Ein Stückchen Heimat

Wer etwas Erinnerungsträchtiges, Altes im (Aachener) Stadtbild zerstören will, muss sich dafür rechtfertigen. Das sind immer Menschen, die viel Geld verdienen wollen. Es ist legal, viel Geld verdienen zu wollen, und ich begrüße dieses Ansinnen sogar. Aber ICH stand gestern auf der Straße, nicht weil es um Geld geht, sondern weil ich ein Stückchen Aachen bewahren will.

Der Vertreter des Investors stand da, weil er ganz zu Recht viel Geld verdienen will. Zwischen uns besteht ein Unterschied. Und ich bin es nicht, die sich rechtfertigen muss.

Das wollte ich nur mal grundsätzlich gesagt haben.

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Wer einmal viele Jahre nicht in Aachen war und dann zurückkommt, der merkt es möglicherweise: So ein Art Heimatgefühl macht sich breit. Man erkennt nämlich vieles wieder. Man geht umher und weiß genau: Hier haben wir dies und das gemacht und dort war jenes, und weißt du noch wie wir hier immer . . . . Markante Orte sind noch vorhanden, wenn man Glück hat. Das Theater, Bankgebäude, Kirchen, Kneipen, der Elisenbrunnen, das Rathaus, Wohngebäude, der Hof und andere Plätze und die Parks. Man fühlt sich plötzlich zu Hause, weil man sich auskennt, weil man hier alles kennt.

Wie Städte, Dörfer und Straßen aussehen, das manifestiert sich auch in den Fassaden der Gebäude. Und es kann durchaus sein, dass eine alte Fassade zu einem Ensemble dazu gehört. Wer hier umbaut, zweckentfremdet und beschädigt zerstört möglicherweise ein Stückchen Heimat. Auch – übrigens – wer in einer Straße alte Bäume einfach abholzt, verändert das Aussehen kolossal und zerstört ein Stückchen Heimat.

Glücklicherweise haben die örtlichen Medienvertreter die Brisanz des Themas genau erkannt und dem Erhalt einer alten Kino-Fassade viel Aufmerksamkeit zukommen lassen. Vielen Dank dafür.

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Ich habe über die Fassade genug geschrieben. Hier die Links zu den verschiedenen Berichten. Die Texte werden erst in einer Woche ohne Bezahlschranke zu lesen sein.

http://www.aachener-zeitung.de/videos/lokales?bctid=4604439838001&bcpid=10373078001&refer=rightboxa&bclid=1978072832001

http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/lokalzeit/lokalzeit-aus-aachen/videoabrissdeselysekinossorgtfuerunmut100_size-L.html?

http://www.aachener-zeitung.de/mobile/lokales/aachen/elysee-kino-ein-nostalgiebau-nicht-nur-fuer-cineasten-1.1221306

http://www.aachener-nachrichten.de/lokales/aachen/die-fassade-des-elysee-kinos-hat-ihre-treuen-fans-1.1221572

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Stadtgestaltung von unten

 

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Direkt gegenüber vom Stadttheater in Aachen befindet sich ein altes Kino, dessen Abbruch geplant ist. Dabei ist zu überlegen, ob nicht mindestens die alte Fassade des Elysée unter Denkmalschutz gestellt und somit erhalten werden kann. Am Dienstag, 10. November, um 11 Uhr wollen sich Interessierte gegenüber vom Elysée treffen, um sich zu beraten und auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. 

Das Kino und zwei weitere Gebäude sollen einem Hotelneubau weichen. Die Idee ist, dass das neue Hotel die alte Kino-Fassade samt Schriftzug in einen Teil seiner neuen Fassade integriert. In Aachen gründet sich derzeit eine Initiative, die sich für den Erhalt der Fassade einsetzen wird.

Altbekannte Fassaden sind für die Bewohner einer Stadt mit vielerlei Erinnerungen verknüpft. Filmtheater, Stadttheater – das passt an dieser Stelle zusammen und das gehört zusammen. Häuser, insbesondere die Fassaden, können sich zu Marken und Zeichen entwickeln, sie können einer Straße ein Gesicht geben, zu sprechen beginnen, ein Eigenleben führen. Mit der Zeit wird durch Fassaden Entwicklungsgeschichte in Straßenschluchten eingegraben wie Falten in ein Gesicht. Abrisse wirken manchmal wie Schönheitsfehler und Verletzungen.

Zudem: Nicht nur Investoren, Architekten und Bauingenieure haben bei der Stadtgestaltung ein Wörtchen mitzureden. Auch Bürgerinnen und Bürger dürfen sich einmischen. Die Initiative will ein Beispiel sein für eine neue und leidenschaftliche „Stadtgestaltung von unten“.

Das Elysée am Kapuzinergraben stammt aus den 50er Jahren, auch die Fassade ist schon fast 60 Jahre alt und gehört schon lange zum Straßenbild. Die gerippte Außengestaltung soll eine Welle darstellen.

Der Magisterarbeit von Silke Koschker „Die Kinoentwicklung in Aachen – Eine Untersuchung der Lichtspielhäuser“ aus dem Jahr 2000 ist zu entnehmen:
Das Elysée am Kapuzinergraben 10 wurde am 04. 01. 1954 eröffnet und im Jahre 2000 Jahr geschlossen. Nebenbei: Am Kapuzinergraben 11 war von 1912 bis 1927 ein Kino, das in der Arbeit von Silke Koschker „Union-Lichtspiele“ genannt wird. Am Kapuzinergraben 13 gab es demnach vom 24. 06. 1906 bis 1921 ein „Internationales-Biograph-Theater“.

 

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Aquis Plaza: Die schöne Welt der Waren. Jetzt mit einer kontroversen Diskussion (s. unten)

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Es glänzt und glitzert oben, unten, rechts und links im neuen Tempel der Warenwelt.

Jetzt ist es also fertig und eröffnet, das neue Aquis Plaza, das neue Warenhaus in Aachen mit 130 zusätzlichen Läden. Bis auf ganz wenige Ausnahmen sind alle Ladenlokale vermietet. „Zara“ ist gleich mehrfach vertreten. Dafür stehen die alten „Zara“-Räume in der Adalbertstraße jetzt leer (update: Es ist schon wieder neu vermietet, s. Kommentar von Alleswisser Peer).

Soweit zu sehen war, sind sehr viele Aachener begeistert von dem neuen Konsumtempel. Über 60.000 kamen am ersten Tag. Und es ist ja auch ein überwältigendes Warenangebot, aus dem man auswählen kann. Dazu gibt es Speisen und Getränke: Man kann Türkisch/Arabisch essen, es gibt leckere Bio-Burger, süße Speisen und Eisberge türmen sich, man kann Japanisch und Chinesisch essen, reihenweise tolle Säfte trinken usw. Aber man muss schon gute Nerven haben, um die Fülle aushalten zu können.

Außen, entlang der Adalbertstraße, macht das imposante Gebäude einen eher abweisenden Eindruck. Aus Stahl und Glas sind die Außenwände. Das Aquis Plaza könnte so auch in jeder anderen Stadt stehen, es hat nichts speziell „Aachenerisches“ an sich. Wenn man drin ist, gibt es nichts, woran du erkennst, dass du in Aachen bist. Es ist wie ein großes Raumschiff an seinen Platz gestellt worden. Aber Lokal-Bezogenheit ist wohl heute nicht mehr erwünscht. Die Menschen wollen und sollen sich in einer Umgebung aufhalten, die sich nicht von Orten in anderen Städten unterscheidet. Das Gefühl von Heimatlosigkeit wird sich nicht vermeiden lassen.

Das große Center in Düren sieht sehr ähnlich aus. Die ovale Form ist offenbar ein Muss. Und dann die Stahl-Glas-Fassade! Da kann man schon mal auf die Idee kommen, alte Fassaden aus den 50er Jahren sollten doch am besten unter Denkmalschutz gestellt werden (s. ganz unten).

An zwei Stellen kann man das Gebäude betreten, der Rest sieht etwas abweisend aus. Schade, dass man dort die Läden nicht auch nach außen geöffnet hat, nur nach innen.

An zwei Stellen kann man das Gebäude betreten, der Rest sieht etwas abweisend aus. Schade, dass man dort die Läden nicht auch nach außen geöffnet hat, nur nach innen.

Auf der Seite Adalbertstraße.

Auf der Seite Adalbertstraße.

Da entlang zu gehen, ist etwas langweilig.

Da entlang zu gehen, ist natürlich langweilig. Die Läden öffnen sich – bis auf wenige Ausnahmen – nur nach innen.

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Abwechslung im Stadtbild, wer würde sich das nicht wünschen. Deshalb: Helft mit, eine alte Kino-Fassade zu erhalten.

Abwechslung im Stadtbild, wer würde sich das nicht wünschen? Deshalb: Helft mit, eine alte Kino-Fassade zu erhalten (Kommt zum Treffen am Dienstag, 10. November, 11 Uhr, direkt gegenüber vom Elysée auf dem Theater-Vorplatz).

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Hermann Josef Pilgram, Ratspolitiker der Grünen in Aachen, hat auf Facebook auf den oben stehenden Text mit einem längeren eigenen Text reagiert. Alles nicht uninteressant. Mit seiner Erlaubnis bringe ich den Text hier. Pilgram schreibt:

In deinem Artikel schreibst du: „Aber Lokal-Bezogenheit ist wohl heute nicht mehr erwünscht. Die Menschen wollen und sollen sich in einer Umgebung aufhalten, die sich nicht von Orten in anderen Städten unterscheidet. Das Gefühl von Heimatlosigkeit wird sich nicht vermeiden lassen.“ – Dem möchte ich entgegnen, dass es eine ortsbezogene Architektur mit regionaltypischer Material-, Farb- und Formensprache nur noch selten gibt, und wenn, dann eher abseits der Städte, etwa in der Eifel. Die Gründerzeitviertel, die wir als „Heimat“ empfinden, sind in fast ganz Europa verbreitet und unterscheiden sich in ihrer Architektur nicht wirklich.

Gleiches gilt für andere Baustile, deren Wahrnehmung und Wertschätzung sich auch über die Zeiten ändert, z.B. „Bauhaus“, bei den Nazis geächtet, heute wieder hoch geschätzt. Der Bazar hat eine lange Geschichte, und ich behaupte, da gibt es keine großen Unterschiede, ob es der in Tunis ist oder in Istanbul.

Ich möchte auch an die Einkaufspassagen erinnern, die im 19. Jahrhundert ihre erste Blütezeit hatten und dann durch die Warenhäuser abgelöst wurden. Mit Ortsbezogenheit hatte das aber nichts zu tun, Passagen gab und gibt es in Brüssel, in Mailand, in Paris etc. Wenn „lokale“ Geschäfte gemeint sind, so hat der Wandel zu Ketten, die überregional tätig sind, schon vor sehr langer Zeit begonnen. Da macht es wenig Unterschied, ob sie nun hinter- und nebeneinander an einer Einkaufsstraße liegen oder in einem städtischen Einkaufszentrum wie Aquis Plaza.

Letzteres bietet auf jeden Fall mehr Aufenthaltsqualität und ist auch schöner als die notdürftig nach der Kriegszerstörung aufgebauten 1- oder 2-geschossigen Verkaufsstätten, die hier vorher standen und die auch jetzt noch – überwiegend auf der anderen Straßenseite – zu sehen sind. Das waren Häuser, die mit geringstem baulichen und architektonischen Aufwand auf größtmögliche Rendite konzipiert waren.

Wenn das „Heimat“ ist und einem das Gefühl gibt, in Aachen zu sein – Nein Danke.

(Anmerkung der Redaktion: Das Gefettete ist von mir)

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Auf diesen Text habe nun wieder ich reagiert und auf Facebook an Hermann Josef Pilgram folgende Zeilen geschrieben:

Danke für deine ausführliche Mitteilung. Ich gebe zu, dass ich das neue Einkaufszentrum für einen wenig schönen Aufenthaltsort halte und – so oder so – lieber viele kleine und mittlere Läden hätte. Aber das Aquis Plaza ist da, und jetzt müssen wir damit leben.

Mir geht es zur Zeit mehr um das Elysée bzw. um den Erhalt der wellenförmigen Fassade aus den 50er Jahren mitsamt dem markanten Schriftzug am Kapuzinergraben. Dieses Kino war über Jahrzehnte ein wichtiger Ort für meist jüngere Menschen. Man hat sich dort oft gut unterhalten gefühlt, man hat via Film in die Welt hinaus geblickt, sich dort verabredet, und in den 50er Jahren sind die Menschen sogar aus dem Umland zu Fuß dorthin gepilgert, um bestimmte Filme zu sehen.

Die Fassade ist einzigartig und außergewöhnlich in Aachen. Sie erinnert, sofern sie erhalten bleibt, an unsere Eltern und Großeltern, an die Filmkultur vergangener Jahre. Ich denke nicht, dass man leichtfertig auf solche Erinnerungsstücke verzichten sollte. Glasfassaden gibt es doch nun wirklich genug, da darf doch diese kuriose Außengestaltung vielleicht auch bestehen bleiben.

Filmtheater, Stadttheater – das passt an dieser Stelle zusammen und das gehört zusammen. Häuser, insbesondere die Fassaden, können sich zu Marken und Zeichen entwickeln, Gesichter bekommen, zu sprechen beginnen, ein Eigenleben führen. Die Zeiten graben Entwicklungsgeschichte in Straßenschluchten ein wie Falten. Umbauten wirken manchmal wie Schönheitsfehler und Verletzungen.

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Darauf nun wieder Hermann Josef Pilgram:

Eine interessante denkmalgeschützte Kinofassade gibt es in Köln.  – Hier wird gerade an Plänen für künftige Nutzungen gearbeitet. – Sicher ist auch beim Elysée ein Entwurf mit Einbeziehung der Fassade möglich und – da gebe ich dir Recht – damit könnte das Gebäude ein besonderes Gesicht bekommen.

Denkmalschutz ist aber unter Umständen sehr streng, der könnte auch gute und interessante Lösungen verhindern. Gute Architektur kann und soll Geschichte aufgreifen, sie braucht aber auch die Freiheit, die Veränderungen der Gebäude und Nutzungen zu visualiseren. – Was mich allerdings an vielen Diskussionen über Architektur stört, ist die undifferenzierte Negativbewertung von „modernen“ Baustoffen. Sicher ist damit viel Schlechtes realisiert worden.

Die sehr pauschale Ablehung ist aber möglicherweise auch ein spätes Überbleibsel der Ideologie des „Heimatschutzstils“.

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Wichtige Anmerkung: Was „Heimatschutzstil“ ist, kann man hier nachlesen.

 

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Von „Schutzengeln auf zwei Beinen“

Vor wenigen Tagen ist der Aachener Autor Helmut Clahsen gestorben. Clahsen ist durch sein Buch „Mama, was ist ein Judenbalg?“ berühmt geworden. Dieses  Buch schildert ein bedeutendes Stück Aachener Geschichte – so spannend und einfühlsam, wie man es selten zu lesen bekommt.

Helmut Clahsen war das Kind einer jüdischen Mutter. Er hat in Aachen die Naziszeit überlebt, weil ihm und seinem kleinen Bruder viele Menschen geholfen haben, nicht nur in Aachen, sondern auch in der Eifel, besonders in Höfen. Das Buch schildert auch grausame Szenen, aber es lässt einen nicht verzweifeln. Im Gegenteil: Es gibt offenbar selbst in Zeiten, in denen sich die Barbarei hemmungslos ausbreitet, viele gute Menschen, die nicht aufhören, Gutes zu tun und anderen beizustehen.

Dr. Herbert Ruland hat einen Nachruf verfasst, den wir hier veröffentlichen dürfen. Vielen Dank.

 

Zum Tod von Helmut Clahsen 1931 – 2015

Von Dr. Herbert Ruland

Es war zu Beginn der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Ich wohnte damals in Eynatten und ging mir öfters ein Feierabendbierchen bei „Klara“ im fußläufig erreichbaren legendären „Sportcafé“ trinken. Eines Abends stand eine größere Gruppe Männer an der Theke, von denen mir etliche bekannt waren. Es waren Mitglieder des Männergesangvereins St. Cäcilia, die sich hier nach der Chorprobe noch eine Entspannung gönnten. Ich kam schließlich mit einem großen Mann mittleren Alters ins Gespräch, der mir bis dahin noch vollständig unbekannt war. Er erzählte mir mit deutlicher Sprachfärbung, dass er aus Aachen stamme, und dass er den Belgiern – wie er sich ausdrückte – auf ewig zum Dank verpflichtet sei.

Ihnen sei es zu verdanken gewesen, dass er und sein jüngerer Bruder „Heini“ die NS-Zeit überlebt hätten. Obwohl selbst mit Religion wenig am Hut, hatte er sich auch aus Dankbarkeit heraus dem katholischen Männergesangsverein hier auf der belgischen Seite angeschlossen. Und aus eben diesem Gefühl heraus hatten seine Kinder auch die Primarschule in Raeren besucht.

Er erzählte mir dann einige Details aus seiner Familiengeschichte. Seine Mutter stammte aus einer weitverzweigten jüdischen Familie und war ihm und seinen Geschwistern kurz vor dem Krieg von den Nazis weggenommen worden.
Mit der Unterstützung zahlreicher, meist selbstloser Helfer kamen die beiden Jungs bis zur Befreiung durch die Amerikaner im Herbst 1944 in unzähligen Verstecken unter – Helmut sprach später einmal von über 40 verschiedenen Orten. Auf Helmut, selbst noch ein Kind, kam dabei auch noch die schwere Aufgabe zu, seinen jüngeren Bruder zu beaufsichtigen. Dieser hatte durch sein aufsässiges und aggressives Verhalten die Beiden mehrfach in Gefahr gebracht aufzufliegen und den Nazi-Schergen in die Hände zu fallen.

1943 waren die Brüder in das damals von Deutschland annektierte belgische Dorf Gemmenich gebracht worden. Nachdem sie die erste Nacht in einer Bäckerei, hinter Mehlsäcken versteckt, verbracht hatten, kamen sie am nächsten Tag in das Kloster Völkerich. Unter den zahlreichen hier untergebrachten

Clahsen Aachen

Wer Aachen und die Region in der Zeit des Nationalsozialismus verstehen will, kommt an diesem Buch nicht vorbei: Helmut Clahsen, „Mama, was ist ein Judenbalg?“, Helios Verlag, 2003.
Foto: Johannes Meier

Knaben befanden sich nicht nur jüdische, sondern auch andere von den Nazis verfolgte Kinder, sogenannte „Asoziale“ oder Behinderte im Jargon der Zeit als „lebensunwertes Leben“ bezeichnet. War Gefahr im Verzug, wurde etwa eine Razzia befürchtet, kamen die besonders gefährdeten Kinder bei vertrauenswürdigen Personen in der Nachbarschaft unter.

Ich weiß noch heute, wie nahe mir der kurze Einblick in die Lebensgeschichte dieses mir bis dahin gänzlich unbekannten Mannes ging.
Damals beschäftigte ich mich bereits beruflich aber auch privat mit der Zeitgeschichte des Grenzlandes. Auch die 1919/20 belgisch gewordenen Kreise Eupen und Malmedy waren in den dreißiger Jahren keine Insel der Glückseeligkeit. Die NS-Bewegung firmierte hier unter der Bezeichnung „Heimattreue Front“ und hatte damals in Eupener Stadtrat die absolute Mehrheit der Sitze. Nach der Pogromnacht 1938 war auch auf den Schaufenstern eines jüdischen Geschäfts in Eupen „Juda verrecke“ zu lesen gewesen . . .

Dieser Teil der eigenen Geschichte war damals hier noch von zahlreichen Tabus umgeben und wurde weitestgehend verdrängt. Viele Akteure lebten noch: Lieber als von der NS-Zeit, sprach man über die Nachkriegszeit, über das vermeintliche Unrecht, das die belgischen Sieger damals der hiesigen Bevölkerung angetan hätten. Da wurden wohl Ursache und Wirkung etwas durcheinander gebracht!
Hier stand mir also jetzt jemand gegenüber, der diese unfassbare Zeit hier im Grenzland nicht nur miterlebt, sondern glücklicherweise – bei vielen „Schutzengeln auf zwei Beinen“ – wie er es mir gegenüber später einmal ausdrückte – überlebt hatte.

Für mich stand fest: Die Geschichte gehörte an die Öffentlichkeit, sie musste publiziert und der Mann als Zeitzeuge in die Schulen gehen. Ich fragte meinen Thekenpartner, ob er denn seine Biographie schon zu Papier gebracht habe. Ja, er hatte sich schon einmal daran gemacht: Er, der erst nach dem Krieg, durch den engagierten Einsatz seines Lehrherrn, eines Konditormeisters, richtig schreiben und lesen gelernt hatte. Das Werk sei aber, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, gestohlen worden. Ich ermunterte den Mann, es auf ein Neues zu versuchen . . .

Viele Jahre später war ich auf einer gut besuchten Veranstaltung im „Welthaus“ in Aachen. Helmut Clahsen las aus seinem autobiographischen Manuskript „Mama, was ist ein Judenbalg?“. Er hatte den Text bereits – wie Sauerbier – zahlreichen Verlagen ohne Erfolg vorgelegt: Einmal hieß es sogar, er solle es mal bei einem Kinderbuchverlag versuchen!
Dabei hatte Helmut Clahsen damals schon schriftstellerisches Talent bewiesen. Er hatte ein Buch veröffentlicht, in dem er beschreibt, wie seine Frau die Folgen eines Schlaganfalls erfolgreich in den Griff bekommen hatte. Dieses Werk gehört heute zur Fachliteratur und wird an Schlaganfallpatienten in der Rehabilitation verteilt.

Es sollte sich als Glücksfall für alle herausstellen, dass auf der Veranstaltung im „Welthaus“ ein regionaler Verleger, vielleicht auf Talentsuche, anwesend war. Ihm war wohl ziemlich schnell klar, welches Potential in dem hier vorgetragenen Material steckte. Das Manuskript wurde leicht überarbeitet, vor allem erheblich gekürzt und erschien dann unter dem oben bereits zitierten Titel. Das Buch entwickelte sich zu einem auch überregionalen „Bestseller“. Zahlreiche weitere Werke von Helmut Clahsen folgten . . .

Ein Lebensanliegen von Helmut Clahsen war es, an Schulen aus seinem Leben zu berichten, nicht nur auf beiden Seiten der deutsch-belgischen Grenze, sondern auch an weiter entfernten Orten. Im Frühsommer hat er noch an der Universität Antwerpen vor 1300(!) Zuhörern gelesen.
Helmut war einer der wenigen Zeitzeugen, den man auch unbedenklich zu ganz jungen Schülern schicken konnte. Er hatte die wirklich höchst seltene Gabe, diesen Kindern etwas zu vermitteln ohne dass auch nur das geringste Gefühl von Angst aufkam.

Seit dem ersten Treffen bei „Klara“ habe ich viele unvergessliche Stunden mit Helmut und meist auch mit seiner lieben Frau Lilo erlebt. Wir waren zusammen in Berlin, haben gemeinsam zahlreiche Veranstaltungen im In- und Ausland bestritten.
Besonders gerne denke ich auch an das Projekt an der Schule „Notre Dame“ in Moresnet-Chappelle 2005 zurück. Unter der Mitwirkung von Helmut Clahsen suchten die Schüler nach Nachfahren von Menschen, die in dieser Region 1943/44 gefährdete Kinder wie Clahsen und seinen Bruder versteckt hatten. Die Nachfahren wurden am 6. Mai, zwei Tage vor dem sechzigsten Jahrestag der Befreiung der Länder und der Lager vom Faschismus, in der Schule auf einer beeindruckenden Feier ausgezeichnet.

2012 hat GrenzGeschichteDG einen biographischen Film über Helmut Clahsen erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Helmut ist am Freitag, 24. Oktober, um 11 Uhr von uns gegangen. Erst vor wenigen Wochen war bei ihm ein unheilbares Lungenkarzinom festgestellt worden. Nach dem ersten ungeheuerlichen Schock hatten er und seine Familie diesen Tatbestand akzeptiert. Dank der hervorragenden Betreuung durch ‚Homecare‘, einer gemeinnützigen privaten Palliativpflegeeinrichtung in Aachen, konnte er die verbleibenden Tage und Wochen im Kreis seiner Familie – und zahlreichen Besuchs – zu Hause verbringen.
Wir waren noch letzten Sonntag bei ihm. Er war in guter und fast ausgelassener Stimmung. Er erzählte Anekdötchen und gab uns dann noch eine private Lesung von skurrilen, wohl noch nicht veröffentlichten Kurzgeschichten: so die Geschichte vom Hund Susi, der die Zähne wie Max Schmeling fletschen konnte.

Die Lücke, die Helmut hinterlässt, kann nicht geschlossen werden. Viele Menschen, Jung und Alt, von Nah und Fern werden sich gerne an ihn erinnern. Mit ihm verlässt einer der letzten Zeitzeugen die Bühne, die noch über den Holocaust und die anderen Nazi-Verbrechen, aber auch über zahlreiche oft unbekannte Helfer und Retter in dunkler Zeit berichten konnten.

Zum Verlust dieses wunderbaren Menschen gilt unsere Anteilnahme der Familie, insbesondere seiner Frau Lilo und den Kindern.

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Wer Helmut Clahsen noch einmal im Film sehen will, kann die Dokumentation: Helmut Clahsen. “Von Schutzengeln auf zwei Beinen und Verrätern in der eigenen Familie“ – Ein jüdisches Kind überlebt den NS-Terror“ kostenlos –so lange der Vorrat reicht – bei GrenzGeschichteDG bestellen. Weitere Infos hier:

borst.gabi@ahs-dg.be
www.grenzgeschichte.eu
www.ahs-dg.be

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Ärzte auf Visite im Rathaus: Die Lage ist ernst.

Aachener Ärzte der Gruppe "Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges" (IPPNW) ernten im Raus vor den Gefahren, die von dem Risse-Reaktor im nahen Tihange ausgehen.

Aachener Ärzte der Gruppe „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“ (IPPNW) warnten im Rathaus vor den Gefahren, die von dem Risse-Reaktor im nahen Tihange ausgehen.

Das war ein starker Auftritt anlässlich der Bürgerfragestunde im Rat der Stadt Aachen. Zwölf Ärzte (aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen) machten gestern auf eine Gefahr aufmerksam, die die Menschen in der hiesigen Region bedroht. Der Risse-Reaktor im belgischen Tihange hatte die Mediziner ins Rathaus getrieben.

Schon mehrfach waren die belgischen Atomreaktoren Gegenstand von Beratungen der Kommunalpolitiker. Ganz Blöde sagen einfach: Das ist Belgien, da hat der Aachener Rat keinen Einfluss drauf, da kann man nichts machen. Andere wissen, dass im vereinten Europa längst eine andere Denkweise Einzug gehalten hat und man füreinander verantwortlich ist. Auch Verbrechen, die jenseits der Grenze geschehen, müssen wir in der EU nicht dulden. Wir müssen uns dazu äußern und aktiv werden.

 Schon 2012 wurden in den Reaktordruckbehältern der Atomkraftwerke Tihange
Ärzte bei ihrem "Hausbesuch" im Rathaus. Wenn Mediziner aktiv werden, muss die Lage wirklich ernst sein.

Ärzte bei ihrem „Hausbesuch“ im Rathaus. Wenn Mediziner aktiv werden, muss die Lage wirklich ernst sein.

2 (und Doel 3), nur 60 Kilometer von Aachen entfernt, viele Risse  entdeckt. Seitdem werden es immer mehr und die Risse werden auch immer länger. Das ist gefährlich, denn der Reaktordruckbehälter ist das Herz jeden Reaktors, in dem die atomare Kettenreaktionen bei etwa 325 Grad Celsius unter Druck abläuft. Der Druck entspricht  einer Kraft, als ob das Gewicht von vier ICE 3 Zügen auf jedem Quadratmeter Fläche des Druckbehälters lastet.

Ende März diesen Jahres wurden endlich Zahlen zu den Messungen der Bruchstabilität veröffentlicht. Es gab „unerwartete Ergebnisse“, und der Reaktor wurde sofort runtergefahren.

Die Ärzte traten im Rathaus in ihren weißen Kitteln auf, was seine Wirkung nicht verfehlte. Sie verteilten Jodtabletten, denn bisher hat sich der Rat geweigert, darüber nachzudenken, ob es vielleicht Sinn macht, dass alle Aachener Haushalte diese Tabletten vorhalten. Außerdem informierten die Doktoren mittels Flyer über die Gefahr, die uns hier in Aachen bedroht. Drei von ihnen wandten sich in der Bürgerfragestunde an den Oberbürgermeister (OB) und an den Rat.

Sie wollten wissen: Ob sich der OB in seinen regelmäßigen Gesprächen mit den Belgiern für die endgültige Stilllegung des Risse-Reaktors aussprechen werde? Ob zur Sicherheit der Bevölkerung nicht endlich mal Jodtabletten (schützen im Fall einer Katastrophe vor Schilddrüsenkrebs) ausgegeben werden? Warum die vom Bundesamt für Strahlenschutz geforderten Katastrophenschutzübungen im Raum Aachen noch nie stattgefunden hätten?

Oberbürgermeister Marcel Philipp antwortete ausweichend, stellte aber klar, dass er auf einer Linie mit der Bundesregierung ist und einen europaweiten Ausstieg aus der Atomenergie befürwortet. In der Bürgerfragestunde ergriff auch Caroline Reinartz das Wort und machte auf ihre bekannt volkstümliche Art klar, dass jetzt aber mal ganz hurtig Jodtabletten verteilt und andere Maßnahmen ergriffen werden müssen. Sie und die Mediziner erhielten viel Applaus, auch von einzelnen Mitgliedern des Rates.

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Mehr Infos auf einer leider nicht besonders liebevoll gepflegte Seite im WWW
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Patenprojekt für junge Flüchtlinge, Folge XV

Seit wir uns kennen möchte der Junge gern „arbeiten und Geld verdienen“. – „Was?“, frage ich. „Alles“, sagt er immer. Vier oder fünf Stunden am Tag hätte er noch Zeit für einen Aushilfsjob (kellnern, Gartenarbeit, putzen, so sagt er). Bei „Job“ denke ich an JobCenter, und wir gehen da hin. War aber falsch gedacht, man schickt uns zur Arbeitsagentur in die Roermonder Straße. Ich mache einen Termin aus für einen Tag um 9.15 Uhr.

Um 9.15 Uhr trifft das Patenkind in der Arbeitsagentur ein. Und weil ich zunächst über die aktuellen Anschläge in Kabul und Umgebung informiert werden muss, auch darüber, wer laut TV die Attentäter waren und wer in Wirklichkeit hinter allem steckt, klopfen wir erst um 9.30 Uhr an die Tür der Sachbearbeiterin.

Mit vorwurfsvollem Blick und SEHR von oben herab sagt die Dame als erstes: „Der Termin war um 9.15 Uhr.“

Ich muss ehrlich sagen, dass sich 99 Prozent aller Leute freuen, wenn ich überhaupt irgendwo erscheine. An Freundlichkeit bei meiner Ankunft bin ich gewöhnt. Aber dass ich daran gewöhnt bin, das war mir gar nicht bewusst. Andererseits mache ich gern öfter mal was, was ich noch nie gemacht habe. Und das hab ich jetzt davon, dass ich erstmals mit einem Flüchtling zur Arbeitsagentur gehe. Da darf ich mich nicht beschweren, wenn mir was passiert, was ich noch nie erlebt habe.

Außerdem hatte die Dame natürlich Recht, wir waren 15 Minuten zu spät.

Das Gespräch in der Arbeitsagentur entwickelte sich dann doch noch einigermaßen gut. Eine Sache, die wir zunächst nicht kapiert hatten, wurde uns (von der genervten Dame) sogar zweimal erklärt. Wir haben zwar die zweite Erklärung auch nicht verstanden, wagten aber keine weitere Nachfrage.

„Frau Vallot, so sind hier viele Leute.“

(Das Patenkind zu mir nach dem Gespräch mit der Sachbearbeiterin)

Im Ergebnis kam raus, dass auch die Arbeitsagentur keinen Job für den Jungen hat und wir dafür zum „Sozialdienst Aachener Christen.“ in die Rosstraße gehen mussten. Das Wort „Rosstraße“ sprach die Dame übrigens „Roßßßstraße“ aus. (Ich konnte mich nicht zurückhalten, das erstaunt zu korrigieren und darauf hinzuweisen, dass es sich um eine ganz berühmte, alte Aachener Straße handelt. Hallo?)

Dann wurden wir aber schon verabschiedet und machten später einen Termin mit den Christen in der Rosstraße aus. Dort war man zwar freundlich, und wir waren richtig, aber auch dort gab es keinen Job, sondern es wird eine Verbindung zu jemand von der Handwerkskammer hergestellt. (update: Den Herrn haben wir inzwischen getroffen, doch gebracht hat es bis jetzt ebenfalls nichts.)

Und weil wir seitdem nicht gestorben sind, suchen wir noch weiter.

*

Offenlage: Der junge Mann, den ich hier immer „das Patenkind“ nenne, ist volljährig. Aber sei es, weil der Junge spricht wie ein zweijähriges Kind, sei es, weil ihm (immer wieder) vieles mit einfachen Worten erklärt werden muss oder weil der Altersunterschied so extrem groß ist: Für mich ist der ein Kind.

Außerdem versuche ich, die Anonymität des Jungen zu wahren. Deshalb erwähne ich seinen Namen nicht und schreibe nur über Vorkommnisse, von denen ich weiß, das sie viele junge Flüchtlinge in ähnlicher Weise erleben.

Folge XIV findet ihr hier

(Diese Serie wird fortgesetzt)

Sehenswerte Kunst von Alf Lechner vor der Aachener Arbeitsagentur in der Roerminder Straße.

Sehenswerte Kunst von Alf Lechner  Franz Bernhard vor der Aachener Arbeitsagentur in der Roermonder Straße (danke, Johanna, für die Korrektur).

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Gegenüber Stadttheater: Denkmalschutz für eine eigenwillige Kinofassade?

elysee Aachen

Am Kapuzinergraben direkt gegenüber vom Stadttheater: Drei Gebäude sollen abgerissen werden für ein neues Hotel. Die Frage ist jetzt: Kann eventuell die Fassade vom Kino gerettet und in einen Neubau integriert werden?

An prominenter Stelle in Aachen, direkt gegenüber vom Stadttheater, befindet sich ein altes Kino mit einer markanten Fassade: das Elysée. Das und zwei direkt rechts neben ihm stehende Gebäude sollen abgerissen werden – für ein neues Hotel.

Gegen ein Hotel am Kapuzinergraben wird sicher niemand etwas haben. Im Gegenteil, man freut sich. Die Hotelkette „Motel one“ soll Interesse gezeigt haben. Schade wäre es allein um die ungewöhnliche Fassade vom Elysée. Und da fragt man sich doch, ob diese außergewöhnliche Außenfront samt Schriftzug nicht erhalten werden kann, ob sie nicht in die Front des Hotel-Neubaus integriert werden kann? Einheitsfassaden aus Glas, Stahl und Beton gibt es ja in der Innenstadt genug. Die alte Kinofassade könnte das Stadtbild bereichern.

Seit ihr mal an den Aachen Arkaden und dem neuen Aquis Plaza (untere Adalbertstraße) entlangspaziert? Ziemlich gleichförmig und profillos, nicht wahr? Eine einzige lange und etwas langweilige Glasfront. So sollte es am Kapuzinergraben besser nicht aussehen. Werden verschiedene Parzellen zu einer großen zusammengelegt, dann geht dabei immer ein Stück Feinkörnigkeit

Fassade und Schriftzug sollten erhalten bleiben. Passend zur prominenten Örtlichkeit, gegenüber vom Stadttheater.

Fassade und Schriftzug sollten erhalten bleiben –  passend zur prominenten Örtlichkeit, gegenüber vom Stadttheater.

im Straßenbild verloren, schrieb Daniel Lohmann. Ich bin nicht die einzige, die das bedauert. Via aachenac.de haben sich schon mehrere Personen einer Initiative zur Rettung der Fassade angeschlossen. Leider ist kein einziger Ratspolitiker darunter.

Die Front vom Elysée steht nicht unter Denkmalschutz, aber den kann man beantragen. Die Chancen stehen nicht schlecht, meinte jemand aus der Verwaltung. Man müsse es eben mal versuchen. Dann erhält der Investor bzw. sein Architekt die Auflage, die Kino-Fassade in den Neubau zu integrieren. Ein Verfahren, das Architekten nicht fremd ist.

Das Kino, so teilte Stadthistoriker Holger Dux mit, wurde am 1. Januar 1954 eröffnet. Ob mit oder zunächst noch ohne die Fassade, die eine Welle darstellen soll, ist nicht bekannt. Dux nennt die Namen der Architekten: Bachmann und Langen, Mitarbeiter: Matthias Royé.

Um die Idee vom „Denkmalschutz für die Elysée-Fassade“ noch ein wenig zu erklären und zu verbreiten, werde ich die örtliche Presse und die Politiker der Fraktionen im Rat (vor Ort) zu einem Gespräch einladen. Ich hoffe, dass die Angeschriebenen Interesse zeigen, sicher ist das aber nicht. Ich hoffe auch, dass viele „Mitstreiter“ hinzukommen. Den Termin werde ich hier, auf Facebook, auf Twitter und auf unserac.de noch bekannt machen.

Schließlich wird ein Antrag gestellt und die Angelegenheit wird – wenn alles gut geht – in einem Ausschuss oder im Stadtrat diskutiert.

Ich denke, die Sache ist den Versuch wert.

Infos zum Hotelprojekt hier: https://www.aachener-nachrichten.de/drei-haeuser-muessen-der-hotelkette-motel-one-weichen-1.1186803

und hier: http://www.aachener-zeitung.de/lokales/aachen/altes-elysee-kino-weicht-hotel-neubau-1.1186062

 

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4-Sterne-Hotel wird im Frühjahr fertig

melia Aachen

Im November 2014 wurde der Grundstein für dieses Aachener Hotel gelegt, im Mai 2016 sollen die ersten Gäste dort schon übernachten.

Nichtsahnend biegt man bei Drucks, Alexanderstraße, um die Ecke und steht plötzlich vor Aachens neuestem Hotelbau, dem „Innside Melia Hotel“ in der Sandkaulstraße.

Der Bau ist weit gediehen und soll im Frühjahr 2016 fertig sein. 158 Zimmer, ein Restaurant und eine Dachterrasse wird es geben. Vorher stand dort ein alter Bunker. Das neue Gebäude wird ein 4-Sterne-Hotel, doch das reicht noch nicht.

Aachen braucht noch mehr Gästebetten, und deshalb werden weitere Hotels geplant. Reitturnier, Karlspreisverleihung und diverse Kongresse der Hochschule spülen die Gäste in die Stadt. Und die wollen nicht immer bis in die Eifel  fahren, um ein Bett für die Nacht zu finden.

Ein neues Hotel soll unter anderem gegenüber vom Stadttheater errichtet werden. Dazu und zu einer dortigen, ganz außergewöhnlichen Fassade werde ich später noch etwas schreiben.

Hotel Aachen Theater

Die drei Gebäude, die ihr hier seht (nicht das mit dem Degraa-Bären auf dem Dach) sollen niedergelegt werden und einem Hotel-Neubau Platz machen. Hochfliegende Hotelpläne hat es in Aachen schon viele gegeben. Alles heiße Luft. Aber diese neuen Pläne sind ernst zu nehmen.

 

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Theater Aachen trennt sich von hunderten Kostümen

aachen, Stadttheater

Deckten sich für Halloween mit Kostümen ein: Hunderte Menschen, die sich gestern vor dem „Mörgens“ in eine Warteschlange stellten.

Gestern gegen 14 Uhr in der Mörgensstraße in Aachen: Hunderte wollen Kostüme aus dem Fundus des Stadttheaters kaufen – für wirklich sehr, sehr wenig Geld. Selten habe ich in Aachen eine so lange Schlange wartender Menschen gesehen. Das Angebot war passenderweise gigantisch und preiswert. Zum Beispiel gab es einen bodenlangen, weiten Mantel im Zebra-Look (schon für 5 Euro).

Die Kundschaft verteilte sich schnell auf dem Hof des „Mörgens“, wo die Klamotten an den Ständern hingen und farbenfroh leuchteten. Erstmals habe ich es dieses Jahr zum „Mörgens“ geschafft und ganz schön gestaunt. Denn es waren nicht alles schöne Stoffe, die da reißenden Absatz fanden. Billige Stoffe, hurtig zusammengenäht, eindeutig intensiv getragen – so sahen viele Kostüme aus. Für Halloween gerade noch gut genug. Ich merkte schnell, dass ich doch eher neue Kleidung für mich bevorzuge. So habe ich am Ende nichts gekauft, mir war auch die Schlange an der Kasse zu lang.

Das „Mörgens“ ist eine externe Spielstätte des Aachener Stadttheaters mit 99 Plätzen. Neben seiner Verwendung als Probebühne finden dort meist Inszenierungen von jungen Regisseuren, improvisiertes Jugendtheater, Crossover-Projekte, Lesungen sowie Spiel- und Filmabende statt. Ich hoffe, ich habe demnächst auch Zeit, dort die ein oder andere Inszenierung zu erleben.

Aachen theater mörgens

Verteilten sich im Innenhof des „Mörgens“: Hunderte, die danach teils mit fünf oder sechs Kostümen nach Hause gingen.

 

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Lärm-Freunde prallen auf Kulturpolitiker

Seit gefühlt 100 Jahren laufen in Aachen Kulturausschuss-Sitzungen nach den immer gleichen Regeln ab. Vom altbewährten Schema wich man auch jüngst nicht ab, als sich die Gruppe „Macht mal Lärm“ auf Antrag der Grünen diesem Gremium vorstellen durfte. Das berechtigte Anliegen der Gruppe (zusammengefasst): Die Politik in Aachen möge doch die kulturellen Hervorbringungen und Äußerungen dieser Initiative genauso ernst nehmen wie die der „etablierten“ Kultur.

Als Beobachter hatte man das Gefühl, zwei fremde Welten prallen aufeinander. Es begann damit, dass der Sprecher von „Macht mal Lärm“ bei seiner Vorstellung einer anderen Initiative den Vortritt lassen wollte. Diese Gruppe stand aber gar nicht auf der Tagesordnung der Sitzung, durfte sich also nicht äußern. Da hätte man flexibel reagieren müssen.
Dann monierte die Sprecherin der SPD im Ausschuss, dass über sie und ihre Partei etwas Falsches verbreitet worden war und zeigte sich anhaltend beleidigt.

Dieses Foto soll den Text auflockern, mehr nicht. Es entstand in der Wilhelmstraße/Ecke Theaterstraße in Aachen.

Dieses Foto soll den Text auflockern, mehr nicht. Es entstand in der Wilhelmstraße/Ecke Theaterstraße in Aachen. Zum Anschauen: ruhig mal draufklicken.

Auch darüber, dass sie irgendwie „von hinten“ angesprochen wurde (sie hätte sich einfach umdrehen und dem Sprecher zuwenden müssen).

Und so ging es zunächst immer weiter aneinander vorbei.

Konkret wurden von „Macht mal Lärm“ 1. mehr Möglichkeiten für Graffiti-Künstler erbeten, 2. eine mittelgroße Bühne und 3. eine größere Toleranz von Seiten der Behörden gegenüber Musikern in Aachener Parks. Die Verwaltung versprach, mit der Initiative in Kontakt zu bleiben. Die jungen Leute  unterdessen teilten mit, sie bereiteten gerade ihre nächste Lärm-Demo vor. Aachen kann sich also wieder auf einen Umzug freuen, bei dem es in der Innenstadt ziemlich laut zugehen wird. Die üblichen Beschwerdeführer sitzen bestimmt schon in den Startlöchern.

Die Piraten hatten vor der Kommunalwahl vorgeschlagen, zur Unterstützung der Musik- und Party-Szene einen „Nachtbürgermeister“ zu installieren. Diesen Vorschlag hatte die örtliche SPD schnell gekapert und als ihren eigenen ausgegeben. Vor der Wahl.
Nach der Wahl wurde dazu plötzlich nichts mehr mitgeteilt. Die Frage stand seitdem im Raum, ob die SPD dazu noch etwas unternehmen würde, oder ob jetzt die Piraten wieder ihren Vorschlag übernehmen und für die Durchsetzung kämpfen dürfen??? Der Vertreter der Piraten im Ausschuss, Gunter von Hayn, fragte auch nach, was denn wohl aus der Idee geworden sei??? NICHTS, so die Antwort. Die Verwaltung habe die Sache geprüft und befunden: Einen „Nachtbürgermeister“ braucht Aachen nicht.

Im weiteren Verlauf der Sitzung stellte sich der neue Leiter der Abtei in Kornelimünster vor, der das versprach, was schon immer versucht aber noch nie gelungen ist, nämlich die Abtei ans Aachener Kulturleben anzubinden.

Dann lobten im Ausschuss alle zu Recht die Bemühungen von Stadt und Städteregion in Sachen kultureller Bildung für Kinder.

Die Dezernentin Schwier erklärte sodann, es gebe bezüglich der Neustrukturierung von Volkshochschule (VHS) und Stadtbücherei Gespräche und viele Ideen. Man werde sich demnächst in Bonn, wo eine derartige Umstrukturierung schon erfolgt sei, kundig machen.

Und, so Schwier, es werde eine kleine Kommission sich einmal mit der „Kunst“ befassen, die Aachens Plätze und Straßen schmückt: Püppchen (Körbergasse) und Pferdchen (Bahnhof), Stelzenkinder (Annastraße) und Vögelchen (Münsterplatz) und sonst noch haufenweise Kitsch und niedliches Zeug. Schon mal vorab: Die Besetzung der Kommission gibt keinen Grund zu der Hoffnung, dass sich daran mal etwas ändern wird.

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Für alle, die es genau nehmen: Das Gremium, aus dem hier berichtet wurde, heißt korrekt „Betriebsausschuss Kultur“. Es setzt sich zusammen aus Ratspolitikern und -politikerinnen (hoher Frauenanteil, weil: Kultur), sachkundigen Bürgern und Vertretern der Stadtverwaltung. Es bereitet Entscheidungen vor, die der Rat der Stadt Aachen übernimmt. Um sachkundig zu sein, lässt sich das Gremium oft auch lediglich (über Aktivitäten und Initiativen) informieren. 

 

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