Nennt sie wie ihr wollt

Wandbilder, Wandgemälde, Graffiti, Wilde Bilder, Straßenkunst, streetart, zeitgenössische Kunst.

Nach all den Gesprächen, die ich in den letzten Wochen über die Bilder von Klaus Paier führen durfte mit Menschen, die sich mit seiner Kunst viel besser auskennen als ich, meine ich jetzt auch, dass es sich nicht um Graffiti, sondern um Wandbilder handelt.

Nennt sie wie ihr wollt, aber sorgt dafür, dass sie nicht verloren gehen.

 

Teilansicht, derzeit verdeckt.

Teilansicht, derzeit verdeckt.

Für mich ist wichtig: Es ist eine Form von politischem Engagement. Die Form weicht ab von dem, was wir normalerweise für politisches Engagement halten. Mich interessieren politische Äußerungen, die klar und deutlich sind. Zur Zeit besonders diejenigen politischen Äußerungen, die nicht auf die übliche, akzeptierte und gewünschte Form daherkommen.

Es ist zunächst wichtig, dass jemand sich in Aachen herausgenommen hat, den öffentlichen Raum gestalten zu dürfen. Und zwar mit etwas anderem als Werbung. Welche Anmaßung. Da, wo wir gehen, stehen, fahren werden wir ständig mit den kommerziellen Interessen der Geschäftswelt konfrontiert. Was einer zu verkaufen hat (Kosmetik, Versicherungen, Kleidung, Reisen), das muss ich mir ständig anschauen. Es wird unübersehbar sogar so

"Für Claudio", die Schrift gehört zum Bild und muss ebenfalls erhalten bleiben.

„Für Claudio“, die Schrift gehört zum Bild und muss ebenfalls erhalten bleiben.

präsentiert, dass es mir möglichst lange im Gedächtnis bleibt. Hallo? Gibt es auch noch Bilder von was anderem als Sachen, die man kaufen kann?

Interessant ist auch, dass es Kunst gibt, die nicht vorrangig eins im Sinn hat: Schnell auf allen Vieren ins Museum hinein. Oder in andere Ausstellungshallen. Wie schrecklich: Ich werde den Verdacht nicht los, dass die Museen Friedhöfe für Kunstwerke sind. Jedenfalls ist die Kunst in den Museen gut weggehängt und weggestellt und eines großen Teils ihrer Sprengkraft beraubt.

Kunst, die sich dem Blick der Straßenpassanten stellt, nötigt mir mehr Respekt ab.

Hier gibt es einen neuen Kommentar https://www.unserac.de/initiativen/i/initiative/219.html

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Die Zeichen an der Wand. Rettung scheint möglich.

Mittlerweile hoffen ziemlich viele Leute, dass das Bild hinter dem Vorhang ihnen eines Tages in frischen Farben entgegenleuchtet. Foto: Maximilian Render

Mittlerweile hoffen ziemlich viele Leute, dass das Bild hinter dem Vorhang ihnen eines Tages in frischen Farben entgegen leuchtet.     Foto: M. Render

Die Rettung des Bildes „Zwischen den Tagen“ schreitet munter voran. Und das allein deshalb, weil sich viele Menschen wirklich sehr viel Mühe gegeben haben und immer noch geben. Alle Achtung.

Behördenvertreter, Politiker, Kunstfreunde, Hochschulangehörige, die Kathy-Beys-Stiftung und die Arbeiter vor Ort haben die Ärmel hochgekrempelt. Gestern war sogar der ganze Stadtrat von Aachen mit dem Bild befasst. Acht Paier-Fans hatten sich deshalb eigens im Ratssaal in die Zuschauerbänke gequetscht.

Einstimmig (!) appellierte der Stadtrat an den Rektor der RWTH, an den Bau und Liegenschaftsbetrieb NRW und an das Land Nordrhein-Westfalen, das Bild zu erhalten und unter Schutz zu stellen. Vertreter von FDP, Die Linke und den Grünen sprachen teils bewegende Worte zur Kunst im öffentlichen Raum und zu den Bildern von Klaus Paier im Besonderen.

Dabei ist der Zustand des Bildes „Zwischen den Tagen“ kritisch. Es wurde nicht unmittelbar auf Mauerwerk aufgetragen, sondern auf eine sandige Putzfläche, die sich wiederum auf dem Mauerwerk befindet. Das Bild zu konservieren, das ist sehr aufwendig. Allerdings sind jetzt Experten vor Ort. Auch das Wandbild „Der große Krieg“, ein paar Meter weiter, ist noch nicht verloren. Für dieses Bild werden in Kürze ebenfalls Anstrengungen unternommen. Hier soll aber jetzt nicht vollmundig rumtrompetet werden. Besser wäre es, es würden sich noch mehr Mitstreiter finden. Die sollten sich regelmäßig um die Bilder kümmern: um die zwei vom Augustinerbach, das vom Café Kittel und ein weiteres sehr gut erhaltenes in der Mörgensstraße.

Aachen war nach Berlin eine der ersten Städte in Deutschland, die Graffiti unter Denkmalschutz gestellt hat, weiß Aachens oberste Denkmalschützerin Monika Krücken. Sie hat auch einen wunderbaren Aufsatz über Klaus Paier geschrieben. Irgendwo müssen auch noch die zahlreichen Skizzen sein, die Klaus Paier zu jedem Bild (als Vorbereitung) anfertigte. Wenn die (zum Beispiel) dem Archiv der Stadt, das seit heute mit einem neuen Chef-Archivar am Start ist, überlassen würden, könnten sich Ehrenamtliche an die Aufarbeitung machen.

Jedenfalls haben wir Bürgerinnen und Bürger es mit einer Stadt zu tun, die vor 30 Jahren schwere Fehler machte und gute Kunst vernichtete, die dies aber als Fehler erkannt hat, es bedauert und in Grenzen Wiedergutmachung leisten will.

Aufsatz Monika Krücken

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Unausgegorener Kooperationsvertrag zum freien WLAN? Piraten sagen: stopp

Aachen soll, hurra, endlich auch freies WLAN bekommen. Ja, so haben wir uns gefreut . . . in der RWTH-Stadt im Westen der Republik. Und ein Kooperationsvertrag soll auch schon unter Dach und Fach, also abschlussreif sein.

Aber, Moment mal, von dem Vertrag hat man zuvor nie was gehört. Und was sind denn so die Einzelheiten von dem Vertrag? Bei genauerem Hinschauen erweist sich die Sache als reichlich mysteriös.  Die Kollegen von der Aachener Piratenpartei haben auch gleich mit der (Nach-)Fragerei begonnen und schicken nun folgende Mitteilung, die hier im Wortlaut veröffentlicht wird.

Motto: Lasst doch endlich mal Leute ran, die was von der Sache verstehen. Für die Piraten im Rat der Stadt schreiben der Fraktionsvorsitzende Udo Pütz und  Fraktionsgeschäftsführer Rahu Ehanantharajah:

Internetstadt Aachen!?

Am letzten Freitag erreichte uns eine kurze Mail mit der Ankündigung eines Vortrages vor dem Personal- und Verwaltungsausschuss und einer Unterzeichnung eines Kooperationsvertrages unter der Überschrift „öffentliches WLAN in Aachen“. Die Mail war ansonsten spärlich und noch nicht mal an die Ratsvertreter gerichtet, sondern an die Presse.

Sofortiges Nachfragen ergab leider wenig Ergiebiges, und das Wenige war sehr unerfreulich. Da dieses Thema den Aachener Piraten extrem wichtig ist und eines unserer Wahlkampfthemen war, haben wir unsererseits sofort versucht, sämtliche Informationen einzufordern und sind gleichermaßen entsetzt, dass es völlig an den politischen Entscheidungsträgern vorbei geschleust werden sollte. Der vorgesehene Vortrag im Personalausschuss ist nur zur Kenntnisnahme, eine Einflussnahme der demokratisch gewählten Vertreter ist nicht gewünscht und auch zeitlich gar nicht mehr möglich.

Grundsätzlich fordert die Piratenpartei einen demokratischen Prozess über Entscheidungen dieser Art ein.

Wir sehen in der jetzigen Vorgehensweise zwei wesentliche Probleme:

1. Man hat niemanden gefragt, der sich technisch damit auskennt und sich wohl ziemlich vollständig auf den Auftragsnehmer verlassen. Das Ergebnis ist dementsprechend möglicherweise für diesen angenehm, aber nicht für die Nutzer oder die Stadt Aachen.

2. Die Vertragsgestaltung droht eine weiteres Negativbeispiel für Public Private Partnership zu werden. Sämtliche Kosten und jegliches Risiko blieben unserer Kenntnis nach in der öffentlichen Hand, die Möglichkeit Geld zu verdienen wird aber privatisiert. Es wäre wohl auch ein Nutzungsmonopol entstanden, die von der Stadt Aachen bezahlte Infrastruktur (weitgehend) kostenlos an den privaten Vertragspartner gegeben.

Liebe Freunde, das ist nicht das Internet. Das Bild ist vom Wandmaler  Klaus Paier, befindet sich in der Nähe vom Piratenbüro in Aachen und soll hier ausnahmsweise nur den Text auflockern.

Liebe Freunde, das ist nicht das Internet. Das Bild ist vom Wandmaler Klaus Paier, 30 Jahre alt, befindet sich in der Nähe vom Piratenbüro in Aachen und soll hier ausnahmsweise nur den Text auflockern.

Die Details, die wir bis jetzt herausbekommen konnten, haben sich aber interessanterweise im Laufe eines Tages, nach unseren konkreten Fragen hierzu, entscheidend verändert:

Vorher: Die Stadt Aachen bezahlt die Errichtung der Infrastruktur.

Nachher: Aachen hat mit der Infrastruktur nichts zu tun und stellt nur die Standorte zur Verfügung.

Vorher: Der Auftragsnehmer „mietet“ sie, vermutlich aber unentgeltlich.

Nachher: Siehe oben, es ist nichts mehr zu vermieten.

Vorher: Eine Bürgschaft war im Rahmen des Kooperationsvertrages vorgesehen.

Nachher: Ist keine Rede mehr von einer Bürgschaft.

Vorher: Der Vertrag läuft über mehrere Jahre, solange hat der Vertragspartner alleinigen Zugriff auf die Infrastruktur und damit ein Gebietsmonopol.

Nachher: Es ist nur eine Kooperation, andere Anbieter können ebenfalls auf die Standorte zugreifen und dort ihre Dienste anbieten.

Vorher: Die Verwaltung sagte, sie habe mit anderen Anbietern geredet.

Nachher: Das stellte sich als unzutreffend heraus. Andere Alternativen, wie Freifunk oder auch andere Dienstleister, wurden überhaupt nicht in Erwägung gezogen.

Vorher: Wir vermuten, der Internetzugang ist  mitnichten „frei“, sondern nur für eine begrenzte Zeit kostenlos. Danach ist eine Bezahloption vorgesehen. Das führt zu der Notwendigkeit einer Registrierung und verschiedenen datenschutzrechtlichen Problematiken.

Nachher: Wahrscheinlich bleibt es so, aber im Prinzip können die Anbieter machen, was sie wollen. Auch Freifunk wäre möglich.

Begrenzte technische Kompetenz

Die Vertragsverantwortlichen bei der Stadt und auch den Initiatoren bei den anderen Parteien besitzen offensichtlich begrenzte technische Kompetenz (Stichwort auch „Mobile Access“), so dass zu befürchten ist, einen für die Stadt sehr ungünstigen Vertrag bzw. Installation zu bekommen. Eine Einsicht in den Vertrag wurde uns zuerst zugesichert und dann doch wieder abgelehnt.

Udo Pütz, Fraktionsvorsitzender der Piraten im Rat  der Stadt Aachen. Das Bild entstand im Frühjahr.

Udo Pütz, Fraktionsvorsitzender der Piraten im Rat der Stadt Aachen. Foto: Archiv

Die uns heute bekanntgewordenen Änderungen zeigen alle in eine sehr positive Richtung und wir begrüßen sie sehr. Augenscheinlich wurden diese aber erst durch unsere Nachfragen herbeigeführt.

Wenn allerdings so grundlegende Änderungen noch so kurz vor einem Vertragabschluss gemacht werden, ist das Projekt offensichtlich nicht ausreichend vorbereitet worden. Wir halten den Abschluss der Kooperation am Mittwoch für verfrüht, auch wenn das Projekt ganz bestimmt wichtig ist und von uns prinzipiell unterstützt wird.

Wir Piraten fordern, den Kooperationsvertrag einem demokratischen Entscheidungsprozess zu unterwerfen und dabei technisch versierte Sachverständige einzubeziehen. Ein Projekt dieser Größenordnung sollte nicht, wegen einer Veranstaltung und PR Gerummel, übers Knie gebrochen werden.

Da uns dieses Thema sehr am Herzen liegt, werden wir weiterhin versuchen, alle Informationen zu bekommen und sie der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

* Wenn sie nicht wissen, was mit Freifunk gemeint ist: https://freifunk-rheinland.net

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Paten für junge Flüchtlinge gesucht, Folge 1

Minderjährige Flüchtlinge kommen zur Zeit in relativ großer Zahl in Aachen an. Man liest davon, man hört davon, man schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und kann nicht ruhig bleiben.

Fünf Jugendliche werden durchschnittlich täglich in Aachen aufgegriffen. Die bekommen eine Unterkunft (Heim oder Hotel), einen Vormund, sie können eventuell zur Schule gehen und müssen nicht verhungern. Es sind sehr selbstständige Jugendliche, fast alles Jungen. Sie sind durch Kriegserlebnisse traumatisiert, sind traurig und vermissen ihre Angehörigen.

Wird aus Mitteln des Europäischen Flüchtlingsfonds kofinanziert: Das Projekt "Aachener Hände".

Wird aus Mitteln des Europäischen Flüchtlingsfonds kofinanziert: Das Projekt „Aachener Hände“.

Als Minderjährige sind sie in Aachen in festen Strukturen aufgehoben. Doch wenn sie 18 Jahre alt und damit volljährig werden, sind sie gänzlich auf sich selbst gestellt. Diese Not hat man beim katholischen Sozialdienst (SKM) in der Heinrichsallee 56 gesehen und sich etwas überlegt. Die Sozialhelfer haben das bundesweit einzigartige Projekt „Aachener Hände“ ins Leben gerufen und nach langen Bemühungen und vielen Anträgen auch etwas Geld dafür von der Europäischen Union (EU) bekommen.

Die „Hände“, die den jungen Leuten gereicht werden, kommen von ehrenamtlichen Paten. Bei einem ersten Treffen mit Menschen, die sich vorstellen können, als Paten mit einem jungen Flüchtling einmal die Woche etwas zu unternehmen, ein Gespräch zu führen oder eine Behörde aufzusuchen, hatte man mit vielleicht fünf Interessenten gerechnet.

Was kam, war eine Flut von Menschen, fast alle schon ein wenig älter und mit Lebenserfahrung. Es kamen nicht 5, es kamen mindestens 80, der Zustrom hörte nicht auf, die Info-Veranstaltung musste in zwei Räumen stattfinden. Die veranstaltenden Damen vom SKM freuten sich sehr.

Es gibt in Aachen viele Menschen, die das Leid anderer rührt, die aktiv werden möchten und ihre Freizeit opfern. Man ist dabei über den SKM versichert, und was genau man zusammen mit dem jungen Flüchtling unternimmt, kann man mit diesem ganz allein entscheiden: Kino, Tierpark, Hangeweiher, Theater, Sport oder einfach eine Tasse Kaffee trinken gehen.

Zugeteilt werden den Paten nur junge Erwachsene, die schon eine Weile in Aachen sind und ausreichend Deutsch sprechen. Alle jungen Flüchtlinge sind sehr ehrgeizig und lernen die deutsche Sprache in rasender Eile. Viele sind gute und sehr gute Schüler. Doch oft wissen sie nicht, wie unsere Bürokratie funktioniert, und sehr oft wollen sie einfach mal mit einem Menschen sprechen oder nach langer Zeit noch mal erleben, wie es in einer Familie ist. Sie dürfen Aachen nicht verlassen, weswegen Paten, die beispielsweise in Vaals (Holland) oder Gemmenich (Belgien) wohnen nicht infrage kommen.

An dem Info-Abend wurden noch viele Fragen besprochen. Es gibt Weiterbildung und Treffen für die Paten, die Mitarbeiter vom SKM stehen als Anlaufstelle zur Verfügung. Es wird in mehreren Treffen geprüft, ob Flüchtling und Pate überhaupt zueinander passen und, und, und. Resümee: Alles weit weniger schwierig, als es auf den ersten Blick schien.

Mehr unter: www.aachener-haende.de

Zu Folge 2 geht es hier

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Aachen: Eine Stadt will ihre Bilder behalten

Regina Weinkauf hat die Bilder jeweils kurz nach der Entstehung fotografiert, Dieter Einkauf hat Fotos, Dokumente, Reden, Skizzen und Medienberichte in einem Buch zusammengefasst.

Regina Weinkauf hat die Bilder jeweils kurz nach der Entstehung fotografiert, Dieter Weinkauf hat Fotos, Dokumente, Reden, Skizzen und Medienberichte in einem Buch zusammengefasst.

Was die Rettung der Paier-Graffitis betrifft, stellt sich mir die Sache jetzt so dar: Das Interesse am Erhalt der Arbeiten von Klaus Paier ist erfreulich groß und wird noch immer größer. Und es haben sich schon seit vielen Jahren Privatleute darum bemüht, die einzigartige Kunst des Aachener Wandmalers in die Zukunft hinein zu retten.

Es wurden von Privatleuten, nicht von Mitarbeitern der Kulturverwaltung, Anträge gestellt, Briefe geschrieben und Mails, Kontakte wurden geknüpft, es wurde fotografiert, dokumentiert, es gab eine Foto-Ausstellung mit Dutzenden Interessierten bei der Eröffnung, es gab Führungen zu den Bildern, Presseberichte, und der WDR machte Filme. Denkmalschützer und ein Alt-

Drei große Berichte mobilisieren die Paier-Fans.

Drei große Berichte mobilisieren jetzt die Paier-Fans.

Oberbürgermeister engagierten sich, mit Worten, konnten aber nichts erreichen. Die Fan-Gemeinde von Klaus Paier ist nicht klein, aber leider ohne Einfluss. Ihr gehören übrigens auch Graffiti-Künstler an, die heutzutage sehr aktiv sind.

Viele haben nach den jüngsten Berichten in den Aachener Zeitungen Mails geschrieben, und Regina und Dieter Weinkauf – absolute Experten in Sachen Streetart und Kunst von Klaus Paier – haben sich die Zeit genommen, mir ein wenig aus den letzten Jahren zu berichten. Da stand mir wirklich der Mund offen vor Staunen. Am Ende zeigten sie mir noch eine Arbeit von Klaus Paier, die ich noch nie gesehen hatte. Mitten in Aachen befindet sich diese, aber so versteckt, dass sie die letzten 30 Jahre in einem recht guten Zustand überstanden hat.

Befindet sich sehr versteckt mitten in Aachen. Es geht um Menschen, auf deren Neigungen durch Operationen im Gehirn Einfluss genommen wird. In der Mitte sind ein Kopf, eine Spritze und eine Hand zu erkennen.

Befindet sich sehr versteckt mitten in Aachen: Es geht um Menschen, auf deren Neigungen durch Operationen im Gehirn Einfluss genommen wird. Gut  sind ein Kopf, eine Spritze und eine Hand zu erkennen.

Geschieht jetzt mit den letzten noch vorhandenen Bildern das, was Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre in Aachen in großem Stil geschah? Dass nämlich die Graffitis von Klaus Paier verschwinden?

Die Grünen in Gestalt von Hermann Josef Pilgram werden die Angelegenheit vor den Rat der Stadt bringen. Der Termin wird hier und auf verschiedenen anderen Info-Kanälen mitgeteilt. Vielleicht ist es ja sinnvoll, im Rat aufzulaufen und durch die Anwesenheit zu dokumentieren, dass ein massives Interesse am Erhalt der Bilder besteht. Für „Zwischen den Tagen“ und „Der große Krieg“ sieht sich entsprechend mündlichen Zusagen der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) in der Verantwortung. Hoffentlich sind das nicht nur leeren Worte gewesen.

Nebenbei gesagt ist es doch beachtlich, dass ein Mann wie Ex-Oberbürgermeister Kurt Malangré (CDU) quasi vom Saulus zum Paulus geworden ist und sich auch nicht zu fein ist, das zuzugeben. Er war einst mit der Vernichtung der Bilder sehr einverstanden. Hat sich im Ruhestand mit der Thematik nochmals intensiv befasst und ist zu der Erkenntnis gelangt, dass es ein Fehler war. Dass es sich um Kunst handelt, die erhalten werden muss.

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Schludriger Umgang mit den Werken heimischer Künstler

Das sieht alles gar nicht gut aus. Auch Klaus Papiers Arbeit "Es eilt" ist in einem erbärmlichen Zustand.

Das sieht alles gar nicht gut aus. Auch Klaus Paiers Arbeit „es eilt“ ist in einem erbärmlichen Zustand.

Ein weiteres, nachgerade berühmtes Paier-Graffiti ist in einem erbärmlichen Zustand, wie ich gestern wirklich zufällig, weil ich die Kaiserplatz-Baustelle besichtigen wollte, gesehen habe. Den Originalzustand seht ihr hier. Zum Glück hat Regina Weinkauf  vor vielen Jahren auch dieses Bild fotografiert. Ich schlage sie für das Bundesverdienstkreuz vor.

Ob die oben gezeigte Arbeit unter Denkmalschutz steht oder nicht und wem genau die Wand gehört, das weiß ich nicht. Und ich halte auch gar nichts davon, sich vorzunehmen, einfach Wände zu versetzen. Ich bin auch gar keine Graffiti- oder Kunstsachverständige. Ich interessiere mich für Politik und frage mich, was mit einer Kunstszene und einer Stadt los ist, die derart schludrig mit den Werken ihrer besten Künstler umgeht. Und: Interessieren sich die hiesigen Museumsleute nicht für Aachen und seine Kunst und Kultur? Der Umgang mit den Paier-Graffitis und die Nachlässigkeit im Fall K.O. Götz – das passt zusammen.

Das Presseamt teilt unterdessen mit: „Ein Abenteuerspielplatz wird (am 19. August. d. Verf.) zum Schauplatz für eine Fassadengestaltung der besonderen Art. Die bisher unansehnlichen Fassaden werden in einem offenen Workshop für Kinder und Jugendliche sowie erfahrene Sprayer gestaltet. Der Workshop und die Gestaltung werden vom Aachener Graffiti-Künstler „Lake13“ alias Lars Kessler geleitet.“ Schön.

Schön, dass neue Graffitis möglich sind und für Qualität gesorgt wird. Aber das heißt noch lange nicht, dass die „alten“ Graffitis vernachlässigt werden dürfen, zumal wenn sie denkmalswürdig sind. Auch das Alte gilt es sorgfältig zu pflegen. Ja sogar: Nur wer auch die alten Kunstwerke in Ehren hält, darf sich als  Förderer von Kunst und Kultur darstellen.

Beachtet auch den neuen Kommentar auf unserAC.de, https://www.unserac.de/initiativen/i/initiative/219.html

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„Ich hab’s gesehen“ – in der Galerie von der Milwe

Ihre Ausstellungsräume sind klein, doch ihre Liebe zur Kunst, zur zeitgenössischen Kunst natürlich, ist riesengroß. Marie Helene von der Milwe lädt schon seit mehreren Jahrzehnten immer wieder neu in ihre Galerie in Aachen, Kleinkölnstraße 1, zu Ausstellungen ein. Mit einem guten Gespür für angesagte Kunst, übrigens. Das macht  ihr – so progressiv und kontinuierlich – in Aachen keine einzige andere Galerie nach. Die Galerie von der Milwe ist keine Galerie im üblichen Sinne, es ist eine Aachener Institution. Ihre Existenz ist der Beweis, dass es in Aachen immer noch progressive Köpfe gibt, denen schwierige und schwierigste Kunst wichtig ist und die dieser etwas abgewinnen können.

Gestern wurde in der Galerie von der Milwe eine kleine Foto-Ausstellung mit dem Titel „Ich hab’s gesehen“ eröffnet. Zehn Künstler und Künstlerinnen zeigen jeder ein, zwei oder höchsten drei Arbeiten in der unteren Etage des schmalen Hauses und im Schaufenster. Es sind hauptsächlich schwarz/weiß Fotos. Eindrucksvoll: Algirdas Milleris fotografierte das Aachener Klinikum in einem Zustand, als nurmehr die Aufzugschächte in den Himmel ragten, sonst nichts. Und Eckhard Heck zeigt – ebenfalls in Schwarz/Weiß – die Berliner Mauer, hässlich und bizarr, wie sie nun mal war. Man erinnert sich mit leichtem Schaudern. Ja, so hat das da ausgesehen.

Klaus Dauven, der für seine Arbeiten weder Stift noch Pinsel zur Hand nimmt, ist mit zwei Fotos vertreten. In rasender Eile scheint dieser Künstler alle nur möglichen Formen des Abtragens von Schmutz und Patina  auszuprobieren. Man sieht immer wieder neue Variationen seines Verfahrens. Christian Blei befasst sich mit Raum und Licht. Er lässt auf seinen Fotos Natur wie Architektur aussehen. Bedrohlich, unromantisch, sehr modern ist sein Bild von der Natur.

Yukako Anno ist Meisterschülerin von Magdalena Jetelova. Sie hat sich mit einem kleinen Bagger und einem  großen Sandhaufen abbilden lassen. Das Foto, das Karl Peters (aus Düren) zur Ausstellung beisteuert, ist das Lieblingsbild der Galeristin, wie sie im Überschwang erzählt. Es zeigt eine Struktur, die aussieht, wie ein mehrgeschossiges Gebäude aus Beton, gerade eben in Gaza beschossen. Es ist aber ein Geflecht von einem Stuhl oder Sessel oder Sofa.

Weiter sind Arbeiten zu sehen von Christa Feuerberg, Reinhard Doubrawa, Christine Sommerfeld, die Meisterschülerin von Thomas Ruff ist, und von Heike Weber sowie Nannae Suzuki. Die Letztgenannte zeigt ein mehrdimensionales, kleines Foto, man denkt an ein Amphitheater. Dreht man aber das Bild um 180 Grad, erscheint das römische Pantheon mit seiner gewaltigen, offenen Kuppel.

Geöffnet ist die Ausstellung dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr und samstags von 12 bis 16 Uhr. Die Galerie ist auch im Netz vertreten unter http://www.galerie-von-der-milwe.de

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Reges Interesse an den Paier-Graffitis

Ein weiteres Graffiti von Klaus Paier, das sich in einem elenden Zustand befindet. Und auch hier ist der BLB zuständig und muss aktiv werden.

Eigentlich geht es hier nur um ein Bild mit dem Titel „Zwischen den Tagen“. ABER: Ein weiteres Graffiti von Klaus Paier befindet sich in einem elenden Zustand. Und auch hier ist der BLB zuständig und muss eigentlich aktiv werden.

Immerhin 15 Personen interessierten sich in Aachen Anfang der Woche, also quasi mitten in den Sommerferien, für ein Graffiti, das gerettet werden soll. Mehr oder weniger spontan war zu der Zusammenkunft aufgerufen worden,  mindestens ein Dutzend Leute musste absagen – wegen Urlaub oder anderer Termine.

Um es vorweg zu sagen: Die Chancen stehen gut, es gibt eine Zusage, dass die Arbeit von Klaus Paier unter Denkmalschutz gestellt wird. Und zwar möchte sich die Bezirksregierung ins Zeug legen. Steht das Bild einmal unter Denkmalschutz, darf es nicht vernichtet werden. Aber wer restauriert es? Dazu finden derzeit Gespräche statt, über die hier noch berichtet wird.

Erfreulich: Vertreter von SPD, FDP, Grünen und Piratenpartei aus Aachen zeigten vor Ort reges Interesse an „Zwischen den Tagen“ und seiner Rettung. Insbesondere die Grünen planen etwas, man wird die nächste Sitzung des Kulturausschusses besuchen müssen (Termin wird hier bekannt gegeben). Der WDR brachte noch am selben Tag einen rundum gelungenen Beitrag in seiner Aktuellen Stunde. Auch die beiden Tageszeitungen waren vor Ort . . .  mit Fotograf Andreas Herrmann, der sich in Kürze aufmachen wird zu den anderen Aachener Graffitis von Klaus Paier, um einmal nachzuschauen (und hoffentlich zu dokumentieren) wie es denen geht. In grauenvollem Zustand ist nebenbei bemerkt eine Arbeit, die sich im Bereich Pontstraße/Augustinerbach befindet. Titel: „Der große Krieg“.

Nahaufnahme. Wie kommt das Moos auf das Bild?

Nahaufnahme. Wie kommt das Moos auf das Bild?

Diese beiden Graffitis sind gut und gerne 30 Jahre alt. Sie „gehören“ der RWTH, vermutlich, weil der die Wände gehören, auf denen sich die eindrucksvollen Arbeiten befinden. „Der große Krieg“ steht übrigens bereits unter Denkmalschutz. Mit der RWTH steht auch der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) in der Pflicht, sich um die Graffitis zu kümmern. Der BLB unterhält eine Niederlassung in Aachen. Wie es sich mit den Verantwortlichkeiten ganz genau und im Einzelnen verhält, muss noch herausgefunden werden.

Zurück zum Treffen: Verabredet wurde, dass alle weiteren Infos und Treffen über die Seite www.unserAC.de laufen sollen. Hier klicken.

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Was ist uns wertvoll? Was wollen wir erhalten?

Wertvoll in Aachen sind nicht allein die in Rathaus, Dom und Centre Charlemangne ausgestellten Kostbarkeiten. Zu dem, was in Aachen wertvoll ist, gehört auch dieses Bild von Klaus Paier. Kann es gerettet werden?

Wertvoll in Aachen sind nicht allein die in Rathaus, Dom und Centre Charlemagne ausgestellten Kostbarkeiten. Zu dem, was in Aachen wertvoll ist, gehört auch dieses Bild von Klaus Paier. Kann es gerettet werden?

 

Wer einen Text über Klaus Paiers Bild „Zwischen den Tagen“ sucht, dem wird ein Klick auf diesen Link schon weiterhelfen:

https://www.unserac.de/initiativen/i/initiative/219.html

Hier gibt es ebenfalls sehr interessante Infos. Ein schöner Text:

http://www.unser-aachen.com/beiträge/zwischen-den-tagen/

Klaus  Paier  ist natürlich ebenfalls in der Wikipedia vertreten

http://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Paier_(Graffiti-Künstler)

So sah das Bild kurz nach seiner Fertigstellung aus:

http://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Paier_(Graffiti-Künstler)#mediaviewer/Datei:Ac_zwischen_den_Tagen.jpg

Wer weitere Graffiti sehen möchte, muss hier klicken:

http://dieter-weinkauf.jimdo.com/klaus-paier-aachener-wandmaler/

Klaus und sein Freund Josef sind hier abgebildet:

http://www.falschnehmung.de/fotografisches/wandmalerie-graffiti/klaus-paier/

Heute, 12. August, ist um 17 Uhr ein Treffen vor dem Bild. Dort wird überlegt, was zu tun ist. 🙂

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Jetzt habe ich zu Übungszwecken eine Galerie gebastelt

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