Patenprojekt für junge Flüchtlinge, Folge V

Flüchtlinge sind fast täglich Thema in den Zeitungen. Nicht alle Städte können die Menschen angemessen unterbringen. Die Schulen sehen vor schwierigen Aufgaben. Da ist die Arbeit der Ehrenamtlichen mal wieder besonders wichtig.

Flüchtlinge sind fast täglich Thema in den Zeitungen. Nicht alle Städte können die Menschen angemessen unterbringen. Die Schulen stehen vor schwierigen Aufgaben. Da ist die Arbeit der Ehrenamtlichen besonders wichtig.

Der Sozialdienst SKM in Aachen hat – wie hier bereits berichtet – ein Patenprojekt für junge Flüchtlinge ins Leben gerufen. Viele Aachener machen mit und sind schon Paten geworden. Weitere wollen ebenfalls Paten werden und einem minderjährigen, alleinreisenden Flüchtling helfen, sich in Aachen zurecht zu finden. Auch ich kümmere mich um einen Flüchtling. Und ich nehme an den Workshops des SKM teil, weil man uns die Aufgabe nicht ohne fachlichen Beistand zumuten will.

„Fit für Vielfalt“ war jetzt das Motto eines interkulturellen Trainings, bei dem gut ein Dutzend Patinnen und Paten mitmachten. Von 11 bis 17 Uhr versuchte der Islamwissenschaftler und Ethnologe Markus Reissen uns klarzumachen, dass sich andere Menschen in anderen Ländern ganz anders verhalten, und dass sie unser Verhalten so komisch finden wie wir ihres. Konkret ging es um die Tatsache, dass es in manchen Ländern als Unverschämtheit gilt, Fremden bei der Begrüßung direkt knallhart in die Augen zu schauen.

Den Blickkontakt zu vermeiden, das ist ein Verhalten, das wir in Deutschland als unhöflich bezeichnen. Das aber unsere ausländischen Gesprächspartner wiederum für ausgesucht höflich halten. An diesem und anderen Beispielen wurde klar, wie Missverständnisse entstehen und wie flexibel man sein muss, wenn man mit Menschen aus anderen Kulturkreisen zu tun hat.

Interkulturelle Missverständnisse und Konflikte waren das Thema. Auch wurde uns klargemacht, dass die Flüchtlinge uns womöglich für sehr mächtig halten, weil wir viele Leute kennen und immer wieder jemand finden, der eventuell helfen könnte bei Schwierigkeiten, die für die Flüchtlinge unüberwindbar scheinen, weil sie von den Erfahrungen in ihrer Heimat ausgehen.

Alles war sehr spannend und interessant. Mir wurde klar, wie wichtig anderen die Familie ist, in der alles gemeinsam nach bestimmten Mustern entschieden wird. Und wie bedeutend uns unser Individualismus ist. Wie direkt wir im Gespräch zur Sache kommen, klare Ansagen lieben und wie vorsichtig und um viele Ecken herum andere ihr Ziel erreichen. „Niemand soll sein Gesicht verlieren“, krass „nein“ sagen muss vermieden werden.

Dann dachte ich nochmals darüber nach, wie leicht wir „Autoritäten“ kritisieren: den Vermieter, den Lehrer, den Chef, den Oberbürgermeister, die Bundeskanzlerin. Niemand nimmt ein Blatt vor den Mund. Unvorstellbar unhöflich und kalt ist das für Menschen anderer Kulturen. Da ist man ein klares und eindeutiges „Nein“ nicht gewöhnt und zieht sich geschockt zurück.

So lernten wir und haben auch viel gelacht. In der Mittagspause haben wir darüber diskutiert, welche der Aachener Moscheen/Gebetsräume die Jugendlichen besuchen. Es wurde vor einer „Moschee“ (in der Ottostraße) gewarnt, und es zeigte sich, dass bei diesem Thema noch viel Informationsbedarf besteht.


(wird fortgesetzt mit Folge VI)

Folge IV der Serie findet ihr hier

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Gefällte Bäume werfen Fragen auf

Baumstumpf in der Klappergasse, die sich in der Aachener Innenstadt befindet. Hier wurden Bäume gefällt.

Baumstumpf in der Rennbahn, die sich in der Aachener Innenstadt befindet. Dort wurden Bäume gefällt.

Zwei alte, große Bäume sind in der Klappergasse/Ecke Jakobstraße gefällt worden, die Wurzeln wurden ebenfalls entfernt. In der Rennbahn am Dom traf es weitere zwei Bäume, deren Stümpfe noch zu sehen sind. „Warum?“, hat jemand auf den einen Stumpf geschrieben. Und „why?“ auf den anderen.

Zu glauben, die Stadtverwaltung (oder das Bistum?) ließen ohne Sinn und Verstand Innenstadtbäume fällen, das ist bescheuert. Diese Bäume sind als Staubfänger und Sauerstoff-Maschinen wertvoll. Sicher gibt es Gründe, warum

Die Frage nach dem Warum steht im Raum.

Die Frage nach dem Warum steht im Raum.

plötzlich Bäume verschwinden. Nur: Die Bürger wüssten einfach gern „warum?“. Warum mussten jetzt diese gänzlich gesund aussehenden Bäume gefällt werden? Derartige Fragen dürfen Bürger stellen.

Die Verwaltung kann sich vielleicht nicht vorstellen, wie sehr man einen Baum als zum Wohnen/Leben dazugehörend empfindet, wenn man mehrere Jahre aus der Wohnung auf ihn geblickt hat, zu allen vier Jahreszeiten. Mal ist er von Schnee bedeckt, mal mit ersten Knospen, mal in voller Blüte oder im herbstlichen Farbenrausch. Er ist wie ein altes, vertrautes Möbelstück, das einfach zur Wohnung dazugehört. Wenn das eines Tages verschwindet, wüsste man eben einfach gern, warum das jetzt sein muss. Ist es zu viel verlangt, wenn dann ein Flyer geschrieben, kopiert und in der Nachbarschaft in die Briefkästen geworfen wird?

In Klappergasse und Rennbahn haben wir jetzt noch fünf Bäume, ich will nicht hoffen, dass die auch noch dran glauben müssen. Übrigens: Für eine winzige Grünfläche haben unterdessen Bürger eine Patenschaft übernommen (s. Foto unten). Es gibt ein entsprechendes Hinweis-Täfelchen. Das finde ich eine gute Initiative. Hoffentlich dürfen die Bürger da auch selbst was pflanzen.

Da ist zu lesen, dass Bürger eine Patenschaft für dieses Fleckchen Grün übernommen haben. (Kreuzung Klappergasse, Rennbahn, Bendelstraße).

Da ist zu lesen, dass Leute eine Patenschaft für dieses Fleckchen Grün übernommen haben. (Kreuzung Klappergasse, Rennbahn, Bendelstraße).

 

 

 

 

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AfD-Aachen will wissen, wie viele Flüchtlinge Aids/HIV haben

Aus der jüngsten Sitzung des Aachener Rates: Der Ratsherr der AfD hat eine Anfrage gestellt, im Netz wurde diese zitiert. Die Empörung schlägt seitdem auf Twitter Wellen. Markus Mohr (AfD) wollte vom  Oberbürgermeister als dem Chef der Stadtverwaltung wissen, wie viele Flüchtlinge die Stadt Aachen gerade beherbergt und wie viele davon HIV-positiv sind. „Von wie vielen Flüchtlingen ist ein positiver HIV-/Hepathitis-Status bekannt?“ heißt es in dem Schreiben, das auf Twitter veröffentlicht wurde.

Wenn die AfD bald mehr und mehr Stimmen bekommt, dann wollen die das mit dem Aids vielleicht nicht nur von den Flüchtlingen wissen, sondern auch von euch, liebe Leserinnen und Leser. Und wenn diese Leute Macht und Einfluss bekommen (auf Europa-Ebene zeichnet es sich längst ab), dann besteht die Möglichkeit, dass sie auch Informationen verwerten, die aus der von SPD und CDU so sehr herbeigesehnten Vorratsdatenspeicherung stammen. Die Konvolute mit den gigantischen Datenmengen, die die Vorratsdatenspeicherung produzieren wird, werden angezapft. Und zwar – je nach Wahlergebnissen – von Menschen, für die der Schutz der Privatsphäre nicht oberste Priorität hat und denen  Bürgerrechte zweitrangig sind.  Also von antidemokratischen Kräften, die sich derzeit in ganz Europa formieren.

Und dass ihr das bedenkt, das ist auch schon der einzige Grund, warum hier die Anfrage des Ratsherrn erwähnt wird.

Mehr hier: http://www.vice.com/de/read/die-afd-will-wissen-wie-viele-fluechtlinge-in-aachen-hiv-positiv-sind-932

 

 

 

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Das „böse“ Ausland, die Alemannia und ein Veranstaltungstipp

Das „Ausland“ muss ein schrecklicher Ort sein. Randvoll mit Kulturbanausen. Das NRW-Kulturministerium sieht sich nämlich gezwungen, bestimmte Kunstwerke und Musikinstrumente vor dem Abwandern durch Verkauf ins  „Ausland“ zu retten. Denn im „Ausland“ werden die Sachen ja sofort zerstört, jau, sooooooofort, da kennen die nichts, die „Ausländer“.

Als ob – mal im Ernst – es nicht völlig egal ist, ob sich millionenteure Musikinstrumente nun in Maastricht oder in Aachen, in Brüssel oder in Münster befinden. Wichtig ist doch, dass sie öffentlich zu sehen sind. Wer sie sehen will, soll halt hinfahren.
Die Kunstwerke (aus der Sammlung der ehemaligen WestLB) sollte man da hinbringen, wo es am meisten Sinn macht.

Aber nein: Von „national wertvollem Kulturgut“ ist die Rede, von „Kulturschutz“, von „Ausfuhrsperre“. Du liebe Güte. Wenn etwas international ist, dann ist es die Kunst, und die kennt gar keine Landesgrenzen. „National wertvolles Kulturgut“ heißt es, und man denkt, man ist bei einer Pegida-Veranstaltung.

Allein schon die Vorstellung, dass man da hunderte, tausende Bilder hat und alles an sich rafft (raff, raff), „Ausfuhrsperre“ schreit und nichts abgeben möchte! Sehr unschön. Wenn hierzulande schon jedes Museum z. B. ein paar Warhols hat, warum soll man nicht Warhols in Länder verkaufen, die davon noch gar nichts haben? Ihr werdet es nicht glauben, aber sogar außerhalb von NRW  kann man mit Kunst umgehen, sie angemessen präsentieren und versichern.

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Das ist mal eine gute Idee: Die Alemannia will ihre Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus aufarbeiten. Die Schwarz-Gelben hatten ja auch in jenen finsteren Zeiten jüdische Kicker, Funktionäre und Zuschauer in ihren Reihen. Wie ist es denen ergangen?

Die Idee wird spät umgesetzt, sie könnte vom neuen Leiter des Aachener Stadtarchivs René Rohrkamp kommen, aber das wissen wir nicht. Rohrkamp hat mit  ähnlichen Projekten bereits Erfahrungen sammeln können. Er und auch die RWTH sollen an dem Projekt beteiligt sein, das garantiert eine seriöse Herangehensweise an das Thema. Ich bin gespannt, was uns da nächstes Jahr in einer Ausstellung alles präsentiert wird. Mehr hier.

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Unterdessen zeigt die Große Koalition im Aachener Rathaus, kurz GroKo genannt, erste Zersetzungs-Erscheinungen. Martin Christfreund (SPD) wirft nach über 20 Jahren die Brocken hin und tritt aus der SPD aus. Das konnte man am Rande der vergangenen Ratssitzung erfahren. Unklar ist, ob der Mann jetzt als Parteiloser im Rat verbleibt oder ob er dem Rat ganz den Rücken kehrt und von der Liste der Genossen einfach jemand nachrückt. Der Grund für den Frust soll „miserable Umwelt- und Verkehrspolitik“ der Aachener SPD sein. Kann ich so nicht nachvollziehen. (Hier: zum Weiterlesen)

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Ein Veranstaltungstipp: Das Kommunale Integrationszentrum der StädteRegion  veranstaltet am Dienstag, 3. Februar, ein Fachgespräch unter dem Titel „Inszenierte Konfrontation? – Pegida, Hogesa und die Salafisten“. Es findet in der Zeit von 15 bis 18.30 Uhr im Mediensaal (Raum E 072) des Hauses der StädteRegion, Zollernstraße 10,  statt. Es berichten: der Aachener Politikwissenschaftler Richard Gebhardt und Bernd Ridwan Bauknecht, Lehrer für Islamkundeunterricht und Mitglied der deutschen Islamkonferenz.

Im Anschluss diskutieren die beiden Referenten mit Polizeipräsident Dirk Weinspach, Nora Hamidi vom Arbeitskreis der Integrationsräte in der StädteRegion Aachen, Vertretern der Fraktionen im Städteregionstag und dem Publikum. Um Anmeldung  (E-Mail: silke.peters@staedteregion-aachen.de oder Telefon: 0241/ 5198 – 4603) wird gebeten. Mehr hier.

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An der Monheimsallee herrscht Handlungsbedarf

Das Neue Kurhaus an der Monheimsalle ist ein alter, sanierungsbedürftiger Kasten.

Das Neue Kurhaus an der Monheimsalle ist ein alter, sanierungsbedürftiger Kasten.

Das Neue Kurhaus an der Monheimsallee heißt zwar „neues“ Kurhaus und sieht von außen schön aus. Es ist aber alt und krass sanierungsbedürftig . . .  Die Dinge sind eben manchmal nicht das, was sie scheinen. Innen befindet sich das Aachener Spielcasino. Vordergründig betrachtet ist das eine Vergnügungsstätte, tatsächlich aber ein Ort, wo sich Menschen reihenweise finanziell ruinieren. Denn gewinnen tut am Ende immer die Bank, wie wir ja alle wissen.

Der Lenné-Pavillon befindet sich an der rechten Seite des Gebäudes. Heute fotografiert durch ein Fenster hindurch.

Der Lenné-Pavillon befindet sich an der rechten Seite des Gebäudes. Heute fotografiert durch ein Fenster hindurch.

20 Millionen Euro will sich die Stadt Aachen die Herrichtung des alten Kastens kosten lassen. Bei solchen  Gebäuden, die unter Denkmalschutz stehen, ist es oft so, dass im Bauverlauf Mängel gefunden werden, von denen man zuvor nichts wusste. Es kann also alles auch deutlich teurer werden.

Das Aachener Spielcasino ist in den letzten Jahren nicht gerade ein Publikumsmagnet gewesen. Kurz gesagt: Die Umsätze stimmen nicht mehr. Überhaupt ist es total aus der Mode gekommen, sich in Spielcasinos aufzuhalten. Weshalb wohl – und das ist reine Spekulation – demnächst das ein oder andere Spielcasino im Lande geschlossen wird. Möglicherweise trifft es das Aachener Haus, wenn das gerade 2017 fertig saniert ist. Was dann?

Für die Zeit der Bauarbeiten ziehen die Glücksritter vorerst in Räume des Aachener Tivoli und zahlen da maximal drei Jahre lang Miete. Das Geld nimmt man gern mit. Die Stadt hat ja erst jüngst den Tivoli gekauft, muss ihn in Schuss halten und so bewirtschaften, dass er noch Geld abwirft. Beim Umzug von der Monheimsallee an die Krefelder Straße werden sicher „Kunden“ verloren gehen. Besonders vornehm ist ja das Tivoli-Gelände nicht.

Wie jetzt bekannt wurde, will/kann das Casino nach der Sanierung nur ein Drittel des Neuen Kurhaus füllen. Für die anderen zwei Drittel müssen Mieter gefunden werden, die irgendwie zum Casino passen. Das haben sich die Casinobetreiber offenbar ausbedungen, wie jetzt die lokale Presse wusste.

Der repräsentative Eingangsbereich vom Neuen Kurhaus, in dem sich das Aachener Spielkasino befindet. Das Gebäude soll saniert werden, unterdessen zieht das Casino in den Tivoli. Und wenn alles so geht wie geplant, zieht das Casino nach der Sanierung auch wieder zurück an die Monheimsallee.

Der repräsentative Eingangsbereich vom Neuen Kurhaus, in dem sich das Aachener Spielcasino befindet. Das Gebäude soll saniert werden, unterdessen zieht das Casino in den Tivoli. Und wenn alles so geht wie geplant, zieht das Casino nach der Sanierung auch wieder zurück an die Monheimsallee.

Gedacht ist an ein Nobelrestaurant oder eine Galerie oder ein Varietétheater oder was weiß ich. Jedenfalls sollen die Leute denken. „Hach, wo wir schon mal hier sind um Kunst zu kaufen/fein zu essen/usw, da gehen wir doch auch noch eine Runde spielen.“
So denkt kein Mensch, aber gut. Ich kann mich irren. Möglicherweise wird aber für das sanierte Neue Kurhaus gar kein weiterer, passender Mieter gefunden. Was dann?

Ja, ja liebe Zyniker, ich weiß, dass ihr jetzt vorschlagt, aus der 100 Jahre alten Immobilie ein Laufhaus, einen Riesenpuff sozusagen, zu machen. Daraus wird nichts. Obwohl: Das Gebäude hatte bei der Eröffnung angeblich „zwei Frauensäle“. Was sich da ereignet hat, entzieht sich leider meiner Kenntnis.

Wegen der Dimensionen lest hier: „Im (vor 100 Jahren, d. Red. ) neu errichteten Kurhaus befanden sich zwei Konzertsäle, wobei der Große Konzertsaal bis zu 850 Besucher fassen konnte. Darüber hinaus verfügte das Gebäude über Lesesäle, Raucherzimmer, Gesellschafts- und Spielräume sowie über zwei Frauensäle. Zu den gastronomischen Einrichtungen gehörten ein Speisesaal sowie ein Weinsalon und mehrere Kaffeeräume. Einer von ihnen führte auf eine zweistufige, elektrisch beleuchtete Wein- und Bierterrasse, die zum Konzertplatz hin geöffnet war.“ Auf der Terrasse wurde in neuerer  Zeit der Lenné-Pavillon errichtet.

Zum Neuen Kurhaus gehört in gewisser Weise der Quellenhof (s. Foto unten). Neoklassizistisch nennt man den Stil beider Bauten. Ob im Quellenhof  der Pächter den Vertrag verlängert, wenn es im Kurhaus kein Casino mehr gibt? Ob das Casino in Aachen bleibt, wenn der Quellenhof sich einen neuen Pächter suchen muss? KA. An der Monheimsallee besteht Handlungsbedarf, und ich beneide die Verwaltung überhaupt nicht, die da für Klarheit sorgen muss.

Eine Nobelherberge: der Aachener Quellenhof.

Eine Nobelherberge: der Aachener Quellenhof.

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Schwebend leicht

50er-Jahre-Architektur in Monschau

50er-Jahre-Architektur in Monschau

Mitten in Monschau gibt es nicht nur alte Fachwerkhäuser. Da steht auch dieser Pavillon, der in seiner Art ganz typisch für die Baukunst der 50er Jahre ist. Leicht und transparent wirkt er wegen der großen Scheiben. Man kann durch sie hindurch bis auf die andere Seite der Rur schauen. Weil der unterste Teil des Pavillons etwas zurückgesetzt ist,  sieht es aus, als würde das kleine Bauwerk  schweben. Schön schräg geschwungen ist auch der Griff der Eingangstüre. Die Glasflächen haben dünne Rahmen. Das Dach, so flach wie ein Blatt Papier, ist insofern ebenfalls ganz typisch und bewirkt, dass ein monumentaler Eindruck vermieden wird. In den 50er Jahren hatte man die monumentalen, düsteren Bauten der Nazizeit gründlich satt. Alles musste schwebend leicht und transparent aussehen. Schön, dass dieser Pavillon in Monschau bis heute erhalten geblieben ist. Übrigens: Früher befand sich darin ein Blumengeschäft.

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Tivoli, Grundsteuer, Wochenmarkt und das neue Kurhaus

Heute wird im Stadtrat (17 Uhr, Rathaus) mitgeteilt, dass die Stadt den Tivoli gekauft hat, für einen Euro. Damit ist die Stadt, also wir alle in Aachen, Eigentümerin des Bauwerks an der Krefelder Straße, und wir müssen das Gebäude auch bezahlen, also die verbliebenen Stadionkredite (über 30 Millionen Euro). Bezahlt ist das Stadion nämlich noch längst nicht, nur ziemlich neu und schön. Außerdem muss jetzt die Stadt Aachen, also wir alle, die Unterhaltskosten für das Teil aufbringen. Soll sich auch um zwei Millionen Euro pro Jahr handeln. Geplant war das mal anders.

*

Es wird heute auch im Stadtrat entschieden, dass die „Grundsteuer B“ erhöht wird (ab sofort). Das hat zur Folge, dass alle, die Häuser oder Wohnungen besitzen, an die Stadt mehr Steuern zahlen müssen als noch 2014. Und alle, die Miete zahlen, denen wird die Miete erhöht, denn die Grundsteuer B darf sofort auf die Miete umgelegt werden. Der Wohnraum ist knapp, die Mieten steigen schon sowieso, und da erhöht der Stadtrat auch noch  die Grundsteuer B. Unpassender geht’s nicht.

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Habt ihr mal gesehen, wie viel Werbung der Handel macht, um seine Produkte an den Mann und an die Frau zu bringen? Was zum Beispiel mit dem „Super Mittwoch“ so alles in die Haushalte geschaufelt wird? Pallen, Porta, Aldi, Lidl, Edeka, Saturn, Yesss und noch mehr. Nichts gegen Werbung, ich kann damit leben. Doch wer macht eigentlich für sich GAR KEINE Werbung? . . . . . .  Na?

Der Aachener Wochenmarkt natürlich. Der macht gar keine Werbung für sich und muss deshalb mit den Umsätzen wohl vollauf zufrieden sein, haben sich wahrscheinlich die Stadtväter und -mütter gedacht. Und deshalb erhöhen sie heute den Marktbeschickern mal flott die Standgebühr. Ein Beschluss, für den mir jedes Verständnis fehlt. Der Wochenmarkt ist eine Attraktion und neben den vielen Läden für Klamotten und Schuhen in der Innenstadt auch eine notwendige Ergänzung zur Lebensmittelversorgung von uns Innenstadtbewohnern.

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Es sind die TV-Krimis, die Ängste der Bürgerinnen und Bürger schüren. Das teilte dieser Tage ein bekannter Kriminologe (Professor Christian Pfeiffer) mit. Die Deutschen hätten übertrieben viel Angst vor Gewaltverbrechen, weil sie so viel davon im Fernsehen anschauen. Zufällig wurde an dem Tag auch vermeldet, dass zum Beispiel in Aachen die Zahl der Geschäftseinbrüche „dramatisch“ gestiegen ist. Nach Auskunft der Polizei in Aachen ist 2014 eine Zunahme von 40 Prozent zu verzeichnen. Ob das nicht auch Einfluss auf das Wohlbefinden der Menschen hat?

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Darauf kann man sich freuen: 275 neue Wohnungen werden neben dem Neubau „Guter Hirte“ gebaut. Aber erst in den Jahren 2016 bis 2019. Bauen wird das Büro pbs-architekten aus Aachen. Was ich von den Plänen gesehen habe, hat mir gefallen. Und auch mit der Umweltzone kann ich leben. Sie wird ja nichts kaputt machen und auch nichts besser machen. Grüne Plaketten haben sowieso schon die allermeisten. Insofern: Kann kommen.

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Zum Umbau Vogelsang, hier auch schon als Thema behandelt, hat jetzt der Geschäftsführer mitgeteilt: Dass der Umbau 5 Millionen teurer wird, sei noch lange nicht sicher. Es könnten auch drei zusätzliche Millionen ausreichen. Ich halte da die Berechnungen des Landschaftsverbands für realistischer. Die Sanierung des Neuen Kurhaus in der Monheimsallee wird übrigens angeblich auch „nur“ etwa 20 Millionen kosten. Davon geht man in der Stadtverwaltung aus . . . bis man sich die Mauern dieses alten Kastens einmal etwas mehr von innen betrachtet haben wird. Da wird es noch ein böses Erwachen geben, befürchte ich.

Die Tagesordnung der heutigen öffentlichen Sitzung des Rates der Stadt findet ihr hier.

Mehr über das neue Kurhaus gibt es hier.


 

Update (29.01.2015): Gegen das hier zum Tivoli Geschriebene erhebt sich Widerspruch.

Mit „neu und schön“ ist der Zustand des Stadions womöglich zu oberflächlich/unzureichend beschrieben. Immerhin sind Bauschäden vorhanden, über die demnächst noch vor Gericht gestritten wird. Diese Bauschäden scheinen das, was üblicherweise an Nacharbeiten bei Neubauten üblich ist, deutlich zu überschreiten (s. Link im Kommentar).

Der bisher immer gut informierte Ratsherr der Grünen, der Aachener Kommunalpolitiker Hermann Josef Pilgram, teilte via Facebook mit:

„Tut mir leid, das sagen zu müssen. Aber der Satz mit den „verbliebenen Stadionkrediten“ ist Quatsch. Der Kreditnehmer ist insolvent, die Stadt hat keine Kreditverbindlichkeiten mitgekauft. Den eigenen Kredit an die Alemannia hat sie bereits in der Vergangenheit abschreiben müssen, was schlimm genug war, aber jetzt kalter Kaffee ist.“

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Aachen steht zusammen gegen Intoleranz und Rassismus

Fast voll war der Katschhof, als es am Samstag hieß "Aachen steht zusammen".

Fast voll war der Katschhof, als es am Sonntag gegen Abend  hieß „Aachen steht zusammen“.

Es war kalt und es goss in Strömen, als sich am vergangenen Sonntag gegen Abend mehrere tausend Aachenerinnen und Aachener auf Einladung von Oberbürgermeister Marcel Philipp auf dem Klatschhof versammelten. Waren es 3000, waren es 4000 oder sogar noch mehr Menschen? Alles stand dicht gedrängt unter den Schirmen, und man war sich einig: In Aachen sollen Menschen nicht ausgegrenzt werden. Rassisten und Intolerante haben hier nichts zu suchen.

„Die Muslime gehören zu Aachen wie die Christen und alle anderen Religionen auch“, so lautete die zentrale Aussage von Oberbürgermeister Philipp, dessen Ansprache mehrfach Beifall erhielt. Und bei Lichte besehen ist es ja wirklich absurd, wenn ausgerechnet in der Grenzstadt Aachen jemand wegen seiner

Piraten waren mit einem Transparent vor Ort. Rechts, hinten: Udo Pütz, für die Piraten im Rat der Stadt aktiv.

Piraten waren mit einem Transparent vor Ort. Rechts, hinten: Udo Pütz, für die Piraten im Rat der Stadt aktiv.

Nationalität oder Religionszugehörigkeit ausgegrenzt würde. Hier ist man seit vielen Jahren an die Gegenwart von ausländischen Studenten und Wissenschaftlern gewöhnt, lädt sich Jahr für Jahr hunderte Reitsportler aus allen Kontinenten ein und ist es auch gewöhnt, auf der Straße in Niederländisch oder Französisch angesprochen zu werden. Ganz zu schweigen von Heerscharen von Arabern, die sich mitsamt Familien im Klinikum operieren lassen.

So viel Internationalität mag andernorts Menschen erschrecken. Kleinkarierte haben Angst vor allem, was sie nicht kennen. Sie sind gewöhnlich nicht neugierig und froh, wenn sie jemand begegnen, der nicht dem entspricht, was sie bereits schon lange kennen. Für die meisten Aachener ist das normal.

Auf dem Katschhof sah man sieben Glaubensrichtungen vereint. „Aachen steht zusammen“, lautete das Motto der multireligiösen Friedensfeier. Musikalisch wurde die Feier begleitet von Manfred Leuchter und Mohamed Najem, deren Musikvortrag stets ein wirklicher Genuss ist.

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Burg Vogelsang: Termine und Kosten können nicht eingehalten werden

Explodieren die Kosten für den Umbau der Burg Vogelsang gerade oder ist es nur die übliche Kostensteigerung, die bei einem alten, denkmalgeschützten Gebäude üblich ist? Derzeit ist von 5 Millionen Euro die Rede, die zugeschossen werden müssen.

35,1 Millionen sollte die Umwandlung der Burg Vogelsang die beteiligten Kommunen, Kreise und den Landschaftsverband (LVR) ursprünglich kosten. Jetzt wird vorerst zugegeben, dass man 5 Millionen teurer sein wird. Und das, obwohl man das Projekt schon mächtig eingedampft hat.

In Gefahr sind der (schon mehrfach verschobene) Eröffnungstermin und natürlich die ungefähre Einhaltung der Kosten. Zum Eröffnungstermin: Wenn  die Arbeiten für das „Forum Vogelsang“ nicht bis Ende Juni 2015 beendet, dokumentiert und abgerechnet sind, werden Zuschüsse, die für Vogelsang schon bereitgestellt wurden, zurückverlangt. Es soll sich um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag handeln.

Vor August 2015 (eher noch Sommer 2016)  kann aber nicht eröffnet werden, wie jetzt in der öffentlichen Sitzung des Kulturausschusses des Landschaftsverbands mitgeteilt wurde. Dabei sollte es eigentlich schon im Herbst 2013 soweit sein. Dann hieß es: Frühjahr 2014, dann Frühjahr 2015, dann Juni 2015 und zuletzt eventuell doch eher vielleicht erst 2016. Wem das bekannt vorkommt: Beim neuen Flughafen von Berlin läuft es seit über 900 Tagen so ähnlich.

Derzeit befindet sich die Anlage Vogelsang noch im Besitz des Bundes, soll aber mit Unterstützung der Landesregierung NRW auf den Kreis Euskirchen übergehen. Die 2005 gegründete „Vogelsang ip gemeinnützige GmbH“ hatte sich die Umgestaltung und verschiedene neue Nutzungskonzepte der gesamten Anlage zur Aufgabe gemacht. Jetzt ist angeblich von Insolvenz die Rede. 

Zuzahlen müssen der Landschaftsverband, die Kreise Euskirchen, Düren und Heinsberg, die Städteregion Aachen, die Stadt Schleiden und die Deutsche Gemeinschaft Belgien. Die Städteregion hat bereits einen entsprechenden Beschluss gefasst. Insbesondere der Kreis Düren und die Stadt Schleiden zieren sich noch.

Die ehemalige NS-Ordensburg soll – soweit bekannt – nach Sanierung und Umbau zum „Forum Vogelsang“ werden, mit NS-Dokumentation, Nationalparkausstellung und Besucherzentrum. Hinter vorgehaltener Hand ist bereits seit Monaten von „Insolvenz“ die Rede. Was das für Konsequenzen genau hätte, darüber muss ich mich erst noch informieren.

Über die „Misere“, wenn es denn eine ist, berichtete zuletzt die „Rundschau“ recht informativ. Vogelsang stand unter anderem auch im Kulturausschuss des LVR und in den Gremien der Städteregion Aachen zur Diskussion.

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Nicht einfach: Den Umgang mit der Presse lernen wollen

Es gibt Menschen, die baden gern in dem Bewusstsein, dass keiner sie will, dass sie verachtet und nicht gemocht werden, dass sie ignoriert werden. Wie gesagt: Die baden in dem Bewusstsein, und die brauchen das.

Und dass sie das Gefühl, geradezu bekämpft zu werden, gern haben und brauchen, das merkt man, wenn man anfängt sie darauf hinzuweisen, dass eigentlich das Gegenteil der Fall ist. Dann werden sie jedes Mal laut und hören nicht auf, Beispiele zu nennen, die ihre Selbstsicht untermauern. Sie schreien geradezu, und das tun sie verständlicherweise, weil man ihr Selbstverständnis anzweifelt, in dem sie sich soooooo richtig  gemütlich eingerichtet haben. In dem man an ihrer Selbstbeurteilung zweifelt, zieht man ihnen ja auch den Boden unter den Füßen weg. Das ist immer für den, der das versucht gefährlich.

Plakativ sein: Griffige Formulierungen gbt es in Hülle und Fülle. Wer sie nicht nutzt, hat es in der Politik schwer. Nur: ohne geht es nicht.

Plakativ sein: Griffige Formulierungen gibt es in Hülle und Fülle. Wer sie nicht nutzt, hat es in der Politik schwer. Denn: ohne geht es nicht.

Es ist ein erstaunliches Phänomen, das ich erst in den letzten drei, vier Jahren kennengelernt habe. Die Piraten haben viel davon. Obwohl Heerscharen von Journalisten darauf warten, dass mal pfiffige Aktionen und kluge und griffige Sprüche von den Piraten kommen, bilden die Freibeuter sich ein, sie würden gezielt und absichtlich von der Presse ignoriert. Anstatt sich zu sagen: „Wir versuchen jetzt mal zu lernen, wie man mit der Presse umgeht“ suhlen sie sich in dem Gefühl, verachtet zu werden und brauchen folglich auch nichts zu lernen. Wie bequem.

Nur: Wer sich einst vorgenommen hatte, Missstände mal in aller Öffentlichkeit bekannt zu machen, sie einfach zu benennen (was ja wirklich mal an der Tagesordnung wäre), der wird mit dieser Opfer-Haltung natürlich keinen Punkt machen. Piraten nehmen gern eine Opfer-Haltung ein. Opfer einer fremdgesteuerten Presse sind sie besonders gern. Vom letzten kleinen Piraten ohne jeden Posten bis hin zum Fraktionschef im Landtag konnte ich dieses Phänomen schon beobachten. Wobei Joachim Paul zuletzt doch noch viel gelernt hat, wie sein jüngstes Interview zeigt. Lauter griffige Aussagen, die das, was Piraten wollen und was sie nicht wollen, perfekt zusammenfassen und ausdrücken. Bis hin zur Beschreibung eines Textes der Regierung als „ein Haufen Sprechblasen“. Die Geldausgabe als „Hütchenspiel“ beschreiben, wenn ganz tricky erklärt wird, aus welchem Ministerium jetzt der Breitbandausbau eigentlich finanziert werden soll: an dem Beispiel hat Professor Martin Haase beim 31c3 die Strategie erklärt.

Griffige, provokative Formulierungen werden äußerst dankbar von der Presse aufgenommen. Man muss sie nur bringen. Und wenn man das nicht kann, muss man das eben üben. Die ersten Male geht das garantiert schief. Aber dann wird man immer besser.

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