Wahlplakate und ihre Slogans. Heute: Die Linke

In gut 5 Wochen wählen wir eine neue Bundesregierung. Es geschieht zum ersten Mal (seit 1949), dass alle Parteien ohne einen Amtsinhaber/eine Amtsinhaberin ins Rennen gehen. Das ist eine ungewohnte Situation. Man kann niemand wählen, von dem/der man definitiv schon weiß, wie er/sie die Politik in Deutschland anführen wird. 

Ebenfalls ungewöhnlich ist, wie sehr das politische Feld sich unterscheidet. Man hat tatsächlich die Wahl zwischen ganz verschiedenen Angeboten. Hier der freundliche Onkel aus Aachen, der ein bisschen Bonner Republik aufscheinen lässt. Dort die rote Truppe der Sozialdemokraten, die mit konkreten Vorhaben und Plänen um die Ecke geprescht kommt (davon in einer späteren Folge mehr). 

Diesmal kann wirklich niemand sagen: „CDU und SPD – das ist doch alles dasselbe.“ Wie diffus die CDU bleibt, und wie konkret andere werden, lässt sich zeigen an zwei Plakaten, die in Haaren zufällig übereinander hängen. Ein Unterschied wie Tag und Nacht!

Sehr vage und im Ungefähren gibt sich die CDU – Konkret und laut, auch bezüglich des Zeitpunkts ist Die Linke. Wobei, wenn man es recht bedenkt, „jetzt“ ist ja eigentlich immer.

Auf die Tonalität des Slogans und der Plakate der Partei Die Linke soll in dieser kleinen Serie heute eingegangen werden. Wobei im öffentlichen Raum kaum Portaits des Aachener Kandidaten Andrej Hunko gefunden wurden. Die Linke will offenbar allein mit Themen punkten. Und ihr Slogan lautet schlicht „Jetzt!“, was auf den Plakaten in riesengroßen Buchstaben prangt.

„Jetzt reicht’s.“ „Jetzt“ haben wir die Nase voll. „Jetzt“ ist es aber auch mal gut. „Jetzt oder nie“ . . . denkt man, wenn man dieses riesige Wort am Straßenrand sieht. Wer hat nicht schon mal in scharfem Ton zu jemand gesagt, der eine wichtige Aufgabe ewig vor sich herschob: „Nein, nicht nächste Woche, jetzt.

Früher konnte man anscheinend noch warten, aber jetzt reicht es mit den Waffenverkäufen, jetzt reicht es mit dem niedrigen Mindestlohn, jetzt müssen Busse und Bahn kostenlos werden. Man will plötzlich nicht mehr warten, die Wähler*innen sollen endlich ihr Kreuzchen bei der richtigen Partei machen. Vom Wahlvolk wird Aktivität gefordert. Da ist nicht die Rede davon, dass jemand „für dich“ (s. SPD) nach Berlin geht und dort „für dich“ Dinge regelt.

Die Linke schreit uns auf ihren Plakaten an – in großen Buchstaben mit Ausrufezeichen, formuliert alarmistisch.

Andrej Hunko kann in Aachen gewählt werden, wo er auch aufgewachsen ist, Abitur auf dem KKG. Er studierte Medizin, wurde aber schließlich Mediengestalter und Drucker. Seit 2009 Mitglied des Bundestages. Hunko ist einer der aktivsten Politiker seiner Partei und findet regelmäßig Beachtung in den Medien. Er kritisierte in den 2010er Jahren die deutsche und europäische Krisenpolitik. Er reiste regelmäßig in europäische „Krisenstaaten“, um als deutscher Vertreter an Protesten gegen das europäische Krisenmanagement teilzunehmen.

Seine „Anfragen“ an die Bundesregierung deckten mehrfach Zustände auf, die man zuvor nicht für möglich gehalten hätte.

Beispielsweise ergab eine Anfrage, dass Deutschland Versorgungszahlungen an ehemalige Mitglieder der Blauen Division und deren Angehörige leistet. Und zwar nicht zu knapp, jeden Monat. Nach den Snowden-Enthüllungen stellte Hunko zahlreiche Anfragen zur internationalen Geheimdienstkooperation an die Bundesregierung, darunter zum PRISM-Programm des amerikanischen Geheimdienstes NSA. Seit 2014 fragt Hunko das Bundesinnenministerium halbjährlich zur Nutzung von neuen Überwachungstechnologien.

Eine mündliche Frage Hunkos an die Bundesregierung enthüllte 2016, dass die US-Basis in Ramstein für den Drohnen-Krieg der USA von zentraler Bedeutung ist.

Zuletzt irritierte Hunko gewaltig, weil er in Aachen bei zwei Kundgebungen unter dem Motto „Die Gedanken sind frei“ als Redner auftrat. Er beteiligte sich mit Verharmlosern der Covid-19-Pandemie am bundesweiten Protest gegen die Krisenpolitik der Bundesregierung.

Welcher Partei auch immer man nahesteht: Briefwahl ist eine gute Idee, insofern man nicht weiß, ob man den Wahltag (26. September) in Quarantäne verbringen muss.

UPDATE: Jetzt doch noch viele Plakate mit dem Konterfei von Kandidat Hunko gesehen.

Nächste Folge: die FDP

Vorige Folgen: die CDU und die Grünen

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