Orden für zu Guttenberg

Was im neuen Jahr garantiert wieder nicht lustig wird, ist die Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst. Mit zum Schrecklichsten und Peinlichsten, was es in Aachen gibt, gehört diese Ordensverleihung und gehört der jeweilige Ordensträger. Immer denkt man in Aachen: “So, das war jetzt aber der Gipfel. Einen ungeeigneteren Kandidaten findet der AKV aber jetzt bestimmt nicht mehr. Es kann also nur besser werden.”

Und jedes Jahr, wirklich jedes Jahr das Gott werden lässt, gelingt es diesem Aachener Honoratioren-Verein den Schrecken, den die Bekanntgabe des Namen jeweils auslöst, noch zu steigern. Mit versteinerten Minen haben wir vor dem TV-Gerät gesessen, als der Stoiber den Orden bekam. Eine Spaßbremse allererster Güte. Dann war der Steuererklärung-auf-Bierdeckel-Merz dran, der seine Rede bei jemand im Netz abgeschrieben hatte und dachte, es merkt niemand was. Dieses Jahr, kurz vor der Landtagswahl, bekam Jürgen Rüttgers diesen höchsten aller Karnevalsorden. Mit einer schon x-mal gehaltenen Rede tat auch der dem AKV keinen Gefallen. Die Kritik war brutal, der AKV spielte die beleidigte Leberwurst und sagte den Straßenkarneval ab. Das muss man sich mal vorstellen.

Aber was dieses Jahr kommt, das haut dem Fass den Boden aus, so daneben und geschmacklos. Den Orden soll der Verteidigungsminister, der gerade in Afganistan Krieg führt, bekommen. Das ist nun leider alles noch weniger lustig, als Stoiber und Merz und Rüttgers und all die anderen CDU-Politiker.

Karneval in Aachen ist entstanden als Verarschung der französischen Besatzungsmacht. Napoleon hatte das Rheinland und Aachen eine Weile besetzt, und die Bevölkerung begann schnell, die Soldaten nachzuäffen, mit Holzstöcken als Gewehre, falsch aufgesetzten Hüten und Rumgehampel, was das Marschieren imitieren sollte.

Karneval werden überhaupt Autoriäten verarscht. Autoritäten aus Politik und Kirche vornehmlich, aber auch andere. Es geht gegen Kirche und Obrigkeit, und das macht Spaß. Karneval findet ganz passend zu Beginn der Fastenzeit statt, zu Beginn einer Zeit also, wo man früher sehr entbehrungsreich lebte. Was wir heute nicht mehr machen.

Nun kommt also am 19. Februar jenes Schreckens-Ehepaar zu Guttenberg nach Aachen, um im Saal “Raketen” der Begeisterung zu initiieren. “Humor im Amt” wird mit dem Orden wider den tierischen Ernst honoriert. Humor im Amt als Verteidigungsminister? Der Krieg führt.

Humor im Amt hatte jener Richter bewiesen, der kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs einem Gefangenen Haftverschonung gewährte mit der Begründung, der Mann feiere für sein Leben gern Karneval und könne erst nach den tollen Tagen hinter Gitter kommen. Das fand man damals lustig, ist es ja auch, und da riefen ein paar Leutchen den “Orden wider den tierischen Ernst” ins Leben und nahmen sich vor, ihn jedes Jahr zu verleihen.

Und das taten sie dann leider auch.

s. http://de.wikipedia.org/wiki/Orden_wider_den_tierischen_Ernst

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Sex ohne Kondom. Anschlag auf Leib und Leben

Wenn man annimmt, dass man sich überhaupt zu Angelegenheiten äußern darf, die das Sexualleben von real existierenden, namentlich genannten Personen  betreffen, dann könnte man hier mal auf die Vorkommnisse eingehen, die mit Julian Assange zu tun haben. Wie gesagt: Es ist noch nicht klar, ob das überhaupt vertretbar ist, sich dazu zu äußern. Es geht möglicherweise niemand etwas an.
Assange ist allerdings nicht nur irgendein Mensch, sondern ein Symbol für eine transparente Politik und die Frage, ob diese überhaupt möglich ist und wenn ja, wie?Irgendwo in Schweden hat er offensichtlich zuerst mit der einen Frau geschlafen und kurz danach mit der anderen. Und das irgendwie auch phasenweise ohne Kondom. Wie das eben so geht. . . . .
Wenn eine Frau mit einem Mann schläft und sie möglicherweise meint, sie ist weit und breit für ihn die einzige seit Jahren (ich übertreibe, um etwas deutlich zu machen), dann ist es schon ein ziemlicher Schock zu erfahren, dass der Kerl gleich eine Woche später mit der nächsten unter die Decke krabbelt. Wenn sie also überrascht wird von der Einsicht, dass der Mann, mit dem sie geschlafen hat, ständig seine Partnerinnen wechselt, könnte sie darüber nachdenken, dass er sich irgendwo angesteckt hat und sie dann vielleicht auch.
Sie könnte verständlicherweise Angst bekommen. Und den Beischlaf als eine Art Anschlag auf ihr Leben, auf ihre Gesundheit betrachten. Falls er ihr nicht erzählt hat, dass er eigentlich ständig neue  . . .   usw.
Nehmen wir also an, beide Frauen sind panisch vor Angst und sehr, sehr wütend.. Geht man dann zur Polizei? Oder zu einem Anwalt? Oder doch eher zu einem Arzt, um mal ganz schnell einen Aids-Test machen zu lassen?
Man geht zum Arzt, und wenn dann rauskommt: Nicht angesteckt, kein Aids weit und breit. Dann freut man sich, macht ein Fest und nimmt sich vor: “Das passiert mir nicht noch einmal.”  Es ist gewissermaßen verständlich, dass man, wenn man vorher ahnungslos war, in Panik für die Öffentlichkeit schwer verständliche Sachen macht. Aber die Damen sind sich bestimmt darüber im Klaren, dass sie selbst auch nicht ganz unschuldig an der Situation sind.

Am 11. Januar geht es in England wieder um die Frage, ob Assange nach Schweden ausgeliefert wird. Wenn er aber in Schweden ist, dann ist er so gut wie in den USA. Und dass ihm dort über kurz oder lang die Todesstrafe droht, daran habe ich nicht den geringsten Zweifel.

So ist 2010 das Jahr, in dem ich alle Illusionen über Schweden und die USA verloren habe. Alle Gesetzeswerke, alle Rechtsprechung und alles erweist sich als Schall und Rauch, wenn ein Staat es mit einem Julian Assange  und seinem Wikileaks zu tun bekommt. Dann zeigt sich: Es ist alles nur Fassade.

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Recht und Gesetz

Was Gesetze betrifft, so könnte alles angefangen haben mit den Gesetzestafeln, die Moses vor knapp 3000 Jahren von Gott bekommen haben soll.

Aber: Die berühmten zehn Gebote waren auch nur eine Zusammenfassung von hunderten Vorschriften, die nur für hochgestellte Persönlichkeiten galten und ihnen vorschrieben, wie sie sich zu verhalten haben. Es gab so viele Vorschriften, dass man den Überblick verloren hatte. Es machten sich damals einige Leute daran, alles in wenige Gesetze zusammenzufassen, heraus kamen die berühmten zehn Gebote. Die waren eines Tages dann nicht mehr nur für die Beamten am Hof des Königs gültig, sondern für jeden.

Eine der ersten Gerichtsverhandlungen wird in Homers Ilias geschildert.
Bei uns dominierten in alter Zeit Aberglaube und Zauberei die “Rechtsprechung”, die diese Bezeichnung eigentlich nicht verdient. Es soll eine Art Gewohnheitsrecht gegeben haben, genau weiß ich es nicht.
Mehr weiß ich über das römische Recht, das ja von klugen Leuten ausgearbeitet wurde.  Etwa im Jahr 500 ließ ein römischer Kaiser (Justitian) die zivile Rechtsprechung im Corpus Juris Civilis zusammenfassen.  Die neue Wissenschaft “Recht” konnte man zuerst in Bologna studieren, im 11. Jahrhundert taten das auch viele Studenten aus ganz Westeuropa, und so breitete sich das römische Recht langsam in Deutschland aus.
Bei uns stellte man sich Gott lange als obersten Richter vor. Eine schreckliche Vorstellung, wie ich meine. Gott war derjenige, der Daumen rauf oder Daumen runter zeigte. Sonst nichts. Strafrichter nahmen in deutschen Landen die Stelle Gottes ein. Man glaubte tatsächlich, die Wahrheit werde über kurz oder lang immer ans Licht kommen. Man vertraute deshalb im Zweifelsfall auf sogenannte Gottesurteile. Etwa so: Überlebte ein Angeklagter das Eintauchen in Wasser, war er unschuldig, ertrank er, war er schuldig. Grauenhaft, nicht wahr?
Von Mitte des 16. Jahrhunderts bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts gehörte zur Rechtsprechung die Folter dazu. Es durfte nämlich nur verurteilt werden, wenn zwei Augenzeugen der Tat vorhanden waren oder der Angeklagte ein Geständnis ablieferte. Die Abschaffung der Folter war möglich, als die Gedanken der Aufklärung sich breitmachten.
Die freie richterliche Beweiswürdigung haben wir seit dem 19. Jahrhundert. Es ist eine enorme zivilisatorische Errungenschaft. Man braucht dazu vertrauenswürdige, nur dem geltenden Recht verpflichtete Berufsrichter.
Hier müssten nun eigentlich dem Volksgerichtshof der Nazis ein paar Sätze gewidmet werden. Der Volksgerichtshof war ein Terrorinstrument eines Unrechtsstaats, er sprach über 5000 Todesurteile aus, die alle vollstreckt wurden.
Im Mai 1949 trat in Deutschland das Grundgesetz in Kraft. Es ist föderalistisch und liberal, es schützt das Individuum vor dem Staat. Es wird von Grundrechten eingeleitet, das erste beginnt mit den Worten: “Die Würde des Menschen ist unantastbar.”
Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe ist das höchste deutsche Gericht. Und in Karlsruhe ist auch das Bundesverfassungsgericht, das ist das ranghöchste Rechtsprechungsorgan. Es entscheidet unter anderem darüber, ob der Staat ein Grundrecht verletzt hat.

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Ein paar Fragen

Wieso heißt WikiLeaks eigentlich WikiLeaks, es ist doch gar kein Wiki und hat auch mit anderen Wikis nichts zu tun? Warum hat die Presse bisher die Leaks nur sehr zögerlich aufgegriffen?

Welche Intention haben Menschen, etwas Geheimes zu veröffentlichen? Warum ist der „Spiegel“ pro Vorratsdatenspeicherung, wo die doch die ganzen Depeschen veröffentlichen? Mittels Vorratsdatenspeicherung könnten deren Informaten enttarnt werden, da meldet sich doch dann niemand mehr beim „Spiegel“.

Was ist Openleaks? Wie leakt man vernünftig? Welche Geheimnisse sollten an die Öffentlichkeit kommen, welche nicht? Leitet die Wau-Holland-Stiftung das gespendete Geld direkt weiter, an wen genau?

Ist Julian Assange eitel und extrovertiert, ein Egozentriker, der gern in der Öffentlichkeit steht? Oder stellt er sich als Blitzableiter hin? Als das Gesicht, der Name, den die Presse und die Verfolger brauchen wie auch die Unterstützer? Geht es nicht ohne ein „Aushängeschild“, wenn man eine Idee publik machen will?

Wie gehen die Regierungen damit um, dass die Anzahl der Geheimnisse, die wirklich geheim sein können, geringer wird? Wie wollen sie unter diesen neuen Umständen regieren?

Warum hatte Assange sein WikiLeaks ausgerechnet bei Amazon gehostet? Infos gegen die US-Regierung bei einer US-Firma hosten, das konnte doch nie klappen.

Warum ist die Presse in der Einschätzung der WikiLeaks-Idee so gespalten?? Was ist mit dem Leyendecker und der guten alten „Süddeutsche“ los? Warum bringt der „Spiegel“ die Dokumente nicht in Originalsprache, sondern in teils komischen Übersetzungen? Waum linkt er nicht zu den anderen Zeitungen, die auch veröffentlicht haben?

Hat der „Spiegel“ an WikiLeaks Geld gezahlt für die Dokumente? Wurde die Privatshäre der Diplomaten verletzt? Wonach würde ich in den Dokumenten suchen? Rüstungskonzerne, EADS, Boing, Bosch Stiftung?

Was ist eigentlich dieses Krypto? Sind wir in einer Entscheidungsschlacht um das freie Internet? Sind die Dosser der Schwarze Block des Internet? Soll man den Online-Protest unterstützen? Wie? Wie groß ist das Risiko, bestraft zu werden, wenn man in Deutschland einen Mirror aufsetzt?

Diese und weitere Fragen diskutieren Fefe und Frank in alternativlos.org  🙂

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Cyberwar oder Wirtshausschlägerei?

Im Netz wird munter und kontrovers diskutiert, ob die ganzen DDos-Angriffe auf Firmen moralisch legitim sind, oder nicht. Und ob man schon von Cyberwar sprechen kann, oder nicht.

Leute, die sich damit auskennen, was ein Cyberwar sein könnte, die meinen, was jetzt im Gange ist, das sei eine Wirtshausschlägerei. Wenn PayPal mal ein paar Stunden nicht zu erreichen ist, wenn die mal kein Geld transferieren können, dann geht die Welt nicht unter. Die DDos-Attacken richten sich gegen Firmen, aber mir scheint, da sind Jugendliche am Werk, die sind das, was die Polizei hierzulande „erlebnisorientierte Jugendliche“ nennt. Die wollen ein Abenteuer.

Ich will die Sache nicht pauschal verdammen, zumal es immer einen Reiz hat, wenn ein Kleiner einen angeblich Riesengroßen platt macht. Wenn aber so ein DDos-Angriff Kommunikation unterbindet, dann ist das scheiße.
So etwa äußerte sich Fefe mal bei http://www.alternativlos.org : Wenn wir diese Welt aus dem ganzen Schlamassel mal jemals rauskriegen sollen, dann ist Kommunikation ein wichtiges Mittel.

Die DDos-Attacken könnten aber auch Ausdruck eines Online-Protests sein, vergleichbar einer Sitzblockade. Wie wenn sich Menschen vor eine Bank setzen, und dann kann morgens keiner rein.

Offensichtlich wird mit einem Mal, dass es eine Generation gibt, die das Dossen als das Mittel ihres legitimen Protest betrachtet. Sie haben WikiLeaks als eine Möglichkeit erkannt, um ein paar Schweinereien auf dieser Welt zu stoppen. Und die Möglichkeit wollen ihnen jetzt PayPal und Amazon, Mastercard und Visa nehmen.
Die sind so wütend, dass sie tatsächlich bereit sind, anderen Leuten etwas kaputt zu machen.

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Ziemlich lustig ;-)

http://www.yapfiles.ru/show/157462/1a5bb9641a4330de77565a3951cf9ec5.flv.html

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Assange in Haft – und jetzt?

Das ging doch ein bisschen schneller, als ich dachte. Julian Assange ist in Haft, der Mann, der WikiLeaks als Gesicht dient. Der sozusagen das Aushängeschild spielt.

Kommt er jetzt nach Guantanamo? Wird ihm etwas zustoßen? Wird er sich umbringen? Viele Fragen. Klar ist, dass seine Hatz und seine Festnahme viele Leute wütend machen werden. Und die Menschen werden wütend auf die Firmen, die mit ihren Mitteln dabei helfen, Assange das Leben unerträglich schwer zu machen.

Unterdessen streiten sich Piraten über einen Vorgang, der natürlich von noch viel weltbewegenderer Bedeutung ist, als alles, was mit WikiLeaks zu tun hat: Einer war von einer Burschenschaft gebeten worden, dort einen Vortrag zu halten. Ein anderer Pirat meinte: Tu das nicht. Und wie das so immer ist, und wie das von den Burschenschaftlern auch gewünscht und gewollt ist, gab es schlimmen Streit.  Ja und jetzt fetzen sich die Kombatanten öffentlich. Es sieht aus, als säßen zwei Jungen im Sandkasten und werfen sich gegenseitig die Förmchen an den Kopf und auch noch den Sand. „Kann bitte mal eine Erzieherin hinzueilen und die beiden Bubis aus dem Sandkasten entfernen?“ möchte man ausrufen.

Es ist schon manchmal peinlich, was die Piraten veranstalten. Einige ältere Piraten scheinen eine Menge Frust zu schieben.

Ich bin gespannt auf den CCC-Kongress zwischen Weihnachten und Neujahr. Mittels Stream hoffe ich, an allen interessanten Diskussionen beteiligt zu sein.

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Weniger Geheimnisse, mehr Transparenz

Jetzt wissen wir also, dass in der arabischen Welt über einen möglichen Angriff auf den Iran diskutiert wird. Und dass die Saudis insbesondere am liebsten hätten, dass die Amerikaner den iranischen Mullas sofort den Kopf abhauen. Ich zumindest hätte das nicht vermutet.

Wir wissen auch plötzlich, wie wichtig es dem europäischen politischen Personal ist, was die Amerikaner über sie denken. Wirklich alle europäischen Zeitungen haben über WikiLeaks und die Depeschen berichtet. Mannomann, so wichtig ist allen die Einschätzung durch die Amerikaner. Sagenhaft.

Und: Wir wissen, dass die Amerikaner offenbar davon überzeugt sind, dass Premier Erdogan in der Türkei sein Land in einen islamischen Gottesstaat verwandeln will. Und dass sie ihn für korrupt halten. DuliebeGüte, mir bleibt jetzt noch fast das Herz stehen vor Aufregung. Obwohl alles schon eine Woche lang öffentlich ist und heute der “Spiegel” wohl wieder neue Informationen bringt.

Überhaupt der “Spiegel“. Das ehemalige Nachrichtenmagazin enttäuscht mal wieder. Sie haben den Klatsch und Tratsch groß rausgebracht, während der “Guardian” in England deutlich mehr davon gebracht hat, was POLITISCH relevant ist.

WikiLeaks hat Rohmaterial geliefert, und zwar an die seriösesten Zeitungen in Europa. WikiLeaks hat sich nicht die Herkules-Aufgabe angetan, das Material zu sortieren und zu bewerten. Das haben sie Profi-Journalisten überlassen, und das ist gut so. Der “Spiegel” musste nachgedruckt werden, so viele wollten ihn kaufen. Der ganze Vorgang zeigt, wie die hiesige Presse von WikiLeaks profitieren könnte.

Wir wissen nun auch, dass die USA ein großes Informationsnetz ausgebreitet haben, das Ergebnisse bringt wie ein Geheimdienst. Das ist Spionagetätigkeit, was die Diplomaten und ihre Mitarbeiter machen. Bis hin zu biometrischen Daten sollen sie alles melden. Wenn erst mehr Dokumente kommen, werden wir sehen, dass es astrein geheimdienstliche Tätigkeiten sind, für die Diplomaten eigentlich nicht zuständig sind. Hillary Clinton will, dass Leute ausspioniert werden.

Wir wissen, das der König von Bahrain die Amerikaner aufgefordert hat, einen finalen Schlag gegen das iranische Regime zu tätigen. Das ist wissenswert. Es ist gut zu wissen, auf welcher Seite die Araber stehen. Mir war das bis dato gar nicht klar. Wobei natürlich immer berücksichtigt werden muss, dass auch die Diplomaten irren können, wie im Falle der Einschätzung von Erdogan, wo sie vermutlich in einigen Punkten schwer daneben liegen.

Wissen ist besser als Nichtwissen. Wissen macht das Leben besser, es macht unsere Welt letztlich besser. Auch wenn im ersten Moment peinliche Situationen entstehen, weil das Wissen erst mal verdaut werden will. Man sollte jetzt nicht alle Kanäle verstopfen, sondern überlegen, wie man gut mit dem Wissen umgeht. Es wird sich künftig nicht verhindern lassen, dass das rauskommt, was mächtige Menschen (in Politik und Bankenwesen) geheim halten möchten. Damit wird man leben müssen. Es ist zu begrüßen, wenn mehr offen kommuniziert wird, wenn alle mitdenken.

Und die Frage vor der Veröffentlichung muss immer lauten: Ist es politisch relevant? Ist es relevanter politischer Stoff? Ich erinnere daran, dass nach der Veröffentlichung der Steuergelder-CDs in Lichtenstein und der Schweiz die Gesetze in Richtung Doppelbesteuerung geändert wurden. Die Veröffentlichung hat etwas Gutes bewirkt, da vorher etwas sehr schlecht geregelt war.

Wir werden nicht mehr auf die Macht des vernetzten Wissens verzichten wollen.

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Die Schuld tilgen, geht das?

Hier wurde schon lange nichts mehr über eine Erzählung von Heinrich von Kleist niedergeschrieben. Also los. Heute geht es um eine Geschichte, wo Kleist die Frage von Schuld erörtert. Von großer, großer Schuld –  und ob es die Möglichkeit gibt, sich von dieser Schuld reinzuwaschen. Dazu erzählt Kleist die Geschichte von einer Dame, Mutter von zwei Kindern, die Witwe geworden ist und nach einer Zeit der Trauer beschlossen hat, nicht wieder zu heiraten. Obwohl es Interessenten gibt.
Hier muss ich zwischenschalten, dass im weiteren das Thema “Vergewaltigung” behandelt wird. Denn das ist das Verbrechen, dessen sich in Kleists Geschichte ein Mann schuldig macht. Eingedenk der Diskussion um das nicht immer jugendfreie Internet mache ich also hier darauf aufmerksam, dass ich über ein Thema bei Kleist schreibe, das für Kinder nicht geeignet ist.  – Wie eigentlich der ganze Kleist nicht für Kinder und Jugendliche unter 14 geeignet ist. Man denke nur an die Szene, wo der rasende Mopp auf ein junges Elternpaar mit Kind zurennt, und wie dann einer den Säugling bei den Beinen packt und an die Wand der Kirche schleudert, so dass das Gehirn aus dem Kopf spritzt.

Ja, Leute, Kleist ist nichts für Menschen mit schwachen Nerven.
So, jetzt also die Geschichte von der jungen Witwe, die bei ihren Eltern in einem wirklich großen Gebäude lebt und sich ziemlich wohl in ihrem Leben fühlt. Ihre Eltern sind echt froh, dass mit den Kindern Leben in die Bude gekommen ist, und so ist alles ganz gut geregelt.
Bis . .  ja bis ein Krieg ausbricht und Soldaten das Haus der Familie stürmen. Die junge Mutter rennt in Panik in einen kleinen Gartenpavillon, wo sie vor lauter Angst in Ohnmacht fällt. Hier findet sie ein Offizier. Na ja . . . . Als sie wieder zu sich kommt,  streicht sich der Mann die Klamotten glatt und setzt sich den Hut auf. Das steht da so unprätentiös bei Kleist.

Die schöne Frau meint, sie sei  von dem Offizier vor einer Meute mordlustiger Soldaten gerettet worden, und bald ist der Krieg aus und alles kommt in die gewohnte Ordnung zurück. Da regt sich beim Offizier das Gewissen. Er hat eine verdammte Tat begangen, kommt damit nicht zurecht und will die Schuld na ja  . . .  irgendwie wohl tilgen. Bei der Dame stellen sich unterdessen körperliche Symptome ein, die sie doch etwas an die Zeit erinnern, als sie mal schwanger war. Und sie kann sich und ihren Eltern verdammt noch mal nicht erklären, wie es dazu gekommen sein soll. Die Eltern sind entsprechend not amused und wissen nicht mehr, was sie von ihrer Tochter halten sollen.

Die Familie hat jetzt ein Problem der Extraklasse. Und zwar jeder mit jedem: Mutter hält zur Tochter, Vater fühlt sich von Tochter verarscht. Mutter zofft sich mit Vater, Tochter wird fast verrückt, muss sich aber um die beiden Kinder kümmern uswuswusw.
Und dann taucht auch noch der Offizier auf und macht der jungen Frau sofort einen Heiratsantrag. Die lehnt ab. Und weil er so insistiert, sagt sie ihm, sie wüsste auch nicht wie es kommt  und er soll sie nicht für verrückt halten, aber sie wäre schwanger.  Der Mann will jetzt nur noch dringlicher heiraten. Die Folge: Noch mehr Turbulenzen in der Familie. Was Kleist jetzt erzählt, ist dann der Versuch des Offiziers, seine Schuld abzutragen. Ob es ihm gelingt, muss jeder selbst nachlesen.
So, ich geh jetzt mit meinen Ski in den Westpark, in Aachen hat es nämlich geschneit, und ich habe Resturlaub. Und morgen sehen wir uns in Nizza, wo die Sonne scheint. 😉

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Nur Dumme halten Erdogan für dumm

Ich muss staunen, wenn ich lese, wie bar aller Kenntnisse  über die Mentalität der Menschen im Vorderen Orient die US-Diplomaten sind. Mein lieber Herr Gesangsverein, die meinen doch tatsächlich, der türkische Premierminister Erdogan habe “Probleme, den Kontext zu verstehen“.
Was im “Spiegel“, Seite 116 und 117, zu lesen ist, macht eher den Eindruck, als würden die Amis den Kontext nicht verstehen. Erdogan ist sehr schlau und wird  noch mehr Macht bekommen und die Wahlen im nächsten Jahr gewinnen.
Erdogan sei “ein machtgieriger Islamist”, seine Minister seien “unfähig, ungebildet und korrupt”.  Die Regierung sei insgesamt zerstritten und die Opposition sei “lächerlich”. Das letzte stimmt.
Erdogan habe “noch nie ein realistisches Weltbild gehabt” lautet eine Einschätzung von Mai 2005. Was für ein Stuss. Erdogan glaube, “Gott habe ihn auserkoren, die Türkei zu führen”. Das wird einem in der Türkei womöglich erzählt, aber man muss auch wissen, was solche Sprüche bedeuten. Sie sind durchaus nicht wörtlich zu nehmen.
So steht das alles im Spiegel, und ich höre jetzt mal lieber auf mit dem Zitieren, sonst krieg ich noch Ärger mit dem ehemaligen Nachrichtenmagazin wegen Kontent-Klau oder Urheberrechten. Ich such mir lieber gleich mal das Bild von der vollbusigen, blonden Ukrainerin raus, in die sich der lybische Staatschef Gaddafi verknallt hat, und die ihn im Krankenschwester-Outfit immer begleitet, laut US-Cablegate. Hihihihihihihi.
Telefon-, Handy- und Faxnummern sollen die Diplomaten in die USA übermitteln, dazu E-Mail-Adressen und Internet-Zugangscodes, Nummern von Kreditkarten, Vielflieger-Konten, Dienstpläne und biografische Informationen. Tja, das hätten die Amis gern alles von uns und unseren Politikern und diesen Datenhunger, den finde ich richtig gefährlich. Denn die Frage ist doch,  wozu verwenden die dieses Daten, die sowieso eines Tages alle bei Wikileaks auftauchen werden?

Alles in allem : Wikileaks hat einen Riesencoup gelandet. Und verhindert, dass ich mich heute wieder mit der Gewerkschaft (Ver.di) und mit jener unheimlichen Organisation befasse, die sich “Innocence in Danger” nennt.  Ein Adelsverein, vor dem es einen nur grausen kann.

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