Auch das noch: Unter dem Pflaster liegt eine römische Wasserleitung

Feinarbeit: Philip Breidenbroich von skArcheoConsult legt in der Baugrube in der Lothringer Straße einen Teil der römischen Frischwasserleitung frei. Der Aquädukt führte von Burtscheid nach Aachen zum Bereich der heutigen Elisabethhalle. Foto: Stadt Aachen / Stefan Herrmann

Die Lothringer Straße steckt voller Überraschungen. Während die Baumschützer noch die fünf Bäume betrauern, die dort gefällt wurden, und die Radfahrer verfluchen, die dort auf Errichtung einer Radvorrang-Route bestehen, machen die Kanal-Bauarbeiter und Archäologen einen seltenen Fund: Teile eines römischen Aquädukts (Wasserleitung) konnten freigelegt werden.

Die alte Leitung hat ab etwa 100 n. Chr. über eine Länge von knapp zwei Kilometern Frischwasser von Burtscheid nach Aachen zu den großen römischen „Münsterthermen“ geführt. Die Stadtverwaltung teilte mit: Die nun entdeckte Ausrichtung des Aquädukts liefert Experten neue Erkenntnisse über den genauen Verlauf der Leitung.

„Es wurde immerhin die alte Wasserleitung entdeckt, die das römische Aachen mit Wasser versorgt hat“, ordnete Stadtarchäologe Andreas Schaub die Entdeckung ein.

Wasserversorgung für große Themen

„Unter Kaiser Trajan (98 bis 117 n.Chr.) wurde Aachen großräumig neu errichtet“, berichtet Andreas Schaub. „Unter anderem entstanden dabei die Thermen unter dem Dom – die ‚Münsterthermen‘ -, die mit rund 6200 Quadratmetern Fläche zu den größten Heilbädern im Imperium Romanum zählten. Vor allem für deren Versorgung mit Frischwasser wurde der Aquädukt von Burtscheid nach Aachen errichtet.“ 

Startpunkt am „Kalten Bach“

Der Startpunkt der römischen Frischwasserleitung lag beim heutigen Schwertbad in Burtscheid. Dort wurde vom „Kalten Bach“ – der Wurm – eine hölzerne Abzweigung errichtet, die in den Aquädukt geleitet wurde. Von dort verlief die rund 1770 Meter lange Leitung grob über die heutige Dammstraße, Bachstraße, Warmweiherstraße, Herzogstraße, Lothringer Straße, Wirichsbongardsstraße und Elisabethstraße bis zum Bereich, wo heute die Elisabethhalle und die Hauptgeschäftsstelle der Sparkasse Aachen am Münsterplatz liegen. Dort endete der Aquädukt in einem so genannten Wasserkastell.  

Massive Bauweise

„Die Leitung insgesamt ist in einer sehr massiven Art und Weise gebaut worden. Das Bauwerk war insgesamt etwa zwei Meter breit und ist – zumindest in großen Teilen – in die Erde eingegraben worden“, erklärt der Stadtarchäologe. Aufgrund der Aachener Topografie wurde im Bereich des heutigen Theaterplatzes durch eine Aquädukt-Brücke die dortige Senke überwunden, um dann zum Wasserspeicher im Bereich der Elisabethstraße zu kommen. – Zum Glück gab es damals noch keine Bebauungspläne, Umweltschützer und streitlustigen Anwohner. Die Leitung samt Brücke und Wasserkastell wäre sonst heute noch nicht fertig.

„Wenn es optimal läuft, findet sich darauf sogar eine Inschrift, die uns erlaubt, die Datierung noch exakter angeben zu können“, hofft Grabungsleiterin Sarah Janßen-Kempka. 

In wenigen Tagen schreitet dann aber in der Lothringer Straße der Kanalbau wie geplant voran und der römische Fund wird einfach wieder zugeschüttet.

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