Friedhöfe: Ihr Potenzial wird unterschätzt. Sind spielen und sich erholen dort ebenfalls möglich?

Der Stadtbetrieb kümmert sich um die Aachener Friedhöfe und wie diese als Parks eventuell genutzt werden können. Bäume, Wiesen, allerlei Pflanzungen werden auf unseren Friedhöfen gepflegt und teils wunderbar in Schuss gehalten. In letzter Zeit war schon von einer „parkähnlichen Atmosphäre“ die Rede, die sich herstellen ließ. Dazu gehört aber, dass kranke Bäume gefällt werden.

Die Baumunterhaltung des Aachener Stadtbetriebs beginnt in diesen Tagen mit Baumfällungen auf dem Westfriedhof. Insgesamt seien, so wird mitgeteilt, 120 Nadelbäume betroffen, größtenteils Fichten, „in einem schlechten Zustand und nicht mehr verkehrssicher“. Dadurch würden sie sowohl eine Gefahr für Besucher*innen des Friedhofs als auch für den angrenzenden Zugverkehr darstellen, heißt es in der Mitteilung. 

Die Bäume seien „Flachwurzler“ und auf die oberen Bodenschichten angewiesen. Diese seien aber bedingt durch die trockenen Sommer der vergangenen Jahre zu dürr. So haben vor allem die klimatischen Belastungen zur schlechten Vitalität der Bäume geführt. Die allseits unterschätzte Klimakatastrophe schlägt also auch auf Aachens Friedhöfen zu.

Die Fläche eines Friedhofs als Park nutzen, geht das? Im Bild: der Friedhof Kolpingstraße in Brand. Foto: Stadt Aachen/Elisa Bresser

Dass eine parkähnliche Atmosphäre auf einem Friedhof entsteht (s. Foto oben, Friedhof in Brand), kommt durch die vielen Freiflächen. Die stark zunehmende Urnenbestattung führt dazu, dass zahlreiche Bereiche nicht (mehr) benötigt werden. Von „Überhangflächen“ sprechen die Expert*innen des Stadtbetriebs und erläutern in dem Zusammenhang, dass die Möglichkeit besteht, Randbereiche zu entwidmen und anderen Nutzungen zur Verfügung zu stellen

Welche Flächen das sind, wie viele Hektar und welche Entwicklungsmöglichkeiten es dazu gibt, wird im Friedhofsentwicklungskonzept vom Stadtbetrieb erarbeitet. Am Beispiel des Friedhofs Kolpingstraße sind es gut zehn Prozent der Gesamtfläche von zehn Hektar, die unmittelbar ausgegliedert werden können, erläuterte kürzlich Wolfgang Berg, Bereichsleiter Friedhofwesen und Krematorium des Aachener Stadtbetriebs.

Weitere Bereiche zwischen den Grabfeldern sollen für Neupflanzung von Bäumen und das Anlegen artenreicher Biotopflächen genutzt werden, um so das ökologische Potenzial und die Artenvielfalt in Fauna und Flora zu stärken. „Die Grabflure bleiben selbstverständlich unangetastet“, betont Ilse Savelsbergh, Geschäftsbereichsleiterin der Grün- und Freiflächenpflege des Aachener Stadtbetriebs. 

Für mehr Biodiversität und Naherholung

Ein mit rund 370.000 Euro vom Bund gefördertes Projekt hat das Ziel, die Aachener Bezirksfriedhöfe im Sinne der nachhaltigen Steigerung der Biodiversität und ruhigen Erholung zu entwickeln. Zehn dieser Bezirksfriedhöfe werden in den kommenden zweieinhalb Jahren unter diesen Aspekten genauer betrachtet. Neben dem Friedhof Kolpingstraße in Brand sind dies die Friedhöfe Nirmer Straße in Eilendorf, Friedenstraße und Verlautenheide im Bezirk Haaren, die Friedhöfe Schildchenweg, Walheim und Schleckheim im Bezirk Kornelimünster/Walheim, die Friedhöfe Hand und St. Laurentius in Laurensberg, sowie der Friedhof an der Kirche St. Martin in Richterich. 

Dabei gliedert sich das Projekt in mehrere Bausteine: Der Erholungswert der Grünflächen soll mehr ins Bewusstsein gerückt werden, wobei mit einer Bürger*innenumfrage Ideen und Wünsche abgefragt wurden. Sitzgelegenheiten, kleine Spielpunkte, vielleicht ein Bücherschrank – die Ideen sind vielfältig. „Spannend ist für uns, ob die Bürgerinnen und Bürger die Veränderung mit Spielpunkten, Begrünung und Sitzgelegenheiten befürworten“, sagt Wolfgang Berg und ergänzt: „In anderen Städten gibt es ähnliche Konzepte.“

Schließlich folgen Baum- und Strauchpflanzungen sowie das Einsäen zusätzlicher Blühflächen mit heimischen Kräutern.

Die bezirklichen Friedhöfe haben mit einer Gesamtfläche von rund 42 Hektar einen Anteil von 46 Prozent an den bezirklichen Grünflächen ein großes Potenzial für die Sicherung der Biodiversität und die Minderung der Auswirkungen des Klimawandels. Und: Die Erarbeitung für die genannten Bezirksfriedhöfe stellen erst den Beginn dar: Auch für die innerstädtischen Friedhöfe wurde bereits ein Förderantrag zur Ausweitung des Projekts gestellt.

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Quelle: Stadt Aachen, Fachbereich Kommunikation und Stadtmarketing

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Eine Antwort zu Friedhöfe: Ihr Potenzial wird unterschätzt. Sind spielen und sich erholen dort ebenfalls möglich?

  1. Carmen Berck schreibt:

    Ein Gedanke zur Friedhofsgestaltung von einer Umwelt-Gestalterin :
    Ein Ort des Friedens, für die Lebenden
    Ein Ort des Respekts, für die Toten
    Das Wichtigste ist das Empfinden der Besucher ! Begleiten wir ihn auf seinem Weg:
    Es kann hier durchaus etwas „lebendiger“ zugehen: Vegetation klar, in allen schönen erdenklichen Formen. Eine Erlebniswelt beim Durchwandern, auch farbenfroh !Denn das wird es manchmal, Beispiel Waldfriedhof. Hier , bei dieser Größe, braucht es eine Orientierungshilfe , die behutsam das Leben feiert .
    Womit wir bei der Verantwortung sind, die jedem Eingriff innewohnen muß :
    Ein Friedhof kann die Chance bieten, den Besucher getröstet wieder zu entlassen. Kein Freizeitpark, kein Ignorieren oder Überdecken der Gefühle, Empfinden herauslocken und positiver werden lassen, lebensfreundlicher, spannend und entspannend, zuversichtlicher und dankbar.
    Sehr interessant !

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