Schwebend leicht

50er-Jahre-Architektur in Monschau

50er-Jahre-Architektur in Monschau

Mitten in Monschau gibt es nicht nur alte Fachwerkhäuser. Da steht auch dieser Pavillon, der in seiner Art ganz typisch für die Baukunst der 50er Jahre ist. Leicht und transparent wirkt er wegen der großen Scheiben. Man kann durch sie hindurch bis auf die andere Seite der Rur schauen. Weil der unterste Teil des Pavillons etwas zurückgesetzt ist,  sieht es aus, als würde das kleine Bauwerk  schweben. Schön schräg geschwungen ist auch der Griff der Eingangstüre. Die Glasflächen haben dünne Rahmen. Das Dach, so flach wie ein Blatt Papier, ist insofern ebenfalls ganz typisch und bewirkt, dass ein monumentaler Eindruck vermieden wird. In den 50er Jahren hatte man die monumentalen, düsteren Bauten der Nazizeit gründlich satt. Alles musste schwebend leicht und transparent aussehen. Schön, dass dieser Pavillon in Monschau bis heute erhalten geblieben ist. Übrigens: Früher befand sich darin ein Blumengeschäft.

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Tivoli, Grundsteuer, Wochenmarkt und das neue Kurhaus

Heute wird im Stadtrat (17 Uhr, Rathaus) mitgeteilt, dass die Stadt den Tivoli gekauft hat, für einen Euro. Damit ist die Stadt, also wir alle in Aachen, Eigentümerin des Bauwerks an der Krefelder Straße, und wir müssen das Gebäude auch bezahlen, also die verbliebenen Stadionkredite (über 30 Millionen Euro). Bezahlt ist das Stadion nämlich noch längst nicht, nur ziemlich neu und schön. Außerdem muss jetzt die Stadt Aachen, also wir alle, die Unterhaltskosten für das Teil aufbringen. Soll sich auch um zwei Millionen Euro pro Jahr handeln. Geplant war das mal anders.

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Es wird heute auch im Stadtrat entschieden, dass die „Grundsteuer B“ erhöht wird (ab sofort). Das hat zur Folge, dass alle, die Häuser oder Wohnungen besitzen, an die Stadt mehr Steuern zahlen müssen als noch 2014. Und alle, die Miete zahlen, denen wird die Miete erhöht, denn die Grundsteuer B darf sofort auf die Miete umgelegt werden. Der Wohnraum ist knapp, die Mieten steigen schon sowieso, und da erhöht der Stadtrat auch noch  die Grundsteuer B. Unpassender geht’s nicht.

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Habt ihr mal gesehen, wie viel Werbung der Handel macht, um seine Produkte an den Mann und an die Frau zu bringen? Was zum Beispiel mit dem „Super Mittwoch“ so alles in die Haushalte geschaufelt wird? Pallen, Porta, Aldi, Lidl, Edeka, Saturn, Yesss und noch mehr. Nichts gegen Werbung, ich kann damit leben. Doch wer macht eigentlich für sich GAR KEINE Werbung? . . . . . .  Na?

Der Aachener Wochenmarkt natürlich. Der macht gar keine Werbung für sich und muss deshalb mit den Umsätzen wohl vollauf zufrieden sein, haben sich wahrscheinlich die Stadtväter und -mütter gedacht. Und deshalb erhöhen sie heute den Marktbeschickern mal flott die Standgebühr. Ein Beschluss, für den mir jedes Verständnis fehlt. Der Wochenmarkt ist eine Attraktion und neben den vielen Läden für Klamotten und Schuhen in der Innenstadt auch eine notwendige Ergänzung zur Lebensmittelversorgung von uns Innenstadtbewohnern.

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Es sind die TV-Krimis, die Ängste der Bürgerinnen und Bürger schüren. Das teilte dieser Tage ein bekannter Kriminologe (Professor Christian Pfeiffer) mit. Die Deutschen hätten übertrieben viel Angst vor Gewaltverbrechen, weil sie so viel davon im Fernsehen anschauen. Zufällig wurde an dem Tag auch vermeldet, dass zum Beispiel in Aachen die Zahl der Geschäftseinbrüche „dramatisch“ gestiegen ist. Nach Auskunft der Polizei in Aachen ist 2014 eine Zunahme von 40 Prozent zu verzeichnen. Ob das nicht auch Einfluss auf das Wohlbefinden der Menschen hat?

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Darauf kann man sich freuen: 275 neue Wohnungen werden neben dem Neubau „Guter Hirte“ gebaut. Aber erst in den Jahren 2016 bis 2019. Bauen wird das Büro pbs-architekten aus Aachen. Was ich von den Plänen gesehen habe, hat mir gefallen. Und auch mit der Umweltzone kann ich leben. Sie wird ja nichts kaputt machen und auch nichts besser machen. Grüne Plaketten haben sowieso schon die allermeisten. Insofern: Kann kommen.

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Zum Umbau Vogelsang, hier auch schon als Thema behandelt, hat jetzt der Geschäftsführer mitgeteilt: Dass der Umbau 5 Millionen teurer wird, sei noch lange nicht sicher. Es könnten auch drei zusätzliche Millionen ausreichen. Ich halte da die Berechnungen des Landschaftsverbands für realistischer. Die Sanierung des Neuen Kurhaus in der Monheimsallee wird übrigens angeblich auch „nur“ etwa 20 Millionen kosten. Davon geht man in der Stadtverwaltung aus . . . bis man sich die Mauern dieses alten Kastens einmal etwas mehr von innen betrachtet haben wird. Da wird es noch ein böses Erwachen geben, befürchte ich.

Die Tagesordnung der heutigen öffentlichen Sitzung des Rates der Stadt findet ihr hier.

Mehr über das neue Kurhaus gibt es hier.


 

Update (29.01.2015): Gegen das hier zum Tivoli Geschriebene erhebt sich Widerspruch.

Mit „neu und schön“ ist der Zustand des Stadions womöglich zu oberflächlich/unzureichend beschrieben. Immerhin sind Bauschäden vorhanden, über die demnächst noch vor Gericht gestritten wird. Diese Bauschäden scheinen das, was üblicherweise an Nacharbeiten bei Neubauten üblich ist, deutlich zu überschreiten (s. Link im Kommentar).

Der bisher immer gut informierte Ratsherr der Grünen, der Aachener Kommunalpolitiker Hermann Josef Pilgram, teilte via Facebook mit:

„Tut mir leid, das sagen zu müssen. Aber der Satz mit den „verbliebenen Stadionkrediten“ ist Quatsch. Der Kreditnehmer ist insolvent, die Stadt hat keine Kreditverbindlichkeiten mitgekauft. Den eigenen Kredit an die Alemannia hat sie bereits in der Vergangenheit abschreiben müssen, was schlimm genug war, aber jetzt kalter Kaffee ist.“

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Aachen steht zusammen gegen Intoleranz und Rassismus

Fast voll war der Katschhof, als es am Samstag hieß "Aachen steht zusammen".

Fast voll war der Katschhof, als es am Sonntag gegen Abend  hieß „Aachen steht zusammen“.

Es war kalt und es goss in Strömen, als sich am vergangenen Sonntag gegen Abend mehrere tausend Aachenerinnen und Aachener auf Einladung von Oberbürgermeister Marcel Philipp auf dem Klatschhof versammelten. Waren es 3000, waren es 4000 oder sogar noch mehr Menschen? Alles stand dicht gedrängt unter den Schirmen, und man war sich einig: In Aachen sollen Menschen nicht ausgegrenzt werden. Rassisten und Intolerante haben hier nichts zu suchen.

„Die Muslime gehören zu Aachen wie die Christen und alle anderen Religionen auch“, so lautete die zentrale Aussage von Oberbürgermeister Philipp, dessen Ansprache mehrfach Beifall erhielt. Und bei Lichte besehen ist es ja wirklich absurd, wenn ausgerechnet in der Grenzstadt Aachen jemand wegen seiner

Piraten waren mit einem Transparent vor Ort. Rechts, hinten: Udo Pütz, für die Piraten im Rat der Stadt aktiv.

Piraten waren mit einem Transparent vor Ort. Rechts, hinten: Udo Pütz, für die Piraten im Rat der Stadt aktiv.

Nationalität oder Religionszugehörigkeit ausgegrenzt würde. Hier ist man seit vielen Jahren an die Gegenwart von ausländischen Studenten und Wissenschaftlern gewöhnt, lädt sich Jahr für Jahr hunderte Reitsportler aus allen Kontinenten ein und ist es auch gewöhnt, auf der Straße in Niederländisch oder Französisch angesprochen zu werden. Ganz zu schweigen von Heerscharen von Arabern, die sich mitsamt Familien im Klinikum operieren lassen.

So viel Internationalität mag andernorts Menschen erschrecken. Kleinkarierte haben Angst vor allem, was sie nicht kennen. Sie sind gewöhnlich nicht neugierig und froh, wenn sie jemand begegnen, der nicht dem entspricht, was sie bereits schon lange kennen. Für die meisten Aachener ist das normal.

Auf dem Katschhof sah man sieben Glaubensrichtungen vereint. „Aachen steht zusammen“, lautete das Motto der multireligiösen Friedensfeier. Musikalisch wurde die Feier begleitet von Manfred Leuchter und Mohamed Najem, deren Musikvortrag stets ein wirklicher Genuss ist.

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Burg Vogelsang: Termine und Kosten können nicht eingehalten werden

Explodieren die Kosten für den Umbau der Burg Vogelsang gerade oder ist es nur die übliche Kostensteigerung, die bei einem alten, denkmalgeschützten Gebäude üblich ist? Derzeit ist von 5 Millionen Euro die Rede, die zugeschossen werden müssen.

35,1 Millionen sollte die Umwandlung der Burg Vogelsang die beteiligten Kommunen, Kreise und den Landschaftsverband (LVR) ursprünglich kosten. Jetzt wird vorerst zugegeben, dass man 5 Millionen teurer sein wird. Und das, obwohl man das Projekt schon mächtig eingedampft hat.

In Gefahr sind der (schon mehrfach verschobene) Eröffnungstermin und natürlich die ungefähre Einhaltung der Kosten. Zum Eröffnungstermin: Wenn  die Arbeiten für das „Forum Vogelsang“ nicht bis Ende Juni 2015 beendet, dokumentiert und abgerechnet sind, werden Zuschüsse, die für Vogelsang schon bereitgestellt wurden, zurückverlangt. Es soll sich um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag handeln.

Vor August 2015 (eher noch Sommer 2016)  kann aber nicht eröffnet werden, wie jetzt in der öffentlichen Sitzung des Kulturausschusses des Landschaftsverbands mitgeteilt wurde. Dabei sollte es eigentlich schon im Herbst 2013 soweit sein. Dann hieß es: Frühjahr 2014, dann Frühjahr 2015, dann Juni 2015 und zuletzt eventuell doch eher vielleicht erst 2016. Wem das bekannt vorkommt: Beim neuen Flughafen von Berlin läuft es seit über 900 Tagen so ähnlich.

Derzeit befindet sich die Anlage Vogelsang noch im Besitz des Bundes, soll aber mit Unterstützung der Landesregierung NRW auf den Kreis Euskirchen übergehen. Die 2005 gegründete „Vogelsang ip gemeinnützige GmbH“ hatte sich die Umgestaltung und verschiedene neue Nutzungskonzepte der gesamten Anlage zur Aufgabe gemacht. Jetzt ist angeblich von Insolvenz die Rede. 

Zuzahlen müssen der Landschaftsverband, die Kreise Euskirchen, Düren und Heinsberg, die Städteregion Aachen, die Stadt Schleiden und die Deutsche Gemeinschaft Belgien. Die Städteregion hat bereits einen entsprechenden Beschluss gefasst. Insbesondere der Kreis Düren und die Stadt Schleiden zieren sich noch.

Die ehemalige NS-Ordensburg soll – soweit bekannt – nach Sanierung und Umbau zum „Forum Vogelsang“ werden, mit NS-Dokumentation, Nationalparkausstellung und Besucherzentrum. Hinter vorgehaltener Hand ist bereits seit Monaten von „Insolvenz“ die Rede. Was das für Konsequenzen genau hätte, darüber muss ich mich erst noch informieren.

Über die „Misere“, wenn es denn eine ist, berichtete zuletzt die „Rundschau“ recht informativ. Vogelsang stand unter anderem auch im Kulturausschuss des LVR und in den Gremien der Städteregion Aachen zur Diskussion.

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Nicht einfach: Den Umgang mit der Presse lernen wollen

Es gibt Menschen, die baden gern in dem Bewusstsein, dass keiner sie will, dass sie verachtet und nicht gemocht werden, dass sie ignoriert werden. Wie gesagt: Die baden in dem Bewusstsein, und die brauchen das.

Und dass sie das Gefühl, geradezu bekämpft zu werden, gern haben und brauchen, das merkt man, wenn man anfängt sie darauf hinzuweisen, dass eigentlich das Gegenteil der Fall ist. Dann werden sie jedes Mal laut und hören nicht auf, Beispiele zu nennen, die ihre Selbstsicht untermauern. Sie schreien geradezu, und das tun sie verständlicherweise, weil man ihr Selbstverständnis anzweifelt, in dem sie sich soooooo richtig  gemütlich eingerichtet haben. In dem man an ihrer Selbstbeurteilung zweifelt, zieht man ihnen ja auch den Boden unter den Füßen weg. Das ist immer für den, der das versucht gefährlich.

Plakativ sein: Griffige Formulierungen gbt es in Hülle und Fülle. Wer sie nicht nutzt, hat es in der Politik schwer. Nur: ohne geht es nicht.

Plakativ sein: Griffige Formulierungen gibt es in Hülle und Fülle. Wer sie nicht nutzt, hat es in der Politik schwer. Denn: ohne geht es nicht.

Es ist ein erstaunliches Phänomen, das ich erst in den letzten drei, vier Jahren kennengelernt habe. Die Piraten haben viel davon. Obwohl Heerscharen von Journalisten darauf warten, dass mal pfiffige Aktionen und kluge und griffige Sprüche von den Piraten kommen, bilden die Freibeuter sich ein, sie würden gezielt und absichtlich von der Presse ignoriert. Anstatt sich zu sagen: „Wir versuchen jetzt mal zu lernen, wie man mit der Presse umgeht“ suhlen sie sich in dem Gefühl, verachtet zu werden und brauchen folglich auch nichts zu lernen. Wie bequem.

Nur: Wer sich einst vorgenommen hatte, Missstände mal in aller Öffentlichkeit bekannt zu machen, sie einfach zu benennen (was ja wirklich mal an der Tagesordnung wäre), der wird mit dieser Opfer-Haltung natürlich keinen Punkt machen. Piraten nehmen gern eine Opfer-Haltung ein. Opfer einer fremdgesteuerten Presse sind sie besonders gern. Vom letzten kleinen Piraten ohne jeden Posten bis hin zum Fraktionschef im Landtag konnte ich dieses Phänomen schon beobachten. Wobei Joachim Paul zuletzt doch noch viel gelernt hat, wie sein jüngstes Interview zeigt. Lauter griffige Aussagen, die das, was Piraten wollen und was sie nicht wollen, perfekt zusammenfassen und ausdrücken. Bis hin zur Beschreibung eines Textes der Regierung als „ein Haufen Sprechblasen“. Die Geldausgabe als „Hütchenspiel“ beschreiben, wenn ganz tricky erklärt wird, aus welchem Ministerium jetzt der Breitbandausbau eigentlich finanziert werden soll: an dem Beispiel hat Professor Martin Haase beim 31c3 die Strategie erklärt.

Griffige, provokative Formulierungen werden äußerst dankbar von der Presse aufgenommen. Man muss sie nur bringen. Und wenn man das nicht kann, muss man das eben üben. Die ersten Male geht das garantiert schief. Aber dann wird man immer besser.

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Aachen: Der Hof wird dieses Jahr noch schön

Der Hof mit Blick auf den Domkeller: Sieht seit Jahren schäbig aus, wird aber bald erneuert. Das Pflaster wird "im flachgeschnittenen, gemischten Großpflaster gestaltet". Schreibt die Stadtverwaltung.

Der Hof mit Blick auf den Domkeller: Sieht seit Jahren schäbig aus, wird aber bald erneuert. Das Pflaster wird „im flachgeschnittenen, gemischten Großpflaster gestaltet“. Schreibt die Stadtverwaltung.

Na, da kommt doch Freude auf: Der Hof, das ist der Platz vor dem Domkeller, wird „erneuert“. Und zwar in der zweiten Hälfte diesen Jahres, bis zum Weihnachtsmarkt soll alles fertig sein. Kosten: 460.000 Euro für 900 Quadratmeter.

Im Hof graben derzeit noch die Stawag und ein paar Archäologen. Und wer nun dachte: Die werden niemals mehr fertig, der hat sich geirrt. Die Arbeiten sollen kurz vor dem Abschluss stehen. Und das ganze schöne Höfchen wird neu gemacht. Die Verwaltung hat auch zugesagt, dass man „so wenig tief wie möglich“ in die Erde gehen wird, wenn das ganze Pflaster erneuert wird, damit nicht noch weitere archäologische Funde den Betrieb aufhalten.

Das Pflaster wird so sein, wie das in der Ritter-Chorus-Straße, leicht begehbar und berollbar. Also auch mit normalen Damenschuhen zu schaffen. Die knubbeligen Holpersteine kommen weg. Die Säulen bleiben stehen, irgendwas mit Wasser wird noch dekorativ hinzugefügt, und zwei Bäume (Rotdorn) sollen auch dort wachsen können. Die arenaförmigen Treppen bleiben natürlich ebenfalls erhalten.

Formal muss das Ganze noch vom Rat beschlossen werden. Bisher hat nur der Planungsausschuss in öffentlicher Sitzung zugestimmt. Doch mit dem Plazet des Rates ist 100-prozentig zu rechnen.

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Darf Satire wirklich alles? Gibt es keine Grenzen?

„Satire darf alles“, höre ich jetzt ganz oft. Ja, mit den Mächtigen in der Politik darf sich Satire gern befassen. Und was ist, wenn sich Satire eine Minderheit in der Gesellschaft herauspickt und gerade die wieder und wieder an dem einen wunden Punkt zu treffen versucht, den diese Minderheit nun mal hat? Wenn sich Satire unterdrückte und entrechtete Menschen vorknöpft? Flüchtlinge. Oder Frauen zum Beispiel. Was würde mit einer Zeitschrift geschehen, die sich darauf spezialisiert hat, Frauen hässlich darzustellen und lächerlich zu machen?

Kann das nicht sein, dass sich da jemand festbeißt, wie ein Troll, und immer wieder ohne Sinn und Verstand in eine offene Wunde hackt, nur aus dem einen Grund: Bei den Opfern die zuverlässig, quasi automatisch einsetzende Wut und Empörung hervorzurufen? Muss sich dann die Minderheit an diese „Verletzungen“ gewöhnen? Vielleicht. Ich weiß es nicht.

Ich habe mir die Karikaturen in dem französischen Satiremagazin (vor dem grausamen Terroranschlag) gut angeschaut. Ich fand damals nicht eine einzige lustig oder intelligent. Das kann daran liegen, dass die Franzosen einen anderen Humor haben . . . Das Wesen einer  Karikatur ist es, dass man nach dem Anschauen etwas besser versteht als vorher. Das bessere Verstehen ist bei mir bei Mohammed-Karikaturen aus Frankreich noch nie erfolgt. Bin ich nicht normal?

Bei allem, was Zeitungen schreiben, ist auch immer viel Quatsch dabei. Manche Bilder sind einfach blöd, manche Karikaturen bescheuert. Und obwohl so viel Quatsch und Blödsinn gedruckt wird, bin ich doch dafür, dass all das veröffentlicht werden DARF. Ich würde nur nie sagen: „Dieser Quatsch, das bin ich.“ Never. Und was ich insbesondere nicht bin, das sind miese Darstellungen von etwas, das anderen heilig ist.

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In meiner Umgebung wird Karl der Große in einer Hinsicht geradezu verachtet. Warum? Weil er das angezündet hat, was den Sachsen das Allerheiligste war. Irminsul. Das war ein gigantischer, uralter Baum, der nach Ansicht eines ganzen Volkes den Himmel trug und so heilig war wie sonst gar nichts auf der Welt. Und gegen den Rat seiner Mitstreiter hat Karl den Baum abgefackelt. Die Menschen, denen er seinen Willen aufzwingen wollte, hat er zutiefst verletzt und fertig gemacht. Besonders perfide: Er wollte ihnen offenbar nicht nur seinen Willen aufzwingen, sondern sie auch geistig, quasi innerlich brechen und ihnen den Halt nehmen. Wenn  man Karl so sieht, kann man dann Spaß haben an der Herabwürdigung Mohammeds?

Oder ist Rücksichtnahme auf das, was anderen heilig ist, im Grunde schon ein Einknicken und eine Art Zensur oder Selbstzensur? Kapitulieren wir, wenn wir sagen. „Gut, dann bilden wir eben keine Mohammed-Karikaturen mehr ab.“? Oder sind wir nur einfach höflich und umgänglich im Sinne eines guten Zusammenlebens aller Menschen in Europa, wo man versucht, sich gegenseitig möglichst wenig auf die Füße zu treten? Wenn wir in dieser Hinsicht ein Bilderverbot akzeptieren, was wird dann als nächstes unter das Bilderverbot fallen? Moscheen? Frauen mit Schleier oder Kopftuch? Wird es auch die Forderung nach einem Verbot von Musik – zumindest an hohen muslimischen Feiertagen – geben?

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Es äußern sich derzeit viele über den Islam und was der Islam ist. Über den Islam muss allgemein mehr informiert und nachgedacht werden. Dabei möge man bedenken: Wer über den Islam redet, muss auch wissen, dass es in den islamischen Ländern ein Gefühl der Zurückgebliebenheit gegenüber „dem Westen“ gibt. Und dass die allermeisten radikalen Islamisten meinen, die Zurückgebliebenheit werde allein deshalb nicht überwunden, weil sich die Gläubigen zu weit von den Gesetzen des Koran entfernt haben. Und würde man die Worte des Koran nur wieder eins zu eins in die Wirklichkeit umsetzen, so würde sich auch die Überlegenheit des Islam zeigen.

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Ich bin ganz sicher für maximale Pressefreiheit und Meinungsfreiheit. Aber wenn tausende Menschen auf der ganzen Welt wehklagen und vor Schmerz aufheulen, dann hat man sich zwar in Europa die größtmögliche Freiheit genommen, aber zugleich auch beleidigt und verletzt. Ob es einem das wert ist, muss wohl  jede Redaktion für sich selbst entscheiden.



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Europa vereint. Für die Freiheit der Presse

2014-05-29_karlspreiskarlspreis_392Hat viele Menschen in ganz Europa für das gleiche Ideal – für Pressefreiheit und Meinungsvielfalt – sensibilisiert und zusammengebracht. In Rom, in Paris und sogar in Kürze in Aachen auf dem Katschhof zwischen Dom und Rathaus (am Son. 25. Januar, um 18 Uhr): das Magazin Charlie Hebdo. Deshalb schlage ich vor:  Karlspreis 2015 für Charlie Hebdo.

 

 

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Neue Radautobahn kostet 15 Millionen Euro. Motto: Hau raus die Kohle.

Es ist doch erstaunlich, was sich hiesige Städte, Gemeinden und die Landesregierung leisten, obwohl sie hoch verschuldet sind. Millionen und Abermillionen Schulden hindern die Politik nicht daran, weitere Luxusprojekte in Auftrag zu geben. Zum Beispiel einen Radschnellweg von Aachen über Herzogenrath nach Heerlen. 15 Millionen Euro soll der auf deutscher Seite kosten. 15 Millionen!!! mitsamt Brücken und Tunnel.

So ist das geplant: Raus aus dem Auto, rauf auf das Fahrrad und mit diesem über einen Radschnellweg von Aachen über Herzogenrath nach Heerlen fahren.

So ist das geplant: Raus aus dem Auto, rauf auf das Fahrrad und mit diesem über einen Radschnellweg von Aachen über Herzogenrath nach Heerlen fahren.

Glaube niemand, das Projekt ließe sich noch verhindern! Wer das denkt, ist auf dem Holzweg. Obwohl Umweltschützer große Bedenken haben. Die Trassenführung  – am Naturschutzgebiet Wurmtal entlang – nennen sie „überflüssig, unsinnig und ökologisch bedenklich“.

Geplant ist eine Art 30-Kilometer-Radautobahn, fast komplett ohne Kreuzungen, vermutlich 4 Meter breit. Allein die schon in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie wird schätzungsweise 300.000 bis 400.000 Euro kosten. Und das ist erst der Anfang. Die Radautobahn wird natürlich Folgekosten verursachen: für einen Winterdienst, der Eis und Schnee entfernt und für die Beleuchtung und Pflege der Strecke.

Es ist so, als könnte jemand vor lauter Schulden nicht mehr aus den Augen gucken und kaufte sich dann auf Pump ein Super-Rennrad mit allem Drum und Dran für viele tausend Euro. Ich fasse es nicht. Die Kosten für den Radschnellweg zahlen: Das Land, die Städteregion (federführend bei der Planung), die Stadt Aachen und die Stadt Herzogenrath.

Vollmundig wird mitgeteilt, Bürgerinnen und Bürger würden an dem Projekt beteiligt. Dabei heißt „Beteiligung“ nicht, dass die Menschen das Projekt noch ablehnen können. Sie dürfen z. B. bei der Trassenführung mitreden. Wie gnädig. Für diese „Bürgerbeteiligung“ gibt sich die Plattform unserac.de her. Auf der Plattform haben auch schon zwei Kommunalpolitiker (SPD) das Projekt bejubelt. Das ist ja wahrlich ein überragender Zuspruch aus der Bevölkerung.

Bezeichnenderweise wurde wörtlich mitgeteilt, die Bürger würden „AKTIV an der Planung beteiligt“. Ach so. Aktiv. Was das Wort „aktiv“ in diesem Zusammenhang bedeutet, hat zuletzt der Sprachwissenschaftler Professor Martin Haase beim 31c3 wunderbar herausgearbeitet. Es ist reine Augenwischerei, wenn ich Martin Haase richtig verstanden habe.

Als Freunde und Förderer der Fahrradfahrerei erweisen sich seit langem die Grünen. Die wollen erreichen, dass in ganz NRW möglichst viele Menschen per Fahrrad (und eben nicht mit dem Auto oder dem Bus) zur Arbeit fahren. Ich werde den Verdacht nicht los, dass man uns eine rigide Lebensweise vorschreiben will: nicht rauchen, kein Fleisch essen, kein Auto, keine Plastiktüten und auch sonst kein Plastik, keine Fernreisen usw. usw. usw.

Kleine, alte Autos.

Kleines, altes Auto (l.).

Weitere Radschnellwege werden gebaut zwischen Neuss – Uni Düsseldorf – Monheim (31 km), Bad Oeynhausen – Minden (36 km), Köln/Bahnhof – Frechen (8,4 km), Inselburg – Vielen (45 km) .

Wenn die Vier (Land NRW, Städteregion,  Stadt Aachen, Stadt Herzogenrath) das Geld tatsächlich auf der hohen Kante hätten, wäre ich übrigens auch für so einen Radschnellweg. Obwohl ich genau weiß, dass mittelfristig immer mehr Menschen zu Hause arbeiten werden, und gar nicht mehr zu irgendeiner Arbeit hinfahren müssen. Die diese Verkehrswege planen, haben eindeutig den Schuss nicht gehört, aber in ihrer Funktion als kleiner Koalitionspartner im Land und in der Städteregion können sie sich durchsetzen, weil ohne GRÜNE die SPD (im Land NRW) und die CDU (in der Städteregion) am Ende wären.

Entweder wir bekommen bald einen umfassenden Breitbandausbau oder die Arbeitsplätze werden nicht nur in ländlichen Regionen außerordentlich knapp.

Tja, anstatt das Geld in den Breitband-Ausbau zu stecken, werden nun 15 Millionen für bequemes Fahrradfahren ausgegeben. Das Großprojekt stand schon in mehreren Politiker-Gremien zur Diskussion. Es steht am Mittwoch, 14. Januar, um 17 Uhr in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte auf der Tagesordnung. Die Politiker treffen sich im Aachener Rathaus, die Sitzung ist öffentlich. Ich möchte fast wetten, dass restlos alle ohne Diskussion zustimmen werden.

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Alle Infos habe ich im Laufe der letzten Monate den Aachener Tageszeitungen entnommen, den Pressemitteilungen, den öffentlich zugänglichen Sitzungsunterlagen und einer Info-Broschüre. Die Links erspare ich mir. 

Die Textanalyse von Martin  @maha  Haase seht ihr hier: 

 „Wir beteiligen uns aktiv an den Diskussionen“ http://media.ccc.de/browse/congress/2014/31c3_-_6264_-_de_-_saal_1_-_201412271245_-_wir_beteiligen_uns_aktiv_an_den_diskussionen_-_martin_haase_maha.html 

 

 

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Orientalische Klänge an der Wilhelmstraße

Die Musik und die Gedichte von Suleman Taufiq brachten den Gästen den Orient ein wenig näher.

Die Musik und die Gedichte von Suleman Taufiq brachten den Gästen den Orient ein wenig näher.

Wer immer kann, drückt in diesen Tagen seine Solidarität und Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen aus, die gerade in großer Zahl nach Deutschland kommen. In Köln wird der Dom verdunkelt, in Münster treffen sich schon mal vorsorglich 10.000, obwohl dort von Pegida noch gar nichts zu sehen ist. In Aachen laufen vielfältige Aktivitäten, zuletzt gab es am vergangenen Sonntag ein arabisches Fest mit Musik, Kunst und Gedichten.

Das Fest fand im „Kunstwechsel“ in der Wilhelmstraße, direkt neben dem Suermondt-Ludwig-Museum statt, und Wolfgang Becker (einstmals Chef des Ludwigs Forums) hatte eingeladen. Ganz besonders hat mir die Musik gefallen. An die 100 Gäste konnten Manfred Leuchter am Akkordeon zusammen mit Mohamed Majem an der Klarinette erleben. Ein Genuss.

Das Publikum war, wie fast immer bei Veranstaltungen im Bereich Kunst und Kultur, international zusammengesetzt. Diese Vielfalt der Menschen schafft genau die Atmosphäre, die ich mag. Es war natürlich auch schön, bei der Gelegenheit alte Bekannte wiederzusehen.

IMG_8374Einen kleinen Eindruck von der Veranstaltung könnt ihr hier bekommen. Es gab eine Tombola, denn das ganze Fest war eine Benefiz-Veranstaltung. Ein Gastwirt aus Aachen (Restaurant Karawane) hatte die Bewirtung übernommen.

Auf Facebook gibt es mehrere schöne Fotos. Zum Beispiel von Profifotograf Gerd Plitzner. Ich konnte leider nicht bis zum Ende des Festes bleiben, aber die ersten beiden Stunden haben schon Lust auf mehr gemacht.

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