Wohnungen werden knapp und knapper, Politik reagiert

Die Wohnungsnot in Aachen wird immer größer. Das Gutachten des Instituts Quaestio kommt in diesem Zusammenhang zu dem Ergebnis, dass bis Ende 2019 in der Stadt circa 4.500 Wohneinheiten fehlen, bis Ende 2035 müssten insgesamt sogar mehr als 10.000 Wohnungen neu gebaut werden. Die Stadtverwaltung und die Aachener Politik müssen handeln. Sie verkaufen ab sofort Grundstücke, die der Stadt Aachen gehören, nicht mehr dem, der am meisten bietet. So war es bisher vorgeschrieben. Neu: Sie verkaufen jetzt die Grundstücke an den, der sich verpflichtet, z. B. Wohnungen zu bauen. Selbst wenn der „gute“ Käufer nicht den Maximalpreis zahlen kann.

Das neue Verfahren wird angewendet „bei der Vermarktung von mehr als 10 aneinander grenzenden Reihenhausbaugrundstücken und bei Projekten für den Geschosswohnungsbau, auf denen insgesamt mehr als 15 Wohneinheiten errichtet werden können“ (s. Verwaltungsvorlage).

Die Sache ist interessant und in ihren Einzelheiten etwas komplizierter, als hier kurz angerissen. Wer mehr wissen möchte: hier klicken

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Platz ist im engen Aachener Kessel, der noch dazu an einer Seite durch eine Staatsgrenze am Wachsen gehindert ist, immer zu wenig vorhanden. Auch für Unternehmen, die sich ansiedeln wollen (Stichwort: Zulieferbetriebe für das neue e.Go-Werk). Deshalb beschäftigen sich Politik und Stadtverwaltung mit der Gründung von „interkommunalen“ Gewerbegebieten. In Aachens Nachbarschaft hat nämlich z. B. Eschweiler noch reichlich Fläche.

Von „interkommunaler Zusammenarbeit bei der Gewerbeflächenentwicklung und -bereitstellung in Abstimmung mit den Nachbarkommunen und der StädteRegion“ ist die Rede. Dabei muss u. a. geklärt werden, in die Kasse welcher Kommune die Gewerbesteuer fließt. Mehr lest ihr hier.

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Wenn in Aachen Wohnungen gebaut werden, dann bisher viel zu oft Wohnungen für betuchte Leute. Deshalb wollen die Politiker vorschreiben, dass – wer Wohnanlagen baut – 50 40 Prozent aller neuen Wohnungen für Leute anbieten muss, die einen Wohnberechtigungsschein (WBS) haben.

Bisher waren die Vorhabenträger verpflichtet, im Plangebiet geförderten Wohnungsbau zu realisieren, und dabei zwischen 20 und 40 Prozent (bezogen auf die Anzahl der Wohneinheiten) im Sozialen Wohnungsbau zu erstellen. Jetzt werden es also 50   40 Prozent sein.

Übrigens: Insgesamt kann auf Grundlage der Daten festgestellt werden, dass mindestens 50 Prozent der Aachener Haushalte einen Anspruch auf WBS haben. Dabei ist vielen Menschen nicht bekannt, dass ein Wohnberechtigungsschein (WBS) nichts mit dem Bezug von sozialen Leistungen zu tun hat. Es reicht ein mittleres Einkommen – und schon bekommst du den WB-Schein. (Ein WBS ermöglicht es, öffentlich geförderte Wohnungen  günstig  zu mieten.) Noch Fragen? Lest hier weiter.

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Mit dem Wohnungsmarktbericht 2017 ist der 11. Bericht zum Aachener Wohnungsmarkt erschienen. Wie im letzten Jahr angekündigt wurde dabei eine weitere Ausdifferenzierung der Datenerfassung und –analyse vorgenommen. So werden insbesondere vermehrt Querbezüge zwischen den einzelnen Entwicklungen und zu den kommunalpolitischen Beschlüssen dargestellt.

Erstmals enthält der 11. Wohnungsmarktbericht ein Kapitel zum Thema „Kommunale Handlungsinstrumente“, in dem die wichtigsten Instrumente und Maßnahmen erörtert werden, die aktuell durch die Stadt Aachen zur Steuerung, Regulierung und strategischen Weiterentwicklung des lokalen Wohnungsmarktes angewandt werden.

Die Kommunalen Handlungsinstrumente sollen in den nächsten Berichten fortgeschrieben werden. Wie bereits im letzten Bericht eingeführt, wird aufgrund der besonderen Relevanz des Themas zudem der Bereich des „Öffentlich geförderten Wohnungsmarkts“ in einem eigenen Kapitel behandelt.

Der Wohnungsmarktbericht wird im Piratenbüro, Wilhelmstraße/Ecke Lothringer Straße in Kürze ausgelegt und kann dort eingesehen werden. Besteht überhaupt Interesse?

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Wohnungen könnte man auch da bauen, wo (in langen Jahren des Leerstands) mittlerweile vergammelte Gebäude im Besitz des Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) sind, in der Karl-Marx-Allee und der Nizzaallee beispielsweise, worauf in dieser Elektropostille schon im Juni 2015 hingewiesen wurde (s. Fotos unten).

Mittlerweile eine baufällige Ruine: ein Gebäude des BLB in der Karl-Marx-Allee in Burtscheid. Man sollte es abreißen und dort Wohnungen bauen.Ebenfalls im Besitz des BLB, und wie auf AachenNews.org bereits im Juni 2015 angeprangert: ein großes Gebäude in der Nizzaallee, leer und vergammelt. Empfehlung: abreißen und Wohnungen bauen.

 

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Eine Antwort zu Wohnungen werden knapp und knapper, Politik reagiert

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