Es fehlt das Geld. Selbst Gartendenkmale werden brutal vernachlässigt. Bitte lest, wie es in Berlin aussieht. Da können wir in Aachen noch froh sein, dass wenigstens in der Innenstadt was gepflanzt wird und wir erkennen, in welcher Jahreszeit wir gerade stecken.

Wer jetzt verächtlich sagt „Gibt es denn nichts Wichtigeres als die paar Bäume in der Stadt?“, der hat natürlich Recht. Es gibt immer irgendwie etwas Wichtigeres. Aber es gibt auch Menschen, die spüren die Abwesenheit/Anwesenheit von Grün zwischen nichts als Mauern ganz deutlich in Form von besserer Luft, besserer Optik, besserem Gefühl, besserer Atmosphäre und was weiß ich. Die vermissen die wohltuende Wirkung der Bäume und wollen trotzdem nicht mitten im Wald wohnen.

 

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Neumarkt wird „aufgewertet“

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Der Neumarkt „funktioniert“ wirklich gut, wie man von allen, die ihn nutzen hört. Samstags ist dort Wochenmarkt (von 7 bis 13 Uhr), und wenn es regnet, sind die Wege zwischen den Ständen doch sehr aufgeweicht. Vielleicht ist es das, was „verbessert“ werden muss.

Mindestens einmal hat es schon eine Bürgerversammlung gegeben. Da wurde klar, dass die Anwohner den Neumarkt eher nicht verändert haben wollen. Vermutlich wird am kommenden Montag, 14. März,  vorgestellt, wie das Planungsbüro, das die Stadtverwaltung beauftragt hat, die Umgestaltung realisieren will. Hoffentlich ziemlich behutsam.

Soll nun also der Untergrund versiegelt werden? Oder wird der Platz stärker möbliert? Kann man dann noch an Karneval dort feiern? Was hat es mit der Bürgerinformation auf sich, die am Montag, 14. März, in der Aula der Montessori-Schule, Bergische Gasse 18,  stattfinden soll? Beginn: 18 Uhr. Außer dem zufällig gesehenen Plakat hat bisher keiner mir was mitgeteilt von dem Termin, das ist ungewöhnlich.

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Eine Nervensäge macht sich unbeliebt

Das KuK in Monschau. Auf drei Etagen wird hier Foto-Kunst auf höchstem Niveau präsentiert. Das Programm von 2016 findet ihr hier.

Der Eingang vom KuK in Monschau: Auf drei Etagen wird dort Foto-Kunst präsentiert – auf höchstem Niveau. Das Programm von 2016 findet ihr hier.

Es ist schwer zu glauben, aber im Ausschuss für Tourismus und Kultur der Städteregion bin ich richtig unbeliebt. Unter anderem deshalb, weil ich mich da bei jeder sich bietenden Gelegenheit für das KuK in Monschau stark mache.

Dieses Kunst- und Kulturzentrum (KuK) hat 2015 sehr erfolgreich gerade mal 5 Ausstellungen veranstaltet, in den Jahren davor waren es erst 9 und dann 7 Ausstellungen. Für 2016 sind sogar nur noch 4 Ausstellungen geplant. Dabei ist die Zahl der Besucher immer weiter gestiegen. Auf zuletzt über 35.000 Personen im Jahr.

An manchen Tagen wurden schon 400 Interessierte gezählt, schlechtester Tag soll ein Novembertag mit immerhin noch über 50 Gästen gewesen sein. Welches Museum, welche Ausstellung in einem der hiesigen Kulturbetriebe kann regelmäßig so einen Zulauf verzeichnen?

Die Leiterin des KuK hat die besten Kontakte zu namhaften Künstlern und Künstlerinnen und zu denen, die hochkarätige Ausstellungen vermitteln können. Die – so wurde bei der jüngsten Sitzung des Ausschusses mitgeteilt – suchen mittlerweile von sich aus den Kontakt zum KuK mit dem Begehren, dort einmal ausstellen zu dürfen.

Da verwundert es ohne Ende, dass dieses Leuchtturm-Projekt, dieser Publikums-Magnet in der Eifel nicht finanziell und personell noch viel besser ausgestattet wird, als dies jetzt der Fall ist. Schließlich ist es erklärtes Ziel der Städteregion, möglichst vieler Menschen in die strukturschwache Eifel zu leiten, die vom Tourismus lebt.

Mir kommt es dabei gar nicht so auf die Kunst (Fotografie) an, obwohl ich es begrüße, dass eine Spezialisierung auf Fotokunst stattgefunden hat. Aber wenn so viele Menschen beispielsweise von Krippenausstellungen oder Bierdeckelausstellungen in die Eifel gezogen würden, dann würde ich auch dafür ebenfalls kämpfen, dass derartige Erfolgsprojekte nicht immer kleiner gefahren werden.

Wenn man wirklich Menschen in die Eifel ziehen möchte, dann sollte man doch das Projekt, das genau diese Menschenmassen zieht, mit reichlich Geld und Personal ausstatten. Motto: Die Erfolgreichen fördern, die Schlechten dichtmachen. Dass im Ausschuss keiner das so sieht wie ich, finde ich ärgerlich.

Finales Argument der Gegenseite war, dass meine Leute (Piraten/UFW) bei der Städteregion einmal beantragt hatten, den Kulturetat zu senken. Als könnte ich da nicht eine eigene Meinung haben und diese auch vertreten! Das ist wohl das mit dem „Fraktionszwang“ in den Altparteien: dass jeder derselben Meinung sein muss, wie alle anderen. Daran hatte ich nicht gedacht.

Ich jedenfalls bin in der Piratenpartei aufgefordert, mir meine ganz eigene Meinung zu bilden und diese auch zu vertreten. Das gefällt mir.

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Neue Unterkunft am Westbahnhof besichtigt

Hochbetten in den Schlafräumen. Viel Platz ist das nicht für die Menschen. Doch  es ist geplant, dass sie am Aachener Westbahnhof nur sechs bis Aachen Wochen bleiben.

Hochbetten in den Schlafräumen. Viel Platz ist da nicht für die einzelnen Menschen. Es ist geplant, dass jede*r am Aachener Westbahnhof nur sechs bis Aachen Wochen bleibt.

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Knapp 100 Personen wollten am 10. Februar wissen, wie am Westbahnhof demnächst Menschen untergebracht werden. Kaum eine halbe Stunde dauerte die Besichtigung des Geländes, denn es gab gar nicht so viel zu sehen.

Die Öffentlichkeit war eingeladen, vorbeizukommen und Fragen zu stellen. Ziel: Transparenz schaffen. Doch die Besichtigung fand nachmittags statt, wo viele Leute arbeiten. Da wunderte es mich schon, dass so viele erschienen.

20.000 Quadratmeter groß ist das Gelände, direkt neben den Schienen der Bahn gelegen. Drauf stehen zehn Leicht-Bauwerke: Kleiderkammer, Küche und Speisezelt, dann Zelte getrennt zum Schlafen für alleinreisende Männer, für Frauen und für Familien sowie weitere Zelte mit Toiletten, Waschnischen, Duschen, Zelte für die Registrierung und die medizinische Erstversorgung. Alles ist geplant für maximal 1000 Personen und soll in diesen Tagen langsam „volllaufen“.

Das sollte sich eigentlich jede*r mal ansehen und sich vorstellen, da sechs bis acht Wochen (wenn es gut geht) mit Kind wohnen zu müssen. Mit sieben

Blick auf den Parkplatz für die Mitarbeiter und einige Zelte.

Blick auf den Parkplatz für die Mitarbeiter und einige Zelte.

anderen Personen in so einer Schlafkoje. Das sind sich lang hinziehende Tage in relativer Enge. Es ist eine Erstunterkunft, für die das Land NRW zuständig ist. Die Menschen, die dort leben werden, sind jetzt wahrscheinlich noch in Griechenland oder sonstwo in Südosteuropa oder auf dem Meer.

In Aachen werden die Menschen registriert und dann wird geschaut, wo in NRW sie einmal für längere Zeit bleiben können, in welchen Kommunen sie Arbeit suchen und die Kinder zur Schule gehen können.

Auf dem Gelände am Westbahnhof sahen wir 500 Doppelspinte für die persönliche Habe und jede Menge Hochbetten. Das Essen wird geliefert, es kommt aus der Robensstraße zum Westbahnhof. Leider darf dort niemand selber kochen, was besonders die Frauen in den Unterkünften immer gern machen würden.

Wachpersonal und die Betreuung durch das DRK wird es 24 Stunden am Tag geben, und die Polizei wird auch öfter mal vorbeifahren, so wurde mitgeteilt. Ein großer Zaun verhindert, dass Unbefugte das Gelände betreten. Für Kinder wird draußen eine Art Spielplatz eingerichtet. Wer den Flüchtlingen schon mal ein paar Worte Deutsch beibringen will, muss dies zwischen den Mahlzeiten im Speisezelt machen.

Auch die Sanitäranlagen sind natürlich von ungeheurer Schlichtheit.

Auch die Sanitäranlagen sind natürlich von ungeheurer Schlichtheit.

 

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Rotdorn-Freunde haben sich zu früh gefreut

Zu früh gefreut haben sich die Freunde der Rotdornbäume in der Nizzaallee. 24 Bäume sollen fallen.

Zu früh gefreut haben sich die Freunde der Rotdornbäume in der Nizzaallee. 24 Bäume sollen fallen, so wurde nach dem Ende der Beratungen plötzlich doch noch mitgeteilt.

Die Nizzaallee im Abendlicht. Auf dem Kärtchen steht, dass der Baum unter dem Schutz der Lousberg Gesellschaft steht.

Die Nizzaallee im Abendlicht. Auf dem Kärtchen steht, dass sich der Baum unter dem Schutz der Lousberg Gesellschaft befindet. Viele Bäume haben dort Kärtchen, alle Stämme sind auffallend dünn.

Das wäre jetzt aber auch zu schön gewesen. Die Rotdorn-Retter aus der Nizzaallee müssen weiter bangen, und zwar um 24 Bäume, die der Stadtbetrieb nun doch noch fällen will, weil diese angeblich die Verkehrssicherheit gefährden.

Damit kam – zur Überraschung aller – der Leiter des Stadtbetriebs, Peter Maier, nach Behandlung des Streitfalles im Bürgerforum raus. Die meisten Zuschauer, die sich eigens wegen der Bäume ins Rathaus begeben hatten, waren schon gegangen. Da hieß es plötzlich von Peter Maier: 24 Bäume müssen aber trotzdem weg.

Gestern liefen bei den Mitgliedern der Lousberg Gesellschaft die Drähte heiß, wie Sibylle Spiegel von der Gesellschaft mitteilte. Und: „Wir müssen jetzt einen Gutachter finden, den wir auch bezahlen müssen.“  Was dann kommt, ist vermutlich ein Kleinkrieg mit Herrn Maier um jeden einzelnen Baum und dessen Standfestigkeit. Die kommunikativen Fähigkeiten dieses Herrn sind – nebenbei erwähnt – ganz offensichtlich unter aller Kanone. Wie kann man das, was man tun muss und wird, so mangelhaft kommunizieren? Es ist nicht zu fassen.

Es wäre  ja auch zu schön gewesen, aber die Stadtverwaltung will vermutlich nicht kostenpflichtig sein, wenn ein Baum umfällt und Schaden anrichtet. Allerdings haben sich in der Sitzung die Politiker krass auf die Seite der Bürgerinnen und Bürger gestellt. Das zumindest kann einem Mut machen. Und wenn schon die 24 weg müssten, dann könnten wenigstens an ihrer Stelle keine Apfelweisdorne, sondern wieder Rotdorne gepflanzt werden.

Weiße Gebäude in der Nizzaallee.

Diese Situation wollen Denkmalschützer gern erhalten: Weiße Gebäude in der Nizzaallee, davor die Bäume.

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Nizzaallee: Rotdorne dürfen bleiben / Update 25. 02.: Alles auf Anfang (s. oben)

Zur Ansicht für als, die die Nizzaallee nicht kennen. Bürgerinnen und Bürger hatten Fotos ins Rathaus gebracht.

Zur Ansicht für alle, die die Nizzaallee nicht kennen: Bürgerinnen und Bürger hatten Fotos im Rathaus auf die Tische gelegt.

Sieg nach Punkten für die Rotdorn-Freunde in der Nizzaallee: Die Anwohner haben im Aachener Rathaus die Pflege und die Übernahme der Kosten für die Pflege der Bäume angeboten, sie werden Geld investieren und dürfen nun ihre Bäume behalten.

Es entstand der Eindruck, dass sich die komplette Lousberg-Gesellschaft auf die Besucherstühle des Bürgerforums verfügt hatte, so viele waren gekommen, um für ihre Straße zu kämpfen. In meinem Kopf hatte ich den Refrain „Das ist unser Baum“ (analog zum Hausbesetzer-Refrain „Das ist unser Haus“), den Linus Neumann in einem seiner jüngsten Podcasts mit Tim Pritlove neulich anstimmte.

Sehr eindrucksvoll war der Auftritt einer Dame vom Fach, die von den Zuschauern Beifall erhielt. Sie war mal Landschaftsarchitektin (oder in einem ähnlichen Beruf) beim Landschaftsverband (LVR), wohnt jetzt in der Nizzaallee und kennt sich mit Bäumen und Naturdenkmälern aus. Außer ihr plädierten noch mehrere weitere Redner mit den üblichen stichhaltigen und die Politik überzeugenden Argumenten (bitte morgen oder übermorgen in der Tageszeitung nachlesen) für den Erhalt der Rotdorne in der Allee.

Dem Vertreter der Verwaltung ging es naturgemäß um die Sicherheit. Es könnte ein Baum umstürzen, es könnte ein Ast auf einen Kinderwagen fallen, in dem gerade ein Baby schläft. Die Rotdorne haben immerhin schon einige Jährchen auf dem Buckel.

Fünf Jahre lang will die Lousberg Gesellschaft, die im großen Saal des Rathauses auch Fotos von den Rotdornbäumen ausgelegt hatte, die Pflege nun übernehmen. Alles wird in Übereinstimmung mit dem Stadtbetrieb der Verwaltung geschehen. Danach wird überlegt, wie es weitergehen soll.

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Die Lousberg Gesellschaft ist ein Bürgerverein zur Erhaltung und Pflege des Parkdenkmals Lousberg. Infos hier: http://www.lousberg-gesellschaft.de

Wer sich ebenfalls für ein Anliegen in Aachen einsetzen will, wer etwas verhindern oder erreichen will, kann sich natürlich auch an das Bürgerforum wenden. Hier entlang. 

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CDU, SPD, Grüne wollen die Sperrklausel

Stellen Sie sich vor, dass Sie für eine kleine Partei oder Wählergemeinschaft im Stadtrat sitzen. Sie engagieren sich mit Leidenschaft und opfern viel Freizeit, um vor Ort politisch etwas zu bewegen.

Dann erklären Ihnen Landtagsabgeordnete und Kommunalpolitiker größerer Parteien, dass ihr Engagement keinerlei Wirkung hat und deshalb sinnlos ist. Dass Sie nur Einzelinteressen vertreten und schuld sind an langen Ratssitzungen. Und dass es überhaupt ohne Sie in der Kommunalpolitik besser liefe und man deshalb eine „Qualitätshürde gegen Gemischtwarenhändler“ wie Sie brauche.

So jedenfalls lauteten einige Argumente, die in der Sachverständigenanhörung des Landtags zur Wiedereinführung einer Sperrklausel bei Kommunalwahlen vorgebracht wurden. Sie finden das arrogant und unverschämt? Ich auch.

Lesenswert: Es geht um den Schutz des Wählers (und der Wählerin)

Mehr Infos hier: https://nrw.mehr-demokratie.de

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