Schillers „Räuber“ mal gegen den Strich gebürstet

Mit „Die Räuber“ wurde Friedrich Schiller schlagartig berühmt. Jetzt wurde das Stück in der Inszenierung von Ewa Teilmans zum letzten Mal im Theater Aachen aufgeführt.

Ein Mann (Franz heißt die Kanaille) will alles haben, was sein Bruder Karl schon hat oder jedenfalls mal bekommen wird: 1. die Liebe des Vaters, 2. das Erbe und 3. die schöne Braut.

Tja, wenn man merkt, dass der eigene Bruder krass bevorteilt wird, soll man sich im Leben dann darauf konzentrieren, dem Bruder alles wegzunehmen? – – – Ich bin sicher, dass jeder (der noch alle Tassen im Schrank hat) sich schließlich sagt: Was soll’s? Versuch ich eben, ohne das alles trotzdem glücklich zu werden.

Nicht so der Franz. Leider. Im Theater Aachen haben wir jetzt 3 Stunden damit verbracht, dem Franz dabei zuzusehen, wie er versucht, seinem Bruder Karl alles zu nehmen, zum Schluss sogar das Leben. „Was für’n Quatsch“, dachte ich beim Rausgehen. Und damit meinte ich nicht die beeindruckende Aufführung der „Räuber“ von Friedrich Schiller, oder dass das Stück in Aachen aufgeführt wird. Ich meinte, dass der Weg, den Franz einschlägt, kein guter ist und es auch keinen Sinn macht, ihm dabei zuzusehen.

„Was für’n Quatsch“, dachte ich auch wegen Karl. Der, weil ihn sein Vater in einem schwachen Moment wegen seines allzu lockeren Studentenlebens verstößt/verachtet, Hauptmann einer Bande wird, die mordet und sogar ein ganzes Stadtviertel niederbrennt und nicht weiß, was dann. Vor allem, weil Karl  nicht weiß, wohin das führen soll, zu welchem Behufe er sozusagen die ganzen Zerstörungen ausführen lässt und selbst ausführt.

Das erinnerte mich krass an Gelbwesten und Konsorten in Frankreich, an den IS, den arabischen Frühling, an die RAF und wer sonst so alles zerstört, niederbrennt (und mordet). „AfD-Ultras und Brexiteers wollen das Land brennen sehen“, denke ich, wenn ich diese Leute via TV reden höre. Ja, und dann? Was wären denn so die Pläne für nach dem Brennen?

„Freiheit“ brüllt die Bande von Karl mehrfach. Ja, Freiheit von was? Das hätte man doch gern noch gesagt bekommen von Herrn Friedrich Schiller. Der war übrigens erst 22, als er das Stück schrieb und wurde damit schlagartig berühmt.

Im Stück sind natürlich am Ende alle mausetot. Tja, so kanns gehen, wenn die Elternliebe ungerecht verteilt ist. Muss aber nicht.

***

Eigenwillig und überzeugend inszeniert hat das Stück Ewa Teilmans. Wer alles auf der Bühne stand, seht ihr hier:

https://www.theateraachen.de/de_DE/spielplan/die-raeuber.14729790

Das Stück ist jetzt nicht mehr auf dem Spielplan.

Über AachenNews.org

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