Blick nach Frankreich

Angesichts von Demonstrationen, die sich gegen die Pandemie-Beschränkungen richten, ist es angebracht, einmal den Blick nach Frankreich zu lenken. Hier wahllos aneinandergereiht einige Vergleiche:

Es fällt auf, dass selbst die Mitglieder der rechtsradikalen Le-Pen-Partei von Anfang an dafür waren, Masken zu tragen. Demgegenüber war bei uns bisher der Befehl „Maske runter“ in jeder Stadt zu hören, wo die Ultrarechten auf die Straße gingen. Bei uns erfanden Corona-Skeptiker sogar Geschichten von Menschen, die angeblich wegen einer Maske erstickt sein sollen. 

Die Beschränkungen in Frankreich sind viel härter als in Deutschland. Schon seit Mitte Oktober gibt es dort in den Städten eine nächtliche Ausgangssperre. Man muss sich eine Bescheinigung ausfüllen, wenn man tagsüber nach draußen geht. Masken zu tragen und zwar überall draußen, das ist dort schon viel länger Pflicht als bei uns. Wir erleiden im Vergleich (bisher) viel mildere Einschränkungen als die Franzosen. 

Es fällt auch die große Macht auf, die Präsident Macron zweifellos hat. Er kann letztlich allein entscheiden, ob es einen totalen Shutdown gibt, alle Geschäfte geschlossen werden. Quasi von jetzt auf gleich entscheidet er, und eine Stunde später ist alles dicht, kein Oberbürgermeister oder sonstiger „Landesfürst“ kann da was dran ändern. Krass. Absolut sehr krass, das möchte man so lieber nicht erleben. Im Vergleich: Angela Merkel kann genau nichts vorschreiben (würde aber jetzt gerade gern so viel Macht haben). 

Wie sonderbar: Angesichts viel milderer Maßnahmen in Deutschland schreien bei uns Leute „Diktatur“ und gehen auf die Straße. Wann gehen die Franzosen zu Tausenden auf die Straße? Wenn es um die Pressefreiheit geht.

Als nach brutalen Einsätzen von Polizisten, die von Bürger*innen gefilmt wurden, die Polizei nicht mehr gefilmt werden durfte, merkten tausende Franzosen, dass ihre Freiheitsrechte beschnitten werden sollten. Das neue Anti-Video-Gesetz liegt seitdem auf Eis.

So kann man noch viel vergleichen. Auffallend ist zuletzt, dass in Frankreich in 2020 bisher deutlich mehr Menschen an und mit Corona gestorben sind als bei uns. Das Land beklagt jetzt 57.000 Tote, s. hier
Bei uns sind es knapp 600 Tote täglich, das sind mindestens zwei Flugzeugabstürze täglich, die wir bisher hingenommen haben. Und übrigens: Bei Flugzeugabstürzen, oder wenn eine Fähre versinkt (jeden Tag eine volle), dann sagt man auch nicht, „ja . . . diese Menschen hatten doch sowieso alle Vorerkrankungen, die hätten sowieso nicht mehr lange gelebt“. 

Derartige Sprüche habe ich in Aachen allerdings tatsächlich gehört. 

Für mehr Infos: In der neuen Folge der „Lage der Nation“ gibt es ein Interview mit Nadia Pantel, das ihr euch anhören solltet. Außerdem: Folgt dieser Frankreich-Korrespondentin (SZ) auf Twitter.

Die passende Musik zur Lage (von wegen fun):

Über AachenNews.org

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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