Sondersitzung wegen Gewalt. Polizei: Wir haben alles im Griff.

Vor der Sondersitzung: Polizeipräsident Dirk Weidsprech wird von einem WDR-Team interviewt. Oberbürgermeister Philipp (vorne) hört zu.

Vor der Sondersitzung: Polizeipräsident Dirk Weinsprach wird von einem WDR-Team interviewt. Oberbürgermeister Philipp (vorne) hört zu.

„Soooooo schlimm ist es alles doch gar nicht.“  Diese Worte wählte Aachens neuer Polizeipräsident (PP) Dirk Weinsprach zwar nicht wörtlich. Aber gemeint hat er es – mit all seinen Erklärungen.

Am heutigen Dienstag gab es „erstmals in Aachen“, so Oberbürgermeister Marcel Philipp, eine Sondersitzung im Rathaus wegen Gewalt in Aachen und Bildung einer Bürgerwehr. In der Tat: Das hatten wir so noch nie.

Eine Serie von Raubüberfällen ging mitten im August los und wurde danach immer schwächer „mit einzelnen Ausschlägen nach oben“, so der Polizeipräsident nebulös. Im Ganzen seien aber in diesem Jahr – was die Raubüberfälle betrifft – noch nicht mal die Zahlen von 2013 erreicht worden.

Zwei Dutzend Zuschauer hatten sich im Ratssaal eingefunden, um mal genau zu hören, wie die Lage eigentlich ist und was überhaupt Sache ist. Es gibt ja Bürgerinnen und Bürger, die sich in Aachen nachts  gar nicht mehr auf die Straße trauen. Und eine Bürgerwehr hat in Windeseile einen großen Zulauf bekommen. Gut 40 Männer und Frauen machen da jetzt schon mit.

Von Seiten der Politiker gab es bei der Sitzung viele Wortmeldungen. Man drückte sich freundlich aus, aber durch die Blume bekam der PP gründlich sein Fett weg. Redner der CDU kritisierten als erste die Presseveröffentlichungen, die aus der Krefelder Straße kamen. Die Situation sei als ganz ungewöhnlich gefährlich geschildert worden, und der PP habe sich nicht eindeutig von der Bürgerwehr distanziert. Deshalb seien die Bürger in Angst. Gaby Breuer (CDU) hatte besonders viel Angst bekommen: „Das war ja eine Horrorvorstellung.“.

Die von der SPD haben ebenfalls Angst bekommen, sagten sie. Aber die Aktionen der Polizei in den letzten Tagen hätten schon ihre Wirkung getan, und der Polizeipräsident möge doch bitte demnächst die Verbrechen in der Presse anders darstellen.

Zwei Mal aufgefordert, sich von der Bürgerwehr zu distanzieren, sagte der PP: „Die Bürgerwehr ist nur Show.“ Sie behindere die Arbeit der Polizei und mache alles nur noch schlimmer.

Der Oberbürgermeister stellte dann aber doch die Frage in den Raum, warum eigentlich so viele Menschen bei einer Bürgerwehr mitmachen? Darüber müsse mal gründlich nachgedacht werden. (Kommentar meinerseits: Recht hat der Mann.) Die Grünen meinten, der PP hätte sich früher und stärker und eindeutiger in seinen Stellungnahmen von der Bürgerwehr distanzieren müssen. Und die Flugblatt-Aktion sei besonders bescheuert gewesen. Gut, es wurde, wie ich oben erwähnt habe, eine freundliche Ausdrucksweise gewählt, aber so war es gemeint.

Das Flugblatt war ja wirklich der Gipfel. Die Polizei teilte darauf mit, man solle nicht mehr allein in dunklen Straßen gehen und das Handy nicht zeigen, nachts, beim Gehen, usw. Man konnte meinen, in der Stadt sei der blanke Notstand ausgebrochen. Der PP meinte, man habe ganz normal mit dem Flugblatt gewarnt, man könne aber aus jeder Aktion nur lernen. Und es sei wohl einiges von der Bevölkerung falsch aufgefasst worden. Die Presse hätte es womöglich nicht so ganz korrekt rübergebracht.

Ich hätte da fast laut aufgelacht und gerufen: Ja, ja, die Presse ist schuld, wie immer. Konnte mich aber gerade noch beherrschen. Auch CDU-Fraktionschef Baal meinte sinngemäß, das sei jetzt aber nicht besonders okay. Und: „Manche Ihrer Pressemitteilungen waren einfach suboptimal.“

Pirat Udo Pütz sagte, es sei ja wohl alles ein Kommunikationsproblem, und nicht nur ein einziges Kommunikationsproblem. Er wollte wissen, wie denn nun das Gewaltpotential genau sei: Werden die Opfer brutal krankenhausreif niedergeschlagen oder nur abgezockt mit einem Spruch wie „He, gib das Geld her.“? Ziemlich viele Kommunikationsprobleme sah Pütz, ausgehend von der Polizei.

Einen konstruktiven Vorschlag machte gegen Ende die grüne Bürgermeisterin Hilde Scheidt. Sie meinte, man möge doch wieder in den Stadtteilen die Sicherheits-Konferenzen aufleben lassen. Das sind Gespräche, wo man sich trifft und über das Viertel spricht, was gut ist, was nicht gut ist und was man ändern kann. Außerdem sollte man sich vornehmen, dass man einander hilft, wenn man Menschen in Bedrängnis sieht.

Update: Hier nachträglich noch was dazu geschrieben.

http://aachennews.wordpress.com

Über uebergangshymne

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Eine Antwort zu Sondersitzung wegen Gewalt. Polizei: Wir haben alles im Griff.

  1. Anonymous schreibt:

    thank you for nice Blogg..
    is very interesant and usefull, it show the cronic the life…

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