Ein Museum bekommt einen neuen Eingang – und dann?

Gestern geriet ich mehr durch Zufall als durch Vorsatz in Aachen in eine Sitzung des Kulturausschusses. Das ist ein Politiker-Gremium, das die lokale Kultur steuert.
Es ging um das Ludwig Forum, das seit Jahren nicht mit den Besucherzahlen aufwarten kann, die es eigentlich vorweisen müsste. Der Inhalt des Hauses – Kunst im Wert von vielen Millionen Euro – ist in Ordnung. Personell und finanziell ist das Haus durch die Öffentliche Hand gut ausgestattet. Es stimmt soweit alles und stimmt doch nicht.
 
Das Ludwig Forum war mal eine Schirmfabrik (in den 30er Jahren) und ist jetzt ein Museum, Umbau: Professor Eller. Es befindet sich in Aachens ehemaligem Arbeiterviertel. Die Umgebung, also das ganze Aachen-Nord ist so heruntergekommen, dass es die Kriterien für eine ganz außergewöhnliche Förderung des Landes NRW erfüllt. Und das will was heißen.
 
Aber da liegt auch schon der Hase im Pfeffer: Das Ludwig Forum befindet sich einfach am falschen Platz. Ein Museum mit aktueller, moderner Kunst hätte mehr in die Innenstadt gehört, in die Nähe vom Eurogress beispielsweise. Oder in die Franzstraße, wo sich jetzt noch die Hauptschule, die bald geschlossen wird befindet. Oder, oder, oder.
 
Seit Jahren beklagen die Politiker den Besuchermangel. Auch sollte das Ludwig Forum die Stadt Aachen über ihre Grenzen hinaus bekannt machen bei Kunstfreunden, Architekten und so Leuten. Das funktioniert, ehrlich gesagt, gar nicht. Die Politik reagierte, legte ein Aufmotz-Programm auf für die Jahre 2011 bis 2014.
 
Zu dem Aufmotz-Programm gehört, dass die Eingangs-Situation verändert wird. Die sei nämlich grausam unschön, und die Interessenten fänden oftmals den Eingang nicht. Hat man erkannt. Um die Veränderung des Haupteingangs ging es in der Kulturausschuss-Sitzung. Knapp 300.000 Euro darf es kosten, einen neuen Eingang zu bauen – mit Museums-Shop und neu entworfenen Rollmöbeln, die 20.000 Euro kosten werden. Über dem neuen Eingang soll in großen Buchstaben das Wort „Eingang“ stehen, sehr einfallsreich, nicht wahr? Jeder Buchstabe kostet – nebenbei erwähnt – 1000 Euro, wenn ich nicht irre. 
 
Na ja. Ich frage mich, warum viele Jahre lang die Arbeiter den Eingang von der Schirmfabrik immer gefunden haben, wenn jetzt die Kunstfreunde auf der Straße stehen und den Eingang NICHT finden. Gleichwohl: Das Ding hat drei Eingänge, einen vom Parkplatz aus, der allerdings ewig rappelvoll ist mit den Autos der Menschen, die im Viertel wohnen, einen versteckten ganz nach hinten weg und eben den Haupteingang. 
 
Die moderne Kunst ist nicht jedermanns Sache, das ist mir klar. Und das Haus steht nun mal da, wo es eben steht. Um ein neues Museum zu eröffnen, etwa in der Franzstraße, anstelle der Hauptschule, die jetzt geschlossen wird, und um dann in die Schirmfabrik die Volkshochschule reinzupacken und den Bushof umzubauen, dazu fehlt das Geld. Aber dass die ganzen Maßnahmen es nicht bringen werden, scheint mir offensichtlich. 

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Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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