Aachen: Der Hof wird dieses Jahr noch schön

Der Hof mit Blick auf den Domkeller: Sieht seit Jahren schäbig aus, wird aber bald erneuert. Das Pflaster wird "im flachgeschnittenen, gemischten Großpflaster gestaltet". Schreibt die Stadtverwaltung.

Der Hof mit Blick auf den Domkeller: Sieht seit Jahren schäbig aus, wird aber bald erneuert. Das Pflaster wird „im flachgeschnittenen, gemischten Großpflaster gestaltet“. Schreibt die Stadtverwaltung.

Na, da kommt doch Freude auf: Der Hof, das ist der Platz vor dem Domkeller, wird „erneuert“. Und zwar in der zweiten Hälfte diesen Jahres, bis zum Weihnachtsmarkt soll alles fertig sein. Kosten: 460.000 Euro für 900 Quadratmeter.

Im Hof graben derzeit noch die Stawag und ein paar Archäologen. Und wer nun dachte: Die werden niemals mehr fertig, der hat sich geirrt. Die Arbeiten sollen kurz vor dem Abschluss stehen. Und das ganze schöne Höfchen wird neu gemacht. Die Verwaltung hat auch zugesagt, dass man „so wenig tief wie möglich“ in die Erde gehen wird, wenn das ganze Pflaster erneuert wird, damit nicht noch weitere archäologische Funde den Betrieb aufhalten.

Das Pflaster wird so sein, wie das in der Ritter-Chorus-Straße, leicht begehbar und berollbar. Also auch mit normalen Damenschuhen zu schaffen. Die knubbeligen Holpersteine kommen weg. Die Säulen bleiben stehen, irgendwas mit Wasser wird noch dekorativ hinzugefügt, und zwei Bäume (Rotdorn) sollen auch dort wachsen können. Die arenaförmigen Treppen bleiben natürlich ebenfalls erhalten.

Formal muss das Ganze noch vom Rat beschlossen werden. Bisher hat nur der Planungsausschuss in öffentlicher Sitzung zugestimmt. Doch mit dem Plazet des Rates ist 100-prozentig zu rechnen.

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Darf Satire wirklich alles? Gibt es keine Grenzen?

„Satire darf alles“, höre ich jetzt ganz oft. Ja, mit den Mächtigen in der Politik darf sich Satire gern befassen. Und was ist, wenn sich Satire eine Minderheit in der Gesellschaft herauspickt und gerade die wieder und wieder an dem einen wunden Punkt zu treffen versucht, den diese Minderheit nun mal hat? Wenn sich Satire unterdrückte und entrechtete Menschen vorknöpft? Flüchtlinge. Oder Frauen zum Beispiel. Was würde mit einer Zeitschrift geschehen, die sich darauf spezialisiert hat, Frauen hässlich darzustellen und lächerlich zu machen?

Kann das nicht sein, dass sich da jemand festbeißt, wie ein Troll, und immer wieder ohne Sinn und Verstand in eine offene Wunde hackt, nur aus dem einen Grund: Bei den Opfern die zuverlässig, quasi automatisch einsetzende Wut und Empörung hervorzurufen? Muss sich dann die Minderheit an diese „Verletzungen“ gewöhnen? Vielleicht. Ich weiß es nicht.

Ich habe mir die Karikaturen in dem französischen Satiremagazin (vor dem grausamen Terroranschlag) gut angeschaut. Ich fand damals nicht eine einzige lustig oder intelligent. Das kann daran liegen, dass die Franzosen einen anderen Humor haben . . . Das Wesen einer  Karikatur ist es, dass man nach dem Anschauen etwas besser versteht als vorher. Das bessere Verstehen ist bei mir bei Mohammed-Karikaturen aus Frankreich noch nie erfolgt. Bin ich nicht normal?

Bei allem, was Zeitungen schreiben, ist auch immer viel Quatsch dabei. Manche Bilder sind einfach blöd, manche Karikaturen bescheuert. Und obwohl so viel Quatsch und Blödsinn gedruckt wird, bin ich doch dafür, dass all das veröffentlicht werden DARF. Ich würde nur nie sagen: „Dieser Quatsch, das bin ich.“ Never. Und was ich insbesondere nicht bin, das sind miese Darstellungen von etwas, das anderen heilig ist.

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In meiner Umgebung wird Karl der Große in einer Hinsicht geradezu verachtet. Warum? Weil er das angezündet hat, was den Sachsen das Allerheiligste war. Irminsul. Das war ein gigantischer, uralter Baum, der nach Ansicht eines ganzen Volkes den Himmel trug und so heilig war wie sonst gar nichts auf der Welt. Und gegen den Rat seiner Mitstreiter hat Karl den Baum abgefackelt. Die Menschen, denen er seinen Willen aufzwingen wollte, hat er zutiefst verletzt und fertig gemacht. Besonders perfide: Er wollte ihnen offenbar nicht nur seinen Willen aufzwingen, sondern sie auch geistig, quasi innerlich brechen und ihnen den Halt nehmen. Wenn  man Karl so sieht, kann man dann Spaß haben an der Herabwürdigung Mohammeds?

Oder ist Rücksichtnahme auf das, was anderen heilig ist, im Grunde schon ein Einknicken und eine Art Zensur oder Selbstzensur? Kapitulieren wir, wenn wir sagen. „Gut, dann bilden wir eben keine Mohammed-Karikaturen mehr ab.“? Oder sind wir nur einfach höflich und umgänglich im Sinne eines guten Zusammenlebens aller Menschen in Europa, wo man versucht, sich gegenseitig möglichst wenig auf die Füße zu treten? Wenn wir in dieser Hinsicht ein Bilderverbot akzeptieren, was wird dann als nächstes unter das Bilderverbot fallen? Moscheen? Frauen mit Schleier oder Kopftuch? Wird es auch die Forderung nach einem Verbot von Musik – zumindest an hohen muslimischen Feiertagen – geben?

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Es äußern sich derzeit viele über den Islam und was der Islam ist. Über den Islam muss allgemein mehr informiert und nachgedacht werden. Dabei möge man bedenken: Wer über den Islam redet, muss auch wissen, dass es in den islamischen Ländern ein Gefühl der Zurückgebliebenheit gegenüber „dem Westen“ gibt. Und dass die allermeisten radikalen Islamisten meinen, die Zurückgebliebenheit werde allein deshalb nicht überwunden, weil sich die Gläubigen zu weit von den Gesetzen des Koran entfernt haben. Und würde man die Worte des Koran nur wieder eins zu eins in die Wirklichkeit umsetzen, so würde sich auch die Überlegenheit des Islam zeigen.

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Ich bin ganz sicher für maximale Pressefreiheit und Meinungsfreiheit. Aber wenn tausende Menschen auf der ganzen Welt wehklagen und vor Schmerz aufheulen, dann hat man sich zwar in Europa die größtmögliche Freiheit genommen, aber zugleich auch beleidigt und verletzt. Ob es einem das wert ist, muss wohl  jede Redaktion für sich selbst entscheiden.



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Europa vereint. Für die Freiheit der Presse

2014-05-29_karlspreiskarlspreis_392Hat viele Menschen in ganz Europa für das gleiche Ideal – für Pressefreiheit und Meinungsvielfalt – sensibilisiert und zusammengebracht. In Rom, in Paris und sogar in Kürze in Aachen auf dem Katschhof zwischen Dom und Rathaus (am Son. 25. Januar, um 18 Uhr): das Magazin Charlie Hebdo. Deshalb schlage ich vor:  Karlspreis 2015 für Charlie Hebdo.

 

 

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Neue Radautobahn kostet 15 Millionen Euro. Motto: Hau raus die Kohle.

Es ist doch erstaunlich, was sich hiesige Städte, Gemeinden und die Landesregierung leisten, obwohl sie hoch verschuldet sind. Millionen und Abermillionen Schulden hindern die Politik nicht daran, weitere Luxusprojekte in Auftrag zu geben. Zum Beispiel einen Radschnellweg von Aachen über Herzogenrath nach Heerlen. 15 Millionen Euro soll der auf deutscher Seite kosten. 15 Millionen!!! mitsamt Brücken und Tunnel.

So ist das geplant: Raus aus dem Auto, rauf auf das Fahrrad und mit diesem über einen Radschnellweg von Aachen über Herzogenrath nach Heerlen fahren.

So ist das geplant: Raus aus dem Auto, rauf auf das Fahrrad und mit diesem über einen Radschnellweg von Aachen über Herzogenrath nach Heerlen fahren.

Glaube niemand, das Projekt ließe sich noch verhindern! Wer das denkt, ist auf dem Holzweg. Obwohl Umweltschützer große Bedenken haben. Die Trassenführung  – am Naturschutzgebiet Wurmtal entlang – nennen sie „überflüssig, unsinnig und ökologisch bedenklich“.

Geplant ist eine Art 30-Kilometer-Radautobahn, fast komplett ohne Kreuzungen, vermutlich 4 Meter breit. Allein die schon in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie wird schätzungsweise 300.000 bis 400.000 Euro kosten. Und das ist erst der Anfang. Die Radautobahn wird natürlich Folgekosten verursachen: für einen Winterdienst, der Eis und Schnee entfernt und für die Beleuchtung und Pflege der Strecke.

Es ist so, als könnte jemand vor lauter Schulden nicht mehr aus den Augen gucken und kaufte sich dann auf Pump ein Super-Rennrad mit allem Drum und Dran für viele tausend Euro. Ich fasse es nicht. Die Kosten für den Radschnellweg zahlen: Das Land, die Städteregion (federführend bei der Planung), die Stadt Aachen und die Stadt Herzogenrath.

Vollmundig wird mitgeteilt, Bürgerinnen und Bürger würden an dem Projekt beteiligt. Dabei heißt „Beteiligung“ nicht, dass die Menschen das Projekt noch ablehnen können. Sie dürfen z. B. bei der Trassenführung mitreden. Wie gnädig. Für diese „Bürgerbeteiligung“ gibt sich die Plattform unserac.de her. Auf der Plattform haben auch schon zwei Kommunalpolitiker (SPD) das Projekt bejubelt. Das ist ja wahrlich ein überragender Zuspruch aus der Bevölkerung.

Bezeichnenderweise wurde wörtlich mitgeteilt, die Bürger würden „AKTIV an der Planung beteiligt“. Ach so. Aktiv. Was das Wort „aktiv“ in diesem Zusammenhang bedeutet, hat zuletzt der Sprachwissenschaftler Professor Martin Haase beim 31c3 wunderbar herausgearbeitet. Es ist reine Augenwischerei, wenn ich Martin Haase richtig verstanden habe.

Als Freunde und Förderer der Fahrradfahrerei erweisen sich seit langem die Grünen. Die wollen erreichen, dass in ganz NRW möglichst viele Menschen per Fahrrad (und eben nicht mit dem Auto oder dem Bus) zur Arbeit fahren. Ich werde den Verdacht nicht los, dass man uns eine rigide Lebensweise vorschreiben will: nicht rauchen, kein Fleisch essen, kein Auto, keine Plastiktüten und auch sonst kein Plastik, keine Fernreisen usw. usw. usw.

Kleine, alte Autos.

Kleines, altes Auto (l.).

Weitere Radschnellwege werden gebaut zwischen Neuss – Uni Düsseldorf – Monheim (31 km), Bad Oeynhausen – Minden (36 km), Köln/Bahnhof – Frechen (8,4 km), Inselburg – Vielen (45 km) .

Wenn die Vier (Land NRW, Städteregion,  Stadt Aachen, Stadt Herzogenrath) das Geld tatsächlich auf der hohen Kante hätten, wäre ich übrigens auch für so einen Radschnellweg. Obwohl ich genau weiß, dass mittelfristig immer mehr Menschen zu Hause arbeiten werden, und gar nicht mehr zu irgendeiner Arbeit hinfahren müssen. Die diese Verkehrswege planen, haben eindeutig den Schuss nicht gehört, aber in ihrer Funktion als kleiner Koalitionspartner im Land und in der Städteregion können sie sich durchsetzen, weil ohne GRÜNE die SPD (im Land NRW) und die CDU (in der Städteregion) am Ende wären.

Entweder wir bekommen bald einen umfassenden Breitbandausbau oder die Arbeitsplätze werden nicht nur in ländlichen Regionen außerordentlich knapp.

Tja, anstatt das Geld in den Breitband-Ausbau zu stecken, werden nun 15 Millionen für bequemes Fahrradfahren ausgegeben. Das Großprojekt stand schon in mehreren Politiker-Gremien zur Diskussion. Es steht am Mittwoch, 14. Januar, um 17 Uhr in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte auf der Tagesordnung. Die Politiker treffen sich im Aachener Rathaus, die Sitzung ist öffentlich. Ich möchte fast wetten, dass restlos alle ohne Diskussion zustimmen werden.

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Alle Infos habe ich im Laufe der letzten Monate den Aachener Tageszeitungen entnommen, den Pressemitteilungen, den öffentlich zugänglichen Sitzungsunterlagen und einer Info-Broschüre. Die Links erspare ich mir. 

Die Textanalyse von Martin  @maha  Haase seht ihr hier: 

 „Wir beteiligen uns aktiv an den Diskussionen“ http://media.ccc.de/browse/congress/2014/31c3_-_6264_-_de_-_saal_1_-_201412271245_-_wir_beteiligen_uns_aktiv_an_den_diskussionen_-_martin_haase_maha.html 

 

 

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Orientalische Klänge an der Wilhelmstraße

Die Musik und die Gedichte von Suleman Taufiq brachten den Gästen den Orient ein wenig näher.

Die Musik und die Gedichte von Suleman Taufiq brachten den Gästen den Orient ein wenig näher.

Wer immer kann, drückt in diesen Tagen seine Solidarität und Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen aus, die gerade in großer Zahl nach Deutschland kommen. In Köln wird der Dom verdunkelt, in Münster treffen sich schon mal vorsorglich 10.000, obwohl dort von Pegida noch gar nichts zu sehen ist. In Aachen laufen vielfältige Aktivitäten, zuletzt gab es am vergangenen Sonntag ein arabisches Fest mit Musik, Kunst und Gedichten.

Das Fest fand im „Kunstwechsel“ in der Wilhelmstraße, direkt neben dem Suermondt-Ludwig-Museum statt, und Wolfgang Becker (einstmals Chef des Ludwigs Forums) hatte eingeladen. Ganz besonders hat mir die Musik gefallen. An die 100 Gäste konnten Manfred Leuchter am Akkordeon zusammen mit Mohamed Majem an der Klarinette erleben. Ein Genuss.

Das Publikum war, wie fast immer bei Veranstaltungen im Bereich Kunst und Kultur, international zusammengesetzt. Diese Vielfalt der Menschen schafft genau die Atmosphäre, die ich mag. Es war natürlich auch schön, bei der Gelegenheit alte Bekannte wiederzusehen.

IMG_8374Einen kleinen Eindruck von der Veranstaltung könnt ihr hier bekommen. Es gab eine Tombola, denn das ganze Fest war eine Benefiz-Veranstaltung. Ein Gastwirt aus Aachen (Restaurant Karawane) hatte die Bewirtung übernommen.

Auf Facebook gibt es mehrere schöne Fotos. Zum Beispiel von Profifotograf Gerd Plitzner. Ich konnte leider nicht bis zum Ende des Festes bleiben, aber die ersten beiden Stunden haben schon Lust auf mehr gemacht.

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Der Christdemokrat Udo Rüttgers

(Wegen mehrerer Nachfragen wird das Thema hier nochmals aufgegriffen:)

Ende Mai 2014 war es, als eine vielhundertköpfige Gruppe von Wählerinnen und Wählern im alten Kreis Aachen einmal NICHT eine der etablierten Parteien wählen wollte. Sie wollten gerade nicht die CDU wählen, machten ihr Kreuzchen bei den Newcomern, bei den Piraten. Die Piraten sind eine Partei, die dem linken Spektrum zugerechnet werden muss.

Die Wähler müssen sich jetzt verarscht vorkommen, denn sie haben Udo Rüttgers von den Piraten in den Städteregionstag und in den Stadtrat von Stolberg gewählt, aber dort mit ihm die CDU (!) stark gemacht. Denn Udo Rüttgers hatte offenbar ein Erlebnis wie Paulus vor Damaskus.  Ihm fiel auf, dass er ideologisch haargenau das Gegenteil von dem vertreten muss, was er zuvor als Pirat vertreten hat. Nach der radikalen Sinnesänderung sitzt er jetzt als Christdemokrat in zwei Kommunalparlamenten und verstärkt dort die zuvor fragile Fraktion seiner neuen Parteifreunde.

Die CDU machte er so stark, dass die beispielsweise im Stadtrat von Stolberg plötzlich keinen Koalitionspartner mehr braucht.

Wahlzettel für Wahlen in Aachen und der Städteregion. Da ließ sich Rüttgers für die Piratenpartei ins Rennen schicken.

Wahlzettel für Wahlen in Aachen und der Städteregion. Im Mai ließ sich Rüttgers für die Piratenpartei ins Rennen schicken.

Aber nicht nur das: Er zerstörte mit seinem Wechsel eine ganze Fraktion, die von Piraten/UFW nämlich, die nur zu dritt Fraktionsstatus hat, nicht zu zweit. Rüttgers leistete ganze Arbeit, 11 hochmotivierte  sachkundige Bürgerinnen und Bürger konnten, da fortan ohne Fraktion, nach Hause gehen. Diese hatten gerade angefangen, den Etablierten etwas Ärger zu machen.

Des weiteren hat Rüttgers durch seinen Wechsel zwei Menschen – kurz vor Weihnachten – arbeitslos gemacht:  eine Fraktionssekretärin und einen Fraktionsgeschäftsführer. Sehr feinsinnig inszeniert, das Ganze. Danke, Udo Rüttgers, für nichts.

Mit wem auch immer ich über den Fall Udo Rüttgers spreche, die Leute sind der Meinung, dass es Rüttgers vollkommen egal ist, was er mit seinem Wechsel angerichtet hat. Und so ist es wohl auch.

Dass jemand sagt: „So, ich kann mit den Piraten nichts mehr anfangen, ich trete aus“, das kann ich verstehen. Es gibt auch Leute, die wechseln von der SPD zur den Linken, oder von der FDP zur CDU und jeweils umgekehrt usw. Aber dass jemand von den PIRATEN ausgerechnet zur CDU wechselt, bedarf näherer Erklärung. Von Rüttgers hört und liest man indessen nichts.

Würde einer nun lauthals verkünden, dass Udo Rüttgers (in einem Gespräch mit drei führenden Herren der hiesigen CDU) für seinen Gesinnungswandel ein Angebot gemacht wurde, und würde man sogar davon sprechen, dass Udo Rüttgers das Angebot angenommen und korrupt sei, so würde dann Rüttgers mit Fug und Recht Anzeige erstatten und der Staatsanwalt hätte die Sache auf dem Tisch.

Deshalb behaupten wir hier gar nicht, dass Udo Rüttgers korrupt ist, und auch nicht, dass er mit den Herren Helmut Etschenberg (Städteregionsrat, CDU), Klaus-Dieter Wolf (CDU-Fraktionsführer) und Axel Wirtz (MdL, CDU) über dergleichen oder etwas anderes gesprochen hat. Das können wir nämlich nicht wissen, wir waren ja bei dem Gespräch nicht dabei.

Wir nehmen lieber an, dass es eine Art Erleuchtung gewesen sein muss, die den Stolberger ereilte. Eine Bekehrung, ein Wunder, ein Weihnachtswunder sozusagen, kurz vor Weihnachten.  Dergleichen soll bei Christen ja vorkommen.

*

Für alle, die gerade nicht wissen, was das Damaskuserlebnis des Paulus ist, lest hier.

 

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Das neue Jahr steht vor der Tür

Allen Freunden, Bekannten und Verwandten wünsche ich ein gutes 2015 mit vielen Erfolgen, mit positiven Erlebnissen und Glück bei allen Unternehmungen. 2014 ist nicht alles gelungen, aber vieles war auch außergewöhnlich schön. 2015 strengen wir uns wieder an und rocken online und offline.

Doch Gutes ist nur machbar mit der Hilfe von Unterstützern, und alles wird besser durch aufbauende Kritik. Dass es euch und mir daran 2015 nie fehlt, das wünsche ich.

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Wir kommen als Freunde . . . nach Polen

Den Marktplatz von Jelenia Gora umgeben Bürgerhäuser mit Laubengängen. In diesen Häusern  wohnten die reichsten Leute der Stadt: Kaufleute und Krämer. Alle Fotos entstanden am frühen Sonntagmorgen. Es waren kaum Leute unterwegs.

Typisch für Jelenia Gora: Bürgerhäuser mit Laubengängen. In diesen Häusern wohnten die reichsten Leute der Stadt: Kaufleute und Krämer. Alle Fotos entstanden am frühen Sonntag morgen. Es waren kaum Menschen unterwegs.

Blick über den Markt zu den Häusern.

Blick über den Markt zu den Häusern. Fast alle haben eine 3-Fenster-Front. Und obwohl sie sich sehr ähnlich sind, ist doch jedes verschieden.

Wer hätte gedacht, dass es in Polen, im ehemaligen Niederschlesien, mitten im Winter eine so außergewöhnlich schöne Stadt zu entdecken gibt? Ich wurde überrascht, als ich Mitte Dezember mit mehreren Mitgliedern des Partnerschaftsbeirates der StädteRegion Aachen nach Jelenia Gora reiste. 6850 Euro hat die StädteRegion für diese Reise zur Verfügung gestellt.

Die Fahrt ist Teil der Partnerschaftsarbeit und auch Bestandteil eines EU-GreKo-Projekts. Das bedeutet, dass die EU es unterstützt, wenn Menschen aus Deutschland und Polen sich näherkommen und Freundschaft schließen. Und das, ich nehme hier das Resümee schon vorweg, ist auch geschehen.

Vor dem Rathaus: ein Weihnachtsbaum mit Riesenschleife.

Vor dem Rathaus: ein Weihnachtsbaum mit Riesenschleife.

Es handelt sich um eine erweiterte Partnerschaft, an der auch die Stadt Bamberg beteiligt ist sowie eine Region in Tschechien. In Jelenia Gora wurden Aktivitäten verabredet, die 2015 die Feier zum 25-jährigen Bestehen der Partnerschaft betreffen. Es wurden außerdem Sach- und Geldspenden an Bedürftige überreicht und eine vom Roten Kreuz organisierte Weihnachtsfeier besucht.

Besonders eindrucksvoll fand ich den Besuch in einem Kinderheim. 30 Kinder leben in dem Heim, alles Kinder, die von den Eltern getrennt werden mussten. In dem Heim, das von Aussehen und Atmosphäre dem Agnesheim in Stolberg glich, hatten Jungen und Mädchen für uns einige Lieder einstudiert. Das Personal befragte uns sehr intensiv: Wer wir genau sind und warum wir nach Polen kommen, was uns motiviert? Man spürte deutlich das Interesse an uns und an Deutschland. Ich sagte, dass mein Vater im Weltkrieg als Soldat in Polen war und dass ich, als ich von dem Freundschaftsprojekt hörte sofort dachte: Da möchte ich unbedingt mitmachen.

Den Marktplatz umgeben Barock- und Rokokobürgerhäuser mit Laubengängen.   Die Laubengänge waren je nach Bestimmung benannt. Es gab Kürschner-, Tuch-, Garn-, Seildreher, Weißgerber-, Korn- und Butterlauben.

Den Marktplatz umgeben Barock- und Rokokobürgerhäuser mit Laubengängen. Die Laubengänge waren je nach Bestimmung benannt. Es gab Kürschner-, Tuch-, Garn-, Seildreher, Weißgerber-, Korn- und Butterlauben.

Die Erzieher wunderten sich, dass wir so unterschiedlichen politischen Parteien angehören und uns doch recht gut verstehen, „das wäre in Polen unmöglich“ ließen sie übersetzen. Wir waren ja als Mitglieder und Vertreter von CDU, SPD, Die Linke, Grünen und Piraten unterwegs und allen war das Ziel der Reise klar: Die Menschen kennenlernen und das entdecken, was wir sympathisch finden. Man wunderte sich sehr, als wir erzählten, dass wir in Aachen derzeit täglich durchschnittlich fünf minderjährige Flüchtlinge aufgreifen und unterbringen müssen. Die Mitarbeiter im Kinderheim konnten es kaum fassen, sie versicherten, das gebe es in Polen nicht und woher genau die Flüchtlinge denn eigentlich kämen.

Alles wurde fleißig übersetzt von Monika L., die noch bis März eine Stelle bei der Städteregion hat. Ende März läuft ihr Vertrag aus, sie hofft auf Weiterbeschäftigung. Monika L. spricht perfekt Polnisch, weil sie bis zu ihrem 10. Lebensjahr dort gelebt hat.

Ich hatte Gelegenheit, erstmals die Stadt Jelenia Gora (vormals: Hirschberg) zu besichtigen. Das imposante Rathaus (ein klassizistischer Bau aus den Jahren 1744-1749) ist Sitz der Stadtverwaltung und hat in seinem Keller ein uriges Restaurant. Dort aßen wir fröhlich deftige Speisen. Bis ins 19. Jahrhundert stand auch ein steinerner Pranger vor dem Rathaus. Die Stadt hat einen wunderbaren Mittelpunkt: ein Marktplatz mit einheitlich gebauten Bürgerhäusern ringsum (aus dem 17. und 18. Jahrhundert).

Eindrucksvoll war am Sonntag der Besuch der Messe in der alten Kathedrale. Sie war übervoll, und ich konnte die sprichwörtliche Religiosität der Menschen erleben. Es war umwerfend, wie innig alle im Gebet verharrten und wie viele zur Kommunion gingen. Von dem enormen Reichtum der Stadt und ihren einst weltweiten Wirtschaftsbeziehungen (im 18. Jahrh.) kündeten die Prachtbauten auf dem Friedhof. Wer sich solche Grabstätten bauen konnte, muss ungeheuer reich gewesen sein.

Eine von mehreren Messen, die sonntags in der  prächtig ausgestatteten Kirche gefeiert wurden. Die Wände schmückten Bibeltexte in deutscher Sprache. Alles war in einem guten Zustand.

Eine von mehreren Messen, die sonntags in der prächtig ausgestatteten Kirche gefeiert wurden. Die Wände schmücken Bibeltexte in deutscher Sprache. Alles ist in einem guten Zustand.

 

Zu einem etwas festlichen Abendessen mit den Partnern aus Jelenia Gora, aus der Städteregion, aus Bamberg und Tschechien war auch ein polnischer Geistlicher erschienen, der uns eine religiöse Schrift in deutscher Sprache überreichte. Die nun wieder entpuppte sich als wahre Schreckensschrift. Es geht um das richtige und gute Leben, um Kinder, um Männer und Frauen und die Familie. Ich hatte noch nie ein Kompendium so uralter Vorurteile versammelt gefunden wie hier. Eine Kostprobe: „Du bist eine Blume. Warte in der Sonne der Keuschheit auf deinen Schmetterling. Die erste Liebe soll froh, diskret und rein sein . . .“ Und das 30 Seiten lang.

In Polen gab es vor ein paar Wochen Kommunalwahlen. Es entstand zunächst ein ziemliches Durcheinander, rein organisatorisch. Außerdem sind die Wahlen in der Region Jelenia Gora so ausgegangen, dass ohne Koalitionen nichts zu machen ist und quasi Parteien koalieren müssen, die partout nicht miteinander können. Es ist so kompliziert, dass ich bis jetzt noch nicht durchblicke. Am Tag unserer Abreise musste das dortige Parlament den neuen Landrat wählen. Das wurde von einigen aus der Gruppe vor Ort beobachtet. Niemand hatte sie auf dem Schirm, aber gewählt wurde eine Dame. Sie versicherte bei ihrer ersten Rede unter anderem, dass ihr  – wie ihrem Vorgänger – die Partnerschaft mit der  Städteregion Aachen wichtig sei.

Blick auf einen Teil des Friedhofs. Viele  "Gebäude" standen nebeneinander. Davon sind heute nur noch Reste vorhanden.

Blick auf einen Teil des Friedhofs. Viele „Gebäude“ standen nebeneinander. Davon sind heute nur noch Reste vorhanden. Da, wo die Bögen sind, stand wohl jeweils ein Bauwerk.

In der Stadt: Auffallend viele Palais, Residenzen, repräsentative Prachtbauten aus alter Zeit. Aber nicht alle sind restauriert.

Es gibt auffallend viele Palais, Residenzen, repräsentative Prachtbauten aus alter Zeit. Aber nicht alle sind restauriert.

In diesem Gebäude wurden handwerkliche Arbeiten verkauft.

In diesem Gebäude wurden handwerkliche Arbeiten verkauft.

Das Portal einer orthodoxen Kirche, leider geschlossen.

Das Portal einer orthodoxen Kirche, leider geschlossen.

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(Alle Infos habe ich, weil ich es erlebt habe, weil es Infotafeln gab oder mir von kenntnisreichen Mitreisenden berichtet wurde. Sollte es Fehler und Ergänzungen geben: bitte informiert mich.)

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Es muss nicht immer Kaffee sein

Feinen Tee kann man in Aachen unter anderem in der Kockerellstraße kaufen. Dort wird man auch gut beraten, wenn nicht gerade Hochbetrieb im Laden herrscht.

Feinen Tee kann man in Aachen unter anderem in der Kockerellstraße kaufen. Dort wird man auch gut beraten, wenn nicht gerade Hochbetrieb im Laden herrscht.

Ich bin mit dem leckersten Tee der Welt versorgt, ihr könnt mir gar nichts.

Wer es auf dem Foto nicht gut lesen kann: Da ist zunächst die Teesorte „Zimtpflaume“ (Mitte). In der Tüte versammeln sich Hagebutte, Apfelstücke und Hibiskus, Zimtstücke, Kokosflocken, Rosinen, Aroma (was soll das sein?) und Malvenblüten.

Dann habe ich noch den aromatisierten Früchtetee namens „gebrannte Mandel“ mit den Zutaten Apfelstücke, Mandelblätter, rote Beete, Zimtstücke und auch hier „Aroma“ bekommen.

Die dritte Teemischung (r.) heißt „oma paulas fruchttopf“. Bestandteile: Grüner Tee, Korinthen, Orangenschalen, Aroma, Mandelstücke, Sauerkirchknusper, Schwarzkarottensaftkonzentrat und Saflorblüten. Bei dieser Teemischung ist man der schlimmen Angewohnheit verfallen, eine ältere Frau „Oma“ zu nennen, was uncharmant ist. Aber wenn ein Tee „oma paulas fruchttopf“ heißt, dann soll das wohl eine gewisse gute Qualität suggerieren, ein Rezept aus alter Zeit, das sich bewährt hat, oder so.

Alle Tees sind ungeheuer lecker. Aber warum bei den Zutaten immer „Aroma“ genannt wird, ist mir ein Rätsel. Ist das etwas künstlich Hergestelltes, eine im Chemielabor hergestellte Substanz? Hier hab ich mich informiert.

http://de.wikipedia.org/wiki/Fruchtaroma

 

 

 

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Patenprojekt für junge Flüchtlinge, Folge IV

Das war ein Treffen von Gleichgesinnten: Paten-Stammtisch im Labyrinth in der Pontstraße. Etwa zwei Dutzend Erwachsene waren erschienen und tauschten sich aus. Ich konnte nicht alle Gespräche mithören, aber in der Ecke, wo ich saß, ging es um die schwierige Wohnungssuche.

„Schwarze nehmen wir nicht“ hatte ein Vermieter doch tatsächlich gesagt. Und andere erlebten, dass ein schönes Zimmer angeblich doch nicht leer war, dafür aber ein anderes, völlig unterwohntes (ohne Bad und Heizung) angeboten wurde. Was da an Behausungen auf dem Markt ist, das hätte ich nicht gedacht, dass es sowas in Aachen noch gibt. Einige Paten waren bereits leicht frustriert. Ja, hieß es, man hätte schon gewusst, dass die Wohnungssuche schwer wird. Aber so schwer??? Die Empörung über unverschämte Vermieter war groß.

Das Semester beginnt immer im Oktober. Und schon ein halbes Jahr später hat gewöhnlich ein Teil der Studenten gemerkt, dass sie im falschen Fach stecken oder dass studieren doch nicht so ihr Ding ist. Mehrere hundert Leute zieht es dann weg von Aachen, dann gibt es auch wieder bessere Chancen, ein Zimmer zu bekommen.

Die Paten wollen die Suche nicht aufgeben. Doch die Zeit drängt: Wenn jemand 18 Jahre alt und damit erwachsen wird, kann er nicht mehr im Kinderheim wohnen. Dann muss er raus. Und der  Vormund vom Jugendamt steht dann ebenfalls als Berater nicht mehr zur Verfügung.

Die Paten, so schien mir, sind ganz schön fit geworden, haben sich im Internet über das Land informiert, aus dem der Flüchtling kommt. Ihr Horizont wird sich kräftig weiten, das konnte man beim Stammtisch schon feststellen. In ihren Bekannten- und Freundeskreisen werden sie bewundert und unterstützt. Jeder staunt und sagt: „Find ich toll, dass du sowas machst.“ Das motiviert und tut gut.

Die beiden Sozialpädagoginnen vom katholischen Hilfsdienst (SkM), Carola Rodrigues und Sarah Ulbrich, waren ebenfalls beim Stammtisch zugegen. Sie werden die Organisation dieses Treffens in die Hand einer Patin geben. Die beiden sind mit der Vermittlungsarbeit ausgelastet.


Weiter geht es mit Folge V, und zwar hier.

Folge III der Serie findet ihr hier

 

 

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